19 Dezember 2014

19. Dezember, 2014   |  Sebastian Seidel  @Sebastianctcb


Seit dem Abgang von Masaj Ujiri, Georg Karl und Andre Iguodala im Sommer 2013 verschwanden die Denver Nuggets in der Bedeutungslosigkeit. Zu gut für einen hohen Pick im Draft, zu schlecht um im Westen eine echte Chance auf die Playoffs zu haben.
Mit dem Absturz in die Mittelmäßigkeit sank das mediale Interesse drastisch. Heute beachtet mittlerweile kaum noch jemand, welche Leistungen Ty Lawson Abend für Abend vollbringt.

Schon in der letzten Saison legte der nur 1,80 Meter kleine Playmaker der Nuggets mit 17.6 Punkten und 8.8 Assists Zahlen auf, die ihm zumindest in die erweiterte Allstar-Konservation beförderten. Auch in dieser Saison zählt der Nugget mit 15.6 Punkten und 10.4 Assists im Schnitt zu den statistisch produktivsten Point Guards der NBA. Lawson ist klein, wendig und verfügt über ein exzellentes Ballhandling, welches es gegnerischen Verteidigern immer wieder schwer macht, ihn aus der Zone zu halten.

Mit 14.4 Drives pro Spiel ist er der Spieler der Liga, dem es am öftesten gelingt, ins Herz der gegnerischen Defensive zu kommen. Dabei schließt Lawson vergleichsweise selten seine Drives selbst ab, sondern findet überwiegend seine Mitspieler. 
In der letzten Saison war Ty Lawson durch den Ausfall von Danilo Gallinari und den Abgang von Andre Iguodala vermehrt als Scorer gefragt. In dieser Saison sind die Nuggets durch Arron Afflalo und die Rückkehr von Danilo Gallinari und Nate Robinson offensiv zumindest etwas potenter aufgestellt.

Die Nuggets brauchen ihn diesem Jahr also vermehrt den uneigennützigen Ty Lawson, der seine Mitspieler findet und der durch seine Drives auch aus dem Halbfeldbasketball gute Looks für andere kreieren kann.
 Besonders aus dem Pick & Roll und bei Handoffs agiert Lawson exzellent. Lawson hat dabei eine überragende Spielübersicht und trifft fast immer die richtige Entscheidung.
 Oft findet er den abrollenden Big Man, hat aber auch immer ein offenes Auge für offene Schützen in den Ecken (siehe Bild).


Ein Blick darauf, an wen Lawson primär seine Assists verteilt, zeigt: Afflalo und Chandler, die Spieler die in der Regel in den Ecken auf einen offenen Dreier spekulieren, sind meist die ersten Anspieloptionen für Ty Lawson. Die primären Pick & Roll Blocksteller Mozgov und Faried folgen erst im Anschluss.





In den letzten 17 Spielen verzeichnete Ty Lawson immer mind. neun Assists, fünfzehnmal verteilte Lawson in dieser Saison schon 10 oder mehr Assists. Ty Lawson (10.4), John Wall (10.4) und Rajon Rondo (10.8) sind die einzigen drei Point Guards in der Liga, die mehr als zehn Assists pro Spiel verteilen. Im Vergleich zu Rondo und Wall, verursacht Lawson dabei sogar noch deutlich weniger Turnover. Seine Assist-Turnover-Ratio gehört zu den besten der Liga, von den Starting-Point-Guards können nur Chris Paul, Kyle Lowry und Kemba Walker einen besseren Wert aufweisen.



Lawson bringt offensiv alle Qualitäten mit, die sich ein Trainer von seinem Point Guard wünschen kann. Neben seiner Pass-First-Mentalität und seiner geringen Turnoveranfälligkeit, ist er durchaus auch in der Lage zu scoren. Obwohl Lawson nur 1,80 Meter groß ist, schafft er es immer wieder, exzellent am Ring abzuschließen.

In der letzten Saison traf Lawson knapp 57 Prozent seiner Abschlüsse in der Zone, in dieser Saison erreicht er diesen Wert nicht ganz. Dabei sollte aber auch bedacht werden, dass Faried und McGee über keinen anständigen Mitteldistanzwurf verfügen und auch Mozgov noch nicht wirklich sicher aus der Mitteldistanz einnetzt. Dadurch können gegnerische Big Men Lawsons Abschlüsse in der Zone deutlich öfter erschweren, da sie ungestraft aushelfen können.


Wenn gegnerische Big Men im Pick & Roll zu tief absinken, hat Lawson kein Problem, aus der Mitteldistanz den Pull-up-Jump-Shot zu nehmen. Diese trifft er mit 43 Prozent auch sehr gut.
 Auch den Dreier aus dem Dribbling trifft er mit 35 Prozent so gut, dass gegnerische Point Guards das Pick & Roll nicht unterlaufen sollten.
 So stellt Lawson einen Albtraum für jede gegnerische Pick & Roll-Defense dar. 


Probleme bekommt Lawson, wenn er abseits des Balles agieren muss. Er ist kein sicherer Schütze aus dem Catch & Shoot (nur 21% Dreierquote in 2014/15) und stellt auch sonst abseits des Balles z.B. als Cutter in der Regel keine große Gefahr dar.
 Auch wenn Lawson in den letzten vier Saisons immer zwischen 15 und 18 Punkten aufgelegt hat, so ist sein Scoring sicherlich nicht seine größte Stärke. Je mehr er in der Offensive als Scorer gefragt wird, desto schlechter sind seine Effizienzwerte. Während seine Punkteausbeute in seiner Karriere von Jahr zu Jahr langsam anstieg, wurden seine Wurfquoten von Saison zu Saison schlechter.


Ty Lawson muss in Denver auch aufgrund fehlender Offensiv-Optionen deutlich öfter werfen, als er es vermutlich sollte. Seine Fähigkeit, seine Mitspieler gut in Szene zu setzen, macht ihn für die Nuggets extrem wertvoll.
 Steht Lawson in dieser Saison auf dem Feld, haben die Nuggets ein starkes Offensivrating von 108.7. Zum Vergleich: Sogar offensivstarke Mannschaften wie Cleveland, Golden State oder Portland haben über das komplette Spiel ein niedrigeres Offensivrating. Sobald Lawson jedoch auf der Bank Platz nimmt, bricht die Offensive der Nuggets förmlich ein, das Offensivrating sinkt um satte 10 Punkte auf 98.7.
 Der Einfluss, den Lawson durch seine Playmaker-Fähigkeiten auf die Offensive seiner Mannschaft hat, ist unfassbar hoch und macht ihn zu einem der am meisten unterschätzten Point Guards der Liga.