18 Februar 2015

18. Februar, 2015  |  Jan Wiesinger  @WiesiG


Die Trade-Deadline rückt mit großen Schritten näher. Nur noch bis Donnerstag können unter Vertrag stehende Spieler getauscht werden, traditionell erreicht das Feilschen und Tauschen in dieser Woche seinen Höhepunkt. Grund genug für die #NBACHEF-Redaktion, einen genaueren Blick auf mögliche Umzugskandidaten zu werfen.



Die Franchise aus dem hohen Norden steht zum Allstar-Break mit einer Bilanz von 11-42 abgeschlagen auf dem letzten Platz im Westen. Nach dem Blockbuster Trade vor der Saison, bei dem unter anderem Kevin Love nach Cleveland verschifft wurde, dürfte das nur die wenigsten Kenner der Liga wundern. 

Ein Blick auf den Kader lässt jedoch Hoffnung keimen: Vor der Saison verlängerte man den Vertrag mit dem spanischen Ballzauberer Ricky Rubio für einen angemessenen Tarif (4 Jahre/55 Mio. $), mit Andrew Wiggins hat man den letztjährigen #1-Pick in seinen Reihen und kann zudem auf die Hilfe des frischgebackenen Slamdunk-Contest-Champions Zach LaVine zählen.

Mit Shabazz Muhammad, Anthony Bennett, Adreian Payne und Gorgui Dieng hat man zudem weitere junge Spieler in ihren Rookie-Deals, die ihre Potenziale zumindest teilweise angedeutet haben. Die Wolves haben den Umbruch längst eingeleitet und scheinen diesen auch konsequent weiter gehen zu wollen.

Den Wald aufforsten
Im Kader des Teams aus den Twin Cities befinden sich nach wie vor Spieler, mit denen ein solcher Umbruch nicht möglich zu sein scheint. Hierbei werden stets die Namen Kevin Martin, Nikola Pekovic, Thaddeus Young, Chase Budinger und Gary Neal genannt. Neat hatte Minnesota erst vor wenigen Wochen im Tausch gegen Mo Williams von den Charlotte Hornets geholt.

Je schneller der Zug der Zeit in Richtung Trade Deadline voranprescht, dürfte es General Manager Milt Newton und Coach/Präsident Flip Saunders daran gelegen sein, zumindest einige der fünf Genannten durch Trades aus den Büchern zu streichen und dabei ihren Tauschpartnern möglichst das zu entlocken, was man in diesen Tagen in Minnesota noch mehr liebt als Cornerbacks in der NFL: Picks.

Der Mann, dem Adelmann vertraute
Kevin Martin kann als Altlast des vorherigen Wolves-Coaches Rick Adelmann verstanden werden, der bis vor dieser Saison die Geschicke in Minnesota leitete, und dabei keine sonderlich gute Figur abgab. Martin, der sich im Alter von 32 Jahren bereits in seiner zehnten NBA-Saison befindet, hatte unter Adelmann bereits in Sacramento und später in Houston gespielt.

Martins Vertrag erstreckt sich über die nächsten drei Jahre, mit einem Gesamtsalär von noch 21 Mio. $ - also einem Jahresgehalt von knapp sieben Millionen. Und auf den ersten Blick ist der 2,01m große Shooting Guard dieses Geld zweifelsohne auch wert: Karrierewerte von fast 20 Punkten pro Spiel, in dieser Saison eine Dreierquote von über 40% und eine Freiwurfquote jenseits der magischen 80%.

Martin ist ein exzellenter Shooter, der trotz einer etwas unorthodoxen Mechanik seine offenen Würfe hochprozentig versenken kann (mit „etwas unorthodox“ meine ich hier keine absoluten Absurditäten á la Michael Kidd-Gillchrist oder Shawn Marion). Martin läuft sich dabei durch Cuts oft geschickt frei und ist so in der Lage, ein Doppeln der gegnerischen Defense gnadenlos zu bestrafen.


So stark er sich aber ohne Ball bewegt, so schnell offenbaren sich seine Schwächen mit Ball in der Hand: Martin ist kein Spieler, der sich oder anderen einen eigenen Schuss aus dem Dribbling kreieren könnte. Er ist in einer Ballstafette oft das letzte Glied, welches auch den Abschluss zum Korb sucht, was seine unterirdischen Werte bei den Vorbereitungen verdeutlichen ('14/15 kommen im Schnitt 2 Assists auf 2 Turnover bei 20 PPG).

