13 Januar 2015

13. Januar, 2015   |  Daniel Schlechtriem  @W14Pick


Nach Rondo und Brewer gehen weitere offensichtliche Trade-Kandidaten über den Ladentisch: Die Trading Season ist in vollem Gange und es scheint bis zur Deadline am 19. Februar nicht stiller zu werden. Mitten in der Saison vier Deals innerhalb einer Woche zu bezeugen, ist bemerkenswert selten, daher lohnt sich ein Blick auf die jeweils beteiligten Spieler, die Motivation der Teams sowie die Auswirkungen.


Stühlerücken der Problemkinder
In einem Three Team Trade entledigen sich die Cleveland Cavaliers in Dion Waiters ihres vierten Picks des 2012er Drafts und gestehen damit endgültig ein, an diesem Abend – als unter anderem Damian Lillard und Andre Drummond noch verfügbar waren – gründlich daneben gegriffen zu haben. 

CLE: Iman Shumpert, J.R. Smith, 2015 1st Round Pick (OKC)
OKC: Dion Waiters
NYK: Lance Thomas, Lou Amundson, Alex Kirk, 2019 2nd Round Pick (CLE)

Waiters geht nach Oklahoma City, wo ein neues, ruhigeres Umfeld auf ihn wartet, als im reizbaren und ungeduldigen Cleveland. OKCs frisch zurückgekehrter MVP Kevin Durant kommentierte die Akquirierung des Shooting Guards wie folgt: „Wir werden ihm das Gefühl geben, erwünscht zu sein. Ich glaube nicht, dass ihm das in den letzten Jahren so ergangen ist.“ Im Idealfall füllt Waiters bei den Thunder als Feuerkraft von der Bank die Lücke, die seit James Hardens Abgang im Oktober 2012 offen geblieben ist und die seither Kevin Martin, Jeremy Lamb und Anthony Morrow nicht einzunehmen imstande waren. Die Kehrseite dieses Deals für die Thunder: Waiters Gehalt von über fünf Millionen Dollar wird in der kommenden Saison in den Büchern stehen, das macht eine Vertragsverlängerung von Reggie Jackson noch unwahrscheinlicher als ohnehin schon, so dass GM Presti bis Februar keine Ruhe haben wird. Durant, Westbrook, Waiters und Jackson zusammen klingt ohnehin nicht nach einer sonderlich gut funktionierenden Rotation: Zu wenige freie Minuten und Würfe, um allesamt zufrieden zu stellen.

Die Knicks werfen mit diesem Zug endgültig das Handtuch für dieses Jahr. Alle drei Neuzugänge haben nicht-garantierte Verträge und wurden bereits aus diesen entlassen. Für den neuen starken Mann am Big Apple geht es um nicht weniger als Gehaltseinsparungen im laufenden Jahr und mehr Flexibilität im Sommer. Für den ehemaligen besten sechsten Mann J.R. Smith – gefühlt eine Ewigkeit her – und seine Player Option war kein Gegenwert zu erwarten, um ihn loszuwerden mussten die Knicks Shumpert drauf legen, dessen Spiel allerdings schon länger stagniert und der den Bockers in der gegenwärtigen kritischen Situation ebenso wie Smith keine Hilfe war. Um vollends in den Tanking-Mode zu schalten, wurde der im Sommer erst im Zuge des Tyson Chandler Deals nach New York gekommene Center Samuel Dalembert entlassen. Hätten die Knicks dies nicht vor Ende dieser Woche vollzogen, wäre sein Gehalt von etwas über vier Millionen Dollar garantiert geworden.
Phil Jackson zieht weiter gnadenlos den Umbruch voran und verdient Lob dafür, innerhalb kurzer Zeit nicht nur Ray Felton, sondern auch J.R. Smith ohne Langzeitschäden losgeworden zu sein und somit im Madison Square Garden zumindest Hoffnungen auf ein besseres (Über-)Übermorgen zu schaffen.

Cleveland hingegen hat keine Zeit zu verlieren. Trotz aller Loyalitätsbekundungen gilt es, dem zurückgekehrten verlorenen Sohn ein Championship-fähiges Team zu stellen. Mit diesem Deal sind sie ihrem Ziel zwar keinen signifikanten Schritt weitergekommen, schaffen sich aber in oben genanntem Waiters ihre größte Sorge vom Hals. Im Gegenzug erhalten die Cavs zwar sicherlich nicht einfachere Charaktere, können aber darauf hoffen, dass ihre Neuzugänge Smith und Shumpert, die in New York ebenso unbeliebt waren wie Waiters in Cleveland, in der neuen Heimat zu alter Stärke finden. Das eingegangene Risiko ist jedoch nicht zu vernachlässigen, denn J.R. wird seine oftmals haarsträubende Wurfauswahl gewiss nicht anpassen und hat zudem die bereits erwähnte Player Option in Höhe von 6,4 Millionen Dollar im Vertrag stehen, die er kaum verstreichen lassen wird und somit – sofern er seine Nicht-Leistungen der letzten Zeit bestätigt – bis zum Sommer 2016 ein recht kostspieliges Unterfangen darstellt.



