17 Februar 2015

17. Februar, 2015  |  Güven Taş  @GuvenTas


Die Trade-Deadline rückt mit großen Schritten näher. Nur noch bis Donnerstag können unter Vertrag stehende Spieler getauscht werden, traditionell erreicht das Feilschen und Tauschen in dieser Woche seinen Höhepunkt. Grund genug für die #NBACHEF-Redaktion, einen genaueren Blick auf mögliche Umzugskandidaten zu werfen.


Vor nicht einmal einem Jahr gehörte der gebürtige New Yorker zu den aufregendsten Spielern der NBA. Mit seinem damaligen Arbeitgeber, den Indiana Pacers, stand er zum zweiten Mal hintereinander in den Conference Finals im Osten. Beide Male waren die Miami Heat Endstation. Dennoch galt er als Schlüsselspieler bei einem legitimen Championship-Kandidaten.

Stephenson verzückte die Fans. Einerseits mit seinem Allround-Paket (knapp 14 Punkte, 7 Rebounds und 5 Assists pro Partie), andererseits mit seiner spektakulären und unberechenbaren Spielweise.

Im Sommer unterzeichnete „Born Ready“ einen Vertrag über drei Jahre und 27 Mio. Dollar - schockierenderweise in Charlotte, und nicht bei den Pacers. Viele sahen in den Hornissen bereits einen Geheimtipp für die Playoffs. Mit dem jungen Backcourt um 'Sir Lancelot' und Kemba Walker (beide erst 24) wollte sich Michael Jordans Franchise endgültig unter den Top-Teams der Eastern Conference etablieren, nachdem sie im Vorjahr nach 43-39 Siegen erstmals wieder Playoff-Luft geschnuppert hatte.

Es kam alles anders. Charlotte erwischte einen katastrophalen Saisonstart (6-19). Stephenson war einer der Hauptgründe für die sportliche Misere. Er und sein Backcourt-Partner Walker standen sich oft gegenseitig auf den Füßen herum. Das Spiel der beiden ball-dominanten Guards konnte zu keinem Zeitpunkt miteinander harmonieren. 

Als wären die sportlichen Querelen nicht genug, verletzte sich Stephenson im Dezember auch noch und fiel knapp einen Monat aus. Genau zu diesem Zeitpunkt begannen sich die Hornets zu finden, gewannen neun ihrer 14 Begegnungen und flogen so zumindest wieder an die eigentlich fest verbuchten Playoff-Plätze heran. 

Stephenson hatte da seinen Platz in der Startformation längst an Gerald Henderson verloren - und bekam ihn auch nicht mehr zurück. Wer will's Coach Clifford verdenken? Die Trefferquoten von Stephenson in der aktuellen Spielzeit sind unterirdisch: 37% aus dem Feld, 15% von Downtown und 59% von der Linie. Auch defensiv setzt der Flügelspieler oft nicht das um, was der Coach von ihm verlangt.


Dass der unstete Stephenson im Training schon lauthals mit Clifford und einigen seiner Mitspieler aneinander geraten sein soll, überrascht nach all den On-Court und Off-Court Episoden während seiner Zeit in Indiana sicherlich niemanden mehr. Dass einer der begehrtesten Free Agents allerdings auf der Bank versauert ist, irgendwie schon. 

Das Kapitel „Lance Brings Back the Buzz“ könnte in der Tat schon nach wenigen Monaten wieder abgeschlossen sein. Der wilde Derwisch aus Coney Island wird sich vielleicht eine neue Wohnung suchen müssen - in einer anderen Stadt. Immer wieder kommen Gerüchte auf, die dem verlorenen Sohn den Weg in die Heimat zeigen: zu den Brooklyn Nets. Ein Deal für Joe Johnson war schon fast beschlossene Sache, ehe die Nets eine Bedenkpause einforderten. Auch ein Brook Lopez für Stephenson Trade war schon ernsthaft im Gespräch Bis zur Deadline sind es noch knapp zwei Tage - gut möglich also, dass die Verhandlungen bis dahin wieder aufgenommen werden. 

Wer auch immer Stephenson akquiriert, muss sich sicher sein, dass seine junge, überenthusiastische und zuweilen teamschädliche Art irgendwann in naher Zukunft von einem reiferen, demütigeren Vollzeitprofi eingezäumt wird. Die Qualitäten sind sicherlich vorhanden - bringen einem Team aber nur etwas, wenn sie richtig kanalisiert werden.