18 Dezember 2014

18. Oktober, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Mehrere Wochen in der neuen NCAA College Basketball Saison sind absolviert - Zeit für einen ersten Formcheck über die Topteams mit legitimen Meisterschaftsambitionen.


Kentucky Wildcats
Bilanz: 11-0
Quality Wins: 72-40 vs. Kansas; 63-51 vs. Texas; 84-70 vs. North Carolina

Bisherige Leistungen:
Die Wildcats dominierten den Großteil ihrer Begegnungen, genauso wie es im Vorhinein von allen Experten und Fans prognostiziert wurde. Ein erstes Ausrufezeichen war dabei der deutliche Erfolg über die Kansas Jayhawks. Diesen sollte man aber eher nicht überbewerten. Im ersten Moment sticht der Name Kansas ins Auge und man verknüpft damit eine gewisse Qualität, doch (wie ich gleich noch ausführlicher darlegen werde) der Saisonbeginn lief und läuft immer noch alles andere als optimal für die Jayhawks. Zum Zeitpunkt des Kentucky Spiels  experimentierte Bill Self noch viel an seiner Starting Five und Rotation herum. Außerdem kam von den Freshmen nichts. Insgesamt lieferte Selfs Team einen ungewöhnlich uninspirierten Auftritt gegen ein topmotiviertes Kentucky Team. Genau diese Einstellung scheint aber gegen die kleineren Programme ein schwer herbei zu führender Zustand zu sein. Gegen Teams wie Buffalo, Providence oder zuletzt Columbia hatte man arge Schwierigkeiten in der ersten Halbzeit, ehe man nach der Pause, wie verwandelt aus der Kabine zurückkehrte. Dabei lag der augenscheinlichste Unterschied in der Intensität der Verteidigungsleistung. Bisher erwies sich diese immer als Triebfeder für einen spielentscheidenden Lauf. Viele Teams haben der Kombination aus bissigen Zerberussen am Perimeter und der vielköpfigen Hydra unter dem Brett nichts entgegen zu setzen. Schafften es die Guards des Gegners schließlich doch mal ihren Gegenspieler zu schlagen, wurde der Wurfversuch des entkräfteten und entnervten Spielers sofort durch die schiere Größe der Kentucky Big Men unterbunden. Erst Texas und zuletzt Columbia zeigten zuletzt in Ansätzen, dass man die Verteidigung der Wildcats mit schnellen Pässen Kickouts unter Druck setzen kann. North Carolina setzte zudem die Big Men in der Transition Defense unter Druck und konnte mehrfach durch Rimrunner scoren, selbst aus einem Einwurf nach einem Korberfolg der Wildcats heraus. Insgesamt lieferte Kentucky jedoch eine überzeugende Vorstellung gegen die Tar Heels und nutzte deren Schwächen in der Defense konsequent aus. Besonders Devin Booker profitierte davon.

Topspieler:
Durch das Platoon System, bei dem Calipari zwei feste Fünfer Blöcke austauscht, gibt es für die Spieler kaum Möglichkeiten eine Duftmarke zu hinterlassen. Doch bisher konnten augenscheinlich zwei Spieler eine Wende zugunsten der Blauen herbeiführen. Zum einen ist dies Tyler Ulis. Auch wenn der Guard auf den ersten Blick aufgrund seiner geringen Körpergröße in den Hintergrund zu treten scheint, ist er der beste Verteidiger des Teams. Bereits häufiger konnte er den ballführenden Spieler derart beim Dribbling unter Druck setzen, ohne ihn passieren lassen zu müssen, dass ein 5-Sekunden-Regelverstoß abgepfiffen wurde. Providence NBA Prospect Kris Dunn raubte er die Nerven und forcierte den Großteil der 10 Ballverluste des Guards. Noch beeindruckender war aber im ersten Saisonabschnitt Willie Cauley-Stein. Der Big Man zeigte seine Vielseitigkeit und konnte auch in der Defense Spiele im Alleingang entscheiden. Durch seine Beweglichkeit, kann er selbst Wings außerhalb der Dreierlinie problemlos vor sich halten. Gegen Providence hielt er Topscorer Henton, einen 6-4 Guard, bei 1-8 aus dem Feld und 3 Punkten, obwohl dieser zuvor im Schnitt 23 erzielt hatte. Gegen Texas beherrschte er die Bretter nach Belieben gegen einen der stärksten Frontcourts der NCAA.

