13 Dezember 2014

13. Dezember, 2014   |  Daniel Schlechtriem  @W14Pick


Mit dem kleinen Trade um Andrei Kirilenko am vergangenen Donnerstag hat die Trading Season 2015 begonnen. Richtig los geht es am Montag: Ab dem 15.12. dürfen die im Sommer verpflichteten Free Agents getradet werden, das Überschreiten dieser Grenzmarke gilt als Startschuss für größere Deals. Doch welche namhaften Spieler könnten bis zur Deadline am 19. Februar über die Ladentheke gehen? Ein Blick auf die offensichtlichen Kandidaten und die denkbaren Abnehmer.


Rajon Rondo & Jeff Green 
(Boston Celtics)
Die unendliche Geschichte um den vierfachen All-Star der Celtics wird bald eine Entscheidung finden. Seit dem Draft Abend 2013, als Boston seine Legenden Garnett und Pierce nach Brooklyn verschiffte und GM Danny Ainge (wenn auch nie öffentlich) die Weichen in Richtung Rebuild stellte, schienen auch Rondos Tage im TD Garden gezählt. Der Vertrag des im Februar 29 Jahre alt werdenden Aufbauspielers läuft im Sommer aus, er steht vor der wichtigsten Unterzeichnung seiner Karriere. Rondos Selbstverständnis lässt hierbei nicht weniger als einen Maximalvertrag zu. Den könnte er bei den Celtics zwar theoretisch erhalten – doch wollen das beide Seiten überhaupt? Der letzte Mohikaner der 2007er Champions gilt zwar als äußerst loyal, wird jedoch seine besten Jahre nicht am unteren Rand der Tabelle verschwenden wollen. Die Celtics und Ainge wissen nur zu genau, dass sie noch Jahre von ligaweiter Relevanz entfernt sind – abgesehen davon stehen in Avery Bradley und Marcus Smart die Erben Rondos längst Gewehr bei Fuß. Ein Spieler seiner Qualität und seines Ehrgeizes verhindert sowieso die Chancen auf manch einen Lotterieball mehr in der Ziehung. 

Aus denselben Gründen sind auch die Tage Jeff Greens bei den Grünen gezählt. Die Situation ist mit der Rondos ähnlich. Green ist zu gut für den Rebuild, er wird ebenso kommenden Sommer 29 Jahre alt und steht vor dem wichtigsten Karriereschritt. Sein Vertrag hat eine Player Option für die nächste Saison über 9,2 Millionen Dollar, die die Celtics unter keinen Umständen in den eigenen Büchern sehen wollen. Entsprechend sondiert Ainge die Angebote nicht erst seit gestern und hat bisher schlichtweg noch nicht den passenden Deal gefunden. Ein Zurückhaltung aus Trotz, wie es beispielsweise die Jazz im Februar 2013 praktizierten und Al Jefferson sowie Paul Millsap nicht tradeten, dann im Sommer ohne Gegenwert ziehen ließen, erscheint bei Danny Ainge geradezu undenkbar. Beide Spieler sind verfügbar, auch um den Eigentümern den Rebuild mit sinkenden Gehaltskosten ein bisschen bekömmlicher zu gestalten.
Mögliche Interessenten: Kings, Knicks, Lakers, Pistons, Rockets

Dion Waiters 
(Cleveland Cavaliers)
Auch wenn die Cavaliers zuletzt wieder Fahrt aufgenommen haben – Dion Waiters ist und bleibt der Klotz am Bein, der er schon seit seiner Rookie-Saison war. Die Cavs wollten ihn bereits wenig überraschend in der Off-Season loswerden, immerhin ist er für sein Egospiel und eine schlechte Wurfauswahl berüchtigt. Dass Dion an der Seite von LeBron, Love und Kyrie nicht mehr so viele Würfe bekommen wird, wie es sein Selbstverständnis gerne hätte, war abzusehen. Aussetzer wie seine Kabinenflucht während der Nationalhymne sind zudem eher Gewohnheit als Ausnahme, eine True Shooting Percentage von 46,6% sowie ein Net Rating von -0,6 hauen auch niemanden vom Hocker. Als klassischer Shooting Guard braucht der 23-jährige Ball und Verantwortung in seiner Hand, um sich weiterzuentwickeln. Dies kriegt er in Cleveland in absehbarer Zeit nicht und es wird auch niemanden verwundern, wenn die Verantwortlichen in Ohio Waiters' Kapriolen leid sind. Ein Trade wird auch deshalb wahrscheinlich, weil die LeBrons dringend Unterstützung in der Zone brauchen. Ihr einzig qualitativer Center, Anderson Varejao, ist 32 Jahre alt und hat in den vergangenen zwei Spielzeiten nur 94 von 164 möglichen Spielen absolviert. Nicht allzu vertrauensschaffende Umstände. Im Austausch für einen brauchbaren und zuverlässigen Big sollte Waiters also zu haben sein.
Mögliche Interessenten: Hawks, Hornets, Lakers

