25 Januar 2015

25. Januar, 2015   |  Axel Babst  @CoachBabst


Während Basketballdeutschland im Moment ganz versessen darauf ist, die Entwicklung von Dennis Schröder anhand jedes einzelnen Spiels zu analysieren und den weiteren Verlauf zu prognostizieren, liefern auch in der NCAA einige deutsche Talente mehr als solide Leistungen. Zwar ist im Moment keiner in unmittelbarer Reichweite zur NBA, wie es in Vorjahren bei Elias Harris und Niels Giffey der Fall war, dennoch zeigen die Youngster ansprechende Leistungen und verdienen daher auch ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit. Die folgenden Einschätzungen zu neun Deutschen sollen daher Abhilfe schaffen. Neben diesen neun Akteuren gibt es natürlich, gerade in der diesjährigen Freshman Class, noch weitere Talente, die entweder derzeit auch gute Vorstellungen zeigen oder in naher Zukunft schon für Furore sorgen könnten.


Patrick Heckmann, Wing, 6'6", Boston College, Senior
In den ersten drei Jahren spielte der Mainzer unter Steven Donahue an der Ostküste der USA. Der Beginn seiner Amtszeit fiel mit der Ankunft Heckmanns zusammen, sodass die ersten zwei Jahre im Zeichen des Umbruchs standen. Erst in der vergangenen Saison sollte wieder angegriffen werden. Doch der Erfolg blieb aus. Durch die Verletzung des einzigen Big Mans, Dennis Clifford, gab Donahue seinen Guards und Forwards grünes Licht von der Dreierlinie. Dadurch wurde das Spiels sehr statisch und auch Heckmanns Entwicklung litt darunter, da er zu einem reinen Spot-up-Shooter verkam. Mit Jim Christian kam jedoch zur finalen Saison des Deutschen ein neuer Coach nach Massachusetts. Auch er favorisiert zwar eine Lineup mit vier Guards und einem Innenspieler, allerdings attackieren die Eagles unter Christian vehementer und öfter den Korb. 

Heckmann nimmt zusammen mit Olivier Hanlan und dem wiedergenesenen Dennis Clifford eine Schlüsselrolle im Team ein. Er startet zumeist als vierter Guard und zieht den Forward des Gegners dank seiner guten Schussqualitäten sehr weit nach außen, wodurch er seinen Teamkameraden die notwendigen Freiräume beim Zug zum Korb verschafft. Damit sind die Gegenspieler Heckmanns auch gut beraten, denn obwohl ihm in dieser Saison noch ein wenig das Wurfglück fehlt, stellt er von der Dreierlinie eine stetige Bedrohung für den Korb des Gegners dar. Doch Heckmann ist mehr als nur ein eindimensionaler Schütze, den man nur in die Ecke stellen kann. Heckmanns Spielverständnis ist sehr hoch. Er bewegt sich sehr gut ohne Ball und erwischt Verteidiger deshalb oft auf dem falschen Fuß. Doch auch mit dem Ball in der Hand weiß Heckmann viel anzufangen. Er agiert in vielen Situationen wie ein Point Forward und kann den Ball als Flügelspieler gut an den offenen Mann bringen. Besonders in Transition Situationen trifft er in der Regel die richtige Entscheidung. Aber auch im Setplay behält er ganz im Stile eines kampferprobten Seniors die Ruhe und Übersicht und kann mit einem geschickten Pass die Defense des Gegners knacken. Allerdings tut sich Heckmann in den wenigen 1-1 Situationen, in die er gerät, sehr schwer. Einzig bei Closeout Situationen liest er das Verhalten seines Kontrahenten gut und kann daraus Kapital schlagen. Er scheut den Kontakt in der Zone nicht, weshalb er sich bei seinen Drives gerne Fouls abholt, um von der „Charity Stripe“ sicher einzunetzen. Er schafft es jedoch selten seinen Verteidiger vollständig hinter sich zu lassen und forciert dann oft noch Abschlüsse, die kaum Chancen haben, im Korb zu enden. Ein großes Manko ist des Weiteren seine Risikofreudigkeit für riskante Anspiele. Dadurch landen viele Pässe im Aus oder sind für Mitspieler unerreichbar. 

Auf der anderen Seite des Feldes lässt Patrick Heckmann in diesem Jahr ungeahnte Stopper Qualitäten aufblitzen. Zwar war er auch in den Vorjahren kein schwarzes Loch in der Defense, allerdings wirkte er oftmals etwas behäbig gegen die starken Athleten auf seiner Position. Dieses Jahr konnte er mit LaDontae Henton von den Providence Friars und Harvards Wesley Saunders zwei Topspieler auf dem Flügel an die Kette legen. Dabei überzeugte er mit einer guten Mischung aus Einsatzbereitschaft, exzellenter Fußarbeit und der nötigen Portion Cleverness. Somit sicherte er seinem Team zwei wichtige Siege gegen stark einzustufende Gegner. Auch als Rebounder kann Heckmann einen wichtigen Beitrag zum Teamerfolg leisten, muss sich jedoch offensichtlich noch mit der neuen Position arrangieren. In der Verteidigung sieht er sich oftmals gestandenen Brettspielern gegenüber, die über eine wesentlich größere Routine im Boxout-Verhalten verfügen. Das führt dazu, dass Heckmann meist sehr spät erst mit den Rausschieben des Gegners anfangen will, während dieser schon gute Position bezogen hat und auf den Abpraller lauert.