Ausblick:
Am Freitag sorgte die Nachricht vom Saisonaus für Starting Five Spieler Alex Poythress für Diskussionen darüber, ob das Platoon System, das bereits in einigen Spielen Schwächen offenbarte, zu den Akten gelegt wird oder Cal es doch beibehält. Zumal gegen Columbia auch Tyler Ulis und Devin Booker mit kleineren Blessuren aussetzten. Dort änderte Calipari aber nichts an seiner Wechselstrategie. Neben der Frage nach der neuen Rotation gibt es aber auch noch andere Knackpunkte, die Cal in Angriff nehmen muss. Bisher dominierten die Wildcats ihre Partien in der Defense, doch sobald ein Gegner zum Korb zog, um zu passen und nicht um abzuschließen, offenbarte Kentucky Schwierigkeiten bei den weiteren Rotationen. Texas bekam dadurch viele offene Dreier in der Ecke, auch Columbia konnte sich dadurch gute Würfe erspielen. Offensiv sind viele Angriffe noch harte Kost und nicht zu genießen für Connaisseurs des gehobenen Offensivbasketballs. Allerdings zeigt sich der Angriff der Wildcats gegen Zonenverteidigungen deutlich effektiver, als noch im letzten Jahr. Bis zur Conference Saison warten noch die Topteams der UCLA und aus Louisville auf die Wildcats. Gerade die Partie gegen den Rivalen kurz nach Weihnachten darf mit Spannung erwartet werden.

Duke Blue Devils
Bilanz: 9-0
Quality Wins: 81-71 vs Michigan State; 80-70 vs Wisconsin

Bisherige Leistungen:
Die ersten Partien erwiesen sich als spannungsarme Blowouts gegen eher kleine Programme. Einen ersten Härtetest bot hingegen das Matchup gegen Michigan State. Die Spartaner konnten den Blue Devils jedoch unter dem Korb nur wenig entgegensetzen, sodass insbesondere Jahlil Okafor nach Belieben dominierte und Duke insgesamt während der gesamten Begegnung ein beruhigendes Punktepolster zwischen sich und Michigan State anhäufen konnte. Erst im fünften Spiel gegen Stanford traf man erstmals auf ein Team, das zumindest physisch annähernd ebenbürtig war. Das erwies sich sofort als ungewohnt für Okafor und Co, die damit vor eine erste Bewährungsprobe gestellt wurden. Dennoch konnte man das Duell für sich entscheiden. Anfang Dezember kam es dann zum lange herbeiersehnten Aufeinandertreffen mit Wisconsin. Gerade das Matchup Okafor/Kaminsky schien dabei für einen hohen Unterhaltungswert zu garantieren. Duke Legende Coach K machte aber den Zuschauern einen Strich durch die Rechnung, denn er ließ es erst gar nicht zu diesem Einzelkampf kommen. Stattdessen switchten seine Mannen fast alle Blöcke abseits des Balls und doppelten Postups aggressiv, was Wisconsin sichtlich vor Probleme stellte. In der zweiten Halbzeit drehte Okafor dann im Angriff auf und konnte den Vorsprung seines Teams vorentscheidend ausbauen.

Topspieler:
Jahlil Okafor macht genau das, was eigentlich jeder vor der Saison von ihm erwartet hatte. Er gibt dem Spiel der Blue Devils mit seiner Präsenz im Post eine neue Dimension. Seine Postups sind bereits jetzt schon extrem effektiv und er wird hier den hohen Erwartungshaltungen gerecht. Zuletzt sorgte er mit einem seltenen 20-20-Spiel für Furore. In der Defense konnte er sich noch nicht wirklich auszeichnen, was einerseits an der guten Teamverteidigung lag, andererseits aber auch am Mangel an hochwertigen Gegenspieler. In den wenigen Szenen gegen Kaminsky ließ sich jedoch erahnen, dass Okafor hier noch ein wenig Arbeit zu verrichten hat. Seine Co-Freshmen Tyus Jones und Justise Winslow lieferten ebenfalls bereits starke Partien, ließen aber noch Okafors Konstanz vermissen und präsentierten sich in dieser Hinsicht Freshman-typisch.

Ausblick:
Nach dem Gipfeltreffen mit Wisconsin hatten die Blue Devils knapp zwei Wochen Pause und treffen vor dem ACC Beginn nur noch auf Champ UConn als nennenswerten Gegner. Da die Huskies aber noch Probleme haben, sollte das Team von Coach K ungeschlagen in die ACC starten. Dort wird das Team noch oft genug gefordert, sodass es Sinn macht, in den nächsten Spielen vorwiegend Dinge zu testen und mit guten Leistungen Selbstvertrauen zu tanken.



