29 Dezember 2014

29. Dezember, 2014   |  Daniel Schlechtriem  @W14Pick


Innerhalb einer Woche hat sich das Team der Houston Rockets wesentlich verändert. Ohne größere Einbußen hat GM Morey die Texaner besonders in der Tiefe qualitativ verstärkt und dabei unterstrichen, dass die Rockets längst in den 'Win-Now'-Modus geschalten haben. With the 14th Pick wirft einen Blick auf die personellen Wechsel sowie deren Auswirkungen.


Josh Smith
Wenngleich es im Nachhinein niemanden überraschen dürfte, schlug die Neuigkeit aus Motor City vergangene Woche große Wellen. Die Pistons entlassen ihren Forward Josh Smith, obwohl dieser mit einem dicken Vertrag ausgestattet ist und Detroit dem 29-jährigen in den nächsten Jahren immer noch circa 26 Millionen Dollar überweist. Der neue starke Mann beim dreifachen Champion, Stan Van Gundy, muss verzweifelt versucht haben, einen Trade für J-Smoove zu finden, denn die Entlassung ist nicht weniger als der letzte Ausweg aus dem Dilemma der drei Bigs Drummond, Monroe und eben Smith.

Als Tradeziel kaum begehrt aufgrund seines voluminösen Vertrags, wollten nun zahlreiche Teams J-Smoove, der einst mit den Hawks zumindest annähernd auf All-Star Niveau agierte, für geringes Geld holen. Der Zuschlag ging wenig überraschend nach Houston, denn die Rockets konnten ihm dank der Bi-Annual Exception von etwas über zwei Millionen Dollar nicht nur finanziell mehr bieten als die anderen Interessenten, sondern auch eine Rolle als Starter auf der bevorzugten Power Forward Position, außerdem die Wiedervereinigung mit seinem alten Kumpel Dwight Howard. Beide sind aus Atlanta stämmig und spielten in der High School zusammen, Dwight war sogar Smiths Trauzeuge.


Zusammen wird dieses Duo vor allem die ohnehin schon überraschend starke Defensive der Texaner weiter verstärken. Smith ist Houstons Antwort auf die bis dato offene Frage, wer die wuchtigen Forwards des Westens wie Zach Randolph, Blake Griffin oder LaMarcus Aldridge verteidigt. Den bisherigen Startern, Terrence Jones und Donatas Motiejunas, ist das zumindest in absehbarer Zeit eher nicht zuzutrauen.

Das größte Manko an dieser Neuverpflichtung ergibt sich zwangsläufig aus Smiths beschränkten Offensivfähigkeiten bzw. seiner fehlenden Selbsterkenntnis diesbezüglich. Es ist nun an Coach McHale, den J-Smoove aus Detroit komplett zu streichen und wieder ein wenig an den aus Atlanta zu erinnern. Schafft er es, Smiths teils haarsträubende Wurfauswahl zu kultivieren und ihn von der Dreierlinie weitestgehend fern zu halten (Karrierewert: 27,7%), wird der Neu-Rocket nicht wie noch in der Motorstadt mehr Backsteine als Punkte sammeln. Probleme ergeben sich allerdings, weil das von den Rockets praktizierte Spacing mit Smith nicht ähnlich gut funktioniert wie mit Motiejunas oder Jones, die man im Gegensatz zum Neuzugang beide an der Dreierlinie zumindest nicht frei stehen lassen sollte. Die Lösung liegt womöglich darin, die dicken Kumpels Dwight und Josh gar nicht so häufig zusammen auf dem Feld, sondern beide jeweils mit Motiejunas agieren zu lassen. Welche Rolle dem am Fuß verletzten Terrence Jones zukommen wird, sobald dieser wieder genesen ist, wird auch abzuwarten sein. 

Der Trade mit Minnesota und Philadelphia
Der 19. Dezember stand im Vorjahr für viel Lärm um Nichts bezüglich des damaligen Backup Centers Ömer Asik. Lange war vor einem Trade des Türken an diesem Tag, zwei Monate vor der Trade Deadline, ausgegangen worden, letztlich geschah – nichts.

