29 Januar 2015

29. Januar, 2015   |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Halftime in der NBA. Was läuft bei den Contendern ab? Sind sie im Soll, oder laufen sie den Ansprüchen hinterher? Anno Haak, Philipp Rück, Pascal Gietler, Rainer Ludwig und Philipp Landsgesell haben fünf Eastern Conference Mannschaften unter die Lupe genommen.


1. Atlanta (38-8) ist in diesem Jahr das Überteam - die Hawks repräsentieren den Osten im NBA-Finale.

Pascal Gietler @PascalCTB: Peace up, A-town down - die Hawks fliegen aktuell der Konkurrenz davon und das auch absolut zurecht. Attraktiver Teambasketball und gute Defensive haben in den vergangenen Jahren auch dafür gesorgt, dass die San Antonio Spurs trotz fehlenden respektive alternden "Superstars" für Furore gesorgt haben. Ich weiß aktuell nicht, was gegen die Hawks sprechen sollte. Bleiben die Falken verletzungsfrei sind die Finals absolut möglich, sollte in den Playoffs die Defensive jedoch ins Straucheln geraten und die Dreier auf einmal nicht mehr so fallen, wird es unter Umständen doch noch kritisch.

Philipp Rück @76ersDrJ: Es spricht so vieles dafür. Ausgehend von der Tatsache, dass das NetRating eines NBA-Teams der beste Indikator für Erfolg ist, sind die Hawks Favorit (#2 in der Liga). Jeder kann werfen, es gibt quasi immer Spacing und Coach Bud ist prädestiniert, um damit maximalen Ertrag zu generieren. Noch dazu hat er auch noch das ideale Spielermaterial (polyvalent, clever), wodurch das passlastige, von Spurschen Elementen geprägte Spiel überhaupt erst funktioniert. Zweifel? Ja! Ist die bisherige Defense auch für den Rest der Saison so gut? Oder wird das DRtg etwas Regression erfahren? Zweitens gibt es trotz aller Advanced Stats ein Mantra, das sich in der Postseason immer durchsetzt: junge und/oder unerfahrene Teams gewinnen in den Playoffs nicht. Im Vergleich zu den anderen Favoriten ist Atlanta aber genau das. Kandidat ja, Durchmarsch nein!

Anno Haak @kemperboyd: Er hat „Are the Hawks for real?“ gesagt. Kann ich verstehen. Die letzten 35 Jahre gab es zwei NBA-Champions ohne Superstar. Und der letzte ist elf Jahre her. Trotzdem: Wenn man alles wegflext, was in der Playoff-NBA Rang und Namen hat, und seine Niederlagen gegen Nulpen in gold und lila einfährt, liegt die Beweislast bei ihm. Aber Überteams gibt es im Osten nicht. Und Atlanta ist eine Verletzung von der Durchreiche entfernt. Den coolsten NBA-Twitteraccount jenseits von Embiid nimmt ihnen keiner.

Philipp Landsgesell @Phillyland: In welcher Art und Weiße die Hawks geraden durch die Liga pflügen, macht eine Finalteilnahme nicht mehr unrealistisch. Wer hatte das vor der Saison kommen sehen? 16 Siege in Folge sind schon eine Hausmarke und das auch gegen  starke Gegner aus dem Western Conference, macht die ganze Geschichte noch unglaublicher. Dass die Hawks keinen Superstar haben, ist ihre Stärke. Sie überzeugen als Kollektiv und zeigen, dass sie mehr sind, als die einfache Kopie der Spurs. Vier Hawks im All-Star Game!

Rainer Ludwig @Sly_S04: Wenn die Cleveland Cavaliers und Chicago Bulls ihr volles Potenzial abrufen, gibt es mindestens zwei Mannschaften, die mit den Atlanta Hawks auf Augenhöhe agieren. Da hinter beiden Mannschaften aber Fragezeichen stehen und beide extrem unkonstant agieren, würde ich zum jetzigen Zeitpunkt der Mannschaft den Vorzug geben, die über einen größeren Zeitraum sehr gute Leistungen abgerufen hat und bei der man weiß, was man Abend für Abend bekommt. Sprich: die Atlanta Hawks repräsentieren den Osten im Finale.

2. Die Bulls (30-17) haben sieben von zwölf verloren und fallen rapide ab. Am Ende verlieren sie noch die Central Division und Heimvorteil in den Playoffs.