Für einen Teilnahme an der March Madness wird es leider auch im letzten Jahr nicht reichen. Die ACC ist einfach zu stark und die Eagles befinden sich in einem erneuten Rebuilding Prozess. Immerhin kann er die letzten Spiele seiner College Karriere dazu nutzen, sich auf den Schirm einiger Bundesliga Teams zu spielen, sofern er dies nicht schon längst getan hat.

Hans Brase, Big, 6'8", Princeton, Junior
Im Sommer 2013 kam Hans Brase erstmals mit deutschem Basketball in Kontakt. Damals wurde er zum U20 Nationalmannschaftslehrgang eingeladen. Nach guten Leistungen in den Camps sicherte er sich tatsächlich einen Platz im 12er Kader für die folgende U20 EM. Seitdem ist der Sohn eines amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter wieder etwas aus dem Fokus geraten. Vollkommen zu unrecht. Bei den Princeton Tigers nimmt der Forward eine entscheidende Rolle ein und wäre vermutlich die erste Angriffsoption, würde dort nicht die Princeton Offense gelaufen werden. 

Brase ist ein sehr vielseitiger Spieler und passt dadurch exzellent zur Princeton Offense, die auf gutes Spacing, viele Backdoorcuts und gutes Passspiel ausgelegt ist. Auf den ersten Blick wirkt Brase wie der prototypische Stretch 4er. Ausgestattet mit einem Bilderbuchjumper und gutem Touch lokalisiert der Junior ausgezeichnet die freien Spots entlang der Dreier und ist beim Ballerhalt direkt bereit, die Kugel auf die Reise Richtung Reuse zu schicken. Seine Quote ist in diesem Bereich ausgezeichnet und noch höher zu bewerten, wenn man sich vor Augen führt, wie oft Brase gezwungen ist, einen schlechten Wurf mit Ablauf der Angriffszeit zu nehmen. Besonders gefährlich ist Brase im Pick & Pop, weil er gute Screens stellt und dann blitzschnell zur Dreierlinie abdreht. Diese Option ist mit zwei Verteidigern nicht zu eliminieren. Der bewegliche Forward hat abgesehen von seinem Distanzwurf zusätzlich noch einige andere nützliche Fähigkeiten auf Lager. So fühlt er sich auch Lowpost gut aufgehoben. Zwar ist er dort kein allzu versierte Scorer, der seinen Gegenspieler jedes Mal austanzt, doch einige Basis Bewegungen sind in seinem Repertoire implementiert. Seine Cleverness und Ruhe kommt in solchen Situationen gut zur Geltung, denn er arbeitet sehr gerne mit Täuschungen und zählt den Up-and-Under zu seinen Lieblingsmoves. Des Weiteren beweist Brase generell ein gutes Auge für den Mitspieler und lässt Spielwitz als Passgeber erkennen. Eine Facette, die seinem Spiel noch fehlt, ihm aber gut zu Gesicht stehen würde, wäre ein verlässlicher Drive mit ein bis zwei harten Dribbling nach einer gelungenen Wurftäuschung. Prinzipiell verfügt er schon über das notwendige Feingefühl am Ball, um eine solche Aktion durchzuführen, jedoch scheitern diese Unternehmungen momentan noch an der mangelnden Explosivität im ersten Schritt. Daher schafft es der Verteidiger normalerweise den Durchbruch zum Korb zu verhindern.

Auch defensiv bewegt sich der Princeton Student auf einem überdurchschnittlich guten Niveau. Wie in der Offensive macht sich auch an diesem Ende des Feldes seine hohe Spielintelligenz positiv bemerkbar. Als Teamverteidiger besetzt er in der Regel die richtigen Stellen auf dem Feld und rotiert rechtzeitig. Ein besonderer Vorteil ist auch in der Defense seine Vielseitigkeit. Während er offensiv Probleme mit seinem ersten Schritt offenbart, sind seine seitlichen Bewegungen und Close-Outs in der Defense paradoxerweise sehr gut. Das erlaubt es den Tigers, das Pick & Roll hart zu hedgen, ohne das Brase sich ein Foul abholt oder der Ballhandler den Big Man einfach stehen lässt. In seinem eigentlichen Aktionsradius unter dem Korb geht er beherzt zur Sache. Gerade beim Rebound macht er keine Gefangenen und sichert sich mit hoher Durchschlagskraft jeden Rebound in seiner Reichweite. Dem geht zumeist ein vorbildliches Boxout voraus. Lediglich in der 1-1-Verteidigung im Lowpost lässt sich Brase zu schnell schlagen. Dabei lässt er häuft die letzte Konsequenz vermissen, was sich darin ausdrückt, dass der Gegner doch meist noch den entscheidenden Schritt an ihm vorbeigehen kann und so eine gute Wurfmöglichkeit bekommt.

