16 Februar 2015

16. Februar, 2015  |  Pascal Gietler  @PascalCTB


Die Trade-Deadline rückt mit großen Schritten näher. Nur noch bis Donnerstag können unter Vertrag stehende Spieler getauscht werden, traditionell erreicht das Feilschen und Tauschen in dieser Woche seinen Höhepunkt. Grund genug für die #NBACHEF-Redaktion, einen genaueren Blick auf mögliche Umzugskandidaten zu werfen.


"In fünf Jahren möchte ich 'ne Meisterschaft gewinnen. Dafür darfst du so viele Dollars aus dem Fenster werfen, wie du magst, Billy!" - dieses oder ähnliches dürfte Nets-Besitzer Michail Prokhorov anno 2010 hinter verschlossenen Türen im schönen New Jersey bekannt gegeben haben. Geht man im Schnelldurchlauf ins Jahr 2015, muss man jedoch feststellen: Die Nets sind meilenweit vom ersten NBA-Titel der Franchise-Geschichte entfernt und das Gehaltsgefüge macht selbst dem der New York Yankees Konkurrenz. Seit ein paar Monaten wird deswegen hinter verschlossenen Kammern auf Hochtouren versucht, einen (oder gleich mehrere) der aktuellen Top-Verdiener aus dem Nets-Kader zu streichen.

Gehaltsgefüge
Die Brooklyn Nets haben im vergangenen Jahr einen finanziellen Verlust von 144 Mio. $ hinnehmen müssen. Hauptgrund dieses Fiaskos waren vor allen Dingen die absurden Gehaltsstrukturen im Kader der Nets. Point Guard Deron Williams hat schon zwei Jahre das maximale Gehalt im Borough kassiert, weitere drei Jahre und 63 Mio. $ Gehalt stehen noch aus. Joe Johnson darf sich in den kommenden zwei Jahren noch über rund 48 Mio. $ freuen, und Center Brook Lopez verdient bis zur Saison 2016 noch rund 32 Mio. $ - all das sind Tarife, die wohl keiner der drei Spieler wirklich wert ist.

Sollten die Nets bis zum Ende der Trading-Deadline nicht mehr aktiv werden, müssten sie erneut 20.000.000$ an Luxussteuer bezahlen - eine Menge Holz für ein Roster, welches - wenn überhaupt - nur mit Hängen und Würgen die Playoffs in einer echt miesen Eastern Conference erreichen wird.

Take Brook out of Brooklyn
Die Nets möchten laut eigener Aussage keinen Winterschlussverkauf starten. Es geht laut General Manager Billy King nicht darum, Geld zu sparen. Gerüchten zufolge hatten die Nets bereits Möglichkeiten, ihr Roster zu sprengen, doch entschieden sich stets gegen einen Trade, da ihnen kein Angebot für einen ihrer "Stars" gefallen hat.

Für Deron Williams und Joe Johnson werden sie wohl keinen großen Gegenwert bekommen, darum ist ein Trade von Brook Lopez wohl das wahrscheinlichste Szenario. Lopez ist nicht nur der jüngste Spieler der "Big Three", sondern verdient auch am wenigsten. Der Big Man hat außerdem von allen Nets-Spielern den wohl größten sportlichen Impact.

Die Zahlen sprechen auch durchaus für ihn - immerhin legt er in rund 27 Minuten noch 15,3 Punkte bei 50% aus dem Feld auf. Die Feldwurfquote wirkt auf Anhieb nicht beeindruckend, doch Lopez agiert vermehrt aus dem High Post und wirft noch häufiger als in der Vergangenheit. Die beiden großen Fragezeichen in Lopez' Spiel sind das Rebounding und die Defensive.


Die Reboundstatistiken mit 8,2 Rebounds auf 36 Minuten hochgerechnet werden niemanden vom Hocker reißen, doch Fun Fact: Die Nets holen mehr Defensivrebounds mit dem "miesen Rebounder" Lopez auf der Platte. Der Big Man schafft es häufig erfolgreich, seinen Gegner am Rebounden zu hindern - eine Leistung, die im Boxscore völlig untergeht.

Seine allgemeinen Defensivzahlen sind außerdem grundsolide: Nur 45% der gegnerischen Würfe sind von Erfolg gekrönt, den Ring beschützt Lopez mit 50,1% gegnerischer Erfolgsquote auch gut. Sein Rebounding und seine gesamte Defensivarbeit (vor allem die Help-Defense) sind sicherlich nicht Dinge, womit die Nets hausieren gehen sollten, aber eben auch keine richtig gravierenden Schwächen.

Wohin des Weges?
Potenzielle neue Teams für Brook Lopez zu finden ist nicht ganz einfach. Glaubt man den Gerüchten, haben die Denver Nuggets und die Oklahoma City Thunder starkes Interesse bekundet. Die Denver Nuggets dürften wohl mehr Puzzlestücke haben, die die Nets interessieren. Die Frage ist nur: Wie viele Puzzlestücke sind die Nuggets bereit abzugeben?

Sollte ein Ty Lawson Teil eines Deals sein, werden die Nets wohl sofort zuschlagen. Falls kein namhafter Spieler Teil des Paketes sein sollte, wird Billy King wohl - Achtung: Plot-Twist - mindestens zwei Erstrundenpicks für den Edelreservisten Lopez haben wollen. Wie realistisch das ist? Schwierig zu sagen, da man nie so genau weiß, wie hoch der Frustrationspegel der 29 anderen Front-Offices ist. In Denver wird man den Kaffee jedoch auf haben. Wer könnte denn bei solch einem Angebot "nein" sagen?

Brooklyn erhält: JaVale McGee, Wilson Chandler, 2015 1st-Round Draft Pick aus Memphis und 2016 1st-Round Draft Pick aus Denver (Top 10-protected)

Denver erhält: Brook Lopez