04 Februar 2015

4. Februar, 2015  |  Sebastian Seidel  @Sebastianctcb


Die Milwaukee Bucks sind die Überraschung der Saison. Nachdem sie im vergangenen Jahr mit nur 15 Siegen die schlechteste Bilanz der NBA stellten, liegen sie in dieser Saison klar auf Playoffkurs.

Der Grund dafür ist die deutlich verbesserte Defensive. In der letzten Saison ließ Milwaukee auf 100 Possessions noch 108.9 Punkte zu (Rang 29), in dieser Saison sind es nur noch 98.7. Nur die Golden State Warriors verteidigen noch besser. Was aber macht die Bucks in der Defensive so stark?

Identität und Variabilität
Der Fokus von Trainer Jason Kidd wurde komplett auf die Defensive gelegt. Diese beginnt bekanntlich schon in der Offensive. Nach einem verfehlten Wurf arbeiten die Bucks fast nie an den Brettern, sondern versuchen möglichst schnell zurück in die eigene Hälfte des Courts zu kommen um keine einfachen Punkte in der Transition zu kassieren. Pro Spiel erlauben die Bucks gegnerischen Mannschaften nur 10.5 Punkte im Fastbreak - der beste Wert in der gesamten Liga.

Die Mischung im Kader aus Länge auf den Flügelpositionen (Kris Middleton, Giannis Antetokounmpo) und beweglichen Big Men (Zaza Pachulia, John Henson) bildet den Grundkern für die gute Defensive im Halfcourt. Zum einen kann Kidd dadurch je nach Matchup spezifische Anpassungen machen, zum anderen macht es aber auch die Bucks auf dem Feld deutlich variabler. Sie können unglaublich viel Druck auf den ballführenden Spieler erzeugen, ihn zu Turnover zwingen und dadurch selbst einfache Punkte in der Transition generieren. In den drei Kategorien Steals, gegnerische Turnover und Fastbreakpunkte liegen die Bucks unter den besten vier Teams der Liga.

Diese druckvolle Defense führt oft dazu, dass vergleichsweise häufig geswitcht wird. Auch hier helfen die physischen Voraussetzungen den Bucks ungemein und machen es dem Gegner schwer, solche Mismatches ausnutzen zu können. Mit 2,11 Metern hat z.B. Antetokounmpo durchaus die Länge, um auch mal einen Power Forward zu verteidigen. John Henson als Center auch die Schnelligkeit auf den Beinen und die Beweglichkeit um einem Guard keinen einfachen Korbleger zu erlauben.

Pick & Roll- und Help-Defense

Auf diesem Bild sind zwei weitere Merkmale der Bucks Defense gut zu erkennen: Zum einen die druckvolle Pick&Roll-Defense der Bucks. Der Center John Henson (rot) steht extrem weit vom eigenen Korb entfernt, um den Drive von Lillard früh zu verhindern. Das ist nur aufgrund seiner für einen Center außergewöhnlichen Beweglichkeit möglich.

Zum anderen stehen alle Verteidiger, die nicht im Pick&Roll involviert sind, relativ weit weg von ihren jeweiligen Mitspielern an der Dreierlinie. Antetokounmpo und Jared Dudley stehen sogar mit einem Fuß in der Zone, um im Pick&Roll aushelfen zu können.



Henson hat sich komplett darauf konzentriert, den Drive von Lillard zu verhindern, während Antetokounmpo sich bereits in Richtung Aldridge orientiert, um einen möglichen Midrangewurf zu verhindern.

Vor allem das erste Bild zeigt eindrucksvoll, wie alle Spieler der Bucks bereit sind im Pick&Roll auszuhelfen. Niemand steht nur bei seinem Gegenspieler in der Ecke und wartet ab was passiert. Wichtig dabei ist, dass die Spieler wenn der Pass zu einem der Schützen kommt, einen kontrollierten Closeout machen. Hier hilft Antetokounmpo erst bei Aldridge aus und macht danach einen perfekten Closeout, mit dem er sowohl den Wurf als auch den Drive von Batum verhindert.



Die Bucks machen als Team einen exzellenten Job bei den Closeouts, was sich auch in der gegnerischen Dreierquote wiederspiegelt. Lediglich 32,6 Prozent aller gegnerischen Dreierversuche finden den Weg durch die Reuse - nur drei Teams in der Liga verteidigen den Dreipunktewurf besser.
Obwohl die Bucks momentan nicht auf Larry Sanders zurückgreifen können, bleiben auch die zugelassenen Feldwurfquoten in Ringnähe sehr niedrig. Das defensive System der Bucks funktioniert also selbst, wenn der vermeintlich beste Verteidiger nicht auf dem Feld steht. 

Problemstellen
Auch wenn die Bucks Defense im Januar auf einem sehr hohen Niveau agierte (DefRtg 94.3), gibt es dennoch Schwachstellen. Die Bucks haben vor allem Problemem, sich nach einem Fehlwurf den Rebound zu sichern. Sie holen sich lediglich 72.4 Prozent aller Defensivrebounds (Rang 27) und geben dem Gegner so zu viele zweite Chancen.

Ein zweites großes Problem sind physisch starke Big Men, die viel aus dem Low Post agieren. Zaza Pachulia ist der einzige Big Man der Bucks, der über ausreichend physische Präsenz verfügt um einen solchen Gegenspieler im Post verteidigen zu können. Henson, Ilyasova und Sanders haben für ihre Position vergleichsweise wenig Masse und einem Spieler wie z.B. Pau Gasol (46 Punkte gegen die Bucks) wenig entgegenzusetzen.

Props
Der Defensiv-Anker fehlt mit privaten Problemen, der designierte Franchiseplayer reißt sich das Kreuzband - dennoch stehen die Bucks mit einer 27-22-Bilanz auf Rang sechs in der Eastern Conference. Kidd hat es geschafft, seiner jungen Truppe eine Identität zu verleihen und wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in die Playoffs führen.

Man kann die Art seines Abgangs aus Brooklyn durchaus kritisch sehen. Dennoch muss man Kidds überragende Leistungen als Head Coach in Milwaukee respektieren und sollte ihn als legitimen Coach-of-the-Year-Kandidaten erwähnen.