Neben Yale sind die Tigers die ärgsten Konkurrenten Harvard um den Ivy League Titel. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass die Tigers variabel genug spielen, um die NCAA Teilnahme zu sichern. Die beschriebenen Eigenschaften hören sich mehr als nur vielversprechend und sind gerade auf Ivy League Niveau überragend, doch bevor man Brase schon als Profi in der BBL sieht, muss man abwarten, inwiefern er seine Qualitäten gegen stärkere Gegner bei höherem Tempo entfalten kann. Gerade in Sachen Explosivität muss Brase da noch einen Schritt nach vorne machen, um sich einen möglichen Einstieg ins Profigeschäft zu erleichtern.

Martin Breunig, Big, 6'8", Montana, Junior
Breunig ist in den USA schon weit rumgekommen. So spielte er nach seinem Weggang aus Leverkusen erst für eine Prep School, ehe er ein Stipendium der University of Washington erhielt und annahm. Seine Karriere dort begann vielversprechend. Als Freshman bekam er regelmäßig Minuten, obwohl das Team extrem talentiert besetzt war und gleich mehrere NBA Spieler aufweisen konnte (Terrence Ross, Tony Wroten, C.J. Wilcox). Doch trotz ansprechender Leistungen und dem NBA bedingten Abgang mehrerer Leistungsträger, fand sich Breunig als Sophomore nur noch auf der Bank wieder und wurde sehr sporadisch eingesetzt. Daher entschied er sich für einen Standortwechsel und läuft seit dieser Saison für die Montana Grizzlies in der Big Sky Conference auf. Die letzte Saison setzte er den NCAA Regularien entsprechend aus und wagt nun den Neuanfang. Die ersten Saisonmonate zeigten bislang, dass die Eingewöhnung schnell vonstattenging. Breunig ist der Go-to-Guy der Grizzlies und wird im System des neuen Trainers Travis DeCuire konsequent als erste Option gesucht.

Breunig ist auf Anhieb zum Topscorer seiner Mannschaft aufgestiegen und legt dabei Spiel für Spiel sehr dominante Auftritte hin. Am liebsten erzielt der Leverkusener seine Punkte in Brettnähe. Sein Coach versteht es dabei exzellent, ihn zu Beginn eines Spiels oder nach Auszeiten mit cleveren Spielzügen in Szene zu setzen, sodass ihm viele leichte Punkte garantiert sind. Sein kräftiger Körper und seine Athletik helfen ihm, sollte sich ein Gegenspieler in der Nähe befinden. Den Kontakt scheut Breunig keineswegs und geht oft an die Freiwurflinie, von der er sich keine Blöße gibt. Aufgrund seiner Effizienz in Ringnähe sind viele Gegner dazu übergegangen, Breunig im Lowpost aggressiv zu doppeln, teilweise sogar zu trippeln. Auch hier macht sich seine Kraft bezahlt, dank der er den Ball lange genug behaupten kann, um ihn an den freien Mitspieler zu bringen. Notfalls kann Breunig im Setplay auch auf eine hohe Treffsicherheit aus der Mitteldistanz setzen, da er über ein butterweiches Handgelenk bei seinem Jumpshot verfügt. Für einen Big Man kann Breunig als Bonus oben drauf auch ganz gut den Ball beim Dribbling kontrollieren, zumindest mit seiner starken Hand. Daher kommt es nicht selten vor, dass er nach einem Defensivrebound von Küste zu Küste spaziert und dynamisch abschließt. Verbesserungsbedarf gibt es besonders bei der Nutzung seiner linken Hand, die er derzeit kaum einsetzt. 

Das größere Problem ist hingegen seine Verteidigungsleistung. Er manövriert sich gerne in Foulprobleme, da er teilweise sehr ungestüm und überhastet zu Werke geht. Breunig gamblet gerne im Passweg und riskiert dadurch entweder per Backdoorcut geschlagen zu werden oder ein Foul beim Ballerhalt des Gegners aufgebrummt zu bekommen. Beides passiert relativ oft und schadet der Defense seiner Mannschaft. Außerdem versucht er auch zu sehr, Würfe des Gegners zu blocken, weshalb er oft auf Wurftäuschungen reinfällt. Seine hohe Foulbelastung limitiert seine Minutenzahl in beträchtlichem Maße. Immerhin ist Breunig kein vollkommen hoffnungsloser Fall in der Defense, sondern muss nur lernen seine Energie richtig zu kanalisieren. Es gibt auch immer wieder gute Sequenzen von ihm zu sehen, in denen er Würfe erschwert ohne Fouls zu begehen. In Addition dazu ist Breunig auch ein geschickter Rebounder mit einem guten Riecher für den Landeplatz eines Abprallers. Vor dem Einsammeln des Rebounds lokalisiert Breunig in der Regel die Gegenspieler, die seinem Rebound gefährlich werden könnten, mit einem kurzen Blick und boxt sie anschließend aus.

Mit Montana wird Martin Breunig sicherlich nicht im Teilnehmerfeld der March Madness auftauchen. Das ist zwar schade, gibt Breunig jedoch die Gelegenheit sich in führender Rolle zu üben und viel Verantwortung zu übernehmen. Außerdem kann er in Ruhe an seinem Game feilen und die vorhandenen Schwachstellen beheben. Daher könnte er tatsächlich für das eine oder andere Team im deutschen Oberhaus eine interessante Option im Sommer 2016 darstellen.  