Arizona Wildcats
Bilanz: 11-0
Quality Wins: 72-68 vs Kansas State; 61-59 vs San Diego State; 66-63 vs. Gonzaga; 80-53 vs. Michigan

Bisherige Leistungen:
Das Auftaktprogramm der Wildcats bot eine gute Gelegenheit, sich für die anschließenden Aufgaben einzustimmen und mit deutlichen Siegen Selbstbewusstsein zu tanken. Gegen Kansas State wurde Zona im Rahmen des Maui Invitational Tournaments dann erstmals wirklich gefordert. Dieser erste Härtetest war auch bitter nötig, da besonders in der Defense, dem eigentlich Prunkstück des Teams von Coach Sean Miller, die Intensität und Abstimmung fehlte. Am eklatantesten waren dabei die Schwächen in der Blockverteidigung. Marcus Foster, Scharfschütze und Topscorer von Kansas State, spielte mit seinen Verteidigern häufig Katz und Maus, weshalb er problemlos sechs Dreier einnetzen konnte. Dennoch zog sich das Team dank eines gut aufgelegten Kaleb Tarczewski aus der Affäre. Zwei Tage später traf man im Turnierfinale auf San Diego State. In diesem Spiel lag das Team fast die komplette erste Halbzeit im Hintertreffen und tat sich schwer, offensiv den Rhythmus zu finden. Nach der Pause konnte man den Ball öfter nach innen bringen und aus Postups heraus gute Angriffe initiieren. Auch Stan Johnson steuerte mit seinen Drives seinen Teil zum Sieg bei. Gegen Gonzaga ergab sich ein ähnliches Bild. Wieder brauchte Arizona die erste Halbzeit, um sich mit der Offense des Gegners zu arrangieren und selber das Insidespiel zu entdecken. Nach der Pause ließ man sich auch von schwächeren Phasen nicht verunsichern und war in der Lage, in der Schlussphase die Verlängerung zu erzwingen.  Entscheidende Rollen nahmen dabei Brandon Ashley und T.J. McConnell ein. Gegen Michigan dominierte man das Geschehen über die gesamten 40 Minuten. Gerade Caris LeVert, potentieller Lottery Pick in Reihen der Wolverines, kam mit seinen Bewachern Stan Johnson und Rondae Hollis-Jefferson gar nicht zurecht.

Topspieler:
Einen wirklich herausstechenden Spieler gibt es (noch) nicht. Arizona funktioniert als Team ungemein effektiv. Gleich sechs Spieler können zweistellig punkten und einem Spiel ihren Stempel aufdrücken. Zudem definiert sich Arizona in erster Linie über eine sattelfeste Teamdefense, die kaum etwas zulässt. Will man sich dennoch einen Spieler herauspicken, so trifft man mit Stanley Johnson eine gute Wahl. In der ersten Phase der Saison musste sich der Freshman erst noch an das Spiel auf diesem Level gewöhnen, doch nun scheint er sich mit jedem Spiel besser zurecht zu finden und mausert sich klammheimlich zum Leader der Wildcats.

Ausblick:
Bis zum Start der PAC 12 Saison stehen für die Studenten aus dem Kakteenstaat noch drei Begegnungen auf dem Plan. Sehr interessant könnte unter anderem das Match gegen UTEP werden. Coach Tim Floyd lässt gerne verschiedenste Verteidigungsformen praktizieren, um den Gegner zu verwirren. Das ist für Arizona ein willkommener Test, da tendenziell eher die Offense den Problembereich markiert.

Louisville Cardinals
Bilanz: 9-0
Quality Wins: 81-68 vs Minnesota; 64-55 vs Ohio State; 94-74 vs Indiana

Bisherige Leistungen:
Gleich das erste Spiel der Saison war ein ganz besonderes, zumindest für Trainer Rick Pitino. Denn er traf gegen Minnesota auf seinen Sohn Richard, der dort auf der Trainerbank sitzt. Neben dieser interessanten Konstellation abseits des Feldes, ging es auch auf dem Parkett ordentlich zur Sache, wobei das Tempo und der destruktive Stil ganz der Vorstellung der Cardinals entsprachen und sie somit den ersten Erfolg in trockene Tücher wickeln konnten. Bemerkenswerte Randnotiz waren dabei die drei versenkten Distanzwürfe von Energizer Montrezl Harrell. In den folgenden Partien ließ das Team seinen Gegner nicht den Hauch einer Chance, was darin gipfelte, dass Pitino nach einem Blowout gegen Savannah State verlauten ließ, dass er alles unternommen habe, um die Schmach für den Underdog nicht ganz so schlimm werden zu lassen. Von diesem Statement angestachelt, für das Pitino auch Kritik einstecken musste, bot Cleveland State Louisville in der nächsten Partie einen harten Kampf und hielt Pitinos Team bei 45 Punkten, konnte aber selbst auch nur 33 erzielen. Gegen Ohio State legten die Athleten aus Kentucky los wie die Feuerwehr und schienen das Spiel zur Halbzeit schon entschieden zu haben, ehe Nachlässigkeiten dafür sorgten, dass Ohio State nochmal eine Aufholjagd starten konnte, die aber nicht vollendet wurde. Gegen Indiana lief man dagegen lange Zeit einem Rückstand hinterher und konnte sich auch mit der Führung im Rücken nicht wirklich absetzen. Erst in den letzten fünf Minuten schien Indiana die Puste auszugehen, wodurch das Ergebnis höher ausfiel, als es dem Spielverlauf entsprach.

