03 März 2015

3. März, 2015  |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Die Trade Deadline steht seit etwas über einer Woche in den Geschichtsbüchern. Spieler haben sich bei ihren neuen Teams eingefunden und erste Eindrücke hinterlassen. Zeit für ein Fazit der wichtigsten Geschehnisse des 19. Februars. Tiago Pereira, Philipp Landsgesell, Torben Siemer, Philipp Rück und Daniel Schlechtriem ziehen Bilanz. 


1.  Phoenix ist der Verlierer der Deadline und hat keine Chance mehr auf die Postseason.

Tiago Pereira @24Sekunden: Um sich Verlierer der Trade Deadline schimpfen zu können muss entweder JaVale McGee in den eigenen Reihen stehen oder Michael Carter-Williams. Beide Kelche sieht Ryan McDonough an sich vorbei ziehen. Dass sich nach der Deadline weder Goran noch Zoran Dragic im Kader der Suns befinden, ist bedauerlich. Dennoch darf der Trade, der die beiden Slowenen in Pat Rileys Arme führte nicht als Paniktrade abgestempelt werden. Goran wollte nach Miami, oder Los Angeles, und die Suns wollten nicht leer ausgehen. Mit Brandon Knight steht qualitativer Ersatz prompt parat. Die Guard Rotation aus Bledsoe und Knight verspricht weiterhin Spektakel, und liese sich nebenbei deutlich unharmonischer mit Carter-Williams. Strebt Knight jedoch wirklich im Sommer einen Max Contract an, könnte das Heulen in der Wüste groß werden. Die Playoffs scheinen nach dem Trade nicht näher zu rücken, aber in der Außenseiterrolle lebt es sich angenehm im Westen.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die Suns ernten, was sie gesät haben: Thomas geholt, Bledsoe für großes Geld verlängert – das hat Dragics Abgang mehr oder minder unvermeidlich gemacht und zusätzlich den Preis für den Slowenen gedrückt. McDonough muss sich fehlende Weitsicht vorwerfen lassen, hätte er vor der Saison gehandelt, wäre der Gegenwert definitiv höher und Platz acht vielleicht drin gewesen. Brandon Knight ist zwar nicht die schlechteste Akquisition, der Kader aber immer noch unausgewogen, vor allem im Frontcourt mangelt es an Qualität. Solche Defizite lassen sich im Westen nicht kaschieren, seit der Deadline muss sich OKC um die Playoffs keine Sorgen mehr machen. Was die Picks der Heat wert sind, ist heute noch nicht ermittelbar. Dass es ein schwerer Fehler war, den der Lakers abzugeben hingegen schon.

Philipp Landsgesell @Phillyland: Das Management der Suns hat sich das Problem selbst eingebrockt. Isaiah Thomas im Sommer zu verpflichten war an sich keine doofe Entscheidung, aber wenn bereits zwei sehr gute Point Guards im Kader stehen, war der Ärger vorprogrammiert. NBA Spieler sind kleine Diven, die ihre beste Position spielen wollen. Dragic musste seiner Meinung nach zu oft auf die Shooting Guard Position ausweichen, was ihm sichtlich nicht gefiel und sich auch statistisch wiederspiegelte. Mit Brandon Knight und Eric Bledsoe verfügen die Suns zwar über ein netter Backcourt, aber der Frontcourt, schon vor der Deadline die Schwachstelle der Suns, wurde nicht behoben. Dazu wurde mit dem wertvollen Lakers-Pick ein wertvolles Asset abgegeben. Keine Playoffs in der Wüste.

Torben Siemer @lifeoftorben: Goran Dragic und Isaiah Thomas sind weg, Brandon Knight und drei First-Round-Picks sind da. Dragic will sein eigenes Team führen und hatte keine Lust auf mehr auf die Arbeitsteilung in Arizona, Thomas hat innerhalb eines halben Jahres offenbar das zweite Team gegen sich aufgebracht. Brandon Knight will im Sommer bezahlt werden, passt aber als gut aus der Distanz treffender Combo Guard gut ins System der Suns. Aktuell ist man Zehnter, hat aber die Thunder im direkten Duell besiegt und liegt jetzt (Freitag Abend) 1,5 Spiele hinter Platz acht. Die Chance besteht, wenn das neue Team sich findet und Thunder (und Spurs?) hier und da Federn lassen. Es sind noch 23 Spiele, 19 Erfolge braucht man für 50 Siege.