Maodo Lo, Guard, 6'3", Columbia, Junior
Nach dem Sommer mit der deutschen Nationalmannschaft, aus der er als einer der Letzten für die EM Qualifikation gestrichen wurde, ist der Name Maodo Lo zumindest einigen Basketballfans in Deutschland ein Begriff. Verbringt er seine Zeit in der Halle nicht bei Lehrgängen des Nationalteams, geht Lo für Columbia auf Korbjagd. Zwar zeichnet sich die Universität Los nicht durch größere Errungenschaften in der jüngeren Historie aus, doch mit ordentlichen Auftritten gegen Kentucky und UConn zeigte sie, dass auch in der Ivy League erfolgreicher Basketball gespielt werden kann. Lo ist bei den Lions der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft und in der Regel der Schlüssel zum Sieg.

Speziell offensiv ist Lo aus dem Team nicht wegzudenken. Columbia spielt einen sehr langsamen, kontrollierten Stil, bei dem meist 5 Schützen zeitgleich auf dem Parkett stehen. Diese müssen jedoch richtig in Szene gesetzt werden. Dafür ist Maodo Lo zuständig. Besonders aus dem Pick & Roll heraus findet er seine Mitspieler und bedient diese mustergültig. Manchmal ist Lo sogar etwas zu uneigennützig und zu vorsichtig. In diesen Situationen wäre er vermutlich besser beraten, selber den Abschluss zu suchen und wirklich den Weg bis zum Korb anzutreten. Davor schreckt er hin und wieder noch etwas zurück und verlässt sich lieber auf seinen exzellenten Wurf. Insgesamt ist seine Wurfauswahl dennoch hervorragend. Zudem besitzt er die Fähigkeit, wichtige Würfe selbstbewusst einzunetzen und sein Team gerade in heiklen Spielphasen zu tragen.  Neben seinen Scoring- und Playmakingqualitäten glänzt Lo in erster Linie mit seiner Kontrolle im Spielaufbau. Er organisiert sein Team und sorgt dafür, dass das Spiel genau in dem langsamen Tempo verläuft, das seine Mannschaft bevorzugt. Selbst bei hohem Druck der Verteidigung zeigt sich Lo nicht irritiert, sondern behält dank seines guten Ballhandlings die Übersicht. Auch Verteidiger wie Ryan Boatright oder die Harrisons Twins der Kentucky Wildcats konnten ihm nicht den Kommandostab entreißen. Daher hatte er auch großen Anteil daran, dass seine Lions die komplette erste Hälfte gegen Kentucky eine Führung behaupten konnten. Im Hinblick auf eine mögliche Profikarriere wäre es dennoch von Vorteil, wenn er in der Offense beweisen könnte, dass er auch in schnelleren, hektischeren Angriffen auf Dauer die Übersicht behält.

Normalerweise ruhen sich die Starspieler kleiner Colleges in der Defense aus, um im Angriff weiter die ganze Last der Verantwortung tragen zu können. Lo reiht sich allerdings nicht in diese Schiene ein. Auch defensiv übt der Junior Druck aus. Mit schnellen Füßen und schnellen Händen schafft er es, vor seinem Gegenspieler zu bleiben und den Drive zu erschweren. Allerdings schwinden trotz aller Bemühungen am Ende der Partie dann doch meist die Kräfte. Ein Aspekt, den es auf jeden Fall zu verbessern gilt, ist sein Pick & Roll Defense. Dort bleibt er noch zu leicht am Block hängen und verschafft seinem Gegenspieler oftmals den entscheidenden Vorsprung. Kriegt er dieses Problem in den Griff, ist er auch in der Defense ein sehr kompletter Spieler.

Man darf definitiv gespannt sein, wohin die Reise für Maodo Lo geht. Sollte er sich in den kommenden eineinhalb Jahren in einem ähnlichen Tempo weiterentwickeln, könnte er tatsächlich in die Fußstapfen eines Niels Giffeys treten und fester Bestandteil der Nationalmannschaft werden, bevor er überhaupt ein Bundesliga Spiel absolviert hat. Im Gegensatz zu Giffey wird Lo aber wahrscheinlich noch nichtmal das NCAA Tournament erreichen. In der Ivy League ist Harvard momentan der unangefochtene Krösus, sodass die automatische Qualifikation als Conference Sieger ziemlich sicher gestrichen werden kann. 

Kenneth Ogbe, Guard, 6'6", Utah, Sophomore
Der Aufstieg der Utah Utes versinnbildlicht momentan, wie schnell ein College sich ins Rampenlicht spielen und sich als legitimer Contender in einer der großen Conferences etablieren kann. Kenneth Ogbe ist seit der vergangenen Saison mittendrin im Aufwärtstrend der Utes. Zu Beginn dieser Saison durfte er sogar starten, auch wenn er dabei Nutznießer der Verletzungen seiner Mitspieler Dakarai Tucker und Jordan Loveridge war. Nach der Rückkehr von Loveridge und der vollständigen Genesung von Tucker, der zwischendurch mit einer angebrochenen Rippe spielte, musste sich Ogbe zuletzt zwar wieder mit einer Rolle als Bankspieler begnügen, doch er nutzte die ersten Spiele, um zu zeigen, dass sein Coach im nächsten Jahr dauerhaft mit ihm als Starter planen kann. Zuletzt verpasste er einige Spiele aufgrund einer Leistenverletzung.

