26 Januar 2015

26. Januar, 2015   |  Tobi Mannhart  @TobeyTen


Jeff Green hat nie gehalten, was er versprochen hat.“ So oder so ähnlich sieht zumindest die öffentliche Wahrnehmung aus. Weder in Oklahoma City noch in Boston erfolgreich, ist Green der typische 'Tweener, der seinen Teams erst gut tut, wenn er und seine schlechten Quoten wieder weg sind. Es gibt so viele Argumente, warum man den Trade der Grizzlies für Green verurteilen könnte, besonders in einer Zeit, in der First Rounder so wertvoll sind.

Doch scheint es in den ersten Wochen so, als ob Jeff Green genau das Puzzlestück sein könnte, das den Grizzlies gefehlt hat. Könnte es sein, dass Memphis nun ein echter Contender ist? Und ist das aufgrund oder trotz des Trades so? In der Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich für euch sogar die Spiele gegen Philly am 24.01. und Orlando am 16.01. mit allergrößter Aufmerksamkeit verfolgt, und glaubt mir - das rate ich niemandem. Richten wir also unseren Blick auf die Contras zum Trade und analysieren, warum Greens Probleme für Memphis eventuell nur Problemchen sind:

Argument 1: Vertrag
Die gesamte NBA schielt in der Offseason auf Marc Gasol. Es scheint sicher, dass der Jüngere der beiden All-Star-Starter-Brüder einen Maximalvertrag bekommt. Für eine Franchise in einem so kleinen Markt wie Memphis scheint es daher schwierig, einen derart großen Vertrag aufzunehmen und gleichzeitig seinem Star einen Max-Contract zu bieten. In den amerikanischen Medien war da oft die Rede von „Green's contract caps out the Grizzlies“. Falsch.

Gehen wir davon aus, dass Jeff nächstes Jahr seine Spieleroption zieht und damit 9,45 Mio. $ einstreicht. Im Normalfall würde das wirklich zu Problemen führen, allerdings in diesem Fall nicht. Und das nicht nur aufgrund des steigenden Salary Caps, denn der Kniff dahinter ist Zach Randolphs Vertrag. Sein Salär sinkt von 16,5 Mio. $ auf 9,6 Mio. $, was einer Ersparnis von 6,9 Mio. $ gleichkommt. Gegengerechnet sind es also 2,5 Extramillionen, die Memphis aufgenommen hat. Bei einem steigenden Salary Cap also keineswegs eine „capped out“ - Situation, sondern eine kleine Mehrbelastung, die als Contender wohl verkraften werden kann. Oder, Robert Pera?

Argument 2: Quoten
Zugegeben, Jeff Greens Quoten sind nicht berauschend, sie sind in Memphis sogar noch schlechter als zuvor. Er ist sicher nicht der Shooter, den sich Memphis zur Verbesserung des Spacings vielleicht gewünscht hat und dazu noch ein Spieler, der nur in Korbnähe wirklich effizient abschließt. Allerdings: Ist das schlimm? Nein, denn auch wenn er nicht gut wirft - wenigstens wirft er. Vor seiner Ankunft bekleidete ja Tayshaun „Nein, ich werfe nicht“ Prince die Drei, was gegnerische Teams dazu veranlasste, diese Position gar nicht mehr zu verteidigen. Dadurch ergaben sich einfache Möglichkeiten, Gasol, Zach Randolph oder Mike Conley zu doppeln. Somit sind es nicht nur Greens Würfe, die so wichtig für Memphis werden könnten, sondern die Scoringerleichterung für die Optionen eins bis drei, eben Randolph, Gasol und Conley. 

Argument 3: Rolle
Das Wort „Option“ bringt uns zum nächsten Thema: es ließe sich argumentieren, dass Green hinter Gasol, Conley, Z-Bo und Courtney Lee nur Option fünf ist und die Frage stellen, ob es denn keine Verschwendung sei, einem Spieler mit seinem Gehalt eine derart kleine Rolle zu geben. Allerdings geht es hier um zwei andere Faktoren.