Joe Johnson, Brook Lopez & Deron Williams 
(Brooklyn Nets)
Die Nets sind gescheitert, ohne Frage. Mit viel Hoffnung verbunden öffnete (Noch-)Besitzer Prokhorov vorletzten Sommer den gut gefüllten Geldbeutel, um Kevin Garnett, Paul Pierce und Jason Terry zum neuverlegten Team nach Brooklyn zu holen. Inzwischen ist Ernüchterung eingetreten, denn um den Titel spielt dieses Team aus diversen Gründen bei weitem nicht mehr mit. Zurück bleibt ein Scherbenhaufen, der nun irgendwie aufgewischt werden will. Angeblich sind o. g. Spieler verfügbar, doch gibt es in allen drei Fällen gute Gründe für jeden anderen GM, sie zu meiden wie Russell Westbrook einen Stilberater. Im Falle von Lopez ist es der mehrfache Fußbruch (165 von 230 möglichen Spielen in den letzten drei Saison absolviert), bei Johnson das Alter (wird im Sommer 34) sowie der Vertrag (knapp 24 Mio. Dollar p. a.). Im Falle von D-Will ist es beides (chronische Knöchelprobleme, Vertrag über drei Jahre mit 21 Mio. Dollar p.a. + 15% Trade Kicker).


Da es schon schwer werden wird, überhaupt Teams zu finden, die genug Cap Space haben um nur einen aus diesem Trio Infernale aufzunehmen, geschweige denn theoretisch überhaupt Masse für einen Trade zusammensammeln zu können, wird keiner der überhaupt hypothetisch möglichen Abnehmer etwas halbwegs wertvolles als Gegenwert in die Waagschale werfen. Draft Picks, um einen Deal irgendwie schmackhaft zu machen, haben die Nets nicht mehr bis zu den übernächsten Präsidentschaftswahlen, wertvolle Youngster schon gleich gar nicht. Kurzum: Brooklyn ist am A... .
Mögliche Interessenten: Niemand bei klarem Verstand (also Knicks und Lakers)

Corey Brewer 
(Minnesota Timberwolves)
Spätestens seit der Trade um Kevin Love nicht mehr zu vermeiden war, wurde im Land der 10 000 Seen der rote Knopf gedrückt. Andrew Wiggins (19) ist die Zukunft der Franchise, Ricky Rubio (24), Gorgui Dieng (24), Anthony Bennett (21) und Zach LaVine (19) seine Adjutanten. Für morgen ist also gesorgt, muss man sich nur noch um heute kümmern. Und das heißt: Eine Menge teurer Veteranen loswerden und dabei Kosten einsparen. Allen voran Corey Brewer, den mehrere Teams nur zu gerne aufnehmen würden. Der Champion von 2011 kann ein bisschen was von allem: Er hat ein ordentliches Offensivrepertoire, verteidigt solide, ist schnell, spielt mit Herz und Einsatz. Größtes Manko: Der 28-jährige hat eine Player Option für die kommende Spielzeit und dies lässt die GMs andere Teams die Nase rümpfen. Solange die Wölfe aber keinen großen Gegenwert verlangen und Brewer lediglich für eine Trade Exception zu haben ist, wird er ein neues Team finden. Im Zuge des Rebuilds wird Minnesotas starker Mann Flip Saunders nur zu gerne zusätzlich Chase Budinger, Kevin Martin und sogar Nikola Pekovic und Thad Young wegschicken, um Minuten und Entwicklungszeit (Verantwortung!) für oben erwähnte Youngster frei zu machen. 
Mögliche Interessenten: Cavaliers, Clippers, Heat, Hawks, Rockets, Raptors

