12 März 2015

12. März, 2015  |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Die reguläre Saison geht bei noch fünf ausstehenden Wochen in ihre letzte Stadionrunde. Im Osten bewegt sich das Playoff-Rennen lange nicht so lichtgeschwind. Dafür ist der Positionskampf ab Platz drei genauso spannend wie in der Western Conference. Marc Lange, Chris Schmidt, Philipp Landsgesell, Torben Siemer und Philipp Rück haben sich auf der Lower East Side umgesehen. 


1. Die Chicago Bulls ohne Derrick Rose und Jimmy Butler sind...

Chris Schmidt @ChrisSchmidt27: ... immer noch ein legitimer Titelkandidat. Denn die Verletzungen der beiden sind wohl zu den Playoffs auskuriert und somit muss man mit den Bulls voll und ganz rechnen. Denn neben Butler, der definitiv eine MIP-Saison spielt, und Rose hat Chicago ja einen tiefen Kader zusammengestellt, der für sowas gerüstet ist. Dabei fallen vor allem Rookie Nikola Mirotic (im März: 20,1 PPG und 8,6 RPG) und Alt-Star Pau Gasol (im März: 18.0 PPG und 12.7 RPG) auf. Beide liefern eine richtig starke Saison ab und sind der Grund, warum Chicago auch mit Verletzungen noch eine große Rolle im Osten spielt.  Auch wenn man den zweiten Platz an die Cavs abgibt, bleiben die Bulls ein Team, welches in der Eastern Conference jederzeit einen tiefen Playoff-Run starten kann.

Marc Lange @godzfave44: ... immer noch eine gute Mannschaft. Für den Osten. Man könnte die Bulls eigentlich auch „die Kompensierer“ nennen, weil sie es trotz alljährlichem Verletzungspech ihrer Stars stetig schaffen oben mitzuspielen. Ein ernsthafter Title-Run wäre ohne Rose und Butler allerdings utopisch.

Philipp Landsgesell @Phillyland: ... Im Osten immer noch gut für den Heimvorteil in der Postseason. Die Bulls bleiben auch mit den beiden Verletzten,  ein großes Rätsel, zu unkonstant spielen sie in dieser Saison. Vom Ausscheiden in der ersten Runde, bis zum Einzug in die Conference Finals, halte ich alles für möglich.

Torben Siemer @lifeoftorben: ... Ach Mann! Rose, Noah, Butler – irgendwas ist immer. Butler kehrt wohl spätestens zu den Playoffs zurück, Rose plant das nach seinen Aussagen der letzten Tage auch. Der Division-Titel ist aber weg. Die Bulls machen mich traurig und das leider alljährlich. Formschwankungen zeigen aber im Osten momentan fast alle Teams außerhalb der Top zwei, der Heimvorteil für Runde eins dürfte also weiter drin sein. Immerhin etwas.

Philipp Rück @76ersDrJ: ... ein Mysterium. Ich hab nicht die leiseste Ahnung, wie ich die Bulls einschätzen soll. Der Ausfall Derrick Roses ist nicht so schlimm, weil er dem Team offensiv sogar eher geschadet als geholfen hat. Aber MIP Jimmy Butler spielte eine exzellente Saison (ORtg 122), sodass sein Ausfall sehr schwer wiegen sollte. Aber dann kommen zwischendurch immer wieder die Statement Siege gegen die Cavs, die Warriors und Co. Die Zahlen seit Februar deuten aber darauf hin (NetRtg -2,8), dass das Team in dieser Zusammensetzung ohne Jimmy Buckets einen eher langen Sommer vor sich haben wird. Ihn brauchen sie unbedingt zurück.

2. Die Washington Wizards in 2015 sind...

Chris Schmidt: ... genau so schlecht wie die Toronto Raptors. Während die Zauberer in dieses Jahr mit 14 Siegen und 19 Niederlagen gestartet sind, müssen die Dinos aus Toronto sich in 2015 mit einem Record von 14-18 begnügen. Beide Teams haben es den Cleveland Cavaliers somit extrem einfach gemacht sich wieder in dem Kampf um die ersten vier Plätze einzumischen, nachdem man am Anfang der Saison schon davon sprach, wer von den beiden aufstrebenden Teams den Hawks/Bulls wohl gefährlicher werden würde. Bei den Wizards ist das vor allem an der Personalie John Wall festzumachen, der seit dem All-Star-Break schwache Quoten auflegt. So gibt es nur vier Spieler, deren eFG% seit der All-Star-Pause noch deutlicher gesunken ist, als die von Wall (von 49.0% auf 39.8%). Eines ist klar: Washington braucht seinen Star-PG, um in den Playoffs auch nur ansatzweise eine Chance zu haben.

