05 März 2015

5. März, 2015  |  Marc Lange  @godzfave44


Der Vater spielte bereits in der NBA. Sohnemann selbst nagelt momentan einen Dreier nach dem anderen durchs Netz und ist ein elementarer Baustein für die erfolgreiche Zukunft seines Teams. Plot Twist: Wir reden hier nicht von Steph Curry. Vielmehr geht es um einen der heißesten Shooting Guards der NBA: Wes Matthews, Portlands „Iron Man“ mit dem weichen Handgelenk.

Rein in die Fußstapfen
Wesley Junior ist der Sohn des ehemaligen NBA-Wandervogels Wes Senior (sechs Teams in acht Jahren) und Pam Moore, ihres Zeichens All-American als 400-Meter-Läuferin. Wie es häufig so ist mit den Genen, wurde auch Wes Junior ein gewisses sportliches Talent in die Wiege gelegt.

Matthews besuchte, wie sein Vater, die Marquette Universität und wurde im Jahr 2005 sogar mit dem Titel „Mr. Basketball“ im Staate Wisconsin ausgezeichnet. Er war außerdem Teil der legendären „Three Amigos“, einem Trio aus drei Guards, die von ihrer Freshman-Season an jedes Spiel zusammen für die Marquette Golden Eagles starten sollten.

Matthews war damals der am höchsten Gewachsene von den Dreien und lernte deswegen frühzeitig, auf größere Positionen auszuweichen – und dementsprechend auch kräftigere Guards und kleine Forwards zu verteidigen. Ein Attribut, das dem jetzigen Trail Blazer heute noch zu Gute kommt. Aber dazu später mehr.

Was wurde eigentlich aus den anderen Amigos? Während Jerel McNeal heute in der D-League seine Brötchen verdient, ist der dritte Freund im Bunde, Dominic James, nach mehreren Gastspielen in Europa derzeit vereinslos.

Zielwasser getrunken
Obwohl Matthews eigentlich gute Voraussetzungen für eine NBA-Karriere zeigte, wurde der 1,96 Meter große Guard beim Draft 2009 von keinem Team gezogen. Wes drehte eine Extrarunde über die Orlando und Las Vegas Summer League, bis ihn schließlich die Utah Jazz für ein Jahr verpflichteten. Als ungedrafteter Spieler wollte er erst recht beweisen, dass er dazu gehört. Er mauserte sich in kurzer Zeit zum Starter und zeigte der Liga eine seiner großen Stärken: Zielgenauigkeit von der Dreipunktelinie.


Stolze 38 Prozent seiner Versuche fanden in seiner Rookie-Saison den Weg durchs Netz. Keine Selbstverständlichkeit, da Matthews auf dem College zwei Saisons am Stück unter 32 Prozent blieb und in seiner gesamten Collegezeit lediglich 34 Prozent seiner Dreier traf. Matthews erstes Jahr in der NBA reichte dem Front Office in Portland jedoch, um ihm einen Vertrag vorzulegen, durch den er in fünf Jahren 34 Millionen Dollar kassieren würde. Die Jazz glaubten nicht, dass Matthews so viel Wert war und  ließen den Restricted Free Agent ziehen. Matthews wechselte vom salzigen See nach Rip City.

Der eiserne Mann
Zwischen Portland und Wes funkte es sofort: Während seiner ersten Saison in Portland traf er stolze 40,7 Prozent seiner Würfe von außen und steuerte pro Partie 15,9 Punkte, 3 Rebounds, 2 Assists und 1,2 Steals bei. Auch in den nächsten Jahren kratze Williams stets an der 40-Prozent-Marke und legte ähnlich gute Werte auf. Durch Brandon Roys Knieprobleme entwickelte er sich bei Portland schnell zum Starter auf dem Flügel und gab dem Team neben soliden Leistungen in der Offensive (15,2 Punkte im Schnitt) zudem die nötige Härte in der Defensive.

Während LaMarcus Aldridge und Damian Lillard die beiden absoluten Stars des Teams sind, bleibt Matthews eher im Hintergrund. Trotzdem agiert er äußerst effektiv und erweist seinen Dienst gerade durch die kleinen Dinge, die nicht unbedingt auf jedem Stat-Bogen auftauchen. Fliegt etwa ein Ball ins Aus, ist der Mann mit der Trikotnummer zwei der Erste, der hinterher springt – jedes Mal.

In der Defensive ist er unermüdlich: Wenn Matthews verteidigt, dann verteidigt er, bis andere schon auf dem Zahnfleisch kriechen: Nur 18 Spieler haben diese Saison mehr Minuten auf dem Parkett gestanden als er. Passend dazu: Der gebürtige Texaner spielte trotz einiger kleiner Wehwehchen 250 NBA-Spiele in Folge, bis ihn schließlich eine Hüftverletzung im Dezember 2012 dazu zwang, tatsächlich eine Partie zu verpassen. Woher der Spitzname „Iron Man“ kommt, sollte somit also geklärt sein.

In der Crunchtime deckt er stets den besten Spieler des gegnerischen Teams, vom Point Guard bis zum Small Forward. Er kann körperlich gegen größere Wings angehen und ist gleichzeitig auf den Beinen schnell genug, um kleinere Guards in Schach zu halten. Kleines Beispiel aus den letzten Playoffs: Matthews' direkter Gegenspieler, niemand geringerer als James Harden, traf gegen den eisernen Mann in den ersten vier Partien gerade einmal 34,7 Prozent aus dem Feld. Kein Wunder also, dass die Blazers mit so einem Kettenhund auf dem Flügel eine der besten Defensiven der Liga stellen.


Zeit für Rekorde
Doch auch in der Offensive läuft es beim 28-jährigen durchaus rund. Matthews brach diese Saison am 17. Januar den Franchise-Rekord für die meisten getroffenen Dreipunktewürfe – 773 an der Zahl. Mit 173 Treffern in dieser Saison belegt Matthews Platz vier ligaweit. Nur Kyle Korver und die "Splash Brothers" weiter südlich in Golden State haben mehr.

Trotzdem ist er beileibe kein Chucker, seine Quoten sind bisher nämlich phänomenal: Bei der True Shooting Percentage kommt Matthews auf 58,7 Prozent, bei der Effective Field Goal Percentage auf 56,5 Prozent – Top-Ten Werte unter allen Flügelspielern in der NBA. Und das bei einem "Gunner", der in den Wurf von Downtown verliebt ist.

All diese Zahlen belegen, dass Matthews ein hervorragender Three-and-D Spieler ist. Vielleicht sogar der Beste in der NBA. In Kombination mit Damian Lillard bildet er außerdem einen der gefürchtetsten Backcourts der Association. Sein Hustle, sein Herz und sein Handgelenk werden Portlands Schlüssel sein, um in den Playoffs ein paar Wörtchen mitzureden. Gerne mehr als noch im letzten Jahr...