18 Februar 2015

18. Februar, 2015  |  Daniel Schlechtriem  @W14Pick


Die Trade-Deadline rückt mit großen Schritten näher. Nur noch bis Donnerstag können unter Vertrag stehende Spieler getauscht werden, traditionell erreicht das Feilschen und Tauschen in dieser Woche seinen Höhepunkt. Grund genug für die #NBACHEF-Redaktion, einen genaueren Blick auf mögliche Umzugskandidaten zu werfen.


Es bleibt das Dilemma der Oklahoma City Thunder – sie draften zu gut. Wenngleich sich das nach einem Paradox anhört: Die qualitativ hochwertigen jungen Spieler, für die sich GM Sam Presti am Draft-Abend entscheidet, bringen eben jenen mit Ablauf der Rookie Deals aufgrund der Rahmenbedingungen des kleinen Marktes im mittleren Westen in Schwierigkeiten. So geschehen mit James Harden, der im Oktober 2012 nach Houston abgegeben wurde, weil Presti resignierend feststellen musste, dass er den Bärtigen nicht über die kommende Free Agency in Oklahoma hätte halten können.

Dieser aufgenötigte Trade hat Narben hinterlassen, die immer noch nicht richtig verheilt sind und bald schon neuerlich aufbrechen könnten, denn alles deutet darauf hin, dass sich die Geschichte wiederholt. Wieder hat Presti einen talentierten Guard gedraftet, dessen Vertrag im Sommer ausläuft und der von den Teams mit größeren Hallen, TV Deals und medialer Aufmerksamkeit mit grünen Scheinchen überschüttet werden wird.

Die Rede ist von Reggie Jackson (24): Dieser feierte vergangene Saison sein sportliches Coming-Out, alle wichtigen Zahlen explodierten und wäre nicht ein gewisser Russell Westbrook im Kader, würde Jackson längst zu den tragenden Säulen dieses Teams gehören. Doch genau dieser Umstand verschlimmert Prestis Lage noch weiter: OKC hat bereits einen hochqualitativen Point Guard und wenngleich Jackson durchaus auch als Two-Guard funktioniert.

Die chronisch klammen Thunder können sich einen weiteren Maximalvertrag im Backcourt nicht leisten – denn in Zeiten, in denen Chandler Parsons und Gordon Hayward einen solchen angeboten bekommen, bekommt ihn ein Reggie Jackson allemal. Allein das Quartett Durant (20,16 Mio.), Westbrook (16,74 Mio.), Ibaka (12,35 Mio.) und Waiters (5,14 Mio.) füllt den Cap Space beinahe komplett auf. Abgesehen davon steht 2016 ein noch größeres Drama um erwähnten Durant bevor.


Doch nicht nur finanzielle Gründe sprechen für einen Abgang Jacksons: Dessen Minuten auf dem Parkett sind seit November (38,2) drastisch gesunken. Im Dezember waren es noch 28,4 pro Spiel, im Januar 21,1 und im Februar nur 19,9. In den ersten 15 Spielen legte er im Schnitt 19,3 Punkte, 7,3 Assists und 5,1 Rebounds auf. Inzwischen steht er bei 12,8 Punkten, 4,2 Rebounds und 4,0 Assists.

Dies hängt freilich in erster Linie mit der Genesung Durants und Westbrooks zusammen, dennoch ist eine solche Entwicklung nicht allzu erfreulich für einen jungen Spieler, der es auf einen hochdotierten Vertrag im Sommer abgesehen hat. Jackson will nicht nur mehr Geld, sondern auch die erste Geige spielen. Die ist mindestens bis nächsten Sommer in der Chesapeake Arena besetzt.

Presti erlebt also ein Déjà-Vu und sitzt ein weiteres Mal vor dem drohenden Scherbenhaufen seines eigenen Talents, die Talente anderer zu erkennen. Und anders als bei Harden im Oktober 2013 wissen die möglichen Gesprächspartner, dass die Deadline seine letzte Chance auf einen Gegenwert ist, das senkt den Preis weiter. Was also können die Thunder erwarten? Einen Spieler von gleichem Kaliber gewiss nicht, einen hohen Erstrundenpick schon gleich gar nicht.

Im Januar waren die Thunder kurz davor, sich mit Brook Lopez von den Nets zu verstärken und es lag nicht an ihnen, dass der sich anbahnende Trade mit Brooklyn und Charlotte nicht zustande kam. Lopez erscheint auch heute noch als die beste Lösung. Zum einen fiele ein Abgang im Backcourt aufgrund der Verpflichtung Dion Waiters' bei einer gleichzeitigen Verbesserung in Korbnähe nicht stark ins Gewicht.


Zum anderen ist Lopez wegen seines dicken Vertrages und der anhaltenden gesundheitlichen Problemen – er absolvierte nur 96 von 320 möglichen Partien in den vergangenen drei Spielzeiten – nicht übermäßig gefragt bei anderen Teams. Mit dem auslaufenden Vertrag des sportlich immer irrelevanter werdenden Kendrick Perkins verfügen die Thunder zudem über ein schlagkräftiges Argument für Brooklyn, den offensivstarken Center abzugeben.

Bleibt jedoch die Frage, ob die Nets an Reggie Jackson interessiert sind. Berichten zufolge tendenziell nicht, denn sie wollen eher Geld sparen, als sich mit neuen, langfristigen Verträgen die Hände zu binden. Sehen sie in Jackson nicht den Point Guard ihrer mittelfristigen Zukunft, wonach es derzeit aussieht, muss Sam Presti ein drittes Team ins Boot holen.


Händeringend nach einem Point Guard suchen unter anderem die Indiana Pacers und könnten somit als Türöffner in Aktion treten, indem sie die auslaufenden Verträge von Luis Scola, Chris Copeland und C.J. Watson nach Brooklyn schicken. Gleiches gilt für die Detroit Pistons und Caron Butler, Jonas Jerebko und Joel Anthony. Doch würde das sowohl den Nets, als auch den Thunder genügen? Eher nicht.

Denkbar ist auch ein Trade mit den Sacramento Kings, die sich schon länger auf der Suche nach einem Upgrade auf der Eins sind. Jackson würde optimal ins Run and Gun System von Coach Karl passen. Doch was könnten die Kalifornier springen lassen? Ihren Pick werden sie kaum für einen angehenden Restricted Free Agent opfern. Bleiben noch junge Spieler wie Ben McLemore oder Nik Stauskas, denen in Oklahoma City zweifelsohne ein Karrieresprung zuzutrauen ist. Dann allerdings stünde Presti unter Umständen in drei, vier Jahren wieder vor derselben Problematik. Ein Teufelskreis.