18 Februar 2015

18. Februar, 2015  |  Onur Alagöz  @LakersParadigm


Die Trade-Deadline rückt mit großen Schritten näher. Nur noch bis Donnerstag können unter Vertrag stehende Spieler getauscht werden, traditionell erreicht das Feilschen und Tauschen in dieser Woche seinen Höhepunkt. Grund genug für die #NBACHEF-Redaktion, einen genaueren Blick auf mögliche Umzugskandidaten zu werfen.



„Gott ist tot“ sagte einst Friedrich Nietzsche. Entgegen der allgemeinen Auffassung war er jedoch nicht der vorzeitliche Hater des 19. Jahrhunderts und wollte sich in Blasphemie üben, sondern verstand diese Aussage eher als Beobachtung einer nihilistischen Gesellschaft. „Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend?“

So oder ähnlich fühlt es sich bei den Lakers an. So weit bin ich schon gekommen, dass ich Nietzsche lesen muss, um irgendwie moralisch über die Runden zu kommen. Angesichts des bevorstehenden Ende der Tradezeit wollen wir nun zwei potenzielle Kandidaten unter die Lupe nehmen, die ihren Scheck bald von einem anderen Arbeitgeber bekommen könnten: Jeremy Lin und Jordan Hill.

15 Minuten Ruhm
Linsanity, eingeschlagen wie eine Bombe, von 0 auf 100 in New York, neuer Heilsbringer, bla bla bla. Hebt die Hand, falls ihr das schon mal gehört habt. Lin ist wie Nietzsche ein Staatenloser. War er in New York, um wieder fair zu sein, eine absolute Ausnahmeerscheinung nach vorher nur marginal-marginaler Rolle, kam er danach nie an die plötzlich immensen Erwartungen ran.

Lin trat in New York die Tür ein als er von D’Antoni die Chance dazu bekam und spielte sich Cinderella-mäßig ins Rampenlicht. J-Lin wurde der erste Spieler, der in seinen fünf ersten Einsätzen als Starter mindestens 20 Punkte und 7 Assists erzielen konnte, was allen bewies, dass Statistiken manchmal echt öde sind. 

Verwechselte man diese Supernova in New York mit Siegermentalität, Führungsfähigkeiten und Starappeal? In einer Liga, in der dominante Aufbauspieler athletisch die letzten Jahre dominierten wirkte Lin eher wie ein Fremdkörper. Defensiv kaum in der Lage, den Gegner vor sich zu halten, offensiv zu einseitig auf das Pick & Roll bedacht. 

So kam es dann, dass Byron Scott in L.A. den Rookie Jordan Clarkson beförderte, statt Lin weiter auf der Eins starten zu lassen. Zu wenig Produktion, seine augenscheinlichen Stärken konnte Lin nie ausspielen. Schlimmer noch: Manchmal schien es, als wäre er mit dem Kopf überhaupt nicht im Game. Ein Spieler, dessen Hauptstärke das zerebrale Sezieren der gegnerischen Defense ist, muss auch operieren wie ein Chirurg. Nicht wie ein Metzger. Eine Assist-to-Turnover Ratio von fast 2 ist abstrus für einen Point Guard, der sich als Starter versteht. 

Wo-Hin mit Lin?
Ganz abgesehen vom schlechten Witz in dieser Überschrift: Wer kann Lin gebrauchen und was bekommt L.A. für ihn? Gute Nachricht: Lins Vertrag ist ein auslaufender, die 8,4 Mio. $ die man ihm dieses Jahr noch überweisen muss, gehen also von den Büchern. Auch wenn der Markt nicht mehr so scharf auf große Verträge – auslaufend oder nicht – ist wie noch vor ein paar Jahren, in Koppelung mit Steve Nashs ebenfalls letztem Vertragsjahr (9,7 Mio. $) haben die Lakers in der Theorie die Möglichkeit, einen dicken Fisch zu angeln. 

