26 Februar 2015

26. Februar, 2015  |  Dusan Veljkovic


Was in Sacramento als hoffnungsfrohe Saison begann, ist mal wieder in Chaos ausgeartet. Coach gefeuert, Interims-Coach installiert, Interims-Coach gefeuert, neuen Head Coach verpflichtet... inmitten der ersten All-Star-Saison von DeMarcus Cousins soll nun Top-Trainer George Karl die nötige Ruhe und Kompetenz ins Team bringen. Setzt sich Karl durch, oder verschleißen die Kings ihn ebenfalls?


Boogie goes to NYC!!!
Was ihm letztes Jahr verwehrt blieb schaffte er in diesem Jahr: DeMarcus Cousins ist All-Star! Zwar wurde er weder von den Fans, noch von den Coaches direkt ins West Team gewählt, aber durch den Ausfall von Kobe Bryant nominierte ihn Commissioner Adam Silver nach. 

Die Nominierung ist absolut verdient. Cousins legt in dieser Saison Karrierebestleistungen bei den Punkten (23.8), Rebounds (12.5), Assist (3.3) und Blocks (1.7) auf. Dazu noch 1.4 Steals pro Spiel und starke Quoten (47% FG, 80% FT). Die Advanced Stats zeigen ein True Shooting Quote von 54%, und ein PER von 24.0. Die einzigen Wermutstropfen sind seine 4.2 Fouls und 4.4 Ballverluste pro Partie.

Das grösste Plus dürfte aber seine verbesserte Reife und Führungsqualität sein, die er in dieser Saison zeigt, wie zuletzt bei seinem Gamewinner gegen die Suns oder seine Haltung gegenüber dem Management zum ganzen Trainertheater (dazu später mehr).

Das Erwachen des Ben McLemore
Was hatte Ben McLemore für eine Rookieseason! Der siebte Pick des 2013er Drafts enttäuschte auf ganzer Linie und die ersten „Bust“ Stimmen wurden schon laut. 8.8 Punkte bei 38% aus dem Feld und nur 32% von der Dreierlinie, kein Selbstvertrauen und eine miese Körpersprache - das war Bens erstes NBA Jahr.

Im Sommer gab's den ersten unfreiwilligen Wechsel. Da die Nummer 16 von Kingslegende Peja Stojakovic im Dezember an die Hallendecke gezogen wurde, musste McLemore seine Trikotnummer ändern. Er ging zu seiner College-Nummer zurück, der 23, die ja im ersten Jahr von Marcus Thornton blockiert wurde, der inzwischen über Brooklyn und Boston in Phoenix gelandet ist.

Die neue Spielzeit fing für McLemore an, wie die alte aufgehört hat: 0, 7, 3, 5, 10... keine aktuellen Lottozahlen, sondern seine Punktausbeute in den ersten fünf Spielen der Saison. Danach fand der Youngster seinen Rhythmus, legte im November und Dezember 13 Punkte, 3 Rebounds und knapp 2 Assists auf, bei Quoten von knapp 50% aus dem Feld und 40% von der Dreierlinie.

Im Januar schwächelte er wieder und war überall unter dem Schnitt der beiden Vormonate. Im Februar, also vor und direkt nach dem All-Star Break, spielte er sich wieder auf das Level vom Saisonbeginn und erzielte bisher sieben Mal in neuen Partien mindestens zehn Punkte.

Seine Stats in dieser Saison lesen sich solide: 11.7 Punkte, 2.9 Rebounds, 1.5 Assists, 44% aus dem Feld und 36% von der Dreierlinie... Zahlen die keinen vom Hocker reißen, aber er hat sich überall verbessert und man sieht seine Entwicklung deutlich. Auch wichtig: Körpersprache und Selbstvertrauen sind auch ganz anders als noch letzte Saison. Slow and Steady Ben, Slow and Steady.


