20 Februar 2015

20. Februar, 2015  |  Anno Haak  @kemperboyd


Der Deadlinewahnsinn in zwei Worten? Philadel...Nein, das ist eine andere Geschichte. Anything's possibleeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee.


Start
Brooklyn will nur noch zwei Dinge: Geld und Sparen. Deshalb erklärte man bereits vor Weihnachten unter dem Gelächter der Basketballgemeinde Williams, Johnson und Lopez für verkäuflich. VB: auslaufende Deals, Talent und Picks. Was man halt gerne so hätte für drei der fünf schlechtesten Verträge der NBA.

Minnesota hatte im Sommer nolens volens vom "wir sind nur noch 6 free agents von Platz 8 entfernt"-Modus in den Rebuild geschaltet, als der kalifornische Patient aus der Kälte von Minneapolis in den Regen von Cleveland wollte und seinen Willen bekam. Seitdem ist GM Flip Saunders in erster Linie damit beschäftigt Altlasten abzutragen, damit der Trainer, Moment, ach ja auch Flip Saunders nicht überbezahlte Rollenspieler jungen Talenten Spielzeit wegnehmen lassen muss. Deshalb war alles, was nicht unter 24 Jahre alt ist oder zumindest älter aussieht (Bennett), auf dem Block.

Schuss
Der Berg kreiste und gebar...einen MVP. Einen ehemaligen zwar, aber immerhin. Die Deadline erhält ihr Homecoming, die Timberwolves erhalten Kevin Garnett, die Nets erhalten Thaddeus Young. Keine Picks, kein Recht, Picks zu tauschen. Kein drittes Team, keine 76ers, die einen Deal absorbieren. Ein Trade. Zwei Teams. Zwei Spieler. Der eine geht, der andere kommt. Oldschool.

Nets
Und das ist dann auch das Beste, was man aus Sicht von Billy Prince über diesen Deal sagen kann. Alte Schule und offene Münder. Dass die Timberwolves und die Nets ins Geschäft kommen würden, war ungefähr so wahrscheinlich wie die sportliche Koexistenz von Kobe Bryant und Russell Westbrook. Beide hatten den Kipplader auf Halten gestellt, um Gehälter auf den Haufen zu werfen. Nun parkten sie sie Front an Front und leuchteten sich gegenseitig das Führerhäuschen aus.


Dabei muss dem Nets Front Office was ins Auge geflogen sein. Young? Thaddeus Young? Ich bin wirklich, wirklich dem Wohlwollen zugeneigt. Wirklich. Dass sich die Liga nicht um Deron Williams und Joe Johnson reißen würde, war klar. Dass die Thunder Mr. King seit Wochen als Angebot für Brook Lopez Reggie Jackson vor die Nase hielten wie einem Hund eine Salami, nur um sie im letzten Moment selbst anzuschneiden und auf das Brot der Pistons zu legen, geschenkt.

Garnetts Vertrag ist nicht der Beste. Er ist nicht aus der Kendrick-Perkins-Liga. Aber er ist zu groß. Zudem waren die Nets auf sein Wohlwollen - anders als auf meins - angewiesen (#HelloNoTradeKlausel). Die Hürde haben sie übersprungen, Glückwunsch dazu. Aber, auch wenn ich mich wiederhole: Thaddeus Young?

"Sportlich ist das aber ein Upgrade." Als ob es darum ginge. Darüber rede ich gar nicht. Ich bin bereit anzuerkennen, dass Young rund 3 Mio. $ weniger Scheine machen wird als Garnett. Das spart dann am Stichtag 30.06.2015 fast 10 Mio. $ Luxussteuer. Das sind zwar in etwa Prokhorovs tägliche Zinseinnahmen vom ersten Kaffee bis zum Mittagshummer, aber immerhin. Nur, der Preis dafür sind, macht die Lauscher weit: zehn Millionen Dollar.

Das ist in etwa die Summe, die Young im nächsten Jahr einstreichen wird. Das sind etwa - man ahnt es - 10 Mio. $ mehr als Garnett, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Wenn Young nicht von seiner Early Termination Option Gebrauch macht. Hat er vor, seine Enkel aufs College zu schicken, wird er das nicht tun. Nicht einmal Sacramento zahlt Thaddeus Young im nächsten Jahr 10 Mio. $. Strich drunter: gib mir 10 Mio. $, dafür kriegst Du 10 Mio. $. Weniger Sinn war selten. Als Zinsen: Johnson noch da, Williams noch da, Lopez noch da. Wie man nichts macht, doch etwas macht und dabei auch noch zum Deadline-Kaspar wird - Billy King lässt nichts aus.