Auch bei Iman Shumpert bleibt abzuwarten, ob er wieder der starke Defensivspieler und gefährliche Schütze (zumindest außerhalb des Madison Square Gardens) werden kann, der er in seinem Rookie-Jahr gewesen ist. Sollte auch Shump sein Knickerbockers-Ich mit im Gepäck nach Ohio haben, können ihn die Cavs wenigstens gleich im Sommer abstoßen, denn dann ist der Guard Restricted Free Agent. Besonders hohe Angebote sind für den 24-jährigen nicht zu erwarten. Für alle Beteiligten mit garantiertem Vertrag bedeutet der Trade eine neue Chance und ein möglicher Wendepunkt zum Besseren.

Fazit: Vorteil alle (noch ein bisschen mehr NYK)

Cleveland erhöht den Einsatz
Die Cavs sind aber längst nicht fertig, immerhin wurde mit der Addition der beiden Flügel Smith und Shumpert der größte personelle Engpass seit der Verletzung Anderson Varejaos nicht gelöst. Daher holen sie in Center Timofey Mozgov, der aus Denver kommt, einen ausdrücklichen Wunschspieler von Coach Blatt, welcher seinen neuen Big aus der gemeinsamen Zeit bei der russischen Nationalmannschaft bestens kennt. Der Preis für den 28-jährigen ist allerdings nicht gering: 

CLE: Timofey Mozgov
DEN: 2015 1st Round Pick (MEM), 2015 1st Round Pick (OKC)

Mozgov ist unter den NBA-Centern allerhöchstens Mittelmaß und auch nicht der Ringbeschützer, den Cleveland eigentlich bräuchte. Dass sie sich dennoch auf ihn verständigt haben und dabei noch zwei Erstrundenpicks (der eben erst erhaltene Pick der Thunder sowie jener der Grizzlies, den die Cavs vergangenen Jahr im Zuge des Deals um Marreese Speights und Jon Leuer aus Memphis erhielten) abgeben zeigt, wie verzweifelt die sportliche Leitung um GM Griffin sein muss. Selbst im schwachen Osten stehen die Chancen auf einen tiefen Playoff-Run angesichts der Emporkömmlinge aus Atlanta, Toronto und Washington sowie dem prognostizierten Widersacher aus Chicago eher zweifelhaft. Dass sie fortan wieder mit einem Center spielen, verschlechtert die Aussichten zumindest nicht.

Für die Nuggets ist der Abgang Mozgovs kein Verlust. Zum einen ist ihre Saison ohnehin längst gelaufen – sie sind im Westen deutlich und chancenlos abgeschlagen und müssen ihren Blick bereits in Richtung Draft Lottery richten. Zum anderen ist ihre Zukunft am Korb in Person von Rookie Jusuf Nurkic geklärt. Die beiden erhaltenen Picks können sie in ihre Zukunftsplanung investieren und jene eventuell gar verwenden, um sich am Draft-Abend, wenn sie aller Voraussicht nach keinen der obersten Picks haben werden, nach oben zu traden.

Fazit: Vorteil Denver


Boston eröffnet den Winterschlussverkauf
Die Celtics treiben mit zwei separaten Trades die radikale Verjüngung voran und verschlechtern sich weiter vorsätzlich, um demnächst nach Detroit auch Orlando vor sich zu sehen und die Chancen auf einen Top 3 Pick somit erheblich zu erhöhen. 

PHX: Brandan Wright
BOS: 2015 1st Round Pick (MIN)

MEM: Jeff Green, Russ Smith
NOP: Quincy Pondexter, 2015 2nd Round Pick (MEM)
BOS: Tayshaun Prince, Austin Rivers, 1st Round Pick (MEM)

In Brandan Wright und Jeff Green schicken sie ihre wertvollsten verbliebenen Veteranen nach Phoenix respektive Memphis und sind bald das für Erstrundenpicks, was Philadelphia für Zweitrundenpicks ist. Diese noch weiter aufzustocken wird für GM Danny Ainge aber schwierig: Verblieben sind noch die wuchtigen Verträge von Gerald Wallace (10,1 Millionen Dollar p. a. bis 2016) sowie die auslaufenden von Marcus Thornton (8,5 Millionen Dollar) und Brandon Bass (6,9 Millionen Dollar), für die es allerdings im Gegensatz zu Rondo, Green oder Wright nicht unwesentlich komplizierter werden wird, Abnehmer zu finden. Der akquirierte Prince hat sportlich keinen Wert mehr und wird Boston einzig darin helfen, im Sommer Cap Space freizuschaufeln. Für den einstigen Premium-Verteidiger und 2004er Champion wird es in Boston schwierig werden, sich auf einen neuen Vertrag im kommenden Sommer zu empfehlen. Mit seinen bald 35 Jahren scheint ein nahendes Karriereende eher wahrscheinlich. 