Coach K übernimmt
Nein, nicht der legendäre 'Coach K' der Duke Blue Devils. Der 63jährige George Matthew Karl übernahm nach der All-Star Pause sein sechstes NBA-Team und gab sein Debüt am 20. Februar im Heimspiel gegen die Boston Celtics. Karl unterschrieb einen Vertrag über vier Jahre, der ihm 15 Millionen Dollar einbringen wird.

Karl war neben Mark Jackson schon direkt nach der fragwürdigen Entlassung von Mike Malone heissester Kandidat auf den Posten, aber Sacramento wollte zunächst Tyrone Corbin eine Chance geben. Nach 28 Spielen und einer Bilanz von 7-21 (Malone stand bei 11-13) sahen die Verantwortlichen doch ein, dass Corbin kein Head Coach ist. Der darf nun einen neuen Job als Berater des Managements antreten (heisst er kassiert vermutlich Checks fürs nix tun).

GM Pete D'Alessandro und Karl kennen sich schon aus Denver-Zeiten, wo sie bis 2013 zusammengearbeitet haben, bevor Karl trotz Coach of the Year Auszeichnung und bester Saison der Nuggets-Geschichte (57-25) nach dem Erstrundenaus gegen die Warriors entlassen worden war. Assistant GM D'Alessandro wurde Manager in Sacramento. Die grösste Hürde vor der Verpflichtung von Karl war DeMarcus Cousins mitsamt Agenten. 

Cousins selbst hatte sich nie öffentlich geäussert. Umso mehr aber seine beiden Agenten Dan Fegan und Jarinn Akana. Sie befürchteten, dass Karl sein System aus Nuggets-Zeiten installieren und dass Cousins' Produktivität darunter leiden würde. Cousins äusserte sich aber nach der Verpflichtung positiv und freute sich, mit dem "legendären George Karl" zusammenzuarbeiten und sich unter ihm weiterzuentwickeln. Er hofft auch, dass endlich Kontinuität auf der Head Coach Position eingekehrt ist. 

Die 25-jährige Coaching-Karriere von Karl ist legendär. Er liegt momentan mit 1133 Siegen auf Platz sechs der ewigen Liste. 60 Prozent seiner Spiele hat er gewonnen. Seine Playoffstatistik liegt bei 80-105 und 43% gewonnener Spiele. Das ist auch das, was ihm immer vorgeworfen wird: ein toller Regular Season Coach, aber in den Playoffs versagt er immer.

Bei seinen letzten drei Stationen in Seattle, Milwaukee und Denver verpasste er nur 2001/02 mit den Bucks die Playoffs, trotz einer .500 Bilanz (heute würde das im Osten locker für die Playoffs reichen). Mit jedem dieser Teams erreichte er aber mindestens einmal das Conference Finale, mit Seattle 1996 sogar in die NBA-Finals, wo die Sonics den legendären Bulls mit 4-2 unterlagen. So schlecht klingt das alles dann doch nicht.


Die Playoffs sind in diesem Jahr sowieso kein Thema bei den Kings. In den restlichen knapp 30 Partien geht es jetzt also darum, dass Karl ein System entwickelt und die Spieler evaluiert, mit denen er auch nächste Saison zusammen arbeiten will, damit GM D'Alessandro weiss, was er im Sommer zu tun hat. Karl wird sein Run & Gun aus Nuggets-Zeiten vermutlich nicht einfach kopieren, sondern Anpassungen vornehmen, um die beiden Stars Cousins und Gay richtig einzubinden. Beide agieren am besten aus dem Half Court, beide können allerdings auch rennen. Wir werden also sicherlich einen Mix aus schnellen und langsameren Spielelementen sehen.

Ich jedenfalls freue mich auf George Karl (auch wenn ich immer noch Mike Malone nachtrauere) und bin mir sicher, dass wir spätestens in der nächsten Saison richtig schönen und erfolgreichen Basketball in Sacramento sehen werden. Aus den ersten drei Partien in neuer Konstellation sprangen übrigens zwei Siege raus - einer davon gegen das zweitbeste Team der Western Conference.