Die Denver Nuggets
In der Mile High City sind die Schwierigkeiten ebenso meilenhoch. Das Team ist gut, für den Westen aber nicht gut genug, Spieler dürfen nicht, wie sie wollen und der Trainerstuhl wackelt sowieso. Die 'mediocrity treadmill' droht – d. h.: zu schlecht für die Playoffs, zu gut für einen Top Pick – und weil sie in absehbarer Zeit ohnehin nichts mehr reißen werden, ist anzunehmen, dass das Front Office die Reißleine zieht. Somit könnten fast alle Spieler verfügbar werden: Dass sich GM Tim Connelly von Point Guard Ty Lawson trennt erscheint eher unwahrscheinlich, dagegen wird der zu Saisonbeginn noch mit einem saftigen Langzeitvertrag ausgestattete Kenneth Faried Gerüchten zufolge inzwischen mehr als hinterfragt und soll weder beim Coach, noch beim Management einen guten Stand haben. Neben diesem Duo werden vor allem Timofey Mozgov und Wilson Chandler bei anderen Teams Begehrlichkeiten wecken, auch für den im Sommer erst zurückgeholten Arron Afflalo sowie J.J. Hickson und Darrell Arthur sollte ein Markt existieren. Schwieriger wird es aufgrund der Verletzungshistorie bei Danilo Galinari und Nate Robinson (immerhin geringer Vertrag) – von „Shaqtin' a Fool“-MVP JaVale McGee ganz zu schweigen. Mit ziemlicher Sicherheit bleiben wird der Kern aus besagtem Lawson sowie den Rookies Gary Harris und Jusuf Nurkic. 
Mögliche Interessenten: Die ganze Liga (vgl. Wühltisch beim Lebensmittel-Discounter) 


Weitere Kandidaten:

Andrei Kirilenko: In Brooklyn gescheitert und mit den Verantwortlichen verstritten, schickten diese ihn zum Auffangbecken der Liga nach Philadelphia. Doch die Sixers erwägen zum Entsetzen des Russen, ihn vorerst zu behalten, um den Tradewert bis Februar zu prüfen. Sollten sie ihn entlassen, stehen die Teams Schlange: Seinem ehemaliges Team, den Jazz wird Interesse nachgesagt, ebenso den Clippers, Spurs und auch den Rockets. In einem Trade jedoch werden sie alle für den 33-jährigen kaum etwas bis überhaupt nichts bieten.

J.R. Smith & Tim Hardaway Jr.: Der Unterschied zwischen Wunsch und Realität. Die Knicks hätten Smith nur zu gerne los, doch Teams mit geistiger Zurechnungsfähigkeit machen einen weiten Bogen um den Shooter. Anders sieht es da mit Hardaway aus, der sich offensichtlich mit New Yorks einzigem Anlagegut, Carmelo Anthony, überworfen zu haben scheint. Tim Jr. würden die Knicks zwar tendenziell lieber behalten, doch für ihn existiert eher ein Markt. Außerdem verärgert man als Front Office seinen Superstar bekanntlich nicht, schon gar nicht in dunklen Zeiten.

Greg Monroe: Das Fiasko in der Motorstadt nimmt unerklärliche Ausmaße an. Nicht nur, dass sie völlig unter den Erwartungen geblieben sind und selbst den Sixers Konkurrenz als schlechtestes Team der Liga machen, das Drama um das Trio Monroe, Drummond und J-Smoove bleibt ungelöst. Weil letzterer nicht vermittelbar ist, werden sich die Pistsons wohl oder übel von Monroe trennen müssen. Aber wer legt im Februar viel für einen Spieler auf den Tisch, den man im Sommer umsonst haben könnte?

Tayshaun Prince: Der einstige Elite-Verteidiger der 2004er Meistermannschaft der Pistons ist inzwischen 34 Jahre alt und hat einen auslaufenden Vertrag über 7,8 Millionen Dollar. Allein das macht ihn zu einem ernsthaften Tradekandidaten. Dass er vergangene Saison so mies spielte wie seit seinem Rookie-Jahr nicht mehr, sogar in diesem noch besser traf als im letzten und in der laufenden Spielzeit in neun Partien trotz Einsatzfähigkeit über 48 Minuten auf der Bank schmorte, befeuert die Gerüchteküche um ein Vielfaches. Der Goldmedaillengewinner von 2008 spielt in der Langzeitplanung von Coach Joerger ohnehin keine Rolle mehr, daher wird er für keinen allzu großen Gegenwert zu haben und insbesondere für Teams interessant sein, die entweder sofort oder im Sommer Cap einsparen möchten.


Lance Stephenson: Sir Lancelots Ankunft schürte große Erwartungen am Hof von Michael Jordan, doch sowohl die Saison der Hornissen, als auch die Stephensons mündet derzeit in einer mittleren Katastrophe. Big Al und Kemba brauchen dringend Unterstützung, um Punkte aufs Scoreboard zu bringen. Genau dazu ist der ehemalige Pacer aber bisher nicht imstande. Entsprechend werden Rufe nach einem echten Scorer laut. Um den zu kriegen würde Charlotte wohl den neu akquirierten Stephenson gleich wieder wegschicken, aber auch die Namen Gerald Henderson und Michael Kidd-Gilchrist fallen in diesem Zusammenhang immer wieder.


Der zweite Teil analysiert die Geheimkandidaten, die nicht jeder auf dem Radar hat, sowie ihre möglichen Abnehmer.