Philipp Rück @76ersDrJ: Diese These würde ich so pauschal nicht bejahen. Der Deal für Dragic war ein guter, aber keiner, der ihnen in ihrer jetzigen Situation weiterhilft. Dennoch hat es spielerisch und menschlich mit den drei Ballhandlern (Bledsoe, Dragic, Thomas) nicht so funktioniert, wie sie sich das vorgestellt haben. Mit Knight kommt aber jetzt nicht nur ein Spieler, der dieses Jahr wirklich hervorragend spielt, sondern auch jemand, der sehr gut nach Phoenix passt. Er hat einen guten Dreier und agiert off-Ball sehr verlässlich. Die Verlierer der Deadline sind sie aber indirekt deshalb, weil OKC einer der Gewinner ist und als direkter Konkurrent nicht mehr von den Playoff-Plätzen zu verdrängen sein wird.


2. OKC hätte sich für Brook Lopez statt Enes Kanter entscheiden sollen.

Tiago Pereira: Ich bin an einem Punkt angelandet, an dem ich die Personalpolitik der Oklahoma City Thunder nicht mehr nachvollziehe. Seit dem Sommer stehen für die Thunder folgende Top Transfers zu Buche: Anthony Morrow (Free Agent), Dion Waiters (Trade) und Enes Kanter (Trade). Sam Hinkie hätte die gleichen Entscheidungen treffen können und alle Anti-Tanking Befürworter wären Sturm gegangen. In Oklahoma City hingegen sollen diese Akquisitionen Titeljagd ausstrahlen. Die Frage ob Lopez oder Kanter ist eine einfach Warum-Frage. Warum überhaupt einen von beiden?! Erst wagt an diese Saison den lange ersehnten Schritt und bringt Kendrick Perkins von der Bank und lässt Steven Adams reifen, dann hat man die Chance auf den physisch fragilen All Star Brook Lopez, nur um ich dennoch für das ewig Langzeitprojekt Enes Kanter zu entscheiden. Beide Möglichkeiten rührten die Fangemeinde der Thunder zu Trauertränen. Lopez wäre für mich die „bessere“ Alternative gewesen, da er mehr Win-Now Mentalität ausstrahlt als Kanter.

Daniel Schlechtriem: Lopez hätte den Thunder sicher besser zu Gesicht gestanden, seine Verlängerung wäre aber ein teures Vergnügen geworden. Die Player Option über 17 Mio. $ wird er sich kaum entgehen lassen. Von Enes Kanter bin ich nicht überzeugt. Talentiert, aber immer noch roh, am Salzsee nie die Erwartungen erfüllt. Speziell in der gegenwärtigen Situation wäre Presti mit Erfahrung und Routine besser gefahren. Die Thunder müssen Kevin Durant 2016 ein schlagkräftiges Team zur Seite stellen, sonst ist er weg. Das bedeutet, man kann nicht ewig Talente ausbilden, um sie dann – wie jetzt Jackson – unter Marktwert abgeben. Lopez wäre eine Risiko gewesen, eine Art All-In. Aber vielleicht braucht OKC genau das für den großen Wurf.

Philipp Landsgesell: Müsste ich mich zwischen Kanter oder Lopez entscheiden, würde ich klar den Net bevorzugen. Doch durch Kanter und den Trade von Reggie Jackson nach Detroit haben die Thunder zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Thunder bekommen sofort Hilfe im Frontcourt durch den Türken, aber auch mehr Tiefe auf der Bank durch Augustin und Singler. Daher werden die Verantwortlichen in Oklahoma City den Deal vorgezogen haben. Die Verletzungsanfälligkeit von Brook Lopez ist eine ganz andere Geschichte.