Topspieler:
Montrezl Harrell war bisher noch von keinem Gegenspieler zu stoppen. Der Junior ist das Musterbeispiel für die Definition eines Power Forwards. Ständig ist der bullige Big Man unter den Körben auf Achse und schnappt sich einen Abpraller nach dem anderen. Doch beim Rebound belässt er es meist nicht. Gerade am offensiven Brett folgt dann meist ein krachender Putback Dunk, bei dem Harrell versucht, noch möglichst viele Verteidiger auf einmal auf das Poster mitzunehmen. In der Defense ist er das Schlüsselelement der Presse und der Matchupzone, da er mit seiner Beweglichkeit und Athletik blitzschnell Passwege schließen oder Würfe Richtung Mittellinie schmettern kann.



Ausblick:
Mit Hochspannung erwarten alle Fans des College Basketballs das Duell der Cardinals mit den Wildcats. Das Kentucky Derby birgt jede Menge Begeisterungspotential, auf gleich mehreren Ebenen. Zum einen treffen in diesem Match gleich ein gutes Dutzend hoffnungsvoller Talente aufeinander, von denen wiederum viele gute Chancen auf eine NBA Karriere haben. Zum anderen wird auch an der Seitenlinie ein Schlagabtausch ausgefochten, der sich auf ganz hohem Niveau bewegt. Auch die Emotionalität und der Derby Charakter werden ihren Teil zum Spektakel beitragen. Diese Partie sollte eine gute Einstimmung auf die erste ACC Saison liefern.

Wisconsin Badgers
Bilanz: 10-1
Quality Wins: 68-65 vs. Georgetown; 69-56 vs. Oklahoma

Bisherige Leistungen:
Mit deutlichen Siegen starteten die routinierten Badgers in die Saison und machten da weiter, wo sie in der vergangenen Saison im Halbfinale des NCAA Tournaments aufgehört hatten. Mit gutem Teamplay und wenigen Fehlern fegten sie über ihre Gegner hinweg. Auf den Bahamas wurde man dann erstmals richtig gefordert. In der ersten Partie des dortigen Turniers traf man auf ein runderneuertes Georgetown Team, das sich als harte Nuss erwies und lange Zeit sehr gut im Rennen blieb. Erst spät in der zweiten Halbzeit konnte Duje Dukan mit acht aufeinanderfolgenden Punkten für die entscheidende Wende sorgen. Gegen Oklahoma brauchte man wieder eine komplette Halbzeit, ehe man sich zu Beginn des zweiten Abschnitts absetzen konnte. Nach dem Turniererfolg traf man auf Duke und damit auf den nächsten Hochkaräter. Hier tat sich das Team schwer gegen Dukes Defense, die alle Blöcke abseits des Balls switchte und somit Missmatches forcierte, aus denen die Badgers aber kein Kapital schlagen konnten. Nur Frank Kaminsky und Traevon Jackson spulten ihr gewohntes Programm ab. Von der Flügelzange bestehend aus Sam Dekker und Nigel Hayes kam jedoch viel zu wenig, um mit den Blue Devils mithalten zu können.

Topspieler:
Auf College Ebene ist Frank Kaminsky nicht zu stoppen. Zu variabel ist das offensive Arsenal des Seniors und zu gut passt er in Bo Ryans System. Für einen Big Man verfügt Kaminsky über einen außergewöhnlich guten Schuss. Da seine Gegenspieler diesen zwingend respektieren müssen, reicht es für Kaminsky einmal kurz mit der Wimper zu zucken und schon springt der Verteidiger ins Leere. Für den Teamerfolg sind dennoch andere Spieler die X-Faktoren. Speziell Sam Dekker darf sich als Junior nicht mehr solche Schwankungen in seinen Leistungen erlauben, wie es derzeit noch der Fall ist.

Ausblick:
Vor dem Start in die Conference Saison steht mit California noch eine fordernde Aufgabe auf dem Terminplan. Interessant ist dabei, dass die Bears ähnlich besetzt sind, wie die Badgers, da auch sie über spielintelligente Big Men verfügen und eine Vielzahl guter Schützen aufweisen können.  In der Big Ten sollten die Badgers dieses Jahr relativ souverän den Titel einheimsen, da die Konkurrenz schwächelt oder noch nicht als Kollektiv funktioniert.