Defensiv tut man Martin kein Unrecht, wenn man ihn ungeschönt als schlechten Verteidiger bezeichnet. Dennoch dürften seine Fähigkeiten bei mehreren Teams Begehrlichkeiten wecken. Wolves Coach Saunders sagte zuletzt über einen möglichen Trade Martins „Er ist für uns wertvoller als für andere“. Ob echtes Treubekenntnis oder feilschende Marktschreierei – das weiß man in der NBA eben nie so genau.

Die Bestie von Bilejo Polje
Der massive Montenegriner Nikola Pekovic ist nach Point Guard Rubio der Topverdiener der Timberwolves, was zugleich einen ungemeinen Einfluss auf seinen Tradewert hat: 48 Millionen Dollar bekommt der bullige Center in den nächsten vier Jahren von seinem Arbeitgeber überwiesen.

 Sein sportlicher Wert für einen NBA-Franchise könnte man durchaus in diesem Bereich ansetzen, da gute Big Men in letzter Zeit traditionell ein stark nachgefragtes Gut in der Liga waren. Pekovic ist durch seine beeindruckende Statur ein passabler Verteidiger (allerdings mit 0,6 Blocks pro Spiel alles andere als ein Shotblocker), der auch das Pick & Roll zu verteidigen weiß und am offensiven Ende im Low Post durch seine pure Wucht nur schwer zu stoppen ist.

Pekovic ist ein guter NBA-Center, der die nächste Saison allerdings höchstwahrscheinlich weiterhin in Minnesota spielen wird. Nicht allein sein Vertrag, sondern seine Anfälligkeit gegenüber längerfristigen Verletzungen dürfte hier ausschlaggebend sein: Letzte Saison verpasste "Pek" 28 Spiele, in dieser Saison bereits 31.


Thaddy Boy- gefangen zwischen Positionen
Thaddeus Young kam vor der Saison in den Wirrungen des Love-Trades aus Philadelphia und sollte den abgewanderten Superstar auf der Power Forward Position ersetzen. Young, der trotz seiner erst 26 Lenzen bereits seine siebte NBA-Saison spielt, ist auf der Vier zweifellos undersized (oder eben zu behäbig für die Drei) und kann die Gefahr, die ein Kevin Love von jenseits der Dreipunktelinie ausstrahlte, nicht mal annähernd duplizieren. Young trifft in dieser Saison weniger als 30% seiner Dreipunktewürfe.

Dennoch könnte auch Young durchaus das Interesse eines Contenders wecken: Ein solider Scorer aus der Nah- und Mitteldistanz, der für viele Teams  definitiv ein Upgrade auf Power Forward darstellen würde. In dieser Saison würde Young mit gut 9 Mio. $ zu Buche schlagen, in der nächsten werden es knapp zehn sein, wenn er, wie vermutet wird, seine Spieleroption zieht.

Wolves ganz gemütlich
Gary Neal und Chase Budinger, beide mittlerweile zu eindimensionalen Spotup-Shootern verkommen, dürften nur begrenztes Interesse hervorrufen und, wenn überhaupt, maximal einen Second Rounder einbringen. Vermutlich nicht einmal das. Gerüchten zufolge befindet sich Neal ohnehin bereits in Verhandlungen mit den Wolves bezüglich eines möglichen Buyouts direkt nach der Trade-Deadline.

Während Flip Saunders den 115kg schweren Pekovic wohl eigenhändig mit einer Schubkarre versandfrei in ganz Nordamerika ausliefern würde, dürften Martin und Young preislich mindestens einen Erstrundenpick evozieren. Beide könnten, wie so oft, für das richtige Team in der richtigen Situation durchaus die richtigen Fähigkeiten besitzen. Konkrete Tradeszenarien oder Gerüchte gibt es derzeit jedoch (noch) nicht, was auch mit der eher geringen Reichweite eines solchen Trades zu tun haben dürfte.

Gelingt es den Wolves nicht, einen der angesprochenen Spieler vor der Deadline zu verschiffen, dürfte der Prozess der  Aufforstung in Minnesota nach der Saison einfach weitergeführt werden.