Während sich Ogbe in seiner Freshman Saison offensiv kaum etwas zutraute und sich meist in einer Ecke versteckte, um auf den freien Wurf zu lauern, präsentiert er sich in diesem Jahr wesentlich selbstbewusster und seinen Möglichkeiten entsprechend. Furchtlos zieht er nun immer öfter selber mal zum Korb und begrenzt seine Ausflüge dabei nicht nur auf ein oder zwei Dribblings. An dieser Stelle macht sich bezahlt, dass er in seiner Jugendzeit auch immer wieder auf der Aufbauposition eingesetzt wurde und somit über ein gutes Ballhandling verfügt. Er zieht die Penetration so lange durch bis er wirklich von einem Verteidiger gestoppt wird. Sobald dies geschieht, gilt der erste Gedanke dem Pass zu einem Mitspieler. Bietet sich hier keine gute Option an, versucht es Ogbe auf eigene Faust. In diesen Sequenzen ist er jedoch immer noch zu zögerlich. Anstatt den Kontakt zu suchen und es mit einem Korbleger zu versuchen, bricht er lieber komplett ab und steigt für den Mitteldistanzwurf oder Floater hoch. Davon fällt zwar auch ein gewisser Anteil durch das Netz, dennoch würden Fans und Trainer lieber einen Abschluss am Ring bevorzugen. Dafür fehlt ihm aber schlicht noch die Masse. Selbst seine herausragende Athletik und Körperkontrolle können das nicht kaschieren. Die größte Stärke Ogbes ist in diesem Jahr sein Distanzwurf. Durch das gute Spacing der Utes und die präzisen Anspiele seiner Aufbauspieler Delon Wright und Brandon Taylor hat Ogbe genug Zeit für die Wurfvorbereitung, sodass er den offenen Wurf sicher vollstrecken kann. 

Defensiv gehört Ogbe zu den besseren Individualverteidigern eines insgesamt sehr defensivstarken Teams. Dieses Jahr kann Ogbe seine Qualitäten auch zur Gänze präsentieren, da die Utes keine wechselnden Verteidigungen mehr praktizieren, sondern nur noch konventionelle Mannverteidigung spielen. Der deutsche Guard nutzt in direkten Duellen seine athletischen Attribute, um sich nicht schlagen zu lassen und gleichzeitig viel Druck auf den Angreifer auszuüben. Seine Fußarbeit ist sehr gut und in Kombination mit seiner naturgegebenen lateralen Geschwindigkeit die perfekte Grundlage zur Perimeter Defense. Allerdings machen sich auch hier die fehlenden Kilos gelegentlich bemerkbar, da sich kräftigere Gegenspieler gar nicht großartig mit irgendwelchen Moves aufhalten, sondern Ogbe aus dem Weg schieben. Als Teamverteidiger hat der Sophomore deutliche Fortschritte gemacht und ist stets wachsam, wenn er als Notfallhilfe in der Verantwortung steht.

Der ehemalige Ehinger spielt mit seinen Utes dieses Jahr erstmals auf hohem Niveau, weshalb man auch seine Sophomore Saison als Lehrjahr verstehen muss. Kenneth Ogbe konnte in dieser Spielzeit bereits wichtige Minuten gegen starke Gegner verbuchen und darf im Training tagtäglich gegen einen der besten Guards der NCAA antreten. Da die Utes die Qualifikation für das NCAA Tournament schon recht sicher in der Tasche haben sollten, darf man Ogbe auch im März beim großen Wahnsinn bewundern. Spannend wird dann im nächsten Jahr zu sehen sein, ob er es schafft sich dauerhaft eine größere Rolle zu ergattern. Im Backcourt werden durch die Abgänge Wrights und Taylor sehr viele Minuten frei. Die Anlagen zum Starter bringt Ogbe definitiv mit.



Gavin Schilling, Big, 6'9", Michigan State, Sophomore
Tom Izzo ist der Spezialist in Sachen Talententwicklung von Big Men. In seiner Amtszeit entwickelte sich eine ganze Reihe unbeholfener Freshmen zu dominanten Innenspielern weiter. Bei der Wahl des Colleges traf Schilling also genau die richtige Wahl. Bereits als Freshman durfte Schilling regelmäßig für die Michigan State Spartans unter Izzo auflaufen. In der vergangenen Saison bekam er immer wieder einige Minuten, in denen er Adreian Payne und Branden Dawson als Backup Pausen verschaffen sollte. In diesem Jahr klafft im Frontcourt jedoch eine riesige Lücke nach den Abgängen mehrerer Spieler, darunter auch Payne. Das machte sich der JBBL Meister aus 2011 direkt zu Nutze und eroberte den Starterposten auf der Centerposition. Dort teilt er sich brüderlich die Minuten mit dem erfahrenen Matt Costello. 

