17 Februar 2015

16. Februar, 2015  |  Daniel Schlechtriem  @W14Pick


Die Trade-Deadline rückt mit großen Schritten näher. Nur noch bis Donnerstag können unter Vertrag stehende Spieler getauscht werden, traditionell erreicht das Feilschen und Tauschen in dieser Woche seinen Höhepunkt. Grund genug für die #NBACHEF-Redaktion, einen genaueren Blick auf mögliche Umzugskandidaten zu werfen.


Der Spitzname 'Deadline-Daryl' ist inzwischen ein alter Hut, deshalb gleich zur Sache. Die Rockets werden auch dieses Jahr im Februar traden. Ihr wertvollstes Handelsgut ist der Erstrundenpick der New Orleans Pelicans, den Houston vergangenen Sommer im Trade um Ömer Asik aus Louisiana erhielt.

Dieser Pick wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein später Lottery Pick werden: Es spricht wenig für die Chancen der Pelikane, im Kampf um die Playoffs noch an den Phoenix Suns vorbeizuziehen. Und selbst wenn, haben die Oklahoma City Thunder bei der Vergabe des einzig noch offenen Playoff-Ranges im Westen ein gewaltiges Wörtchen mitzureden.

Sollte also nichts völlig Unvorhergesehenes passieren, wird dieser Pick irgendwo zwischen #12 und #14 weggehen. Sicherlich kein Pick, für den man eine legitimen All-Star erhält, aber dennoch ein Türöffner für einen größeren Trade: Man denke an den Oktober 2013, als der Pick der Raptors (später #12, Steven Adams), den die Rockets im Austausch für Kyle Lowry hamsterten, ausschlaggebend war, um Sam Presi dazu zu bewegen, James Harden abzugeben.

In der späteren Lottery finden sich meist durchaus talentierte Spieler, die allerdings mindestens ein bis zwei Jahre davon entfernt sind, in der NBA wirklich ein Wörtchen mitreden zu können. Eben solche Spieler brauchen die Rockets jedoch nicht.

Ambitionen
In Südosttexas ist das erklärte Ziel, angeführt von Harden und Howard einen neuerlichen Angriff auf die hart umkämpfte Krone des Westens zu starten. Der Pick war von Anfang an als Trademasse gedacht, um ihn herum will besagter Deadline-Daryl ein Paket schnüren, das die Chancen auf einen nächsten großen Deal – vielleicht nicht vom Ausmaß Hardens, aber mit qualitativen Folgen – erhöht.

Folgende Spieler kommen für dieses Paket vor allem infrage:

Jason Terry: Der Jet erlebt in Houston zwar nach seinen Seuchenjahren in Boston und Brooklyn so etwas wie den zweiten Frühling und trifft im Alter immer noch seine 35-plus Prozent von der Dreierlinie, doch ist sein auslaufender knapp sechs Millionen Dollar schwerer Vertrag ein wichtiges Werkzeug für Morey, um die eine oder andere Trade-Tür zu öffnen.

Alexey Shved: Im Dezember erst von den Sixers gekommen, hat sich der russische Aufbauspieler in der zugegeben geringen Zeit bisher nicht in die Rotation gespielt. Anders als offizielle Berichte bekunden liegt der Verdacht nahe, dass die Rockets nie mit Shved planten, sondern ihn von Anfang an als Füllmasse für die Deadline geholt haben. Der Marktwert für auslaufende Verträge ist im Februar bekanntlich am höchsten.

Kostas Papanikolaou: Der Grieche spielt eine ordentliche Rookie-Saison, wenngleich er zuletzt schmerzhaft häufig 'DNP' anstatt Minutenzahlen hinter seinem Namen lesen musste. Die Rockets halten viel von ihrem Euro-Export, würden aber gleichzeitig nicht zögern, ihn für eine wesentliche Verstärkung abzugeben. Papanikolaou hat für den kommenden Sommer eine Team Option über 4,8 Mio. $ im Vertrag stehen. Ein Abnehmer hätte also volle Kontrolle, wie er mit dem Forward weiter verfahren würde.

Ebenfalls denkbar ist ein Trade um Terrence Jones, der aufgrund seiner Nervenverletzung intern massiv an Boden verloren hat gegenüber Donatas Motiejunas, welcher sich in Jones' Abwesenheit zu einem Most Improved Player Kandidaten mauserte. Allerdings wird eben jene Verletzung den Marktwert von Jones unten halten, sodass gute Angebote für den 18. Pick des 2012er Drafts nicht zu erwarten sind.

Im Draft des vergangenen Jahres holten die Rockets den Schweizer Clint Capela und erhielten auch gleich eine große Nachfrage aus der Liga. Das Spiel des 20-jährigen mag zwar noch sehr roh sein, doch er hat das Potential, in wenigen Jahren zumindest eine defensive Macht zu werden, weswegen ihn die Rockets nicht ohne weiteres ziehen lassen werden.

Zusätzlich zum Pick der Pelicans haben die Rockets den Second Rounder der New York Knicks in der Hinterhand. Dieser ist seit Saisonbeginn massiv an Wert gestiegen, da die Kniehosenträger ohne Aussicht oder Wunsch auf Besserung eine der schlechtesten Bilanzen der Liga aufweisen, der Pick somit voraussichtlich zwischen #31 und #34 landen wird. Aufgrund der Regularien, dass der Vertrag eines Zweitrundenpicks nicht garantiert ist, ist dieser Pick sogar wertvoller als ein später First Rounder. Für den richtigen Deal wird auch dieser Pick über den Ladentisch gehen, sofern notwendig wird Morey noch weitere Zweitrunder (2015 Nuggets, 2016 Knicks, 2017 Blazers) aus seiner Schublade ziehen.

