24 Februar 2015

24. Februar, 2015  |  Onur Alagöz  @LakersParadigm


Auch wenn die Trading-Deadline den klassischen Blockbuster-Trade vermissen ließ, so wechselte ein Name die Klubfarben, der in den letzten Wochen ganz klar als heißester Kandidat für einen Transfer gehandelt wurde: Goran Dragic. In einem Drei-Team-Trade zog der 28-jährige Slowene zusammen mit seinem Bruder Zoran aus der Sonne Arizonas in die Sonne Floridas zu den Miami Heat um.

Der Teamarchitekt Pat „Don Vito“ Riley verschiffte im Gegenzug etwas Sperrmüll, zwei alte Krawatten sowie Norris Cole, Shawne Williams und Justin Hamilton nach New Orleans. Danny Granger und zwei zukünftige Erstrundenpicks haben in Phoenix ein neues Zuhause gefunden.

Was bedeutet dieser Deal? Um zu verstehen, was passiert ist, schauen wir uns doch kurz mal den Hintergrund der ganzen Geschichte an.

Geiselhaft
Goran Dragic war vergangene Saison einer der sechs besten Guards der Liga. Kein All-Star, aber im dafür viel aussagekräftigeren All-NBA Third Team. Er vollzog im Laufe des letzten Jahre endgültig den Schritt zu einem dieser Spieler, dessen Name ganz oben auf dem Clipboard des gegnerischen Coaches steht.
 
Jedoch war da das Problem, dass die Phoenix Suns drei qualitativ hochwertige Point Guards im Kader hatten. Neben Eric Bledsoe wurde nämlich im Sommer noch Isaiah Thomas‘ Unterschrift auf einen Vertrag gesetzt, was Goran – ein enorm ehrgeiziger Mensch – nicht besonders gefallen hat.

Gerade in den letzten Wochen verhärteten sich dann die Fronten und es kam zu spektakulären Aussagen wie dieser von Goran: „I don’t trust them anymore.” Diese fünf Worte änderten die Dynamik in dieser Personalgeschichte unwiderruflich. Bestand vorher noch der Hauch einer Chance, mit Dragic im Sommer verlängern zu können, gab der Slowene den Langzeitplänen der Suns mit diesem Satz den Todesstoß.


Was also tun? Riskieren, ihn im Sommer ohne Gegenwert ziehen zu lassen oder ihm den Gefallen tun und ihn weggeben? Dragic hatte bereits eine Liste von potenziellen Zielen aufgesetzt, auf der die Lakers, die Knicks und eben auch die Miami Heat standen. Besitzer Robert Sarver, General Manager Ryan McDonough und Präsident Lon Babby konnten eine Geiselnahme des Klubs, wie einst bei Carmelo Anthony oder Dwight Howard, nicht riskieren. Dragic musste weg.

Pick-and-Everything
Als dann feststand, dass seine neue Heimat Miami heißen würde, schlug das Analystenherz höher. Dragic ist eine absolute Waffe im richtigen System und in den richtigen Händen. Gerade im System der Heat, das einen größeren Spielraum für Kreativität lässt als das von anderen Mannschaften, kann Dragic weiter aufblühen. Nur eine Hand voll Spieler in der gesamten Association können besser mit dem Ball kreieren als er. Ein Paradebeispiel für einen Akteur, der quasi nach Belieben das Tempo verändern kann - so jemand kann in der bewegungslastigen Offensive von Coach Erik Spoelstra verheerend sein.


Man stelle sich die Möglichkeiten vor: Dragic übernimmt den Ballvortrag, was Dwyane Wade entlastet und ihm die Chance gibt, sein gutes Low Post Spiel aufzuziehen. Udonis Haslem und Hassan Whiteside setzen harte Picks, rollen ab und Dragic bedient mustergültig. Chris Bosh setzt einen semi-harten Screen, schleicht sich raus auf einen der Flügel und netzt das Ding von außen ein.

Und immer im Hinterkopf des Gegners: Dragic in Schach halten. Ihn nicht in die Nähe des Korbs ziehen lassen, wo er mit 68,1% mehr als respektabel abschließt. Unter dem Pick durchgehen ist auch keine Option, Dragic traf letzte Saison über 40% seiner Versuche von Downtown. 

Neben Wade, Bosh, Whiteside und Luol deng ist die Starting Five – mit Ausnahme von Bosh, dazu gleich – facettenreich und variabel aufgestellt. Endlich haben die Heat einen Point Guard, der sowohl als Verteiler sowie als Scoringoption ernst genommen werden muss.

Seine defensiven Qualitäten sind überschaubar, jedoch ist er dank seiner Länge und Agilität in den Passwegen immer für den ein oder anderen Steal gut. Der danach folgende Fastbreak offenbart auch eine seiner größten Stärken: im Open Court ist Dragic fast unhaltbar.

Wermutstropfen
Vor zwei Tagen ereilte uns allerdings die mehr als traurige Nachricht, dass Dragics neuer Teamkamerad Chris Bosh länger ausfallen wird. Dies trifft die Heat hart, denn gerade das Zusammenspiel der zwei besten Spieler des Teams war es, worauf sich Fans direkt nach dem Trade am meisten gefreut hatten.



Als Ersatz für Bosh stehen nun wahlweise Haslem oder der Birdman Chris Andersen bereit, welche selbstredend nicht ansatzweise die Qualität von Bosh besitzen. Dennoch: auch hier besteht wenigstens Potenzial im Pick & Roll, gerade Haslem ist als knallharter Blocker bekannt und trifft auch aus der Mitteldistanz zuverlässig.

Sollte sich die schwere Krankheit von Bosh als nicht ganz so ernst herausstellen, was zu hoffen ist, so sind die Heat jetzt ein echter Angstgegner in den Playoffs. Gerade in der Postseason wird die Rotation bekanntlich kürzer und die Heat stellen eine Starting-Five, die im Osten für Furore sorgen kann.

Immer wieder Riley
Es ist faszinierend zu sehen, wie es Pat Riley immer wieder schafft, namhafte Spieler an den South Beach zu locken. Ob es String Bikinis, die Nachtclubs oder das Charisma des Heat-Chefs sind, spielt eigentlich gar keine Rolle - er hat eine gewisse Aura und bringt diese Deals unter Dach und Fach.

Im Sommer werden Teambesitzer Micky Arison und Riley gemeinsam eine Vertragsverlängerung aufsetzen, unter die Dragic mehr als bereitwillig sein Autogramm geben wird. Rechnet ruhig mit einem langen Deal mit mindestens 14 Millionen jährlich.

Für die nächsten Jahre sind die Heat also nach diesem Steal, bei dem sie wie gesagt so gut wie nichts abgegeben haben, auf der Aufbauposition gesetzt. Chapeau, Mr. Riley. Auch wenn die Art und Weise, wie Dragic die Suns verlassen hat, nicht gerade ehrenhaft anmutet, so kann man sich als Fan freuen, dass im Osten das Playoff-Rennen wenigstens ein bisschen spannender geworden ist.


Update: Chris Bosh fällt tatsächlich für den Rest der Saison aus. Sein Gesundheitszustand ist stabil, er wird aber mindestens drei Monate intensiv behandelt und kein Basketball spielen. Damit sinken die Chancen der Heat auf ein Playoff-Upset in dieser Saison natürlich empfindlich.