Virginia Cavaliers
Bilanz: 9-0
Quality Wins: 76-65 vs. Maryland; 74-57 vs. VCU

Bisherige Leistungen:
Während andere Programme im Hype um ihre Talente von positive Schlagzeilen überflutet werden und aufpassen müssen, dass die Euphorie Welle nicht überschwappt, mauserten sich die Cavaliers im Schatten ihrer Konkurrenten zu einem Contender um den ACC Titel und eine Final Four Teilnahme. „Erneut“ muss man eigentlich an dieser Stelle hinzufügen. Denn bereits im vergangenen Jahr bescherte die knüppelharte Defense  Tony Bennett und seinem Team den ACC Titel. Auch dieses Jahr ist die Defense eine Bank. Bisher konnte nur einer von neuen Opponenten die Punktemarke von 60 knacken. Alle anderen Teams kamen nicht über 57 Zähler hinaus. Gegen Maryland wurde man erstmals ein wenig gefordert, wobei auch hier das Ergebnis knapper als der Spielverlauf war. An beiden Enden des Feldes präsentierte sich Virginia im Pick & Roll deutlich überlegen und nutzte diesen Vorteil konsequent aus. Im innerstaatlichen Duell gegen die Rams der VCU ließen sich die Guards nicht vom hektischen Stil des Gegners anstecken, sondern agierten sehr kontrolliert und hielten die Gastgeber auf Abstand.

Topspieler:
Auch hier ist das Kollektiv der Trumpf im Ärmel des Coaches. Besonders über die herausragende Team-Defense definieren sich die Cavaliers und verbuchen wegen dieser ihre Erfolge. Dennoch sticht offensiv immer wieder ein Spieler heraus: Malcolm Brogdon. Der vielseitige Guard übernimmt häufig die Spielgestaltung und liest das Pick & Roll besser als so mancher Point Guard. Dabei findet er eine gute Mischung aus eigenem Abschluss und dem Anspiel zum Teamkameraden.

Ausblick:
Vor Weihnachten stehen noch zwei Partien an. Cleveland State und Harvard heißen die Gegner. Während Erstere diese Saison arge Probleme haben einen Rhythmus zu finden, hat auch Harvard bislang keinen optimalen Start verbuchen können. Eine unnötige Niederlage gegen Underdog Holy Cross und mehrere hauchdünne Siege erscheinen angesichts der gestiegenen Ansprüche eher dürftig. Für Harvard ist dieses Spiel also eine Chance, sowohl das bisherige Resümee aufzupolieren, als auch neuen Schwung für die Ivy League mitzunehmen. Die Cavaliers sollten also auf der Hut sein.

Villanova Wildcats
Bilanz: 10-0
Quality Wins: 77-53 vs. VCU; 60-55 vs. Michigan; 73-59 vs. Illinois

Bisherige Leistungen:
Ähnlich wie in der vergangenen Saison starteten die Wildcats mit großer Souveränität in die Saison. Ein erstes Ausrufezeichen konnte das Team aus Philadelphia gegen VCU in Brooklyn setzen. Selten konnte ein Team derart souverän den VCU Rams unter Shaka Smart den eigenen Spielstil aufzwängen, wie es Villanova an diesem Abend tat. In der Offense hielt man zu jedem Zeitpunkt die Zügel in der Hand und ließ die quirligen Verteidiger der Rams ein ums andere Mal ins Leere laufen. Auf der anderen Seite erlaubte man dem Gegner keine einfachen Punkte und ging sehr physisch zu Werke. Bereits einen Tag später traf man im Finale auf Michigan. In dieser Partie glänzten die Wildcats durch ihre Nervenstärke in der entscheidenden Phase des Spiels. Michigan führte für den Großteil der zweiten Hälfte, ehe JayVaughn Pinkston zunächst einen wichtigen Wurf zur Führung 16 Sekunden vor dem Ende traf und im Anschluss den Wurfversuch der Wolverines entschlossen wegblockte. Ähnlich routiniert wie in diesen beiden Begegnungen war auch der Auftritt im Madison Square Garden gegen Illinois. In diesem Spiel zeigte sich eindrucksvoll, wie tief die Wildcats dieses Jahr besetzt sind, da sich dieses Mal Daniel Ochefu und Dylan Ennis für den Sieg als Hauptverantwortliche in den Vordergrund spielten.