Houstons Trade-Ziele
Die Rockets haben zwei offene Baustellen: Harden benötigt offensive Unterstützung im Backcourt, einen Point Guard mit Pass- und Scorerqualitäten – vor allem für die Phasen, in denen die gegnerische Verteidigung den Bart doppelt und aus dem Spiel zu nehmen versucht. Zudem muss ein echter Center her, der insbesondere in Abwesenheit Dwight Howards die Zone dicht macht und später einen zuverlässigen Backup gibt.

Für das erste Stellenangebot fällt schon längere Zeit der Name Goran Dragic von den Phoenix Suns: Der slowenische Aufbauspieler, der bereits von 2011 bis 2012 eineinhalb Jahre bei den Rockets unter Vertrag stand, hat fürs nächste Jahr eine Player Option, die er nicht ziehen wird – und die Suns damit mächtig unter Druck setzt, denn die müssten tief in die Luxussteuer vordringen, um mit den Angeboten gleichzuziehen, die Dragic im Sommer etwa von den Lakers oder Knicks erhalten wird. Das ist angesichts der bekannten Knausrigkeit von Teambesitzer Sarver faktisch ausgeschlossen. Sollte sich GM McDonough daher zum Handeln gezwungen sehen, sind die Rockets mit einem Paket um den aufgeführten Draft Pick einer der ersten Ansprechpartner.

Falls – und das ist ein sehr großes Falls – die Denver Nuggets den roten Knopf bis zum Anschlag durchdrücken und Ty Lawson verfügbar machen sollten, ist dieser (starke 10 Assists pro Spiel, annähernd 35% von der Dreierlinie) als Pendant zu Harden ebenfalls ein denkbarer Wunschkandidat der Rockets, der Pelicans Pick derweil eine ansprechende Verhandlungsbasis für die Nuggets.

Eine kostengünstigere Alternative wäre Darren Collison von den Sacramento Kings, deren Saison gelaufen ist und die ohnehin schon in Richtung Draft Lottery schielen. Collison hatte seine beste Zeit als Backup für Chris Paul und bekäme daher dann vor allem die Minuten, in denen Houstons MVP-Kandidat eine Verschnaufpause erhält. Moreys erste Wahl ist er aber gewiss nicht.

Dass die Rockets auf ihrer Jagd nach einem neuen Aufbauspieler ihren derzeitigen Starter und frisch gebackenen Skill Challenge Champion Patrick Beverley abgeben, erscheint eher unwahrscheinlich. Wenngleich McHales Kettenhund – von Zirkusveranstaltungen in NYC abgesehen – derzeit arge Schwierigkeiten mit seinem Wurf hat (in den letzten Partien nur rund 25% von der Dreierlinie), verletzungsanfällig ist und offensiv nie auch nur annähernd an die Elite der Liga heranreichen wird – sein stets giftiges Spiel und die mitreißende Einstellung machen Beverley zu einer exquisiten Option, auch oder gerade von der Bank.

Für die vakante Position hinter Howard könnte Milwaukees John Henson eine Option sein. Der 14te Pick des 2012er Drafts ist immer noch nicht richtig in der NBA angekommen, wenngleich er derzeit in Abwesenheit Pachulias (Wadenprobleme) und Sanders' (wo soll man da anfangen... ?) zumindest eine erhöhte Minutenzahl und solide Auftritte verzeichnet. Zumindest Pachulia wird bald wieder auf dem Feld stehen, bei Sanders stehen die Zeichen eher auf Abschied. Sollten sich aber die Gerüchte um Enes Kanter bewahrheiten, könnte Henson unter Umständen für einen Trade frei werden.

Falls das Anforderungsprofil Offensivqualitäten irgendeiner Art nicht zwingend voraussetzt, könnte Morey auch die Hornets wegen Bismack Biyombo anrufen. Jene haben in Zeller, Vonleh und Maxiell genügend Optionen neben Al Jefferson auf den großen Positionen, der Preis für den Mann aus Zaire sollte entsprechend überschaubar sein.

Eine weitere Alternative ist eine Rückholaktion von Jordan Hill, den die Rockets 2012 zu den Lakers schickten. Hill mag zwar kein Rim Protector sein, bringt aber Größe mit (2,08m) und ist ein wesentlich besserer Rebounder als Dorsey oder Motiejunas. Hills Team Option über neun Millionen Dollar für die nächste Saison würden die Rockets aber wohl kaum ziehen, für den achten Pick des 2009er Drafts wird folglich nicht besonders viel in die Waagschale fallen.

Sollte sich an dieser Front nichts auftun und dennoch ein Rosterplatz frei werden, ist auch eine Verpflichtung von Samuel Dalembert nicht auszuschließen. Der Haitianer, der Anfang Januar von den Knicks entlassen wurde, spielte zwar eine scheußliche Saison, in Houston wird man sich jedoch an seine Dienste in der Saison 2011/12 erinnern, als Dalembert solide acht Punkte und acht Rebounds im Schnitt auflegte. Als Notnagel ist der 33-Jährige immer noch zu gebrauchen, zumindest mehr als Joey Dorsey.

Deal or no Deal?
Houston ist wie immer einer der am häufigsten fallenden Namen in der Gerüchteküche. Dank der Picks und der Flexibilität, auslaufende Verträge in den Topf werfen zu können, wird Moreys Telefon so wie jeden Februar glühen. Dass die Rockets einen Trade vornehmen werden, steht außer Frage. Die aufgeführten Voraussetzungen machen einen größeren Deal, der einen Spieler vom Kaliber Dragic nach Houston bringt und somit die Chancen, im Westen etwas zu reißen, weiter erhöht, wahrscheinlicher als noch im Vorjahr, als lediglich der kleine Tausch mit den Nuggets um Brooks und Hamilton zustande kam.