24 März 2015

24. März, 2015  |  Philipp Kleisli  @PhilippKleisli


Nach dem Abgang von Lebron James im Sommer, war man sich nicht einig wie die Saison für die Miami Heat laufen wird. Die Einen sagten, die Playoffs werden niemals erreicht. Auf der anderen Seite hörte man oft, dass durch schlaue Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen das Erreichen der Playoffs - vor allem im schwachen Osten - reine Formsache wird. Wer hat jetzt, kurz vor Ende der Saison, eigentlich recht behalten?

Status quo
Eigentlich sind beide Meinungen nicht korrekt, denn die Jungs aus South Beach befinden sich mitten im Kampf um die letzten Playoffplätze ihrer Conference. Eine Bilanz von 32 Siegen und 38 Niederlagen hört sich eigentlich nicht nach einem Playoffkandidaten an. Aber wie schon erwähnt: der schwache Osten macht da einiges möglich.

Nach einem guten ersten Monat (9-7) kam für Miami das Tief im Dezember. Dwyane Wades Knie machte mal wieder schlapp. Miami spielte einen Monat, den jeder Fan gerne vergessen würde (5-12). Die zwei Monate nach dem Jahreswechsel waren von der Bilanz her ausgeglichen, was aber trotzdem zu großer Verunsicherung in Florida führte.

Die Playoffs wirkten plötzlich gar nicht mehr so selbstverständlich wie noch zu Beginn der Saison gedacht. Es schien schon Anfang 2015 sicher, dass Miami um einen der letzten Playoff-Plätze bangen muss. Um den streiten sie sich mit Milwaukee, Charlotte, Indiana, Boston und Brooklyn.

Momentan spielen die Heat, und vor allem D-Wade, aber wieder starken Basketball. Mit einer Bilanz von 7-5 im März, inklusive einem starken Heimsieg gegen die Cleveland Cavaliers, will das Team allen zeigen, dass die Tiefphase vorbei ist und es nun voll auf Playoff-Kurs ist.

Wade in Topform
"This is the best I've felt in years right now", sagte Wade vor einer Woche. Nach einem Workoutwechsel und viel medizinischer Behandlung freut sich wohl jeder NBA-Fan, dass die Heat-Legende sich so fit fühlt wie seit Jahren nicht mehr.

Wade, 33, hat in dieser Saison bereits 21 Spiele verpasst. Das ist nicht Neues bei ihm. Aber dieses Team braucht ihn jetzt mehr denn je. Wegen James' Rückkehr nach Cleveland und Boshs Ausfall für den Rest der Saison (Blutgerinnsel in der Lunge) lastet die Verantwortung, welche letzten Saison noch auf drei Schultern verteilt war, nun ausschließlich auf Wade.

Der elfmalige All-Star ist dieser Verantwortung aufgrund seiner Erfahrung und Qualität aber gewachsen. Für den momentanen Mini-Run der Heat ist "The Flash" mit hauptverantwortlich. Momentan merkt man ihm seine gute gesundheitliche Verfassung an. Er greift an und trifft hochprozentig. In seinen letzten zehn Partien hat er im Schnitt 25,9 Punkte erzielt.



Viel Pech
Insgesamt gesehen hatten die Miami Heat aber viel Verletzungspech in der aktuellen Saison. Kurz nach Saisonstart verletzte sich Josh McRoberts und fiel die komplette restliche Spielzeit aus. Auch Bosh wurde kurz nach dem All-Star Break das Saisonende verkündet. Und D-Wade ist, wie schon aus den vorherigen Jahren bekannt, immer wieder nicht einsatzfähig.

Durch die Ausfälle von McRoberts und Bosh ist die Personalie Deng zum echten Problem geworden. Der Defensivspezialist sollte nämlich primär in der Verteidigung seine Momente haben und im Angriff nur ergänzend eingesetzt werden. Durch die Verletzungen wurde er vorne in eine viel größere Rolle gedrängt und musste dort wertvolle Kraft lassen, die er dann in der Defensive vermisste.

Die Frage, ob Deng seine Option zieht und nächste Saison noch in Miami spielt, kann uns nur die Glaskugel beantworten. Mit Sicherheit dürfte ihm dann die Aufgabenteilung besser gefallen, er könnte sich in South Beach voll entfalten und auf seine Stärken konzentrieren. Das sind allerdings nur Spekulationen.

Upgrades
Goran Dragic, der slowenische Point Guard, ist im Februar per Trade von den Phoenix Suns gekommen und scheint sich im sonnigen Florida pudelwohl zu fühlen. Auch Teamverantwortliche und Mitspieler sind mit Dragic zufrieden. Seit seiner Ankunft hat Miami zehn von 17 Spielen gewonnen.

Einer langfristigen Kooperation über die Saison hinaus scheint also nichts im Weg zu stehen. Dwyane Wade sagte kürzlich, die Vertragsverlängerung mit Dragic sei schon so gut wie sicher. Das wird die Heat im Bezug auf die Playoffs, aber vor allem hinsichtlich der nächsten Saison, stärker machen.

Der ehemalige Nummer zwei Pick Michael Beasley ist nach dem Nicht-Erreichen der chinesischen Playoffs mal wieder im Dress der Heat unterwegs. Zwar legt er solide 9,2 Punkte pro Spiel auf und macht seine Sache ordentlich, mehr als Rotationsplatz acht ist wohl auch in Hinblick auf die kommende Saison nicht drin. Immerhin: Beasley scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und wirkt professioneller denn je.

Phänomen Whiteside
November 2014: ein unbekannter Big Man wird von Pat Riley und den Miami Heat unter Vertrag genommen und zunächst in die D-League beordert. Drei Wochen später, Mitte Dezember, wird er von den Sioux Falls Sky Force zurück in den Profikader der Heat berufen.

Ob man da über Glück oder grandiose Scoutingarbeit reden muss, ist eigentlich jedem selbst überlassen. Fakt ist, dass Hassan Whiteside wohl die Überraschung der Saison ist. Neben einem Trible Double aus Punkten, Rebounds und Blocks gegen die Clippers und diversen anderen atemberaubenden Performances stellte er auch gleichmal einen neuen Franchise Rekord für Blocks mit 12 (!) in einem Spiel auf.


In 40 Partien Auch wenn der 25-Jährige manchmal seine Emotionen nicht ganz im Griff hat, so ist er doch ein sehr talentierter Center, der den Heat sehr weiterhilft und von dem man in den kommenden Jahren einiges erwarten darf. Eine solche Entwicklung binnen wenigen Monaten habe ich nur selten erlebt.

Zielgerade
Gemäß dem Fall, dass alles so bleibt wie es ist, scheint die Playoff-Teilnahme der Heat wahrscheinlich zu sein. Momentan rangiert Miami mit 32 Siegen auf Rang sieben. Auch hier hängt wieder viel von Wades Gesundheit ab. Bleibt er fit und macht das Knie mit, dann ist sogar noch Rang sechs drin - zumal Milwaukee im freien Fall ist.

Ein weiterer Faktor wird sein, inwieweit sich Dragic bis zum Beginn der Playoffs ins System eingegliedert hat. Alles in allem scheint die Teilnahme an den Playoffs nur noch Formsache zu sein. Alles über die erste Runde hinaus wäre wohl schon eine kleine Sensation. Wobei der Sport ja genau von solchen Sensationen lebt...