Topspieler:
Jay Wright hat das Luxusproblem, 6 gleichwertige Spieler im Kader stehen zu haben, die allesamt Starterformat aufweisen können und sich auf einem ähnlichen Leistungsniveau bewegen. In jedem Spiel kann ein anderer Akteur dem Spiel seinen Stempel aufdrücken, was das Team so schwer ausrechenbar macht. Ist JayVaughn Pinkston in Spiellaune, wird jedoch jeder Gegner Schwierigkeiten haben, ihn aus dem Spiel zu nehmen, da er in der Zone und aus der Mitteldistanz einer der potentesten Finisher der NCAA ist.

Ausblick:
Bevor es am letzten Tag des Jahres gegen Butler in der Big East losgeht, stehen noch die Aufgaben gegen Syracuse und NJIT an. Auf den ersten Blick sollte ein Sieg reine Formsache sein, doch beide Gegner beinhalten ihre Tücken. So ist mit der Matchup Zone der Orange nicht zu spaßen, zumal die Youngster dort Woche für Woche Fortschritte machen. NJIT erregte jüngst die mediale Aufmerksamkeit mit einem Sensationserfolg über Michigan, was verdeutlicht, dass man keinen Gegner so kurz vor der Conference Saison auf die leichte Schulter nehmen sollte. Zumal sich auch die Big East als härter herausstellen könnte, als es vor der Saison die meisten Beobachter vermutet hatten.

Gonzaga Bulldogs
Bilanz: 10-1
Quality Wins: 72-56 vs. SMU; 88-76 vs. Georgia; 73-66 vs. St. John’s; 87-74 vs. UCLA

Bisherige Leistungen:
Das Heimspiel gegen SMU sollte der erste Härtetest der Saison werden, doch es entwickelte sich eher eine Machtdemonstration seitens der Zags über einen völlig indisponierten Gegner. Man merkte den Mustangs das Fehlen eines Backup Point Guards für Nic Moore an, der mit zunehmender Spielzeit immer müder wurde und immer weniger ausrichten konnte. Zudem fehlte den Gästen Markus Kennedy, der beste Big der letzten Saison, und Yanick Moreira befand sich zu diesem Zeitpunkt auf Formsuche. Dementsprechend hatten die Zags angeführt von einem starken Kevin Pangos keine große Mühe, das Spiel zu gewinnen. Auch gegen Georgia sorgte man früh für klare Verhältnisse und entschied das Spiel mit einer guten ersten Halbzeit und einem noch besseren Start in die zweite Hälfte. St. John’s erwies sich hingegen schon als härtere Nuss. Gonzaga hatte Probleme mit dem unkonventionellen Stil der Johnnies, die bevorzugt ihre Athletik durch kompromisslose Drives ausspielen. Immerhin spulte das Team in der Offense weiter konzentriert sein Programm durch und konnte dadurch das Spiel Mitte der zweiten Hälfte etwas deutlicher gestalten. Diesen Vorsprung brachte man letztlich dank einer guten Freiwurfquote über die Zeit. Das Highlight des Non-Conference Schedules war jedoch das Aufeinandertreffen mit Arizona in deren Heimstätte. In einem engen Spiel wirkten die Bulldogs lange Zeit souveräner und reifer in der Spielanlage. Während sie in der Offense trotz der starken Defense der Wildcats gute Wurfmöglichkeiten erhielten, verbarrikadierten sie in der Defense geschickt die eigene Zone und forcierten somit viele Jumpshots seitens der Gastgeber. Das Versenken von Jumpern gehört nicht gerade zu den Stärken der Wildcats und der Gameplan ging auch für die ersten 38 Minuten auf. Doch dann netzte Brandon Ashley zwei Sprungwürfe ein und sorgte damit für die Verlängerung, in der in der Offense nichts mehr funktionierte. Dennoch erhielt man die Chance, sich in eine zweite Overtime zu retten, doch Byron Wesley vergab die drei entscheidenden Freiwürfe. Gegen ein weiteres Schwergewicht des Westen konnten die Bulldogs jedoch einen weiteren wichtigen Sieg einfahren. In Los Angeles besiegte man die Bruins mit 87:74 dank einer guten Offensivleistung. Besonders gegen die Zone der UCLA zeigte sich Mark Fews Team gnadenlos effektiv und versenkte binnen kürzester Zeit mehrere Distanzwürfe und brachte so einen spielentscheidenden Abstand zwischen sich und die Bruins.

Topspieler:
In der Offense verfügen die Zags über viele Waffen und können ein Team variabel schlagen. Doch bislang zeigte sich dabei keiner so konstant und so variabel wie Redshirt Junior Kyle Wiltjer. Der Neuzugang aus Kentucky besitzt einen ausgesprochen soften Touch und kann dadurch aus jeder Distanz hochprozentig abschließen. In seinen ersten Jahren tendierte er noch dazu, sich zu sehr auf seinen Sprungwurf, speziell den Dreier, zu verlassen und Kontakt aus dem Weg zu gehen, doch dieses Jahr beeindruckt er auch mit einer Vielzahl an effektiven Postmoves. Besonders sein Hookshot fällt bisher sehr sicher.

