14 Januar 2015

14. Januar, 2015   |  Wolfgang Stöckl @WStckl


Seit dem Trade von Paul Pierce und Kevin Garnett war klar, dass bei den Celtics ein Rebuild ansteht. Nur wie dieser genau aussehen und wie lange es dauern wird, bis man wieder konkurrenzfähig ist, war unklar. Im vergangenen Jahr wurde getankt wie verrückt und man versuchte die bisher gesammelten Picks und jungen Spieler in einen Superstar umzuwandeln, namentlich Kevin Love. Da die T’Wolves aber letztlich wenig Interesse am Paket der Celtics zeigten, war es nicht möglich diese kleine Abkürzung im Rebuild zu nehmen.

Der Saisonstart 2014/15 zeigte, dass das Team auch mit einem fitten Rondo nur unterer Durchschnitt in der NBA ist und noch Zeit braucht. Im Management der Celtics festigte sich damit die Meinung, dass die Chancen schlecht stehen, dass Rondo in der aktuellen Situation im Sommer einen neuen Vertrag unterschreibt. Vielleicht waren Ainge & co. aber selbst nicht ausreichend von Rondo überzeugt, um ihm einen großen Vertrag anzubieten. Letztendlich wurde der Point Guard nach Dallas getradet, die Celtics erhielten den auslaufenden Vertrag von Nelson, einen jungen Hustle-Player in Jae Crowder, Brandan Wright und das Wichtigste: einen Erstrunden- und einen Zweitrundenpick. Spätestens mit dem Rondo-Trade war jedem klar, dass jetzt komplett auf 'Reset' geschaltet wird und „Trader-Danny“ richtig loslegt.

Als nächsten traf es Brandan Wright. Kaum in Boston angekommen, durfte er auch schon wieder seine Koffer Richtung Phoenix packen. Er gehört zwar zu den effizientesten Offensivspielern der Liga und seine Athletik und sein Shotblocking hätten den Celtics durchaus helfen können, aber er ist kein guter Rebounder, körperlich nicht in der Lage auf der Centerposition dauerhaft seinen Mann zu stehen und offensiv von guten Guards und ausreichend Spacing abhängig, damit sein Spiel funktioniert. Zudem läuft Wrights Vertrag aus und er wird im Sommer wohl mehr als die 5 Mio. $ haben wollen, um zu verlängern. Das passt einfach nicht zur aktuellen Situation in Boston. Die Celtics erhielten für Wright den nächsten Erstrundenpick, der aber wohl keiner werden wird... Wahrscheinlicher ist, dass es 2016 und 2017 je ein Zweitrundenpick wird.

Als vorerst letzter Streich wurde Jeff Green im Tausch für den auslaufenden Vertrag von Tayshaun Prince und einen Erstrundenpick nach Memphis geschickt. Beide Teams sind sich einig, der Tausch ist durch. Die Pelicans sind auch noch in das Tauchgeschäft eingestiegen und schicken Austin Rivers nach Boston, der aber wohl zu den Clippers weitergeschifft wird. Als Kompensation ist ein Zweitrundenpick für Boston im Gespräch.


Die strategische Ausrichtung der Kelten für den Rest der Saison ist eindeutig. Spieler über 27 haben keine Zukunft in Beantown und können sich bis spätestens Saisonende ihre Papiere im Front-Office abholen. Namentlich: Brandon Bass, Marcus Thornton, Jameer Nelson und Prince. Gerald Wallace hat nach der Saison noch ein Jahr Vertrag, er begleitet das Team weiterhin als eine Art Mentor und guter Geist. Alle anderen Spieler werden bis zum Saisonende Rotationsminuten bekommen, um zu zeigen, welchen Wert sie zukünftig für den Klub haben können. Das kann bedeuten, entweder ein Eckpfeiler des Kaders zu sein, oder als Baustein in einem künftigen Trade, der den erhofften Star nach Boston bringt.

Siege sind bis Saisonende zweitrangig, aber offensichtlich tanken wird man wohl nicht, auch wenn das eine gute Position beim kommenden Draft bringen könnte. Gleichzeitig kann das den Wert der jungen Spieler verringern und mögliche Free Agents abschrecken. Diese unterschreiben in der Regel lieber bei Klubs, bei denen ein Aufwärtstrend sichtbar ist und nicht bei Teams, die in der Vorsaison bis auf die Grundmauern niedergebrannt sind. Steuern und Wetter sprechen ja auch nicht gerade für New England.


Möglich ist, dass Boston bis zur Deadline noch das ein oder andere Geschäft auf den Weg bringt, um noch weitere Picks oder junge Spieler an Land zu ziehen. Eins ist aber klar: Ainge wird keine langfristigen Verträge aufnehmen, zumindest nicht ohne eine großzügige Entlohnung.

Der eindeutige Fokus der Celtics ist damit auf den Sommer 2015 und 2016 gerichtet. Ainge hat in den letzten beiden Saisons keinen Stein auf dem andern gelassen, um seine Celtics in eine gute Ausgangslage zu bringen. Er hat alleine bis 2018 wahrscheinlich (meine Prognose aufgrund der jeweiligen Protections) neun Erstrundenpicks und zwölf Zweitrundenpicks gesammelt. Hinzu kommen vier separate Trade Exceptions mit einem Gesamtwert von rund 20 Millionen Dollar. Zieht man die acht Spieler unter 25 in Betracht, von denen bisher schon sechs regelmäßig zum Einsatz kommen, wird klar: Ainge hat in Boston ausreichend Munition angehäuft, um es in naher Zukunft richtig krachen zu lassen.