Marc Lange: ... eine absolute Enttäuschung. Eine 13-20 W/L-Bilanz seit der Jahreswende, dazu acht der letzten elf Spiele verloren. Was muss da Silvester wohl los gewesen sein? Dass Bradley Beal während dieser Zeit mehrere Spiele gefehlt hat, erklärt so einen  Einbruch in meinen Augen auch nicht. Die Wizards waren zu Beginn der Saison ein kleiner Geheimfavorit im Osten. Stand heute wäre ein Erstrundenaus keine Überraschung mehr.

Philipp Landsgesell: ... lange nicht mehr so gut wie gedacht. Der Zauber scheint verfolgen (ha ha). Die Offensive und Defensive der Wiz sind nur noch unterer Durchschnitt innerhalb der Liga und sie spielen minus-500 Basketball seit Jahresbeginn. Durch die vielen Verletzungen ist der Flow nun erstmal raus.

Torben Siemer: ... ein völlig anderes Team als in den ersten beiden Saisonmonaten. Erstmals seit der Saison 1978/79 sammelten die Hauptstädter bis Weihnachten mehr als 20 Erfolge. John Wall tauchte gar in so mancher MVP-Diskussion auf. Im Jahr 2015 aber konnte man bisher nur 14 Spiele gewinnen, dazu gab es 19 Niederlagen. Die Formkurve der Wizards zeigt steil nach unten, in den nächsten Wochen geht es unter anderem gegen Golden State, Memphis, Houston, Portland, Atlanta und Cleveland.  Gibt es irgendwo schon den Wittman-Watch?

Philipp Rück: ... ein erschreckend harmloser Haufen. Eigentlich musste man mit diesem Leistungseinbruch rechnen. Seit Head Coach Randy Wittman im Amt ist, haben die Wizards eine katastrophale Wurfauswahl. Ähnlich wie die Experten Doug Collins, Flip Saunders und Byron Scott lässt Wittman viel zu viele langer Zweier werfen. Im Umkehrschluss gibt es zu wenig Layups, Freiwürfe und Dreier. Es war also nur eine Frage der Zeit bis die Offensive am Tabellenbodensatz (Platz 24 seit Mitte Januar) ankommt. Mehr als Platz 5 im Osten wird es nicht werden, auch vor den Verfolgern sollten sie sich in Acht nehmen. Aber hey, mich freut es, weil die Sixers dadurch den OKC-Pick wohl doch bekommen werden.



3. Die Milwaukee Bucks nach der Trading Deadline sind...

Chris Schmidt: ... irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn, hauptsächlich Wahnsinn. Man hatte in Milwaukee vor der Deadline eine ordentliche Truppe zusammen, die, für einige überraschend, sicher in den Playoffs stand. Doch zur Transferfrist gaben die Bucks dann ihren (eigentlich)-All-Star-PG Brandon Knight ab und holten sich den (eigentlich nicht)-Rookie-of-the-Year Michael Carter-Williams nach Wisconsin. Gleichzeitig bekam man noch Miles Plumlee, der versuchen sollte, den Abgang von Larry Sanders zu kompensieren. Doch die Trades brachten die Bucks nicht wirklich weiter, sodass man seit der Trade Deadline nur vier der elf Spiele gewinnen konnte. Niederlagen gegen die Nuggets, Jazz oder Lakers dämpften die Playoff-Hoffnungen in Milwaukee. Doch mit Khris Middleton hat Jason Kidd auch einen klaren Lichtblick in seinen Reihen. Der mittlerweile legitime MIP-Kandidat legte in den letzten drei Partien 25,6 Punkte im Schnitt auf und könnte neben dem „Greek Freak“ eine Führungsrolle bei den Bucks übernehmen. Diese wird nach dem Abgang von Knight nämlich durchaus gesucht.