Ausblick:
Vor Weihnachten trifft man nur noch auf Cal Poly. Diese Partie wird gleichzeitig auch die Generalprobe vor dem Start der WCC darstellen. Unmittelbar nach den Feiertagen trifft man zum Auftakt direkt gegen den ärgsten Konkurrenten in der WCC BYU. Dennoch sollten die Zags auch dieses Jahr ohne Komplikationen den nächsten Conference Titel zur Trophäensammlung hinzufügen.

Texas Longhorns
Bilanz: 9-1
Quality Wins: 71-57 vs. Iowa; 71-55 vs. California; 55-54 vs. UConn

Bisherige Leistungen:
Nach Blowouts in den ersten Begegnungen stand für Texas in New York eine gute Standortbestimmung gegen gute Gegner auf dem Plan. Dabei konnte man zunächst Iowa deutlich in die Schranken weisen. Allerdings erst nachdem Rick Barnes seine Schützlinge in der Halbzeitpause daran erinnert zu haben schien, dass man über einen der besten Frontcourts der NCAA verfügt und diesem daher auch Ballberührungen ermöglichen sollte. Während in der ersten Halbzeit kaum Strukturen in den Angriffsbemühungen der Texaner zu erkennen waren, änderte sich dieses Bild nach dem Seitenwechsel schlagartig und plötzlich dominierten die Longhorns die Zone samt Brettern in der zweiten Hälfte. Allerdings mischte sich in die Freude über den ersten nennenswerten Erfolg der jungen Saison auch schlechte Nachricht, dass sich Point Guard Isaiah Taylor bei einem Drive das Handgelenk verletzte (mittlerweile ist klar, dass es sich um eine Fraktur handelt) und somit die folgenden Spiele verpassen würde. Doch bereits gegen Cal im Finale des Turniers sprang Javan Felix in die Bresche, der sowieso mal als Starter vor Taylor vorgesehen war. Mit einer dominanten Vorstellung sicherte man sich daher den ersten kleinen Titel der Saison. Weniger deutlich war hingegen die Angelegenheit in Storrs, Connecticut wenige Tage später. Auch dort schienen die Longhorns gefühlt das Geschehen zu kontrollieren, lagen zur Halbzeit aber dennoch nur knapp in Führung. Die Bestrafung für viele kleine Nachlässigkeiten folgte nach der Pause, als UConn einen Run startete und in der Crunchtime sogar die Führung übernahm. Erst ein Dreier aus der Ecke erlöste die Longhorns und sorgte für einen denkbar knappen Sieg der Texaner. Schließlich kam es zum Gipfeltreffen der beiden vielleicht besten Frontcourts der NCAA bei der Partie Kentucky vs. Texas. Texas hielt sehr lange gut mit und lag für den Großteil der ersten 20 Minuten in Front. Doch Anfang der zweiten Halbzeit mussten die Gäste der Foulproblematik und der fehlenden Tiefe auf der Aufbauposition Tribut zollen, sodass sich Kentucky vorentscheidend absetzen konnte. Trotzdem lieferten die Longhorns den Wildcats bis zum Schluss einen harten Kampf.

Topspieler:
Jonathan Holmes ist der Schlüsselspieler für Texas. Ein möglicher Titelgewinn geht nur über ihn vonstatten. Über den Sommer schuftete der Forward hart an seinem Körper, um es seinem Trainer zu ermöglichen, ihn auf der 3 einzusetzen. Nun ist Holmes kaum wieder zu erkennen und besticht mit ausgezeichneter Form. In fast jedem Spiel hat er nun ein Missmatch, da er mit seiner Größe und seinem sicheren Wurf für die meist kleineren Verteidiger kaum zu halten ist. Zusätzlich zu seinen spielerischen Fähigkeiten ist Holmes auch der klare Leader des Teams, da er über den größten Erfahrungsschatz verfügt und im Spiel gegen UConn gezeigt hat, dass er den entscheidenden Wurf treffen kann.



Ausblick:
Ein letzter Härtetest vor dem Start der Big 12 ist das Aufeinandertreffen mit Stanford. In dieser Partie wird es die Frontline der Longhorns nochmals mit körperlich ebenbürtigen Kontrahenten zu tun bekommen, was eine weitere wichtige Erfahrung für die teils unerfahrenen Big Men darstellen wird. Die große Preisfrage ist aber natürlich, wann Isaiah Taylor zurückkehren wird und, damit zusammenhängend, wie schnell er wieder ins Team eingebaut werden kann. Sollte dies einigermaßen zeitnah und dann auch noch möglichst reibungslos gelingen, steht den Longhorns eine große Saison bevor.

