17 Februar 2015

17. Februar, 2015  |  Wolfgang Stöckl  @WStckl


Die Trade-Deadline rückt mit großen Schritten näher. Nur noch bis Donnerstag können unter Vertrag stehende Spieler getauscht werden, traditionell erreicht das Feilschen und Tauschen in dieser Woche seinen Höhepunkt. Grund genug für die #NBACHEF-Redaktion, einen genaueren Blick auf mögliche Umzugskandidaten zu werfen.


Wie jedes Jahr hat Danny Ainge auch diesmal wieder einige Kandidaten parat, die er gerne loswerden würde, gegen entsprechende Bezahlung selbstverständlich. Namentlich sind es die Veteranen Tayshaun Prince, Brandon Bass und Marcus Thornton. Alle drei haben gemeinsam, dass sich ihr Gehalt auf einem ähnlichen Niveau bewegt und die Verträge jeweils auslaufen. Ainge muss sie also nicht zwingend loswerden. Er kann, sofern sich kein brauchbarer Deal ergibt, die Verträge auch auslaufen lassen oder die Spieler via Buyout nach Hause schicken.

Brandon Bass
Für Bass wird der Markt wohl am schwächsten sein. Midrange-Spezialisten, die gleichzeitig auch noch für ihre Position zu klein sind, sind zur Zeit nicht unbedingt sehr gefragt. Bass hat sich zwar diese Saison am Corner-Dreier versucht und auch ein paar getroffen, aber das reicht nicht, um ihn auf einmal als Stretch-Vier zu verkaufen. Auch seine Zeit in Orlando, als er neben D12 mehr schlecht als recht funktionierte, hängt ihm teilweise noch nach.

Dabei hat Bass durchaus einige Fähigkeiten, die einem Playoff-Team helfen könnten. Durch seine Athletik und Schnelligkeit ist er ein effektiver Verteidiger gegen gegnerisches Small-Ball. Gerade unathletischen Stretch-Vierern kann er das Leben mit seinem starken Zug zum und Abschluss am Korb schwer machen. Zudem kommt er durch seine körperliche Spielweise auch öfter mal an die Freiwurf-Linie. Sein Midrange-Spiel ist nicht unbedingt sexy, aber stocksolide und immer noch eine gute Option, wenn die Schussuhr unter zehn Sekunden ist. Bass ist ein absoluter Musterprofi, der jede Aufgabe, die man ihm gibt, gewissenhaft erfüllt und absolut nie für Ärger sorgt.


Wie erwähnt, ist der Markt für ihn relativ dünn, mehr als ein später Zweitrundenpick wird nicht drin sein. Ein Grund für einen Trade wäre aber auch, Platz auf den Positionen vier und fünf zu schaffen. Sullinger, Olynyk und Zeller brauchen ausreichend Spielzeit, außerdem hat Stevens in letzter Zeit mit Small-Ball-Aufstellungen erfolgreich experimentiert und will dies sicher fortsetzen. Dies könnte für einen Tausch mit einem „unbrauchbaren“ Spieler sprechen. Dann müsste man einen verdienten Veteranen wie Bass wenigstens nicht auf der Bank versauern lassen. Auch ein Buyout nach der Deadline ist denkbar, allerdings ist Bass nicht der Typ, der danach fragt, aber der Klub wird ihm sicherlich unterstützen, wenn sich nach der Deadline eine gute Perspektive für ihn ergibt.

Stats: 20,8 MPG, 9,5 PPG, 4,2 RPG, 47% FG, 78% FT
Trade-Wahrscheinlichkeit: 40%
Buyout-Wahrscheinlichkeit: 30%

Tayshaun Prince
Prince kam zu den Celtics im Zuge des Jeff Green Deals. Die Grizzlies wollten mehr Athletik, Spacing und brauchten zudem noch einen Spieler, der Offensiv im eins-gegen-eins kreieren kann. Alles nicht zwingend die Stärken von Prince. Eigentlich als sofortiger Buyout bei den Celtics gesetzt, hat er nun doch mehrere Spiele absolviert. Dort zeigte sich wie gut der jungen Truppe aus Boston ein erfahrener, defensivstarker Flügelspieler tut. Natürlich liegt das auch daran, dass derzeit fast jeder Wurf, den Prince als Celtic Richtung Korb wirft, auch fällt. 62% True Shooting wird er jedenfalls nicht halten können. Bei den Grizzlies musste er unter anderem auch gehen, da er mit seinem wackeligen Wurf für zu wenig Spacing sorgte. Nehmen wir also mal an, dass er diese Quoten nicht halten kann, bringt er trotzdem einiges mit, was jedem Team helfen kann.