Marc Lange: ... ein Team, das auf Grund von Salary-Einsparungen sang- und klanglos in der ersten Runde der Playoffs rausfliegen wird. Die Bucks waren bzw. sind eine der positiven Überraschungen dieser Saison. Vor allem dank ihrer elitären Defense. Offensiv läuft es hingegen die ganze Saison schon eher mau: Ein Offensivrating von 103.0 (Platz 24) spricht Bände. Unter diesen Umständen einen seiner besten und aufstrebenden (Offensiv-) Spieler gegen MCW zu tauschen ist daher nicht wirklich förderlich.

Philipp Landsgesell: ... Immer noch ein Überraschungsteam und stehen genau dort, wo sie es verdient haben. Die Defensive steht weiter gut, nur offensiv hapert es noch gewaltig. Doch Jason Kidd ist mit seiner Mannschaft, eine der positiven Überraschungen in diesem Jahr.

Torben Siemer: ... mit MCW und ohne Brandon Knight noch in der Selbstfindungsphase. Niederlagen gegen die Lakers, Jazz und Nuggets sollte es nicht innerhalb von fünf Tagen geben. Aber: Die Defensive funktioniert weiterhin und der Rookie of the Year 2014 hat endlich auch in der Offensive brauchbare Mitspieler. Jason Kidd hat bisher einen großartigen Job in der Bierstadt gemacht, jetzt kann er sich nochmal im Aufbau der Playoff-Form beweisen – der Spielplan lässt Ausschläge in beide Richtungen zu.

Philipp Rück: ... ein nach wie vor elitäres Defensiv-Team, das durch die Addition vom 1,98 m – Point Guard Carter-Williams an diesem Ende des Courts unverändert stark bleiben wird. Den Verlust von Brandon Knight wird man in der Bierstadt aber deutlich spüren. Ein Offensivrating (seit der Deadline) von 93,3 ist, nun ja, grottenschlecht und ungefähr prä-Deadline-Sixers-Niveau. Moment, wer war noch mal in Philly der Point Guard zuvor? War das nicht auch so einer mit einem Doppelnamen?


4. Die Charlotte Hornets mit Mo Williams sind...

Chris Schmidt: ... besser als man es hätte erwarten können. Der Impact von Mo Williams hat wohl viele überrascht. Neben seiner zweiten „Player of the Week“-Auszeichnung der Saison, hat er vor allem die Offensive der Hornets besser gemacht. Das Offensive-Rating ist seit der Trade Deadline von 97.7 (Rang 29) auf 101.1 (Rang 17) gestiegen. Kein Wunder also, dass auch die meistgenutzte Lineup mit Mo Williams das beste Offensive-Rating der Hornets aufweist (106.7). Ob das allerdings schon für die Playoffs reicht, ist fraglich. Immerhin ist man defensiv, auch mit Williams, nicht auf dem Niveau der letzten Spielzeit. Zudem haben sich mit den Heat und den Celtics (!) zwei unmittelbare Konkurrenten zur Deadline nochmal verstärkt und die Pacers wollen auch noch ein Wörtchen mitreden. Wird für die Hornissen somit kein Selbstläufer.

Marc Lange: ... fast so durchschnittlich wie die Charlotte Hornets ohne Mo Williams. Mo war noch nie ein Difference-Maker und wird wohl auch nie einer sein. Daran ändern auch 52 Punkte gegen die Pacers nichts. Oder habe ich bei Terrence Ross und Corey Brewer irgendetwas verpasst? Es gibt natürlich weitaus schlechtere Additionen für ein Team, bei denen der etatmäßige Point Guard verletzt ist/war, aber meine Euphorie hält sich in Grenzen.

Philipp Landsgesell: ... ein Playoff-Team. Mo Williams gibt den Hornissen das, wonach sie so ewig suchten: Scoring und Gefahr von jenseits der Dreipunktlinie. Dass Williams so einschlagen würde, hätte wohl keiner erwartet. Der 32-jährige  legt im Schnitt 21 Punkte und 8,5 Assists pro Spiel auf und hält die Hornissen weiter im Playoff-Rennen.

Torben Siemer: ... ein Playoff-Team. Gut, im Osten. Und ja, es gab eine Klatsche von den Wizards. Aber man ist mittendrin im Rennen um die Plätze sieben und acht. Mo Williams hat übrigens für ein Novum gesorgt – als erster Spieler wurde er innerhalb einer Saison in beiden Conferences als Spieler der Woche ausgezeichnet. Aber alles ist offen: Das sich um die Postseason streitende Quintett um Hornets, Pacers, Heat, Celtics und Nets trifft sich noch ein paar Mal bis Saisonende, für ein paar spannende Partien dürfte also gesorgt sein.