Torben Siemer: Puh, gute Frage. Defensiv reißen beide wahrlich keine Bäume aus, Kanter ist 22 und wird im Sommer Restricted Free Agent, Brook Lopez ist 26 und im Sommer 2016 Unrestricted Free Agent. Gehaltstechnisch war es wesentlich einfacher, Kanter zu holen – Perks Zeit in Oklahoma war vorbei, mit Kanter, Adams und McGary hat man jetzt ein junges Trio auf der Fünf. Dazu ist Lopez andauernd verletzt. Selbst wenn Kanter im Sommer bezahlt werden will, der Cap wird 2016 massig steigen und sein Deal prozentual deutlich weniger einnehmen als 2015/16. Ein weiteres Pro-Argument für Kanter ist, dass er sich hinter Durant und Westbrook einordnen wird, während Lopez wohl eine Top-Rolle einfordern würde. Vor allem aber die monetären Aspekte geben für mich im Sinne der knausrigen Thunder den Ausschlag: Kanter war die richtige Wahl.

Philipp Rück: Im Vakuum betrachtet: ja, natürlich. Lopez ist offensiv noch besser als Kanter und auch defensiv ein Upgrade. Versteht mich nicht falsch, Lopez ist kein guter Verteidiger, aber Kanter gilt als einer der miesesten Pick'n'Roll Verteidiger der Liga. Für ein System, das OKC defensiv erfolgreich spielt, wäre dies absolutes Gift. Lopez hätte besser gepasst. Aber wir wissen ja nicht, was das genaue Angebot war, und welche weiteren Gründe es gegeben haben könnte für ein Umdenken bei Presti. Gerüchten zufolge wollte Lopez auf sein letztes Vertragsjahr verzichten, was anscheinend eine Bedingung für die Thunder gewesen wäre. Wenn also dann das Gesamtpaket dann nicht mehr so eindeutig in einer Richtung zu favorisieren ist, kann ich die Entscheidung nachvollziehen. Beide Deals hatten ein gewisses Risiko. Bei Lopez ist es die Neverending-Story mit seinem Fuß, bei Kanter weiß man immer noch nicht genau, was man sportlich bekommt.

3. Kevin Garnett ist die wichtigste Addition für die Zukunft der Wolves.

Tiago Pereira: Ehe Kevin Garnett die Zukunft der Wolves (spielerisch) ist, wird dieser Coach. Also nein. (Buchstabiert: H-E-L-L-N-A-H). Dennoch bin ich äußerst euphorisch Garnett in seiner alten Wirkungsstädte zu sehen. Bei all den jungen Draftpicks mangelt es den Timberwolves vor allem an einer Führungspersönlichkeit. Die ist Garnett. Er mag zwar nicht die Leistung auf den Platz anheben, aber dafür lehrt er den Jungstars das Geschäftsleben der NBA. Mental den Schritt Richtung Verantwortung und Erwachsensein zu gehen gelingt nicht jedem Multimillionär Anfang Zwanzig, schon gar nicht ohne ein Vorbild. Kleinigkeiten, wie die richtige Verhaltensweise mit Medien und Mitspielern, oder der Drang nach den Playoffs zu streben, kann Garnett mit seinen letzten Atemzügen den jungen T-Wolves noch vermitteln.

Daniel Schlechtriem: Sportlich werden die Wölfe keine Wunderdinge erwarten. Den KG, der sie 2007 Richtung Boston verlassen hat, gibt es schon lange nicht mehr. Jedoch sorgt allein die Präsenz des einstigen Helden auf den Rängen und auf dem Parkett für die positive Grundstimmung, die Minnesota braucht, um in dieser schweren Phase Schritte nach vorne zu machen. Wiggins, Dieng, LaVine, Muhammad – sie alle werden allein schon enorm davon profitieren, Garnett jeden Tag in der Trainingshalle beobachten zu dürfen und seine Einstellung vorgelebt zu bekomen. Sollte er später tatsächlich in den Coaching Staff oder gar in die Eigentümerlouge umsatteln, sind die Vorzeichen auf eine goldene Zukunft im Land der 10 000 Seen so gut wie lange nicht mehr. Nach vier Jahren David Kahn hätte sich das diese Franchise redlich verdient.

