18 Februar 2015

18. Februar, 2015  |  Philipp Landsgesell  @Phillyland


Die Trade-Deadline rückt mit großen Schritten näher. Nur noch bis Donnerstag können unter Vertrag stehende Spieler getauscht werden, traditionell erreicht das Feilschen und Tauschen in dieser Woche seinen Höhepunkt. Grund genug für die #NBACHEF-Redaktion, einen genaueren Blick auf mögliche Umzugskandidaten zu werfen.



Während sich die Spieler über die längere Auszeit über das All-Star Wochenende freuen, trifft das für die Entscheidungsträger in den Chefetagen der Vereine nicht zu. Sie sind zu dieser Jahreszeit besonders gefordert. Jedes Team sucht nach möglichen Verstärkungen, ohne aber viel abgeben zu wollen. Entscheidungen über die Zukunft einer Franchise müssen getroffen werden. 

Darüber müssen sie auch in der Wüste von Arizona nachdenken. Das Front-Office der Phoenix Suns muss eine Entscheidung treffen. Sie haben eigentlich nur drei Optionen. Traden sie Gordan Dragic noch vor der Deadline am 19. Februar? Oder riskieren sie es, ihn in der kommenden Free Agency zu verlieren? Oder trifft es am Ende doch Isaiah Thomas? 

Ein bekanntes Phänomen 
Die Franchise aus Arizona kennt dieses Szenario eigentlich schon aus dem vergangenen Sommer. Eric Bledsoe wurde Free Agent und es entwickelte sich ein langes Pokerspiel zwischen dem Agenten des Spielers und den Verantwortlichen in Phoenix. Währenddessen wurde Isaiah Thomas per Sign-and-Trade für knappe 27 Millionen Dollar über vier Jahre in die Wüste geholt - vor allem als Absicherung, falls Bledsoe nicht unterschreiben würde.

Letztendlich unterschrieb Bledsoe doch, für 70 Millionen Dollar über fünf Jahre. Zusammen mit Goran Dragic, letzte Saison im All-NBA Third Team, sind die Suns damit auf der Point Guard Position überbesetzt, sportlich wie finanziell. Das hat auch der General Manager Ryan McDonough erkannt. "Wir haben unsere Roster-Balance ein wenig verloren", erklärte der GM vor kurzem. "Wir sind etwas zu Backcourt-lastig. Speziell, was das Scoring angeht. Das müssen wir irgendwie wieder ausbalancieren, ein wenig Länge, etwas mehr Froncourt-Scoring und Rebounding hinzu gewinnen." Brandan Wright als Neuzugang wird da nicht reichen. 

Nun wird Dragic nach der aktuellen Saison Free Agent, und die möglichen Interessenten stehen schon Schlange. Mag man den Gerüchten glauben, sind vor allem die Los Angeles Lakers sowie Dragics ehemaliger Verein Houston Rockets am Slowenen interessiert.  Der 28-jährige dürfte einen Vertrag anpeilen, der ähnlich hoch dotiert ist wie der seines Aufbaukollegen Bledsoe. 

Doch wollen die Suns wirklich zwei Spieler, die nahe an den Maximalvertrag heran kommen und die dazu noch dieselbe Position spielen? Außerdem ist Dragic bereits 28 Jahre alt und möchte vermutlich seinen letzten großen Deal unterschreiben. Bieten sie ihm weniger, könnte Dragic woanders für mehr Geld unterschreiben und die Suns verlieren ihn, ohne Gegenwert bekommen zu haben. 

Nichts ist sicher 
Das Risiko für Phoenix ist dementsprechend hoch und die Suns werden jede Option bis zur Deadline abwägen. Ein Trend ist dabei nicht zu erkennen. Howard Beck von Bleacher Report berichtet, dass die Suns sich über das Wochenende Angebote für Dragic angehört haben. Phoenix ist angeblich bereit, Dragic zu traden, bevor sie ihn in der Free Agency verlieren. Marc Spears von Yahoo Sports  berichtet dagegen, dass die Suns Goran Dragic unbedingt halten wollen und es bereits intensive Gespräche mit den Agenten des Slowenen gegeben hat. 


