12 Dezember 2014

12. Dezember, 2014   |  Wolfgang Stöckl  @WStckl


Die ersten sechs Wochen der neuen Celtics-Saison sind passé. Boston rangiert vor der Partie gegen New York mit 7 Siegen und 13 Niederlagen auf Rang drei in der Atlantic Division und an #10 in der Eastern Conference. Eine Bestandsaufnahme. 


So lief es bisher
Die Celtics, vor der Saison sicherlich kein Team, das einen League Pass Alarm auslöst, haben in ihren ersten 20 Spielen für reichlich Unterhaltung gesorgt. Was für ihre Fans teils grausam mit anzusehen war, dürfte den unparteiischen Basketballliebhaber durchaus unterhalten haben.  Die Celtics spielen bisher mit der höchsten Pace in der Liga, es geht also rauf und runter, genauso ist auch meistens der Spielverlauf. Entschieden werden die Spiele dann oft erst in der letzten Minute. Im Normalfall mit dem besseren Ende für den jeweiligen Gegner der Celtics.

Sieben Siege sprangen bisher für die Kelten raus. Geschlagen wurden eher schwächere Teams wie Philly, Indiana, die Lakers, Detroit oder die formschwachen Nets. Einzig beim Auswärtssieg gegen ein ersatzgeschwächtes Team aus Chicago und beim Heimsieg gegen die Wizards wurden Teams besiegt, die sicher im Mai in den Playoffs stehen werden.

Der November war hart für die Celtics. Das drittschwerste Startprogramm der Liga brachte unter anderem Spiele gegen die Rockets, Mavs, Raptors, Bulls (2x), Cavs, Suns, Grizzlies, Blazers und den Meister aus San Antonio. In Memphis und Houston war Boston chancenlos, genauso zu Hause gegen die Spurs. Die anderen Spiele waren allesamt äußerst eng, letztlich zeigten aber die Gegner der Celtics, warum sie dieses Jahr in den Playoffs stehen werden und deckten die Schwächen des jungen Teams aus Boston gnadenlos auf.

Im Prinzip haben die Celtics ihren Job im November und Anfang Dezember gemacht. Es wurden die Teams geschlagen, die schlagbar sind. In den Partien, die verloren gingen, war das Team bis auf das Spiel gegen OKC nicht Favorit. 

So kann es weitergehen
- die Offensive ist deutlich besser als letztes Jahr (von 99,7 auf 103,2 per 100 Poss.), die Mannschaft spielt schnell und uneigennützig (Platz 6 bei den Assists).
- Rajon Rondo ist gesund und führt die Liga bei den Vorlagen pro Spiel an (10,8 APG)
- Jeff Green ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und spielt endlich aggressiv und konstant in der Offensive (19,8 PPG, 56,2% True Shooting und 5,1 Freiwürfe/Spiel sind alles neue Karrierebestwerte)
- mit Marcus Thornton und Kelly Olynyk schießen zwei Spieler über 40% von der Dreier-Linie (letzte Saison niemand)
- die Reboundarbeit am eigenen Brett ist deutlich verbessert (Platz 7 in der Liga im Vergleich zu Platz 19 in der letzten Saison). 

Das geht gar nicht
- die Defensive erlaubt den Gegnern eine Dreier-Quote von 39,5% (nur Dallas ist schlechter)
- die Kelten attackieren zu selten den Korb, kommen nur knapp 21-mal pro Abend an die Freiwurf-Linie (Platz 26)
- keine defensiven Stops im vierten Viertel – die C’s erlauben in knappen Spielen den Gegnern ein ORtg. von 117,7 in den letzten fünf Minuten der Partie. Da wundert es dann nicht weiter, dass so viele enge Partien verloren gehen

M-V-P
SULLY! Eindeutig. Beweise? Kein Problem: 14,9 Punkte, 8,5 Rebounds, 2,6 Assists in 29 Minuten pro Spiel bei 46% FG und 37% Dreier-Quote, dazu zweitbestes Net-Rating der Mannschaft. Richtig deutlich wird Sullingers Wert erst, wenn man mal betrachtet, wie sich das Team ohne ihn schlägt. Ein Offensivrating von 100,4 und ein Defensivrating von 106,2 zeigen, dass er auf beiden Seiten des Courts ein wichtiger Spieler für die Kelten ist, auch wenn sein Einfluss auf die Defensive nicht ganz mit seiner Offensive mithalten kann. Sullinger erfüllt in seinem dritten Jahr bisher komplett die Erwartungen. Wenn er so weitermacht, wird es zwar mit einer Allstar-Nominierung noch nichts werden, aber er wird seinen Status als wichtigster Spieler des Teams weiter zementieren und der Klub wird es sich genau überlegen müssen, ob er ihn in einem möglichen Trade für einen Starspieler anbietet, wie jüngst bei Kevin Love geschehen.


Get Outta Here
Eine typische Szene mit Marcus Thornton: Nach einem Stop in der Defensive (selten, wenn MT
auf dem Feld steht), kommt der Pass zu ihm. Vier gegen Drei Situation, Thornton dribbelt den Ball, überquert die gegnerische Dreier-Linie, stoppt, ein Schritt zurück. Fadeaway ein Meter innerhalb der Dreier-Linie…*klank*.