Der größte Unterschied zur letzten Saison liegt augenscheinlich in der Offense. Dort bekommt er im Lowpost mittlerweile hin und wieder Anspiele. Erhält er in aussichtsreicher Position den Ball, versucht er im Stile eines klassischen Brettcenters seinen Jumphook im Korb zu versenken. Das ist zwar noch nicht sonderlich oft der Fall, passiert aber mindestens einmal pro Spiel, was schon eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr ist. Auch wenn Schilling sich offensichtlich noch nicht sehr wohl dabei fühlt, einen 1-1-Move zu starten, beweist er im Abschluss ein gutes Feingefühl im Handgelenk. Lernt er nun, seine Bewegungen schneller durchzuführen und Kontakt seitens der Verteidigung besser zu absorbieren, besteht eine gute Chance, dass er ein verlässlicher Lowpost Scorer werden kann. Lobenswert ist zudem, dass Schilling sich nicht auf seine stärkere rechte Hand fixiert, sondern situationsabhängig entscheidet, welche Seite ihm die Defense gibt. Insgesamt wirkt der Big Man jedoch noch sehr indisponiert im Angriff. Er wird von seinen Mitspieler relativ häufig gut in Szene gesetzt, scheint davon aber oft so überrascht zu sein, dass er überhaupt nicht weiß, was er mit dem Ball in den Händen anfangen soll. Das geht sogar so weit, dass er teilweise den Ball unmittelbar am Korb zugespielt bekommt und direkt weiterpasst, bevor er überhaupt erkannt hat, dass er vollkommen ungedeckt unter dem Korb steht und eigentlich einen freien Korbleger/Dunk gehabt hätte. Hier muss sich Schilling viel mehr zutrauen, denn sonst läuft er Gefahr, von der Defense nicht mehr ernst genommen zu werden, was seinen Guards mehr Druck aufbürden würde. Insgesamt ist sein Offensivspiel noch mitten im Entwicklungsprozess, sodass er derzeit nur in unmittelbarer Zonennähe Gefahr ausstrahlt. Einen Sprungwurf gibt es bislang noch nicht in seinem Spiel.

Wesentlich wichtiger ist auch seine Präsenz in der Defense. Dort kann er seine physischen Vorteile gegenüber dem Gros seiner Gegenspieler nutzen. Schilling liebt es, diesen bis zur Schmerzgrenze aufzureiben und ihn spüren zu lassen, dass er Punkte nur auf Kosten von harter Arbeit gegen ihn erzielen wird. In der 1-1-Verteidigung im Post nutzt er dabei seine gute Fußarbeit und seine Oberkörperkraft, um seine Position zu halten und gegnerischen Big Man am Scoring zu hindern. Allerdings agiert er dabei häufig noch zu ungestüm und läuft häufig Gefahr, in kürzester Zeit mehrere Fouls zu sammeln. Ähnliches gilt für die Verteidigung des Pick & Roll, bei dem er sehr oft sein Potential im Help & Recover andeutet, allerdings auch gerne mal über die Stränge schlägt und hier ebenfalls fleißig Fouls kassiert. Kann er sein Foulmanagement verbessern, ohne dass dies zulasten seiner hohen Intensität geht, die Izzo so sehr schätzt, sollte er seine Spielzeit signifikant steigern können.

Auch wenn Schillings Spartans sich strecken müssen, um das NCAA Tournament in diesem Jahr zu erreichen, sollte dem Big Man eine sehr erfolgreiche Zeit bevorstehen. Zumindest für ihn persönlich besteht die Möglichkeit, sich dauerhaft als Starter und Feste Stütze eines der renommiertesten Programme der NCAA zu etablieren.

David Taylor, Guard, 6'3", Pacific, Sophomore
Einst war David Taylor als 15-Jähriger Anführer des Bayreuther NBBL Teams und galt für viele Experten des deutschen Jugendbasketballs als große Hoffnung auf der Aufbauposition. Mittlerweile ist der Hype um den Youngster abgeflaut, doch von seinen Qualitäten, die ihn damals als herausragendes Talent erscheinen ließen, hat er keine eingebüßt. Die Pacific University befindet sich im Umbruch. Gerade mal ein Senior steht im Kader und die Mannschaft befindet sich immer noch mitten in der Findungsphase. Taylor konnte sich in den ersten eineinhalb Jahren schon als Starter etablieren.

Besonders im Angriff merkt man einfach noch sehr oft, dass die Automatismen noch nicht vorhanden sind und viele Spieler unschlüssig umherwandeln. Taylor selber muss sich ebenfalls noch zu Recht finden und seine Aufgabenbereiche austarieren. Als gelernter Point Guard und primärer Ballhandler ausgebildet ist es für ihn nun ungewohnt, sich größtenteils ohne den Ball in den Händen in die Offensivbemühungen seines Teams einzuschalten. Den Ballvortrag teilt er sich zwar mit Teamkollege T.J. Wallace, diesen übernimmt jedoch den deutlich größeren Part ein. Taylor beschränkt sich daher meistens auf seinen guten Wurf, mit dem er in dieser Saison schon Spiel entscheiden konnte. So netzte er gegen San Diego in der engen Schlussphase zwei Dreier hintereinander ein und führte sein Team damit auf die Siegerstraße. Aber auch den Zug zum Korb hat Taylor nicht verlernt. Dank seines schnellen ersten Schrittes kann er seinen Gegenspieler auch in der Regel mühelos passieren und seine Athletik ist so gut, dass er auch in der Zone einen guten Abschluss auf die Reihe bekommt. 