Die Personalie Rivers ist weder als Gefälligkeit an dessen Vater und ehemaligen Championship-Coach der Celtics, noch als sportliche Investition   zu verstehen. Bevor der Deal mit den Pelicans überhaupt endgültig unter Dach und Fach war, versuchten die Bostoner bereits Docs Filius, der in seinem dritten Jahr immer noch nicht richtig in der NBA angekommen ist, direkt weiter zu verschiffen. Erster Kandidat: Ausgerechnet die Clippers, wo Rivers Senior coacht – und wo ein wenig Tiefe auf der Point Guard Position hinter Chris Paul nicht unwillkommen wäre. Ob ein Vater-Sohn-Gespann auf professioneller Ebene eine gute Idee ist, sei dahingestellt.


Phoenix holt sich die dringend notwendige Verstärkung in der Zone. So talentiert Len und Plumlee auch sein mögen, genügen sie (derzeit) mit ihren zusammengerechneten elf Punkten pro Spiel besonders offensiv nicht, um im brutalen Kampf um die ersten acht Plätze im Westen zu bestehen. Mit Wright sind die Suns in Korbnähe erheblich gefährlicher, in Dallas spielte der 27-jährige als Bankspieler einen zuverlässigen Part. Seine offensive Entlastung ist dringend notwendig, denn früher oder später werden Kevin Durant und Russell Westbrook mit Nachdruck an die Tür zum achten Platz klopfen, den Phoenix derzeit ohne größere Aufstiegschancen hält. Um Oklahoma City und seine All-Stars abzuwehren, brauchen die Suns jede Hilfe, die sie kriegen können, vor allem in Korbnähe. 

Den Pick der Wolves, den die Suns für Wright abgeben, ist 2015 und 2016 von #1 bis #12 geschützt und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dann nicht zum Einsatz kommen, stattdessen anschließend in zwei 2nd Rounder umgewandelt werden. Folglich keine allzu teure Addition, zumal sich die Suns ohnehin nicht unberechtigte Hoffnungen auf den bedeutend wertvolleren Pick der Lakers (geschützt von #1 bis #5) machen dürfen.


Die Grizzlies hingegen vollziehen den erwarteten Wechsel auf dem Flügel. Tayshaun Prince genügt den Ansprüchen nicht mehr, in Jeff Green erhalten sie Unterstützung auf dem insbesondere offensiv schwach besetzten Perimeter. Der fünfte Pick des 2007er Drafts trifft zwar in der laufenden Saison nur 30% von der Dreierlinie, wird sich aber mit seinem Arbeitseifer in Memphis gut einfügen und die Freiräume, die die Präsenz von Marc Gasol und Zach Randolph zwangsläufig schafft, für sich nutzen. Sollte letzterer, wie in den vergangenen Wochen, verletzungsbedingt ausfallen, kann Green zumindest für wenige Minuten bei einem passenden Matchup auf der Vier aushelfen. Der andere Neue, Rookie Russ Smith, ein Second Round Pick des letzten Drafts, ist eher als Projekt zu verstehen und wird als Point Guard hinter Conley, Udrih und Calathes vorerst kein Land sehen.

Auf der langewährenden Suche nach einem Small Forward holen die Pelicans Quincy Pondexter zurück. Dieser spielte bereits in seiner Rookie-Saison in Louisiana (damals noch für die Hornets), wurde dann 2011 im Austausch gegen den inzwischen mehrfach weitergereichten Greivis Vasquez nach Memphis geschickt. Pondexter ist bei den Grizzlies infolge des Deals um Green entbehrlich geworden, mit bescheidenen 4,5 PPG und den schlechtesten Karrierewerten in Field Goal- und Three Point Percentage in der laufenden Saison stellt er keinen Verlust für Memphis dar. Sein altes-neues Team vertraut jedoch in den 26-jährigen, denn wenngleich sie kaum etwas für ihn abgeben, garantiert ihm dessen bis 2018 datierter Vertrag insgesamt knapp 14 Millionen Dollar. Gegen Luke Babbitt und Dante Cunningham sollte er sich auf der Drei durchsetzen.

Fazit: Vorteil alle (außer Tayshaun Prince)