12 März 2015

12. März, 2015  |  Sebastian Seidel  @Sebastianctcb


In den letzten drei Jahren spielten die Indiana Pacers eine bedeutende Rolle in der Eastern Conference. Zweimal erreichten sie die Eastern Conference Finals, nur die Miami Heat waren für die Pacers stets eine Nummer zu groß.

Dabei war Paul George der unumstritten beste Spieler dieses Teams, Roy Hibbert der Defensivanker, David West als Veteran und Leader das Herz der Truppe, Lance Stephenson gab ihnen ein verrücktes kreatives Element in ihrem Spiel. 

George Hill jedoch wurde als wichtiger Teil dieser Mannschaft häufig übersehen. Aufgrund von Verletzungen verpasste neben Paul George auch George Hill einen großen Teil dieser Saison. Bis zum 23. Januar stand Hill nur sechsmal auf dem Feld, die Pacers gewannen nur 15 ihrer 43 Spiele. 

Seit seinem Comeback haben die Pacers plötzlich 14 von 19 Spielen gewonnen, schlugen unter anderem auch Spitzenteams wie die Golden State Warriors und zweimal die Cleveland Cavaliers, und konnten dadurch im Monat Februar sogar die beste Bilanz der NBA aufweisen. 

Defensiver Einfluss
Schon seit Jahren gilt George Hill als einer der besten Perimeterverteidiger der NBA. Hill ist niemand, dessen gute Defensivarbeit sofort beim ersten Hinschauen auffällt, sondern überzeugt viel mehr durch seine gute defensive Disziplin und die kleinen Dinge. 

In seiner vierten Saison unter Frank Vogel hat er die Prinzipien der Pacers-Defense natürlich mittlerweile fest verinnerlicht. Er spekuliert nur selten auf Steals, kämpft sich sehr gut über Screens und weiß genau, wann er im Post doppeln muss. 

Wenn Hill den Ballhandler im Pick & Roll verteidigt, liegt die Wurfquote seines Gegenspielers bei gerade einmal 34 Prozent. Der Big Man der Pacers bleibt dabei in der Pick & Roll Verteidigung normalerweise immer tief in der Zone, um den Korb zu beschützen. Hill macht dabei einen exzellenten Job, den Drive seines Gegenspielers immer in Richtung der Ringbeschützer zu lenken.



Dadurch müssen die Spieler bei den Dreierschützen in den Ecken in der Regel nicht aushelfen und der Ballhandler ist gezwungen, entweder den Abschluss in der Zone gegen Hibbert (Opp FG% am Ring: 42.1%) oder Mahinmi (Opp FG% am Ring: 44.1%) zu nehmen. Alternativ können sie den Pass zum Blocksteller in der Mitteldistanz spielen.



Diese Art, das Pick & Roll zu verteidigen, führt zu vielen langen (ineffizienten) Zweipunktewürfen und nur sehr wenig offenen Dreipunktewürfen. Aus einer Distanz von 15-19 Fuß (ca. 4.5 bis 6 Meter) erlauben die Pacers die viertmeisten Würfe. Hinter der Dreierlinie hingegen wird nur gegen fünf Teams seltener abgeschlossen als gegen Indiana.

Mit Hill auf dem Feld gelingt es den Pacers, solche Situationen deutlich besser zu verteidigen. Wenn er auf dem Court steht, erlauben die Pacers auf 100 Ballbesitze gerade einmal 97.1 Punkte.

Rolle in der Offensive
In seiner bisherigen Karriere und vor allem in der letzten Saison füllte George Hill nicht die klassische Rolle eines Point Guards aus. Aufgrund der Playmaking- und Scoringqualitäten von Paul George und Lance Stephenson übernahm Hill kaum Ballhandling-Aufgaben, außer den Ball sicher über die Mittellinie zu bringen und dann zu einem der beiden Flügelspieler oder in den Post zu passen.

Seine Rolle beschränkte sich fast ausschließlich darauf, offene Dreier zu verwandeln und ab und an auch abseits des Balles zum Korb zu cutten. Seine Gelegenheiten, aus dem Drive selbst abzuschließen oder für seine Mitspieler offene Würfe zu schaffen, waren limitiert.

In dieser Saison muss Hill deutlich mehr Verantwortung in der Offensive tragen und mit dem Ball für sich und für andere kreieren.


Da Hill nach seiner Verletzung natürlich erst einmal limitierte Spielzeit gesehen hat, steht er im Schnitt knapp 7 Minuten weniger auf dem Feld als noch in der letzten Saison. Die auf 36 Minuten gerechneten Werte zeigen deutlich, wie viel häufiger Hill im Vergleich zur letzten Saison den Korb attackiert und dementsprechend auch öfter den Weg an die Freiwurflinie findet. 


Eine seiner größten Stärken bleibt wie auch schon in den letzten Jahren seine Turnoverunanfälligkeit. Von allen Ballhandlern, die in mindestens 100 Pick & Rolls involviert waren, weist kein Spieler eine niedrigere Turnoverquote als Hill auf.



Hill überdreht nicht oder versucht schwierige Pässe zu spielen, sondern bleibt in der Regel ruhig und behält die Kontrolle über die Situation. Sein Assist-zu-Turnover-Verhältnis ist hinter Chris Paul und Ty Lawson das drittbeste in der gesamten NBA (minimum 20 MPG).

Trotz seiner gesteigerten Rolle muss Hill aber auch in dieser Saison immer noch oft abseits des Balles agieren. Dies liegt zum einen daran, dass die Pacers verhältnismäßig oft Aufposten, andererseits an Rodney Stuckey, der am produktivsten ist, wenn er selbst den Ball in der Hand hat. 


Schweizer Taschenmesser


„Er ist ein hartnäckiger Verteidiger, er kann scoren, er kann rennen, er ist ein guter Passer, er weiß wie man spielt und er ist ein echter Teamspieler.“
 Dieser Satz stammt von Gregg Popovich, unter dem George Hill seine NBA-Karriere in San Antonio begann, bevor er im Tausch für Kawhi Leonard nach Indiana getradet wurde. 


George Hill braucht kein System, welches auf ihn zugeschnitten ist, um zu funktionieren. Er kann sich in jedes System nahtlos einfügen und jede Rolle ausführen, die von ihm gefordert ist. Er versteht es, sowohl mit dem Ball in der Hand zu agieren und für sich und für andere kreieren, hat aber auch keinerlei Probleme, abseits des Balles zu spielen.


So legt er nicht nur selbst gute Zahlen auf, sondern macht auch seine Mitspieler stärker. Nicht ohne Grund spielte auch Backcourt-Partner Rodney Stuckey im Februar (16 Punkte und 4 Assists im Schnitt) seinen mit Abstand besten Monat im Pacers-Jersey.

Unter anderem dank George Hills Vielseitigkeit als Scorer, Vorbereiter und Verteidiger hat sich Indiana, auch in Abwesenheit von Paul George, zum heißesten Team der Eastern Conference entwickelt.