Der Augencheck sagt, Thornton ist einer dieser Guards, die wild von fast überall auf dem Feld ballern, hauptsache Jumper und bitte nicht zu einfach und nicht passen, bloß nicht passen. Thornton ist ein schwarzes Loch. Der Statscheck bestätigt diesen Eindruck auf den ersten Blick aber erstmal nicht.

Seine Quoten sind für einen Guard in Ordnung mit 43% aus dem Feld und bockstarken 43% von der Dreier-Linie. Sieht zunächst mal ganz gut aus, aber da er recht selten an die Freiwurf-Linie kommt und sich auch weigert, den Pullup-Fadeaway aus der Mitteldistanz aus seinem Repertoire zu streichen, liegt er mit seiner True Shooting Quote in der unteren Hälfte des Teams. Da er auch sonst weder offensiv noch defensiv viel zum Spiel beiträgt, verwundert es nicht, dass er das mit Abstand schlechteste NetRating aller Rotationsspieler hat (minus-6,0). Auch Coach Brad Stevens scheint das registriert zu haben. Seit kurzem sinkt Thorntons Einsatzzeit von Spiel zu Spiel und das erste DNP scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.  

Die Rookies
James Youngs Geschichte bei den Celtics bisher ist schnell erzählt: er wartet geduldig auf seine Chance, bis ein Spieler getradet wird oder sich verletzt. In der Zwischenzeit tobt er sich bisher erfolgreich in der D-League aus. 23 PPG und 7 RPG sehen ganz gut aus. Was das wert ist, wird man sehen, wenn er mal außerhalb der Garbage-Time eingesetzt wird.

Etwas weiter ist da schon Marcus Smart. Er hat derzeit seinen Platz in der Celtics-Rotation sicher und kommt bisher auf beachtliche 19 Minuten Spielzeit im Schnitt. Smart ist so ein wenig der Anti-Thornton. Man sieht lauter gute Sachen, wenn er auf dem Feld steht, von seinem Jumper mal abgesehen. Seine Statistiken lesen sich auf den ersten Blick aber nicht so gut. 7,4 Punkte, Wurfquote von knapp 35% und eine Dreier-Quote von mageren 28%. Man könnte meinen, dass das Team große Probleme bekommt, wenn er auf dem Feld steht. Aber das Gegenteil ist der Fall. Smart hat schon jetzt Avery Bradley den Rang als bester Verteidiger des Teams abgelaufen.

Sein herausragender Instinkt, gepaart mit seinem Einsatz, seiner Physis und seinen schnellen Hände in der Defensive schlagen sich in einen Defensivrating von 98,6 nieder. Das ist meilenweit der beste Wert des Teams. Auch offensiv läuft es bei den C’s besser, wenn er auf dem Feld steht. Obwohl er durch seinen wackligen Jumper ein Spacingproblem verursachen könnte, hat er auch das deutlich beste Offensivrating des Teams mit 111,6 und das, obwohl seine persönlichen Statistikwerte kein Indiz dafür geben, dass er dem Team offensiv eine besondere Qualität gibt. Eine Erklärung könnte wieder die Defensive sein. Mehr Stops hinten bedeuten weniger Halfcourt-Offensive vorne, schlechter organisierte Defensiven, mehr Early-Offense, schnellere, bessere Würfe, also auch eine bessere Offensiveffizienz.


Gleichzeitig ist Smart auch ein Spieler, der seine Mitspieler mitreissen kann. Smart wird sicher offensiv noch einige Täler durchstehen müssen, das ist als Rookie allerdings normal und sein Spiel und vor allem sein Schuss ist noch zu roh, um gleich konstant auf hohem Niveau durchspielen zu können. Durch seine Einstellung und Defensive wird er dem Team aber dennoch in fast jedem Spiel etwas Positives geben können.

So geht’s weiter
Gute Nachricht für die Keltenfans: der Dezember wird leichter als der November. Vor allem keine starken Westteams! Allerdings steigt damit auch der Druck, bessere Ergebnisse abzuliefern. Hauptsächlich trifft Boston auf Durchschnittsteams oder solche mit negativer Bilanz. Dieser Monat wird auch Aufschluss darüber geben, wohin die Reise gehen wird in Beantown. Aktuell ist der Osten so mäßig, dass die Celtics selbst mit einer 7-13 Bilanz sehr nahe an den Playoffplätzen sind.

Wenn der Dezember vorbei ist, wird man wissen, on sich Grün in dieser Richtung Hoffnungen machen kann. Möglich ist auch, dass Ainge den ein oder anderen Trade schon in der Schublade hat. Noch immer fehlt dem Team ein Ringbeschützer und eine verlässliche Nummer eins Option in der Offensive, während Ainge gleichzeitig noch einiges an Gehaltsballast mit sich rumschleppt, den er natürlich gerne loswerden würde. Ab 15. Dezember können auch Spieler getradet werden, die im Sommer neue Verträge unterzeichnet haben.