Ziel Playoffs 
Das Ziel der Franchise ist klar definiert. Die Suns wollen im umkämpften Westen unbedingt in die Playoffs, nachdem sie letztes Jahr nur ein Sieg von der Teilnahme abhielt. Aktuell liegen die Suns auf Rang acht im Westen, haben sieben der letzten zehn Spiele verloren, Oklahoma City ist nur noch einen Sieg hintendran. Auf Platz sieben sind es bereits fünf Spiele Rückstand. In Phoenix geht es darum, den achten Platz dingfest zu machen.

Die Schwachstelle Frontcourt ist erkannt und soll nun behoben werden. Ersatz soll entweder durch einen Trade von Dragic oder Thomas kommen. Bledsoe dürfte nicht zu haben sein. Warum aber sollten die Suns mitten im Rennen um Platz acht einen wichtigen Spieler abgeben und sich damit eventuell schwächen?

Die Denkweise in Phoenix ist relativ klar: Sie können nicht fast das gesamte Salary Cap nur mit Point Guards belasten. Das würde den Suns jegliche Flexibilität in der Zukunft nehmen. Markieff Morris hat zwar einen großen Schritt nach vorne getan und sein Vertrag ist relativ günstig. Auch Alex Len hat sich verbessert, doch er kämpft noch oft damit, nicht in Foulprobleme zu geraten.

Auch die derzeitige Konstellation mit den drei Aufbauspielern scheint nicht optimal zu sein. Alle drei Spieler brauchen den Ball, um effektiv zu sein. Dragic muss öfter auf die Shooting Guard Position ausweichen, die er nicht annähernd so effektiv spielen kann. Steht das „dreiköpfige Point Guard Monster“ gleichzeitig auf dem Feld, reißt es ein offensives Feuerwerk ab. Knapp 117 Punkte erzielen die Suns dann pro 100 Ballbesitze, das Net-Rating beträgt plus-6.0. Doch so gut die Offensive auch ist, defensiv sieht das ganze katastrophal aus. Die Reboundrate ist gerade einmal gut für Platz 24 in der Liga. Nur die Magic, Lakers und Timberwolves beschützen den eigenen Korb schlechter. 


Thomas oder Dragic? 
Isaiah Thomas ist für die nächsten drei Jahre unter Vertrag. Dragic wird Free Agent. Wie entscheiden sich die Suns? Dragic ist der einzige Spieler der 16 Punkte, drei Rebounds, vier Assists und ein Steal pro Partie aufs Parkett bringt und dabei 50 Prozent aus dem Feld trifft. Die Lakers sind anscheinend sogar bereit, ihm einen Maximalvertrag anzubieten. Wäre es also clever, Dragic im Sommer überzubezahlen? Vermutlich nicht.

In Phoenix' momentanen Konstellation ist ein achter Platz im Westen das höchste der Gefühle. Ein Ausscheiden gegen die Golden State Warriors scheint unumgänglich. Die Suns müssen sich Angebote für Thomas und Dragic einholen. Der Ersatz wird talenttechnisch vermutlich abfallen, aber zusätzliche Erstrundenpicks könnten die Entwicklung des immer noch jungen Teams weiter vorantreiben. Ein Verbleib aller drei Aufbauspieler über den Sommer hinaus scheint nicht realistisch. 

Zwei Teams werden immer wieder genannt, wenn es um Dragic geht: die Houston Rockets und die Los Angeles Lakers. Die Lakers besitzen den Erstrundenpick der Houston Rockets und könnten diesen zusammen mit Jordan Hill, Jeremy Lin und Ed Davis nach Phoenix abtreten. Aber ist ein Jordan Hill die Antwort der Suns auf die Big Men in der Western Conference? Vermutlich nicht. Die Rockets könnten immerhin den Erstrundenpick der New Orleans Pelicans anbieten, der vermutlich zwischen 10 und 15 landen wird. Auch das dürfte allerdings nicht dem Marktwert eines Goran Dragic entsprechen. Eine kleine Chance wird zudem noch den Boston Celtics und den Indiana Pacers zugerechnet. Boston kann mit mehreren Erstrundenpicks locken und Larry Bird ist ein bekennender Fan von Dragic.

Es gibt mehrere denkbare Szenarien, in denen ein Trade langfristig Sinn machen kann. Die Meldungen der vergangenen Nacht, wonach Phoenix Dragics Agenten das Zugeständnis eines baldigen Trades offeriert haben soll, beweist endgültig, wieviel Dynamik in der Dragic-Situation steckt. Manager McDonough und das Font Office der Suns stehen vor einer sehr wichtigen Entscheidung.