26 Januar 2015

26. Januar, 2015   |  Mattis Nothacker


Für Kobe Bryant ist die Saison 2014/15 vorbei. In der Partie gegen die New Orleans Pelicans am vergangenen Mittwoch verletzte sich der 36-Jährige an der rechten Schulter. Am Freitag diagnostizierte Lakers-Mannschaftsarzt Steven Lombardo einen Riss seiner Rotatoren-Manschette. Am heutigen Montag entschied sich Bryant für eine Operation.

Damit ist es offiziell: Kobe Bryant wird in dieser Saison keine Partie mehr bestreiten. Während des Spiels gegen die Pelicans machte es zunächst noch den Anschein, als ob ihm die Verletzung nur wenig ausmachen würde, doch spätestens als er nur noch mit der linken Hand dribbelte, passte und sogar warf, verstand sogar Trainer Byron Scott, was die Stunde geschlagen hatte.

Für Bryant ist es die dritte schwere Verletzung innerhalb von drei Jahren. Nach seinem schwerwiegenden Achillessehnenriss im April 2013 absolvierte er in der vergangenen Saison wegen einem Bruch des Schienbeinkopfes im linken Knie lediglich sechs Saisonspiele. 

Kobe Bryant ist in der schwierigsten Phase seiner Karriere. Er ist noch immer die wohl bekannteste Marke der Basketball-Welt. Doch seine Markenzeichen – der restlose Ehrgeiz, der Erfolg, die Unverletzbarkeit – bröckeln immer mehr auseinander.  Der fast absurde Ehrgeiz ist ungebrochen. Doch die Lakers sind bereits zum zweiten Mal hintereinander eine der schlechtesten Mannschaften der Liga. Bryants Wurfquote bewegt sich deutlich unter der 40 Prozent Marke. Und der Körper des Shooting Guards kommt immer mehr an seine Grenzen. 


Im Unterschied zur Achillessehnenverletzung vor zwei Jahren geht Bryant mit der jetzigen Blessur deutlich entspannter um. Auf Twitter nahm er die Sache mit Humor und schrieb: „So etwas passiert, wenn ich den Ball zu viel passe“. Zugleich veröffentlichte er ein Video von der Diagnose seiner Verletzung. Darin erklärt ihm Lakers-Doktor Lombardo, wie einer der Muskeln in seiner Schulter gerissen ist. „Es hat sich vom Knochen gelöst?“, fragt General Manager Mitch Kupchak. Lombardo bejaht. Irgendwann sagt Bryant: „Ok“. Man merkt ihm seine enorme Enttäuschung an.

Das Ende der langen Karriere von Kobe Bryant ist in Sichtweite. Sofort aufhören wird er aller Voraussicht nach noch nicht. Zum einen stehen ihm in der nächsten Saison noch 25 Millionen Dollar zu – eine Summe, die sich auch ein dermaßen gut verdienender Athlet nicht entgehen lassen wird. Zum anderen wird sich Bryant nicht mit einer Verletzung von der NBA-Bühne verabschieden wollen. Gerade nach seinem Achillessehnenriss betonte der zweimalige Finals-MVP, wie wichtig es ihm sei, den Schritt von sich aus zu tun und nicht von einer Verletzung dazu gezwungen zu werden.

In einer Umfrage der 'LA Times' sprachen sich zwar 74 Prozent der Fans für einen sofortigen Rücktritt aus. Das wird Bryant aber nur zusätzlich motivieren. Aber der Mann, der als Schwarze Mamba und nach fünf Titeln in die Geschichte eingegangen ist, geht auf die 37 zu. Dies war seine 19. NBA-Saison. Macht Bryant noch 150 Spiele? 50? Oder zehn? Vielleicht ist das Ende näher, als wir alle denken. Wir sollten jeden Moment genießen, in dem Bryant noch auf dem Feld steht. Wenn er nochmal auf dem Feld steht.