Laut Gerüchten ist GM Mitch Kupchak auf der Pirsch, was Goran Dragic, Isaiah Thomas, Reggie Jackson oder Lance Stephenson angeht. Die beiden Letzteren schließe ich hier aus. Wieso sollten Oklahoma respektive Charlotte ein Downgrade ertraden, nur um Geld zu sparen? Dragic ist angeblich enorm interessiert, für die Lakers zu spielen, wird aber wie Lin im Sommer vertragslos, man müsste den Vertrag von Lin also nicht einmal weggeben, um den Slowenen an Bord zu holen. 

Sinn ergeben würde für Lin die Rolle eines Backups von der Bank, dessen Einwechslung nicht das ganze System kollabieren lässt. Die Cavaliers sind hinter Irving schwach besetzt und es zudem auch noch gewohnt, die defensiven Unzulänglichkeiten von Kyrie zu kaschieren bzw. es zu probieren. Ebenfalls interessant könnten die Rockets sein, für die Lin bereits gespielt hat und die auch keinen wirklichen Backup auf der Eins haben. 


Zwischen den Stühlen
Ein weiterer Akteur, der immer wieder genannt wird, wenn es um das Tanking der Lakers, den Rebuild und die Trading-Deadline geht, ist Jordan Hill. Der lange Mann mit den Dreadlocks und dem freundlichen Gesicht spielt keine schlechte Saison.

Auf 36 Minuten hochgerechnet erzielt er ein Double-Double (15,8 Punkte und 10,3 Rebounds). Er ist der einzige Akteur im Lakers-Kader, der konstant auf einem Level spielt. Er kennt seine Limitationen. Rollenspieler, Arbeitstier. Bisschen punkten am Low Block und aus der Mitteldistanz, Rebounds abgreifen, Screens setzen. Mehr steckt im 27-jährigen aber nicht drin, und das wird es wohl auch nie mehr. Er ist kein Ringbeschützer, erarbeitet sich seine Körbe nicht selbst, sondern muss in Szene gesetzt werden. Direkt am Brett trifft er gut, für einen Power Forward ist seine eFG% mit weniger als 48 Prozent allerdings mehr als dürftig.

Er sitzt irgendwo zwischen den Stühlen, Jordan Hill. Einem Playoffaspiranten würde er für 15 bis 20 Minuten von der Bank enorm gut zu Gesicht stehen. Gepaart mit einem defensivstarken Center und einem Point Guard, der des Aufbauspiels mächtig ist, kann er eine wahre Bereicherung sein. Noch besser: Sein Vertrag beträgt zwar für dieses und nächstes Jahr jeweils neun Millionen Dollar - was für einen Spieler seiner Qualität viel ist, vielleicht zu viel. Aber: Die kommende Spielzeit '15/16 ist eine Team-Option.

Spontan kommt da also Dallas in den Sinn. Die Texaner haben hinter Nowitzki nur Amar'e Stoudemire und Villanueva, hinter Tyson Chandler nur Greg Smith zur Verfügung. Mit Rajon Rondo, Devin Harris und Monta Ellis sind genug Spieler im Kader, die auch genügend Räume und Vorlagen für Hill erspielen können. Ein anderes Team, das ebenfalls die Ohren gespitzt haben dürfte, ist Oklahoma City, das noch mehrere Wochen auf Steven Adams verzichten muss.

Do the right thing, Mitch!
Wenn es eine konstante Komponente in den Entscheidungen des Lakers Front Offices in den letzten Jahren gab, dann: Es wird nichts Großes passieren. Keiner der Trades hat das Team vorangebracht, die versauten Deals mit Chris Paul (Veto) und Dwight Howard (Seifenoper und Dummköpfigkeit) sind nach wie vor ein Monument dafür.

Wie immer geht es auch darum, Kobe zu beschwichtigen und zu unterstützen. Sein letztes (?) Jahr, also die kommende Saison, soll nicht wieder in einem derart blamablen Fiasko enden wie dieses. Wenigstens haben die Lakers einen hohen Pick im kommenden Draft zur Verfügung (wenn er nicht außerhalb der Top-5 fällt und nach Phoenix wandert) und es gehen mehrere Verträge ins Nirvana - das heisst, endlich wieder finanzieller und sportlicher Spielraum. Mal abwarten, ob und was bis Donnerstag passiert. Schaltet danach wieder ein, wenn es heißt: „Ins Nirgendwo, in Tinseltown.“