Erstens hat Memphis endlich einen Spieler, der sich von der Bank kommend seinen eigenen Wurf kreieren kann; ein Spielertyp, den die Grizzlies vor dem Trade vergeblich gesucht haben. Zweitens, das mag hart klingen, aber: jeder Wurf, den Jeff Green nimmt, nimmt nicht Tony Allen. Offensiv ist der 'Grindfather' nämlich mittlerweile noch schlechter als früher und fast nicht mehr tragbar. Es existiert sogar die Legende, dass Tony schon immense Summen in die Mannschaftskasse investieren musste, weil ihm jeder vergebene offene Layup einhundert Dollar kostet.

Besonders offensichtlich wird das bei einem der uninspiriertesten Spielzüge im Playbook der Grizzlies: In der Garbage-Time, wenn Conley keinen Bock hat, und das passiert vier bis fünf Mal pro Partie, spielen die Bären immer den gleichen, in Anführungsstrichen, „Spielzug“ und der sieht so aus: 1. Hoher Screen von Gasol, 2. Zug zum Korb von Conley, 3. Gasol bleibt stehen, 4. Pass von Conley auf Gasol am Elbow, 5. Pass nach außen auf die „Shooter“, 6. Swing-Swing bis Courtney Lee halbwegs frei ist, 7. Dreier Lee, [8.Hoffen, dass Z-Bo den Offensivrebound holt])


Nachdem Gasol den Ball bekommt, kommt kurz darauf schon immer einen Baseline Cut von Allen, allerdings weigert sich Marc oft, den freien Tony anzuspielen (aufgrund der oben genannten Layup-Schwäche). Diese Cuts führt seit Neuem nun Jeff Green aus. Und ich kann eins sagen: das macht er extrem gut und mit einer bewundernswerten Explosivität und muss daher mit größter Aufmerksamkeit verteidigt werden, sonst ergeht es den Gegnern wie Orlando in der angesprochenen Partie vor einer Woche (21 Punkte, fast alle durch einfache Dunks, obwohl Green gerade erst angekommen war und seine Jumpshots nicht traf). Auch Coach Dave Joerger erkannte das spätestens nach diesem Spiel und kann seiner bescheidenen Offense nun endlich eine weitere Waffe hinzufügen.

"He's learning how to play off other guys [...] He's a good cutter, (coming) out of being a smart player and playing a good cutting system in college. That's kind of where he made his money tonight." 

Argument 4: Tweener
Jaja, die Tweener, also Spieler die auf keiner Position so richtig passen, sind mittlerweile sehr unbeliebt in der NBA. Green gehört zweifelsohne in diese Kategorie. Aber in Memphis schlägt das weniger zu Gewicht als in anderen Teams. Spielt er auf der Vier, so kann er sich darauf verlassen, dass sein Partner auf der Centerposition seine körperlichen Defizite in der Verteidigung ausgleicht, immerhin hat jener Gasol auch schon einen DPOY-Award in seinem Trophäenschrank.

Ebenso verhält es sich auf Small Forward. Zusammen mit Tony Allen muss sich Green wirklich niemals um den besseren oder wendigeren gegnerischen Flügel kümmern. Ganz nach dem Motto „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ reicht es für ihn, solide Defense zu spielen und in der Offense nur so viel Tumult zu machen, dass ihn zwangsläufig ein Gegner verteidigen muss. Und genau hier hilft ihm sein Status als Tweener: Für Small Forwards ist er oft zu körperlich, für Power Forwards oft zu flink und wendig. Deswegen ist es für Memphis wohl auch kein Problem, sondern eher ein Vorteil, dass er auf keiner Position so richtig zuhause ist.

Ergebnis
Natürlich ist meine Ansicht hier die eines Fans. Aber auf die ersten Blicke habe ich meine in hohem Maße vorhanden gewesene Skepsis gegenüber Jeff Green abgelegt und bin mittlerweile der Meinung, dass er tatsächlich das fehlende Puzzlestück für die Grizzlies sein könnte. Allerdings nur, wenn die seine Stärken richtig ausspielen und schnell lernen, seine offensichtlichen Schwächen zu kompensieren. Dafür scheint Memphis genau das richtige Team zu sein, denn wo ist es sonst möglich trotz fehlender Offensiveffizienz echten Erfolg zu haben, wenn nicht im Land der Defense, die (darauf kann man vertrauen) spätestens zu den Playoffs wieder um einiges besser sein wird als Platz 12 in der NBA .