Philipp Landsgesell: Kevin Garnett wird zwar den jungen Spielern in Minnesota extrem weiterhelfen und auch, wenn nötig, in den Hintern treten, aber die wichtigste Addition der Wolves haben wir bereits im Sommer erlebt: Andrew Wiggings. Der 20-jährige spielt eine außerordentlich gute Saison in Minneapolis, ist der Franchise Player der Wolves und ist offensiv schon viel besser, als erwartet.

Torben Siemer: Kevin Garnett nach Minnesota, Thad Young nach Brooklyn. Sportlich hat der Deal in meinen Augen keinen Wert für die Wolves – wobei, Garnett spielt weniger Minuten als Young, heißt mehr Zeit für Dieng, für Bennett. Überall liest man, KG bringe ‚work ethic‘ nach Minneapolis, bringe Intensität, Antrieb und eine Gewinner-Mentalität in den Locker Room der Wolves. Aber Andrew Wiggins kommt grad aus sich heraus, deutet an weshalb er seit Jahren so hoch gepriesen wird. Ricky Rubio ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke und soll zum Leader des Teams. Beschleunigt Garnett diesen Prozess oder behindert er ihn? Ich weiß es nicht, ich bin zwiegespalten. Vor allem, weil jetzt Gerüchte auftauchen, dass er noch ein oder zwei Jahre weiterspielen will. Und zurück zu den Wolves wäre er doch nach Ende seiner Karriere gekommen.

Philipp Rück: Wenn es in Minnesota fortgeschrittene und bewiesen Studien zur Klonforschung gibt, dann ja. Dann könnten sie sich ihren Franchiseplayer von klein an selbst züchten. In allen anderen Fällen wird die Verpflichtung nur eine kleine Randnotiz sein. Ich halte den Einfluss eines solch alten Haudegens für überbewertet. Trainiert wird in der NBA wenig, Garnett hat geringe Spielzeit, beibringen wird er ihnen also wenig. Wenn er in der Offseason noch zum Team gehört und dort v.a. LaVine und Wiggins wichtige Tipps und Tricks weiter reichen kann, wäre das der größte Gewinn aus der Verpflichtung. Moment, eins können sie doch jetzt schon von ihm lernen: den besten Illegal Screen der NBA-Geschichte.



4. Reggie Jackson wird in Detroit explodieren und mit den Pistons einen Playoff-Rang erobern.

Tiago Pereira: Im Osten werden keine Playoff-Ränge erobert. Sie werden abgeschenkt. Freiwillig. Detroit ist einen Sieg von Platz acht entfernt, ebenso wie Charlotte, Boston und Brooklyn. Es herrscht somit Konkurrenzdruck, aber dieser beschränkt sich auf die Quantität an Rivalen, nicht deren Qualität. Realistisch erscheinen daher 35 Siege um die Playoffs zu erreichen, wozu Detroit 12 der nächsten 24 Spiele gewinnen müsste. Das ist mit Reggie Jackson als Point Guard machbar. Aber ich habe Zweifel daran, dass er das Team in der Alphatierrolle, in der er sich sieht, erfolgreich führen kann. Wenn es Stan van Gundy es schafft, aus Jackson den Point Guard zu machen, der er verspricht zu sein, dann wird, nach fünfjähriger Abstinenz, im Palace of Auburn Hills wieder Playoff Basketball gespielt.

Daniel Schlechtriem: Ja und Nein. Jackson hat in OKC zu Beginn der Saison, in Abwesenheit der beiden All-Stars, unterstrichen, zu was er mit entsprechender Spielzeit und Verantwortung imstande ist. Stan Van Gundy hätte – wohlwissend, dass er Jackson im Sommer nur mit großen Scheinen in Detroit hält – diesen Deal nie getätigt, sähe er von seinem Aufbau nicht einen der Eckpfeiler der Zukunft seines Teams. In der Motorstadt erhält Jax (24) die riesige Chance mit Drummond (21), Monroe (24) und Caldwell-Pope (22) zu einer Einheit zusammenzuwachsen, ähnlich wie es bei seinem alten Team Durant, Westbrook und Ibaka gelang. Wenn das eintritt, sind die Pistons wieder eine Macht. Aber noch nicht dieses Jahr: Die beiden offenen Plätze im Osten machen Miami, Brooklyn und Indiana unter sich aus, Außenseiterchancen für Charlotte.