Anders dieses Jahr, denn die Rockets haben sich an der Deadline vor der Deadline Unterstützung für den Flügel besorgt. Der Deal sieht wie folgt aus:

HOU: Corey Brewer, Alexey Shved
MIN: Troy Daniels, 2015 Second Round Pick (SAC) 2016 Second Round Pick (HOU), Cash
PHI: Ronny Turiaf, 2015 Second Round Pick (HOU), Draft-Rechte an Sergej Lishchuk

Für die Wolves bedeutet dies vor allem erhebliche Gehaltseinsparungen und mehr Spielminuten für die Youngster, die Sixers sparen ebenfalls etwas Geld, absorbieren zudem den nächsten ungewollten Vertrag und haben bald mehr Second Rounder als mögliche Kaderplätze.

Houston hingegen schafft mit diesem Deal vor allem Entlastung für Trevor Ariza (vor dem Trade 2. in absolvierten Minuten/38,4 pro Spiel) und James Harden (5./37,7). Beim Overtime-Sieg in Denver am 17.12. standen beide jeweils rund 45 Minuten auf dem Parkett – das geht nicht lange gut. Neuzugang Brewer wird als Backup für beide Positionen besagtem Duo längere Verschnaufpausen verschaffen. Der 28-jährige ist ein ausdrücklicher Wunschspieler von Coach McHale, dieser hatte ihn 2007 als Verantwortlicher der Wölfe mit dem 7. Pick nach Minnesota geholt und kennt Brewers Spiel dementsprechend in- und auswendig. 

Houstons Neuzugang mag zwar weder ein gefährlicher Offensivspieler, noch ein elitärer Verteidiger sein, jedoch kann er von allem ein bisschen was. Seine Dreierquote in Minnesota war unterirdisch (19,5%), veränderte sich in Houston bisher aber sehr zum Positiven: In den bisher drei absolvierten Partien in Rot traf er annähernd 65% von Downtown und fast 60% aus dem Feld. Ein Beweis mehr, dass ein anderes System und ein anderes Umfeld einen Spieler selbst ohne größeren Anlauf essentiell verbessern können. Brewer führt zudem die Liga in Steals per Game an (2,19) und passt daher in die aggressive Verteidigung der Rockets. 

Die Akquirierung Shveds hingegen ist eher auf Morey zurückzuführen, der in dem gerade 26 Jahre alt gewordenen Combo Guard mehr zu sehen scheint, als dieser bisher in der NBA zu leisten imstande war. Der Russe wurde erst im August infolge eher mäßiger Leistungen im Zuge des Deals um Kevin Love als Dreingabe aus Minnesota zum temporären Asyl für gescheiterte und ungewollte Spieler nach Philadelphia geschickt, überzeugte aber auch dort eher weniger. In Houston erhält er die Chance, neben dem bisherigen Duo Beverley (Dreier, Defense und Hustle) und Canaan (Shooting/Scoring) als echter Spielmacher zu fungieren.

Die Involvierung Philadelphias in diesen Trade war notwendig, um nicht einen Kaderplatz an den langzeitverletzten Ronny Turiaf (Hüftoperation) zu verschwenden und darüber hinaus diesen entlassen und ausbezahlen zu müssen. Außerdem bleibt die Trade Exception aus dem Jeremy Lin Deal um Turiafs Gehaltsvolumen von 1,5 Millionen höher (ca. 3,7 Millionen statt 2,2 Millionen). Dies kann bis zum Ablauf der Exception im kommenden Juli einen essentiellen Unterschied ausmachen. 


Die Bauernopfer
Weil Houstons Kader vollständig besetzt war, musste für diese Neuzugänge Platz geschaffen werden. Der Abgang von Troy 'Trey' Daniels ist zu verkraften, war der Scharfschütze doch diese Saison eher ein Blindgänger, der in seiner einzigen Paradedisziplin, dem Dreierwurf, nicht zu überzeugen wusste und längst von Isaiah Canaan und Rookie Nick Johnson hinter sich gelassen wurde. Entlassen wurden Veteran Francisco Garcia sowie der ungedraftete Tarik Black. Bei beiden handelt es sich um unvermeidbare Business-Entscheidungen: Garcia war als Lockerroom-Leader nicht unwichtig und zumindest ein solider Verteidiger, traf auch ab und zu einen Dreier. Er hätte im Zuge des Brewer-Deals nach Minnesota getradet werden können, lehnte dies aber ab. Ob der 32-jährige noch mal in der NBA spielen wird, wird vor allem von den Entwicklungen zur Trade Deadline abhängen. Anschließend an diese wird manch ein Rosterplatz frei werden, dann auch bei besseren und relevanteren Teams als den Wölfen. 