Pascal Gietler: Man darf besorgt sein in Illinois. So ganz erkennt man die Chicago Bulls kaum wieder - ein Team, dass in den letzten Jahren stets mit durchgedrücktem Gaspedal und steinharter Defensive gespielt hat, beschränkt sich im Moment eher auf das Nötigste. Dass das nicht immer reicht sieht man in den letzten Wochen. Natürlich hat man durch den diesjährigen Jimmy Butler, Pau Gasol und Derrick Rose mehr Möglichkeiten in der Offensive, doch die Bulls müssen sich schnell wieder vergegenwärtigen, dass man an beiden Enden des Feldes mit der nötigen Intensität spielen muss, um als Spitzenteam zu gelten. Dennoch halte ich den Kader für stark genug um mindestens Platz 4 zu erreichen.

Philipp Rück: Jau. Zum einen sind da die erstarkten Cavaliers, die die Division streitig machen. Zum anderen gibt es nicht wegzudiskutierende Probleme. Was ist denn mit der Bulls-Defense los? Statistisch sind sie nur noch Mittelmaß in der Liga, völlig untypisch für ein Thibodeau-Team. Wie schon oft andernorts angesprochen, mangelt es am sonst immer so unfassbar hohen Einsatz. Andererseits ist der amtierende DPOY Noah aufgrund von Verletzungen nicht annähernd auf dem Niveau des letzten Jahres. Außerdem passt die Kombination der Bigs (Gasol, Noah, Gibson) auf der Platte bislang noch überhaupt nicht, offensiv wie defensiv. Thibs, it´s your turn! Trotzdem ist nicht alles schlecht. Die Offensive ist potentiell die beste seit 1996 und die Defensive sollte irgendwann (eigentlich) wieder klicken. Vielleicht haben sie auch nur aus den letzten Jahren gelernt und fahren in der RS mit einer geringeren Drehzahl, um in den Playoffs endlich mal alle Pferdestärken zur Verfügung zu haben.

Anno Haak: Man diskutiert ernsthaft über Thibodeau, Rose wirkt immer noch gehemmt wie ein 13-jähriger im Tanzkurs und Knochenmühle buchstabiert sich jetzt Jimmy Butler, dazu Noahs merkwürdige Halbwertsaison. Wenn die Cavaliers nicht völlig J. R. Smithisiert werden, ist die Division weg. Dann zählt man kurz durch: Raptors -3, Hawwwks -2, Wizards -1. Zonk. Jup. Heimvorteil Cleveland. Aber wäre doch ein schönes April Matchup.

Philipp Landsgesell: Den Bulls können eigentlich nur die wiedererstarkten Cavaliers den Platz in der Central Division streitig machen. In Chicago muss man darauf setzen, dass alle Spieler wirklich fit werden, vor allem der Ausfall von Allzweckwaffe Joakim  Noah, der letztes Jahr noch als MVP-Kandidat gehandelt wurde, schmerz ungemein. Bei den Bulls scheint an manchen Abenden, vor allem gegen unterklassige Gegner die nötige Motivation und Seriosität zu fehlen. Die Bulls haben einen sehr erfahrenen Kader und Richtung Playoffs sollte jeder wieder  die Bulls auf der Rechnung haben

Rainer Ludwig: Die Bulls habe viele Partien gegen vermeintlich schwächere Gegner verloren, in denen es vor allem an der richtigen Einstellung mangelte. Die letzten Begegnungen haben allerdings gezeigt, dass das Team in voller Stärke noch in einen höheren Gang schalten kann. Gerade wenn die Playoffs immer näher Rücken, sollten sich die Auftritte häufen, in denen das Team vollkommen fokussiert zur Sache geht. Dies sollte letztlich dazu reichen, die Cavs auf Abstand zu halten und den Heimvorteil zu wahren.



3. Cleveland (27-20) ist endlich das, was alle vor der Saison erwartet hatten: das beste Team in der Eastern Conference.

Pascal Gietler: Der Schlüsselbegriff lässt sich der Überschrift bereits entnehmen: "ENDLICH" - endlich spielen die Cavaliers ansehnlichen und absolut konkurrenzfähigen Basketball. Viel hat natürlich auch mit einem LeBron James nahe seiner Bestform zu tun, doch auch besonders Kyrie Irving hat in dieser Saison einen Sprung gemacht. So richtig ist der Knoten meiner Meinung dennoch nicht geplatzt - eine Offensive aus Kevin Love, Kyrie Irving und LeBron James mit Komplementärspielern wie zum Beispiel Tristan Thompson und JR Smith könnte historisch gut sein, bisher ist sie das noch nicht und ich glaube, dass die Cavs auch erst in der kommenden Saison das dominante Team in der Eastern Conference sein werden. Sie sind aber auf dem richtigen Weg!