Kansas Jayhawks
Bilanz: 7-1
Quality Wins: 61-56 vs. Michigan State; 71-65 vs. Florida; 75-70 vs. Georgetown; 63-60 vs. Utah

Bisherige Leistungen:
Wie schon im vergangenen Jahr musste Bill Self seine Truppe bekanntermaßen komplett umbauen und hat nun eine Agglomeration an hoffnungsvollen, aber auch unerfahrenen und uneingespielten Talenten zur Verfügung. Um den Lernprozess auf eine maximale Wachstumsrate zu katapultieren, stellte Self daher seinen Schützlingen wieder mal einen exorbitant harten Spielplan zusammen. Das soll sie auf die Big 12 Saison vorbereiten. Nach der Klatsche gegen Kentucky, in der man einfach überhaupt noch nicht bereit für den Wettbewerb zu sein schien, rappelte sich das Team langsam wieder auf und konnte mit Michigan State einen ersten schwierigen Gegner in die Knie zwingen. Neben Perry Ellis, der von Anfang gute Leistungen abrief, konnten sich die Freshmen Cliff Alexander und Sviatoslav Mykhailiuk stark verbessern und ihren Beitrag zum eintretenden Teamerfolg leisten. Besonders die Spiele gegen Florida und Georgetown zeigten, dass das Team im Vergleich zum Kentucky Spiel eine rasante Entwicklung genommen hatte. Gegen Florida sah es zur Halbzeit alles andere als gut aus, doch durch Einsatz, Willen und verbesserte Detailgenauigkeit in der Offense kämpften sich die Jayhawks zurück in die Partie und drehten diese binnen weniger Minuten. Gegen Georgetown musste man zwar keinen Rückstand aufholen, dennoch erforderte diese Partie eine Menge Toughness vom jungen Kansas Team, da das Spiel sehr zerfahren verlief und viele Nickligkeiten auftraten. Dennoch ließen sich die Youngster davon nicht irritieren und insbesondere Brannen Greene trumpfte groß auf und netzte viele wichtige Würfe in der zweiten Halbzeit ein. Gegen Utah durchlitten die Anhänger der Jayhawks dann ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst dominierte Kansas überraschend klar das Geschehen und sah zur Halbzeit schon wie der sichere Sieger aus. Zu Beginn der zweiten Hälfte führte man mit 21 Punkten Differenz. Doch plötzlich kam der Motor in der Offense ins Stocken und die Utes brachten Präzision in ihre Angriffsbemühungen, weshalb sie kontinuierlich zu Kansas aufschlossen. Gerade noch rechzeitig fingen sich die Schützlinge von Bill Self wieder und zeigten sich in der Schlussphase nervenstark von der Linie.

Topspieler:
Perry Ellis ist der talentierste Offensivspieler in den Reihen der Jayhawks. Mittlerweile ist sein Arsenal in der Offense sehr austariert, was ihn zu einem Albtraum für jeden Verteidiger macht. Egal ob per Jumper oder Drive, Ellis ist oftmals nur per Foul zu stoppen und zieht jede Menge Aufmerksamkeit auf sich, was anderen Spielern Freiräume ermöglicht, dank derer diese Spieler auch ihre Leistung bringen können. Zudem ist Wayne Selden Jr. der X-Faktor im Team der Jayhawks. Kommt er ins Rollen und entdeckt seinen Zug zum Korb wieder, verfügt Bill Self über eine sehr gefährliche Scoring Achse.

Ausblick:
Die letzten drei Erfolge sollten den Jayhawks Selbstbewusstsein eingeflößt haben. Besonders die Freshmen können im Moment eine aufstrebende Form aufweisen. Cliff Alexander und Sviatoslav Mykhailiuk sind bisher am weitesten in der Eingewöhnungszeit vorangeschritten. Beide können bereits einen entscheidenden Beitrag zum Spiel leisten, haben aber immer noch Luft nach oben. Kelly Oubre ist nach wie vor das größte Sorgenkind. Immerhin konnte er gegen Utah offensiv endlich andeuten, was in ihm steckt. Jedoch limitiert seine Foulanfälligkeit immer noch seine Minutenzahl, sodass er immer noch nicht das zeigt, was viele von ihm vor der Saison erwartet hatten. Da die Big 12 Saison für Kansas erst sehr spät beginnt, stehen noch einige Tests auf dem Programm. Am interessantesten könnte von den vier offenen Begegnungen die letzte Partie gegen UNLV sein, da die Athleten aus Las Vegas sich über ihre körperlichen Fähigkeiten definieren und somit eine Herausforderung für die Jayhawks darstellen.


Alle Stats: Stand 17. Dezember 2014