Timberwolves
Auch Saunders hat sich nicht gerade den EoY-Award erhandelt. Veteranendump war die Aufgabe. Ein paar Picks einsammeln. Das Cap entlasten. You had one job...

Er wird gedacht haben, es war alles nur ein schlechter Traum, als er die Trainingshalle betrat. Sie sind weg, sie sind bestimmt alle weg, die Überbezahlten, die Rollenspieler, die Karteileichen und ich habe Picks, Picks, Picks bekommen, wird er sich gedacht haben, als er die Trainingshalle betrat. Sie sind weg. Es war nur ein Traum. Bestimmt. Reality Check. Und los. Kommt, Jungs. Zählappell.

"Chase Budinger?" "Hier." Noooo.
"Nikola Pekovic?" "Zur Stelle." Das darf nicht wahr sein.
(Zittern in der Stimme.)
"Gary Neal?" "Jawohl, Sir." OMG.
(Aber Shooting, Shooting wird immer gebraucht. Ich habe ihn bestimmt, bestimmt...
Noch stärkeres Zittern...)
"Kev...*Kloß im Hals* Kevin M-M-M-Martin." "HIER!" Nein!

Aber da vorne ist Kevin Garnett. Das hier IST der Traum. Gleich wache ich auf.



Niemand wacht auf. Und plötzlich ist 2004. KG in Minny. Alles ist möglich. Alles. Ist das schön. Damals war die Liga unschuldig, LeBron war Rookie des Jahres, Morey studierte Informatik, Carlisle trainierte die Pacers, Metta World Peace hieß Ron Artest, Andrew Wiggins war in der Grundschule und Flip Saunders trainierte die Wolves (echt, jetzt).

Garnett, die treue Seele in einer lange schlechten Franchise (echt, jetzt, manche Sachen ändern sich nie) wurde belohnt. Er hatte an die Twin City geglaubt. Ihr die Stange gehalten. Er wurde MVP. Er war der beste Spieler der Liga. Um ihn herum hoffnungsfrohes Talent und fähige Veteranen (Cassellllll!). Dann kamen die Malone-Payton-Shaqkobe-Lakers und Latrell Spreewell wurde mit einem Satz endgültig zur Legende. Apropos Familie: Kevin kommt nach Hause. Elf Jahre später. Acht Jahre nach dem Abgang.

Wer jetzt von Reboundraten fabuliert oder Garnetts schnellen sportlichen Alterungsprozess mit einer Zahlenkolonne nachweisen will, hat einen Taschenrechner in der Brust, wo das Herz sein sollte. KG soll Wiggins und Co. beibringen, wie man auch dem Hausmeister klarmacht, dass das Duell mit den Jazz an irgendeinem kalten Februartag das Spiel seines Lebens ist und wie man Hilfskräfte dafür erniedrigt, dass sie einem beim Wurftraining den Ball auf den Bauchnabel passen.

Kultur. The right way. Passion für das Spiel und bewegte Blöcke, die kein Schiedsrichter sieht. Das soll Garnett bringen. Ein Locker Room guy sein. Ein Kendrick Perkins für Besserverdienende. Und der verzweifelten Fanbase die dunkle Folterkammer, die die Wölfe sind, ausleuchten. Dass Saunders ihm ernsthaft eine zweijährige Extension anbieten will (Preis 10 Mio. $ und ein Rollator), naja. Schööööön, habe ich gesagt. Außerdem: was wollen die Wolves denn bis 2017 gewinnen? Erfahrung, sonst nichts. Es schadet ja nichts.

Zum Ende
Fazit: Was die Nets sich gedacht haben, erschließt sich mir nicht. Mit allem Wohlwollen der Welt nicht. Für die Wölfe macht der Trade zwar sportlich auch wenig Sinn, aber es ist halt was fürs Herz. Die Timberwolves haben einen Trade gewonnen. Das hier muss ein Traum sein.