25 Februar 2015

25. Februar, 2015  |  Philipp Landsgesell  @Phillyland


Die Hektik der Trade-Deadline ist verflogen. Die ersten Spiele sind absolviert und die ersten Rückschlüsse können geschlossen werden. Was erhoffen sich die Oklahoma City Thunder, die Utah Jazz und die Detroit Pistons aus dem 3-Team-Trade?


Der Deal aus Sicht der Thunder
Plus: D.J. Augustin, Kyle Singler, Steve Novak, Enes Kanter und einen ungeschützten Zweitrundenpick 2019 von den Detroit Pistons. 
Minus: Reggie Jackson, Kendrick Perkins, Grant Jerrett, Rechte an Tibor Pleiss, ein geschützter Erstrundenpick 2017

„Wir sind extrem froh, Kanter, Novak, Augustin und Singler zu begrüßen. Wir haben  unserem Kader Talent, Härte und Engagement hinzugefügt“, sagte Thunder Manager Sam Presti über das Tauschgeschäft. Dieses war notwendig geworden, da Reggie Jackson mit seiner Rolle als sechster Mann nicht mehr zufrieden war und unbedingt starten wollte. 

Doch an einem Russell Westbrook führte kein Weg vorbei und in Jackson, kommender Free Agent, wuchs täglich die Unzufriedenheit. Außerdem gab es Stimmen in der eigenen Umkleide, die mit Jacksons Einstellung mehr als unzufrieden waren - vor allem unter den Veteranen des Klubs. Die Vertragsverlängerung im Sommer platzte, als Jackson das Angebot ausschlug. Ein weiterer Verbleib in Oklahoma City war keine Option mehr, ein Trade eigentlich unumgänglich. 

Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten und so verstärkten sich die Thunder mit Enes Kanter und interessanten Rollenspielern, die den Thunder eine sehr gute Tiefe auf der Bank geben. Zusammen mit dem auslaufenden Vertrag von Kendrick Perkins, der zu Saisonbeginn seinen Platz in der Starting-Five an Steve Adams verloren hatte, boten die Thunder gleich zwei Spieler an. Es sah lange danach aus, als würde Brook Lopez von den Brooklyn Nets nach Oklahoma City wechseln. 


Doch aus Gründen kam der Deal mit den Nets nicht zustande. Jetzt haben die Thunder also Enes Kanter statt Lopez. Offensiv wäre ein Lopez wahrscheinlich besser gewesen, aber auch im Blick auf seine Verletzungsgeschichte nicht ohne Risiko. Kanters größte Waffe in der Offensive ist sein Sprungwurf, an guten Tagen effektiv bis an die Dreipunktelinie. Das Problem hier ist, dass die Thunder mit Serge Ibaka einen offensiv ähnlich angelegten Spieler bereits in ihren Reihen haben. 

Anders als Ibaka ist Kanter talentierter im Low Post. Kanter wird nun die erste Anspielstation im Low Post sein. 15.8% seiner Wurfversuche kommen aus dem Aufposten am Zonenrand. Dabei trifft er durchschnittlich 53,4% aus dem Feld. Der Türke ist offensiv betrachtet der beste Center in Oklahoma City seit einem gewissen Nenad Krstic. Eine Formation von Westbrook, Morrow als Dreierschütze, Kevin Durant, Ibaka (diese Saison auch mit sicherem Dreier) und Kanter auf Center dürfte offensiv Bäume ausreißen. 

Defensiv sieht die Geschichte ganz anders aus. Kanter hat klare Schwächen in der Verteidigung des Pick & Rolls, sein Rebounding ist höchstens durchschnittlich. Serge Ibaka wird viel aushelfen müssen. Doch mit Adams haben die Thunder einen defensivstarken Center in den eigenen Reihen. So kann Scott Brooks je nach Situation entscheiden, welchen Center er aufs Parkett stellt. 

Sam Presti gab in dieser Saison in zwei separaten Deals zwei wahrscheinlich sehr späte Erstrundenpicks für ehemalige Top-4-Picks (Kanter und Waiters) ab. Die Addition von Augustin, Singler und Novak stärkt die Bank. Der eine ist ein exzellenter Backup-Pointguard, die anderen gefährliche Schützen aus der Distanz. Vor allem Singler könnte sich als glue guy mit sicherem Dreier als echte Verstärkung erweisen. Die Thunder haben ihre Championship-Ambitionen mit diesem Trade untermauert.