Wie Bass fällt auch er in die Kategorie „Musterprofi“. Wie wichtig solche Spieler in den Playoffs werden können, hat man unter anderem bei der Fast-Implosion der Pacers letztes Jahr gesehen. Prince bringt immer noch sehr gute Defensivleistungen, mit seinen langen Armen erschwert er die Passwege, kann starke Closeouts gegen Schützen laufen, holt wichtige Rebounds und verpasst selten eine Rotation. In der Offensive spielt er überlegt, macht wenig Fehler, ist ein solider Passer und offene Würfe kann er auch versenken. Für ein Team, das schon über ein paar starke Schützen verfügt, ist er eine ideale defensive Variante, wenn es mehr darum geht, Stops zu generieren. Prince hat bereits angedeutet, dass er einem Buyout durchaus aufgeschlossen gegenüber stünde, auch ohne diesen direkt zu fordern.

Stats (Celtics): 22 MPG, 8,4 PPG, 3,3 RPG, 56% FG
Trade-Wahrscheinlichkeit: 40%
Buyout-Wahrscheinlichkeit: 60%

Marcus Thornton
Nachdem Thornton mit Übergewicht aus dem Trainingscamp kam und die ersten Monate lustlos verteidigte, offensiv wild in der Gegend rumballerte und damit jede Art von guter Balbewegung im Keim erstickte, schien es schon so, als ob seine Tage in Grün schnell vorbei wären. In letzter Zeit riss er sich dann aber doch zusammen, bemühte sich zumindest in der Verteidigung, passte ab und zu auch mal den Ball und nahm nicht mehr nur vogelwilde Würfe. Und schon wurde er in den letzten Spielen ein richtig wertvoller Bankspieler für die Celtics. Man muss Thornton auch bei aller Kritik attestieren, dass er ein exzellenter Werfer ist. In den meisten Spielen hat er viele schlechte Würfe genommen, trotzdem trifft er fast 42% von der Dreier-Linie. Sollte es ein Coach schaffen, ihm seine langen Step-Back-Jumper aus dem Dribbling abzugewöhnen und ihn dazu bringen, dass er auch defensiv arbeitet, dann könnte Thornton ein richtig interessanter Spieler für Playoffteams werden.


Zwei Dinge sollten diese Teams aber wissen: Thornton braucht Spielzeit - in seiner ganzen Karriere und auch in Boston hat sich gezeigt, je weniger er spielt, desto schlechter ist er. Thornton ist ein Gunner – kein Spieler bei den Celtics hat auf 36 Minuten gerechnet mehr Würfe genommen als er. In den letzten Tagen gab es allerdings Gerüchte, dass Ainge den 27-Jährigen eventuell halten und dann in der Offseason zu günstigeren Konditionen verlängern möchte. Es ist natürlich auch gut möglich, dass dies nur Preistreiberei ist, um möglichst viel für ihn zu bekommen. Trotzdem wird es bei ihm wohl kaum ein Buyout geben, falls kein geeigneter Trade gefunden wird. Der GM wird ihn sich sicher bis Saisonende anschauen und dann entscheiden, ob er ihm ein Angebot macht.  

Stats: 16,4 MPG, 8,9 PPG, 42%FG, 42% Dreier
Trade-Wahrscheinlichkeit: 40%
Buyout-Wahrscheinlichkeit: 10%

Urteil
Die Celtics werden wohl maximal einen Trade durchziehen können, der Markt ist einfach nicht so stark für alle drei Spieler. Mehr als ein Zweitrundenpick wird es wohl bei keinem der drei werden. Problematisch ist auch das Gehalt, das mögliche Interessenten aufbringen müssten. Nicht jedes Team hat eine Trade Exception, und nicht jedes Team hat eine Kaderleiche mit einem Gehalt von rund 7-8 Millionen Dollar bei sich in der Umkleide herum liegen. Ambitionierte Teams wollen sich schließlich verbessern und Prince/Thornton/Bass sind - bei allen Stärken - allenfalls Rollenspieler. In der Gehaltsklasse gibt es eben nicht so viele deutlich schwächere Spieler.

Ein Trade ist bei allen drei Spielern in etwa gleich wahrscheinlich. Für jeden der drei gibt es gute Gründe, aber auch größere Hindernisse. Der Preis dürfte bei Thornton am höchsten sein. Erstens wird man bei ihm nicht auf ein Buyout hoffen können und 42% von der Dreierlinie sind immer gut zu verkaufen. Ein Buyout ist bei Prince am wahrscheinlichsten, für ihn gibt es keine längere Perspektive bei den Celtics. Es macht wenig Sinn, dass er bis Saisonende bleibt, auch wenn dies die Chance auf die Playoffs und ein respektables Abschneiden dort erhöhen würde. Das sollte aber nicht oberstes Ziel sein. Vor allem dem Rookie James Young steht Prince im Weg. Young Spielzeit zu ermöglichen sollte wichtiger sein, als mit 33 Siegen in die Playoffs einzuziehen.

Eine letzte Alternative wäre noch, dass die Celtics doch tatsächlich mal wieder einen Trade machen, um sich sportlich zu verbessern. In so einem Fall könnten alle drei Spieler mit ihrem Gehalt und den auslaufenden Verträgen durchaus wertvoll werden und als Füllmaterial dienen.