Philipp Rück: ... einer Parallelwelt entflohen. Die kamen aus einem Universum in unsere Welt, in dem Mo Williams ein 115er Offensiv-Rating mit einem True Shooting von 58% auflegt. Was zum Teufel ist mit dem denn los? Die Hornets stellen nach anfänglichen Problemen wieder eine der besten Defensiven der Liga, und im Angriff läuft es mit Mo und einem wieder besser agierenden Big Al zumindest durchschnittlich gut. Sie sind aktuell in guter Form und haben einen klaren Lauf. Nur irgendwann muss Williams doch wieder anfangen, reihenweise Backsteine zu werfen. Oder? *nickt wiederholt mit dem Kopf*

5. Die Indiana Pacers seit dem All-Star Break sind...

Chris Schmidt: ... das beste Team im Osten. Man glaubt es kaum, aber die Pacers, die schon die komplette Saison ohne Paul George auskommen müssen, kommen mit einem 8-1-Record aus der All-Star-Pause. Grund dafür ist sicherlich die scheinbar wiedergefundene Defense. Seit dem All-Star-Break, lassen nur die Utah Jazz (89.6) noch weniger Punkte pro 100 Possessions zu als die Pacers (92.1). Natürlich kam ihnen der Spielplan auch etwas entgegen, da in dieser Zeitspanne vier Spiele gegen die Sixers und Knicks anstanden. Allerdings konnten die Männer von Frank Vogel auch Erfolge gegen die Warriors, Cavs oder Bulls verbuchen. So findet sich das „Lottery-Team“ von Saisonanfang plötzlich auf Platz Sieben in der Eastern Conference wieder. Wenn jetzt noch Paul George auf den Court zurückkehrt, könnte das ein ziemlich ungemütliches Playoff-Matchup für die Hawks, Cavs oder Bulls werden…

Marc Lange: ... sizzling hot! Cleveland, Golden State und Chicago wurden nach dem Break bereits vernascht. Die sind bekanntlich alle kein Kanonenfutter. Läuft es so weiter, sollten sich die die Plätze zwei bis vier im Osten warm anziehen, es herrscht nämlich akuter Upset-Alarm. Schnürt sogar Paul George für die Post Season noch seine Sneaker, sollten sich sowieso alle Nordpol-mäßig warm anziehen.

Philipp Landsgesell: ... voll im Playoff-Rennen, doch der Spielplan war auch sehr gütig. Zweimal gegen die tankende Sixers, gegen Golden State ohne Curry, gegen Cleveland ohne LeBron & Kyrie und dazu zweimal gegen die stinkenden Knicks. Dennoch steht die Defensive besser, Rodney Stuckey lässt Lance Stephenson vergessen und  wenn dann noch Paul George von seiner fatalen Verletzung zurückkommt, sind die Pacers ein unangenehmer Gegner in der ersten Runde.

Torben Siemer: ... das heißeste Team im Osten! Warriors, Cavs und Bulls wurden schon besiegt, der März aber hält in noch zwölf Spielen acht Gegner auf Playoff-Kurs bereit, dazu kommen mit Brooklyn (2x) und Boston direkte Konkurrenten um die Erstrundenmatchups mit Atlanta und Cleveland. George Hills Rückkehr war wichtig, mal gucken wie weit das Team von Frank Vogel die aktuelle Welle noch reiten kann.

Philipp Rück: ... das beste Team der Liga (NetRating +13,1). Defensiv sind sie endlich wieder die ungemütliche Schleifmaschine, die alles und jeden zur völligen Verzweiflung bringt. Aber auch offensiv spielen sie nach Jahren des Stechen und Hauens einen recht ansehnlichen Ball. Mehr Ballbewegung und Assists als früher und wenig Turnovers, die sind die neuen Mittel zum Erfolg. Langsam glaube ich auch an eine Postseason-Teilnahme und bete schon mal zum Basketballgott, dass es gegen die Cavs geht. Ich würde gerne LeBrons Gesicht sehen, wenn er schon wieder gegen Roy Hibbert zu Korb ziehen muss. Wenn er schon wieder gegen Paul George am Flügel arbeiten muss. Achso, die Rückkehr des Franchise-Players der Pacers steht ja auch bald bevor. Ich freue mich!