Der Deal aus Sicht der Pistons
Plus: Reggie Jackson
Minus: DJ Augustin, Kyle Singler, zwei künftige Zweitrundenpicks

Die Pistons liegen nur einen Platz hinter dem achten im Osten, und das ohne den bisherigen Aufbauspieler Brandon Jennings, der mit einem Achillessehnenriss die restliche Saison verpassen wird. D.J. Augustin zeigte zwar eine ansprechende Leistung als Backup, doch Head Coach und General Manager Stan van Gundy suchte nach möglichen Verstärkungen auf der Guard-Position. Diese kommt jetzt mit Reggie Jackson nicht nur kurzfristig, sondern wahrscheinlich auch langfristig. Jackson selbst scheint über den Wechsel nach Detroit glücklich zu sein: 


Als Westbrook zu Beginn der Saison verletzungsbedingt ausfiel, spielte Jackson in Oklahoma City groß auf. Ein Verbleib in Oklahoma City war aber, wie oben besprochen, nie eine Option. In Detroit bekommt Jackson nun die Chance, für den Rest der Saison zu starten, seinem Anspruch entsprechend. Er muss jetzt beweisen, dass er wirklich langfristig ein Starter in der NBA sein kann.

Die Pistons stehen dann vor der schweren Entscheidung, ob sie im Sommer Jackson wirklich 12 Millionen plus pro Jahr überweisen wollen. Ein 48 Millionen-Angebot über vier Jahre der Thunder schlug der Guard im Sommer bekanntlich aus. Seine Statistiken ohne Westbrook lesen sich zwar ansprechend: 20 Punkte, 5 Rebounds und knapp 8 Assists legte er pro Spiel auf, doch ob er jemals von jenseits der Dreierlinie gefährlich sein wird, ist mehr als fraglich. Über seine Karriere gesehen trifft er nicht einmal 29% seiner Dreipunkteversuche. 

Vor allem, da die Pistons mit Greg Monroe und Andre Drummond zwei Anspielstationen im Low Post haben, ist der sichere Dreier eigentlich Pflicht unter van Gundy. Zudem zieht Jackson kaum zum Korb und generiert wenig Freiwürfe. So kommen viele Wurfversuche aus der Mitteldistanz - prozentual der ineffektivste Bereich in der NBA. 

Jackson steht jetzt also in der Bringschuld. Seinen Worten muss er Taten folgen lassen. Sein Spiel hat zweifelsfrei Baustellen, doch immerhin haben die Pistons nicht viel für ihn abgeben müssen. Die Pistons stehen vor einem spannenden Sommer. Jackson wird Restricted Free Agent und Greg Monroe wird ebenfalls Free Agent. Wichtige Entscheidungen müssen in der „Motor-City“ getroffen werden. 


Der Deal aus Sicht der Jazz
Plus: Kendrick Perkins, Grant Jerrett, die Rechte an Tibor Pleiss, ein Zweitrundenpick, ein geschützter Erstrundenpick (2017 via OKC)   
Minus: Enes Kanter, Steve Novak

Die Gerüchte, Enes Kanter sei in Utah unzufrieden, zogen sich schon über die ganze Saison. So kam der Trade nicht wirklich überraschend. Kanters Agent forderte offen einen Trade seines Klienten, dem die Jazz nachgaben, vermutlich ohne wirklich traurig darüber zu sein. Das Zusammenspiel mit Derrick Favors klappte zwar besser, aber Kanter schien nie der ideale Fit neben dem athletischen Power Forward zu sein.

Im Hinblick auf die kommende Free Agency von Enes Kanter, verbunden mit einer kostspieligen Vertragsverlängerung, setzten die Jazz dem Duo ein Ende. Die Jazz kassierten knapp 4.4 Punkte mehr pro 100 Ballbesitze, wenn Kanter auf dem Feld stand. Ging Kanter vom Feld, kam meistens Rudy Gorbert aufs Parkett, der den Jazz die wichtige Ringbeschützung gibt. Die Jazz haben den idealen Partner von Favors also schon im Kader. 

Perkins wurde nur involviert um die Gehälter auszugleichen, wurde prompt entlassen und befindet sich schon im Anflug Richtung Cleveland. Mit Grant Jerrett kommt ein Stretch-Vierer Projekt nach Salt Lake City, der den Jazz langfristig helfen könnte. Außerdem kommt ein Erstrundenpick aus Oklahoma City - dieser wird aber wohl frühestens im Jahr 2017 nach Utah wandern. 

Aus deutscher Sicht ist besonders interessant, dass die Rechte von Tibor Pleiss nach Utah wechselten. Die Chancen, den dritten Deutschen in der NBA spielen zu sehen, sind damit nicht kleiner geworden. Für die kommende Saison sind mit Derrick Favors und Rudy Gorbert nur zwei echte Big Men im Kader. Gerüchte, dass Pleiss noch dieses Jahr zu den Jazz wechseln wird, haben sich bisher als Falschmeldung erwiesen. 

Die Jazz schaufeln mit diesem Deal also Spielzeit für Rudy Gorbert frei und erhalten sich die finanzielle Flexibilität, um den Neuaufbau weiter voran zu treiben. Wertvollen Gegenwert für den ehemaligen Nummer-3 Pick haben die Jazz nicht bekommen. Allerdings hat der auch nie gespielt wie ein hoher Lotterie-Pick. Die Jazz sammeln weiter Anlagegüter, um einen großen Wurf zu landen.