Philipp Landsgesell: Reggie Jackson wird bis zum Sommer definitiv aufblühen. Viel Konkurrenz auf der Guard Position hat er ja nicht wirklich. Für einen Platz in den Playoffs wird es vermutlich doch nicht reißen, da ich die direkten Konkurrenten Miami, Charlotte und Indiana als deutlich stärker einschätze.

Torben Siemer: Im ersten Spiel für die Pistons ist ja erstmal sein Magen explodiert, so sehr hat sich der von den Qualen in Oklahoma City erlöste Point Guard über seine neue Rolle als Starter gefreut. Aber wischen wir das mal sprichwörtlich beiseite – Brandon Jennings fällt den Rest der Saison aus, DJ Augustin wurde für Jackson zu den Thunder geschickt: hinter Jackson also geben John Lucas III (das ist der, der vor allem durch einen Dunk, bei dem LeBron komplett über ihn sprang, bekannt ist) und Rookie Spencer Dinwiddie die Backups. In der Nacht auf Samstag verlor man zuhause nach doppelter Overtime gegen ein Team, dessen Starter auf der Eins auf den Namen Langston Galloway hört. Viele Worte um wenig Inhalt, deshalb jetzt kurz und knapp: Nein, die Pistons verpassen die Playoffs. Jackson hat in letzter Zeit aufgrund verschiedenster Umstände selten überzeugt, das muss er jetzt erstmal zeigen. Aktuell sind die Pistons Letzter im Cluster um die Plätze sieben bis zwölf, den Sprung in die Postseason sehe ich nicht.

Philipp Rück: Kann ich mir nicht vorstellen, dass dies passieren wird. Jacksons Spiel ist eigentlich dafür prädestiniert, ineffizient zu sein. Mit mehr Würfen, die er in Detroit zweifellos erhalten wird, wird man normalerweise auch ineffizienter als er es in Oklahoma City war. Jackson sollte nicht die erste Scoring-Option eines Playoff-Teams sein, und schon gar nicht bei einem Team, dass durch zwei Big Men (und Neu-verpflichtung Prince) wenig Spacing liefert. Dennoch könnte es zur „Exolplosion“ seiner traditionellen Stats kommen, wenn er mit gigantischer Usage Rate Wurf um Wurf nimmt. Für die Playoffs wird es dafür nicht reichen, aber womöglich zu dem großen Vertrag, den er sich so wünscht.

5. Die Bucks haben überreagiert: Michael Carter-Williams wird Brandon Knight nicht adäquat ersetzen können.

Tiago Pereira: Michael Carter-Williams ist einer von zwei Spielern, die in ihren ersten beiden Spielzeiten es nicht schafften, bei 34 Minuten Spielzeit, 40% aus dem Feld und 70% von der Freiwurflinie zu werfen. Der andere Spieler ist Jason Kidd. Ob MCWs neuer Coach nostalgisch wird, wenn sein neuester Schützling einen Backstein nach dem anderen wirft, ist fraglich, gerade bei der überraschend guten Tabellenplatzierung der Bucks. Die Entscheidung für Carter-Williams wurde aus der Not geboren, als das Management der Bucks Angst vor einer Überbezahlung von Brandon Knight bekam. Dass man für einen Dunstkreis All-Star, wie Knight es diese Saison ist, nichts Besseres als MCW heraus schlagen konnte, ist tragisch und zeigt die Denkweise der Bucks auf. Man ist besser, als man sein möchte dieses Jahr. Das Geld soll heute für die Stars von morgen (Giannis und Jabari) gespart werden, und nicht in einen Eintags-All Star investiert werden. Von adäquatem Ersatz kann daher keine Rede sein und wird es wohl auch in Zukunft nicht.