Tarik Black ersetzte Dwight Howard während dessen verletzungsbedingter Auszeit überraschend gut und brachte es als Starter auf 5,8 Punkte und 6,8 Rebounds. Wenig überraschend wurde er infolge seiner Entlassung von einem anderen Team aufgenommen und wird künftig versuchen, die Zone der Lakers halbwegs passabel aussehen zu lassen.

Die neue Rotation
Smith wurde eine Starterrolle versprochen, er übernimmt den Posten von Motiejunas, der fortan von der Bank kommt und auch Minuten als Backup für Howard auf der Fünf sehen wird. Brewer ersetzt bisher stets Ariza und übernimmt dessen Job als Shooter und aggressiver Verteidiger eins zu eins. Shved war vor seiner Fußverletzung als erster Ersatz für Pat Beverley vorgesehen, hier wird aber auch Oldie Jason Terry Minuten sehen. Schlecht sieht es für Isaiah Canaan aus, obwohl dieser bisher eine gute Figur machte, wenn er gebraucht wurde. Gleiches gilt für Kostas Papanikolaou, der seine Knieverletzung zwar ausgeheilt hat, seit seiner Rückkehr jedoch aus dem Rhythmus ist und daher nun um Minuten kämpfen muss.

Depth Chart
C – Howard / Dorsey / Capela
PF – Smith / Motiejunas / (Jones)
SF – Ariza / Brewer / Papanikolaou
SG – Harden / Terry / Johnson
PG – Beverley / Shved / Canaan

Vertragsverlängerung für McHale
Ganz nebenbei und angesichts dieser personellen Wechsel fast unbemerkt wurde der auslaufende Vertrag von Coach Kevin McHale um drei Jahre verlängert. Zu Beginn der Saison noch als Wackelkandidat gehandelt, bringt die Celtics-Legende dieses Jahr ein vor allem in der Defensive deutlich verbessertes Team aufs Parkett. Besonders in der schwierigen Phase im November, als zeitweise bis zu vier Starter verletzungsbedingt aussetzen mussten, bewies McHale ein Händchen und zog die richtigen Schlüsse, um die Mannschaft in der Erfolgsspur zu halten. Die jungen Spieler wie Jones, Beverley und vor allem Motiejunas haben sich unter seine Ägide merklich verbessert. Angesichts des ständig wechselnden Personals will die Führungsriege wenigstens auf der Trainerbank für Konstanz sorgen, einer möglichen Trainerdiskussion sind sie mit dieser zeitigen Verlängerung zuvorgekommen. Gleichzeitig muss der Hall-of-Famer jetzt liefern: Ein weiteres Erstrundenaus wird man in Houston trotz Verlängerung nicht akzeptieren.

Zukunftsaussichten
Die Rockets waren schon vor dem Deal stark, haben sich aber besonders in der Tiefe weiter verbessert und ihre Ambitionen im Westen unterstrichen. Ob Josh Smith Segen, Fluch oder beides zugleich sein wird, bleibt vorerst abzuwarten. Hoffnung macht der zehn Jahre ältere Terry, der vor der Saison schon abgeschrieben wurde, in Houston aber einen neuen Frühling erlebt. Eine ähnliche Besinnung auf bessere Zeiten unter angenehmeren Umständen als am Eriesee darf entsprechend von J-Smoove erwartet werden.

Dennoch sollten die Neuen zumindest vorerst vom Kauf eines Hauses in der Region absehen. Smiths Vertrag läuft nur bis zum Saisonende und seine Gehaltsvorstellungen werden sich dann zumindest in der ersten Verhandlungsrunde kaum mit denen Moreys decken. Angebote anderer Teams werden kommen.

Auch der Zeitpunkt des Trades vom 19. Dezember, 90 Tage vor der Trade Deadline, war kein Zufall. Addiert man die Verträge von Brewer und Shved, die ab dem 19.2. weitergetradet werden dürfen,  sowie Terrys und Papanikolaous, so können die Rockets zur Deadline ohne zusätzliche Assets oder Teile ihrer Starting Five über 18 Millionen Dollar – auslaufend bzw. nicht-garantiert – bewegen. Zusammen mit den vorhandenen Draft Picks (1st Rounder von New Orleans, 2nd Rounder von New York) und den vielen Talenten ergibt das ein sehr flexibles, kräftiges Paket, um einen weiteren Topspieler nach Südosttexas zu lotsen. Auf dieser Mission bleibt Moreys Primärziel Phoenix' Aufbauspieler Goran Dragic – wenn nicht im Februar, dann in der Free Agency.