Philipp Rück: Diese Offensive zeigt immer wieder Ansätze, wie historisch gut sie sein kann. Hat das Team endlich die Teamchemie optimiert, findet man für alle Spieler die richtige Rolle (Love, Kevin) und implementieren Bron & co. endgültig das komplexe System Blatts, werden alle Offensivfanatiker feuchte Höschen bekommen. Alleine die Offensiveffizienz seit LeBrons Rückkehr: Holy Shit! Eine Top-7 Offense trotz der bekannten Probleme zeichnet die Trajektorie bereits vor. Aber etwas, das wir alle unterschätzt haben, ist die defensive Inkompetenz. Klar gingen wir davon aus, dass sie keine gute Verteidigung haben, aber Love und Kyrie sind wohl ligaweit mit die schlechtesten Verteidiger überhaupt auf ihren Positionen. Ich weiß nicht, ob das per „Scheming“ lösbar ist.

Anno Haak: LeBron James ist wieder der beste Spieler im Osten. Das beste Team? Hihi. Die Offensive ist vakuumverpackt zwischen Kindern, denen man zu oft „Ball-movement“ ins Ohr geflüstert und zu wenig über Laufwege erzählt hat und Mike-Brown-2007-Gedächtnis-Ball, lies: Ball zum Gesichtsältesten, irgendwas macht der schon. Die Defensive ist sowieso ohne Worte und dann ist da ja noch J. R. Smith. EC-Ranting ist Leistungssport unter NBA-Anhängern. Aber wenn das das beste Team im Osten ist, ist Kyle Korver ein schlechter Freiwerfer.

Philipp Landsgesell: LeBron James scheint in seiner zwei-wöchigen Verletzungspause in den Jungbrunnen gesprungen zu sein. Mit ihm und den cleveren Neuverpflichtungen, hat er die schon totgesagten Cavaliers wiederbelegt. Siege gegen gute Teams wie die Thunder, Bulls oder die Clippers dürften in Cleveland Hoffnung verbreiten, dass es doch noch eine erfolgreiche Saison wird. Die Horrorszenarien die schon einige den Cavaliers prophezeit haben, waren übertrieben und deswegen überrascht es mich nicht, dass die Cavaliers nun so aufspielen. Mit den Bulls und den Hawks, sind die Cavaliers die eindeutig besten Teams in der Eastern Conference.

Rainer Ludwig: Die Cleveland Cavaliers haben sich durch den Trade auf jeden Fall verbessert, da alle drei Spieler neue Elemente ins Team bringen, die vorher so nicht abgedeckt waren. Außerdem scheint das Team endlich auf eine konservativere Art zu verteidigen umgestellt zu haben, nach dem man am Anfang durch die aggressive Verteidigung Lehrgeld zahlen musste. Bevor die Cavaliers als der Favorit schlechthin im Osten gelten, müssen sie diese Leistungen erstmal über einen längeren Zeitraum bestätigen, ehe man sie vor den Atlanta Hawks einordnen sollte.

4. Detroit (17-30) setzt seinen guten Run auch ohne Brandon Jennings fort und erreicht noch die Playoffs.

Pascal Gietler: Dass ich den Tag noch mal erleben darf, an dem man Brandon Jennings als großen Faktor für das Schicksal einer Mannschaft erachtet. Ich finde es zwar enorm schade, dass Jennings sich so schwer verletzt hat, aber die wahren Säulen der Pistons - im wahrsten Sinne des Wortes - befinden sich nun mal im Frontcourt. Auf Greg Monroe und Andre Drummond wird es primär ankommen. Die scorende Rolle im Backcourt kann zu großen Teilen auch noch von D.J. Augustin übernommen werden. Augustin scorte letztes Jahr in Chicago rund 15 Punkte pro Spiel und war brandheiß von Downtown, sollte er diese Leistungen replizieren können würde er Jennings mehr als solide vertreten können. Die Playoffs sind nach wie vor drin.

Philipp Rück: Auch wenn Verletzungen mies sind, so wäre Jennings jährliches Flammenwerfen sowieso im Februar wieder vorbei gewesen. Addition durch Subtraktion geht aber leider auch nicht, weil die Minuten ja verteilt werden müssen (Spencer Dinwiddie? Yeah!). Aber wenn wir ehrlich sind, geht es eh nur darum, wer sich in der ersten Runde von den Hawwwwks verprügeln lässt. Das ist es dann auch egal, ob der Gegner Charlotte, Detroit oder Brooklyn heißt, alles Kanonenfutter.

Anno Haak: Nein. Ich hätte sie nicht mal mit Jennings reingepackt und die Zeiten, in denen Jennings ein „Addition durch Subtraktion“-Spieler war, sind rum. Trotzdem war der Formverfall bei ihm eine Frage der Zeit. Und DJ Augustin hat seine 15 Minuten Ruhm gehabt. Ich wüsste auch nicht, was sie in den Playoffs wollen würden. Das Lotterielos wäre wertvoller.