Auch defensiv schafft es Taylor immer wieder herauszustechen. In der auf den Guard Positionen stark besetzten Westcoast Conference gibt es auch jede Menge Möglichkeiten, sich auszuzeichnen und starke Gegner aus dem Spiel zu nehmen. Zwar versucht Pacific Coach Ron Verlin direkten 1-1-Duellen aus dem Weg zu gehen, indem er viel switchen lässt, dennoch ist gegen Scorer wie Tyler Haws oder Kevin Pangos mehr gefragt als nur starke Teamverteidigung. David Taylor durfte daher phasenweise Haws‘ Überwachung übernehmen. Dabei zeigte er teils sehr starke Szenen und zwang Haws zu vielen schwierigen Würfen, da diesem Taylors Mischung aus Schnelligkeit, guter Fußarbeit und kräftigem Rumpfbereich zusetzte. Haws konnte nicht an Taylor vorbeiziehen und hatte zusätzlich Schwierigkeiten genug Abstand zwischen sich und Taylor zu bringen, um einen seiner patentierten Mitteldistanzwürfe abzufeuern. Allerdings darf man diese Szenen nur als Andeutungen von Taylors Potential verstehen. Er muss erst noch unter Beweis stellen, dass er dauerhaft zu solchen Defensivleistungen in der Lage ist.

In den nächsten beiden Jahren darf man von Taylor noch weitere Fortschritte erwarten, da er sich erst an die neue Rolle als off-ball-Spieler gewöhnen muss. Zudem ist auch das Team noch mittendrin im Prozess des Kennenlernens und muss erstmal Erfahrungen sammeln. Doch selbst wenn die Entwicklung optimal verläuft, wird sich Pacific frühestens hinter den unangefochtenen ersten drei der Conference (Gonzaga, BYU, St. Mary’s) einreihen können. Somit stehen die Chancen auf eine NCAA Tournament Teilnahme des deutschen Nachwuchstalents eher schlecht. 

Malik Müller, Guard, 6'3", Virginia Tech, Freshman
Nach einem Jahr Zwangspause darf Malik Müller in diesem Jahr endlich angreifen. Eigentlich sollte er bereits in der vergangenen Saison sein Debüt geben, doch akademische Probleme verhinderten dies und die NCAA entzog ihm die Spielberechtigung. Im letzten Sommer kam es zusätzlich auch noch zu einem Trainerwechsel. Nach zwei enttäuschenden Jahren musste James Johnson die Koffer packen. Als Nachfolger wurde kein geringerer als Buzz Williams eingestellt. Mit Marquette erreichte das Energiebündel an der Seitenlinie mehrmals das Sweet Sixteen und sogar das Elite Eight. Seine von Toughness geprägte Defense war dabei der Schlüssel zum Erfolg. Nun bekommt Müller als Redshirt Freshman die Gelegenheit sich zu beweisen. Da die Personaldecke sehr angespannt ist, wird ihm bereits in seiner ersten Saison viel Spielzeit und Verantwortung übertragen.

Offensiv tritt Müller bislang eher als Zündkerze des Getriebes auf. Mit seinen Drives, die bisher nur wenige Male pro Spiel einsetzt, reißt er Lücken in die Verteidigung und behält im Anschluss das Auge für den Mitspieler. Da jedoch die Wurfqualitäten seiner Mitspieler bescheiden ausfallen, sind Müllers Assistwerte noch sehr unspektakulär. Auch er selber muss noch Konstanz im Abschluss entwickeln, was angesichts der langen Spielpause und dem ersten Jahr in der ACC leichter gesagt als getan ist. Dennoch sollte er sich mehr zutrauen und sich nicht bloß auf völlig offene Dreier als einzige Wurfoptionen festlegen. Gerade beim Zug zum Korb sollte er aufgrund seiner kräftigen Statur und seiner respektablen Athletik mehr Möglichkeiten im Scoring haben. 

Den wichtigeren Teil seiner Arbeit verrichtet Müller jedoch in der Verteidigung. Müller ist der Defensivallrounder seines Teams. Spielen die Hokies ihre Zonenverteidigung, ist er die zentrale Figur, da er von der hinteren Reihe aus den Überblick behält, seine Vorder- und Nebenleute lautstark dirigiert und im Notfall selber Fehler bereinigen muss. Gerade diese Aktivität wird von Coach Buzz Williams sehr geschätzt und sollte ihm auch in Zukunft bei höherem Konkurrenzdruck Spielzeit garantieren. Als 1-1-Verteidiger kann Müller ebenfalls seine Stärken demonstrieren. Der Guard ist dank seines kräftigen Körpers und seines tiefen Körperschwerpunkts stets in der Lage, seinen Gegenspieler vor sich zu halten. Dazu ist seine Fußarbeit überdurchschnittlich gut, auch wenn er gegen so manchen Ausnahmeathleten der Liga noch seine Probleme hat.  Hin und wieder fokussiert sich der ehemalige Urspringschüler auch noch zu sehr auf den Ball, weshalb seinen Gegenspieler gelegentlich in seinem Rücken einen Cut laufen kann, der direkt zum Korberfolg führt.