Daniel Schlechtriem: Ich verstehe Hammond und Kidd nicht. Aus der Ferne war das in der Tat ein unüberlegter Schnellschuss. Knight spielt eine starke Saison und ist wesentlich verantwortlich für die überraschend starke Platzierung der Hirsche. Im Sommer muss er bezahlt werden, das wäre bei den sonst übersichtlichen Gehaltskosten locker drin gewesen, erst recht wenn man sich die Dichte an Point Guards in der Liga vergegenwärtigt und sowieso versuchen sollt,am Draft-Abend Mayo oder Ilyasova irgendwie schadlos aus den Büchern zu kriegen. Warum also Knight abgeben? Mit Carter-Williams geht Milwaukee ein großes Risiko. Bester Rookie hin oder her: Es bedarf einiger Privatstunden mit seinem neuen Coach und einem Wurftrainer, bevor er auch nur ansatzweise an das heranreicht, was Knight den Bucks in diesem Jahr gegeben hat. Vielleicht haben sie es ja auch heimlich eigentlich auf Tyler Ennis abgesehen.

Philipp Landsgesell: Als Sixers-Fan fand ich den Abgang von Micheal Carter-Williams schade, aber mehr aus persönlicher statt sportlicher Sicht. Die NBA ist eine Liga der Aufbauspieler und du musst als besserer Aufbauspieler einfach den Dreier in deinem Repertoire haben. Die Bucks setzen darauf, die Schwachstelle nicht so deutlich zum Vorschein kommen zu lassen, oder dass er seine erste volle gesunde Offseason dazu nutzt, um an seinem Wurf zu arbeiten. Finanziell ergibt der Deal durchaus Sinn. MCW ist noch in seinem Rookie Vertrag, während Knight im Sommer zum Restricted Free Agent wird. Knight spielt eine super Saison und trifft knapp 40% aus dem Feld und ist sogar noch ein Jahr jünger als MCW. Die Bucks haben sich durch den Trade für diese Saison klar verschlechtert.

Torben Siemer: Adäquat ersetzen, was heißt das überhaupt? Wollten die Bucks einen Spieler, der Brandon Knight eins zu eins ersetzt? Ich denke nicht, denn dann hätte man ihn wohl behalten und im Sommer bezahlt. Da übrigens liegt meiner Meinung nach der Grund, weshalb sie ihn abgaben: Für Milwaukee ist Knight nicht der Point Guard ihrer Zukunft, im Angriff fordert er für eine Offensive, die bald vor allem auf Giannis Antetokounmpo und den Rückkehrer Jabari Parker ausgerichtet werden soll, zu viele Würfe für sich selbst ein. Ob MCW da jetzt die Lösung ist, ist eine andere Frage. Aber: Jason Kidd liebt polyvalente Spieler, im Lineup mit Carter-Williams, Antetokounmpo, Middleton, Dudley und Pachulia/Henson kann jeder Spieler mehrere Positionen verteidigen. Vielleicht sieht Kidd in MCW sich auch ein bisschen selbst in frühen Jahren: Einen langen Guard mit gutem Auge und kaputtem Wurf. Ich bin einfach mal gespannt, wie sich der Rookie of the Year 2014 in einem Team mit Postseason-Ansprüchen macht und was Jason Kidd da in Wisconsin ausheckt.

Philipp Rück: Nein, nein, nein. Ich verstehe den Trade bis heut überhaupt noch nicht und kann ihm nichts Positives abgewinnen. Die Bucks sind eine der Überraschungen der Saison durch gutes Coaching und einer elitären Defense. Die Offensive war aber selbst mit einem guten Offensivspieler wie Brandon Knight (56 % TS, 40 % 3er bei fünf Versuchen) nur unterer Durchschnitt. Und diesen ersetzt man jetzt mit einem der nachweislich schlechtesten Offensivspieler der Liga. Der Angriff wird dadurch zwangsläufig schlechter, ergo werden sie sich auch insgesamt verschlechtern. Und warum? Weil man im Sommer Geld sparen möchte? Wenn das der Grund ist, müssen sich die Bucks nicht wundern, wenn sie sich langfristig dort wiederfinden, wo sie gefühlt schon immer waren: im Mittelmaß.