Philipp Landsgesell: D.J. Augustin hat immer wieder sein Potenzial angekündigt und ist jetzt der neue Starter auf der Eins. Natürlich ist der Ausfall von Brandon Jennings extrem bitter, nachdem er in der letzten Zeit enorm gut aufspielte. Auf der Backup- Position ist jetzt natürlich ein gewaltiges Loch entstanden, dass dringend per Free Agent oder Trade behoben werden muss. Detroit wird sich mit den Charlotte Hornets bestenfalls um den achten Platz streiten. Doch ein weiteres Jahr Lottery scheint realistischer.

Rainer Ludwig: Die Pistons haben vor allem davon profitiert, das sie ohne Josh Smith für den Gegner schwerer auszurechnen waren. Vorher hat sich der Gegner ja vor allem auf Spielzüge vorbereitet, in denen Smith eine tragende Rolle gespielt hat. Durch diese Unwissenheit entstand ein sogenanntes Überraschungsmoment, mit dem die Pistons die Gegner überrumpeln konnten. So langsam aber sicher wissen die gegnerischen Mannschaften nun was sie erwartet. Man sieht durch die sich häufenden Niederlagen in den letzten Spielen, das sich dieser Effekt langsam abschwächt. Die Pistons haben weiterhin ein Team, welches viele Schwächen aufweist und deshalb werden sie die Playoffs auch nicht erreichen.



5. Trotz Bosh und Wade: Miami (20-25) ist nicht einmal Durchschnitt und verpasst die Eastern Conference Playoffs.

Pascal Gietler: Nein! Die Playoffs packen die Heat - zumindest im Osten. Irgendwie. Das Team funktioniert längst nicht so gut wie gedacht, was nicht zuletzt an der schweren Verletzung von Josh McRoberts liegt, doch Wade und Bosh sollten das Team irgendwie zu 40 Siegen führen. Das dürfte ja reichen - im Osten ist's schön!

Philipp Rück: Die Abgesänge kommen viel zu schnell. Man lässt hier die unfassbaren Verletzungsprobleme außer Acht die eine valide Bewertung äußerst schwierig macht. Nichtsdestotrotz haben die Heat offensiv enormes Potential mit einem All-NBA-Big (Bosh). Zudem wird der nach wie vor unterbewertete Coach Spoelstra das Potential auch wieder ausschöpfen und eine Lösung finden (in diesem Fall aber trotz Dwyane Wade). Aber nach vier Jahren der aggressiven Verteidigung fehlen jetzt nicht nur mittlerweile die Spieler für dieses anstrengende & disziplin-fordernde Defensivsystem, die Konkurrenz hat nun endgültig entschlüsselt, wie man eben jenes aushebelt. Ich traue aber auch Spo zu, ein paar Adjustments vorzunehmen und die Defensive in der zweiten Saisonhälfte weg vom desaströsen 19. Platz hin ins Mittelmaß zu führen. Das sollte für die Playoffs reichen. Falls dann noch nichts hilft, reißt Hassan Whiteside einfach jedes Spiel an sich und befördert die Heat alleine in die Postseason.

Anno Haak: Nein. „Miami ist ein Playoffteam“ ist der Name meines Gauls und den reite ich, bis seine Knie weicher als die von Wade sind. Wenn alle gesund und Bosh in Topform bleiben, findet man keine acht Ost-Teams, die auf 82 Spiele besser sind. Zugegeben: Manute-Bol-großes Wenn. Walk on the Whiteside!

Philipp Landsgesell: Wie gesund können Wade und Bosh bleiben? Das allein wird das Abschneiden der Heat in dieser Saison bestimmen. Mit einem relativ gesunden Wade und einem Bosh in Topform ist auf jeden Fall der sechste Platz möglich. Nach oben scheint der Zug schon abgefahren. Unterschätzen würde ich die Heat aber auf keinen Fall und die abgezockten Jungs aus Miami könnten ein schwieriges Matchup in der ersten Runde sein. Mit Hassan Whiteside haben sie zudem ein super interessantes Projekt auf der Center Position, der erst langsam sein Potenzial zu entdecken scheint.

Rainer Ludwig: Die verbesserte Defensive der Heat durch die Präsenz von Hassan Whtiteside als Ringbeschützer unterm Korb sollte am Ende den Ausschlag dafür geben, das die Miami Heat die Playoffs locker erreichen. In den letzten zehn Begegnungen lag Miami im Defensive Rating unter den Top 10. So langsam haben sich neue Spieler wie Luol Deng auch auf die extrem aggressive Verteidigung der Heat umgestellt, bei der es sehr oft auf die richtige Rotation ankommt, nach dem der Ballführende gedoppelt wird.