Unter dem Strich muss man festhalten, dass die Hokies sich im Moment in einer schwierigen Übergangsphase befinden und man noch keinerlei Prognosen über den weiteren Verlauf von Müllers Collegekarriere abgeben kann. Speziell offensiv fehlen dem Team diese Saison die Waffen, was es für alle Spieler schwierig macht, den Ball im Korb unterzubringen. Für Müller selber ist der Status Quo jedoch von Vorteil. Denn so kann er sich ganz unbekümmert an die Spielweise der in der Spitze stärksten Conference gewöhnen und sich wöchentlich mit NBA Talenten messen.

Dominique Uhl, Wing, 6'8", Iowa, Freshman
Der Frankfurter wählte nach Beendigung seiner NBBL Karriere den Weg über eine Prep School in New Jersey ans College. Nun ist er bei den Iowa Hawkeyes untergekommen und erhält schon als Freshman wichtige Minuten. Sein Glück ist dabei, dass Iowa Coach Fran McCaffery auf eine tiefe Rotation setzt und ihm von Anfang an eine Chance gibt. Diese nutzt Uhl momentan eindrucksvoll und hat sich nicht nur ins Blickfeld seines Trainers gespielt, sondern wird mittlerweile auch außerhalb von Iowa wahrgenommen. ESPN Experte Dan Dakich attestierte ihm zuletzt großes Talent und prophezeite dem Youngster eine großartige Big Ten Karriere.

Offensiv ist Uhl zwar noch sehr limitiert, überschattet seine begrenzten Möglichkeiten jedoch mit guten Instinkten und viel Energie. In erster Linie ist der Forward ein Sprungwunder, das sich seine Athletik beim Abschluss in der Zone zu Nutze macht. Seine Körperkontrolle in der Luft ist bemerkenswert und so schafft er es oft, den Armen des Verteidigers mit einer schwierigen Richtungsänderung in der Luft auszuweichen und den Ball im Korb unter zu bringen. Solche akrobatischen Kunststücke kriegen selbst die wenigsten US-Athleten zu Stande. Allerdings ist der Freshman noch sehr auf seine stärkere rechte Hand fixiert und traut sich einen erfolgreichen Korbversuch unter Druck mit links noch nicht zu. Sein Arsenal mit rechts ist jedoch vielseitig. So sind verschiedene Korblegerabschlüsse und auch ein Floater im Paket enthalten. Uhls Drives beschränken sich zwar bislang hauptsächlich auf ein bis zwei Dribbling, lassen im Ansatz aber schon den schnellen ersten Schritt sowie die Beidhändigkeit beim Ballhandling erkennen. Generell ist Uhl bei der Art seiner Scoring Möglichkeiten nicht wählerisch und nimmt das, was die Defense ihm bietet. Momentan tendiert er noch in typischer Freshman Manier dazu, zu überdrehen und seine Möglichkeiten bis zu seinen Grenzen auszuloten. Das wird aber auch von seinem Coach gefördert. So durfte sich Uhl bereits als Schaltzentrale am Highpost gegen eine Zonenverteidigung beweisen und machte seine Sache gar nicht mal schlecht. Neben dem Feintuning in vielen Bereichen muss Uhl aber definitiv noch an seinem Wurf arbeiten, der bislang die Konstanz in Form und Trefferquote vermissen lässt.

In der Verteidigung darf sich Dom Uhl ebenfalls über die eine oder andere Spezialaufgabe freuen. So ist er in der Zonenpresse der Hawkeyes aufgrund seiner Länge, Schnelligkeit und Reaktionen die Speerspitze. In dieser Rolle konnte er bereits ein paar Backcourts in kleinere Malheurs stürzen. Spielen die Hawkeyes in der Halbfeldverteidigung ihre 2-3-Zone fällt Uhl durch gute Kommunikation auf. Speziell für einen Frischling ist sein Mitteilungsverhalten schon sehr ausgereift. Insgesamt profitiert Uhl auch in der Defense von seiner Athletik und seinem sprudelnden Einsatzwillen. Leider machen sich aber auch die fehlenden Erfahrungswerte und der Mangel an Körpermasse umso öfter bemerkbar. Gerade Letzteres wird eklatant offengelegt, wenn Uhl als nomineller Power Forward auf dem Parkett steht.

In der Tat ist es überraschend, wie gut sich Dominique Uhl in seinem ersten Jahr bei einem ambitionierten Big Ten Programm schlägt. Das lässt für die Zukunft hoffen. Zumal Coach Fran McCaffery ein Händchen für die Ausbildung athletischer Flügelspieler hat. Die Anlagen für eine gute College Karriere, da hat Dan Dakich vollkommen recht, sind durchaus vorhanden. Nun stellt sich die Frage, ob er diese in die Realität umsetzen kann und wenn dem so sein sollten, in welchem Zeitraum ihm das gelingt. Die kompetitive Natur des Youngsters sollte den interessierten Beobachter jedoch zuversichtlich stimmen, dass Uhl den Kampf der Big Ten annehmen wird.