08 Dezember 2014

8. Dezember, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Die College-Basketball-Saison ist zwar erst wenige Wochen alt, aber das neue Jahr und die March Madness kommt schneller, als gedacht. NCAA-Crack Axel Babst stellt heute zehn Talente vor, die gute Karten auf eine baldige NBA-Karriere haben - einige von ihnen schon 2015. 

Cliff Alexander
F 6-8, Fr, Kansas Jayhawks
Die ersten Partien des College Neulings kann man in die Kategorie „Erfahrungen sammeln“ einordnen. Zunächst bekam er nur wenig Spielzeit und wusste in dieser auch nicht sonderlich zu überzeugen. Doch nach den ersten Auftritten zeigt die Formkurve nun nach oben. Alexanders große Spezialität ist seine Effektivität beim Einsammeln von Rebounds. Sein ausgesprochen kräftiger Oberkörper, seine langen Arme und sein gutes Näschen für den Ort des Geschehens machen ihn zu einer Reboundmaschine. Gerade am offensiven Brett ist der bullige Innenspieler kaum zu stoppen und kann sich auch gegen mehrere Gegenspieler behaupten. Bei seinen Putbacks ist er in der Regel nur per Foul aufzuhalten. Dort sollte sich in Zukunft sein weiches Handgelenk als nutzbringend erweisen, auch wenn seine Quote noch Luft nach oben aufweist. In der Defense kann er den Korb beschützen, allerdings nur wenn er in der richtigen Position dafür ist, was ihm noch nicht konstant gelingt. Eine große Baustelle in der Defense ist aber seine Pick & Roll Verteidigung. Dort lässt er als Verteidiger des Blockstellers den Ballhandler viel zu leicht passieren, was oftmals in leichten Punkten für diesen resultiert. Generell scheint seine Fitness nicht auf dem Niveau sein, das notwendig wäre, damit der Forward länger gute Phasen zeigen kann.

Montrezl Harrell
F 6-8, Junior, Louisville Cardinals
Mit seiner Entscheidung überhaupt für eine dritte Spielzeit in Louisville zu bleiben, überraschte er viele Fans und Experten. Denn alleine aufgrund seiner Anlagen wäre der Power Forward, Betonung auf Power, als einer der ersten zwanzig in der Draft gezogen worden. Mit seinem kräftigen Körper, seiner starken Athletik und seinem unbedingtem Willen, sich jedem Ball hinter zu werfen, ist er nicht nur ein exorbitant guter Rebounder, sondern ein ständiger Unruhestifter, der eine komplette gegnerische Mannschaft in Hektik versetzen kann. Diese Saison fügte er seinem Spiel eine weitere Dimension zu, indem er beim Eröffnungsspiel der neuen Saison gleich drei Dreier versenken konnte. Zwar blieb er danach erfolglos, doch die Tatsache, dass er weiterhin regelmäßig Dreier nimmt, zeigt sein Vertrauen in seinen Wurf. Dieses ist auch durchaus gerechtfertigt, da er seinen Jumper rapide in seiner Form verbessern konnte.  Sollte sein Dreier sich tatsächlich einigermaßen stabilisieren, können NBA getrost über seinen Mangel an Postmoves hinwegsehen.


Rondae Hollis-Jefferson
F 6-7, Sophomore, Arizona Wildcats
Auch Hollis-Jefferson ist eine physische Ausnahmeerscheinung. Das muskulöse Kraftpaket verfügt über eine Spannweite, die für seine Körpergröße eher selten ist. Dazu ist der Sophomore hart im Nehmen und lässt sich von keinem Gegenspieler einschüchtern. Diese Einstellung und seine Geschicklichkeit im Umkurven von den Armen der Shotblocker bei  seinen Wurfversuchen machen ihn zu einem elitären Finisher in der Zone, wie auch der 2,29m-Center der UC Irvine feststellen musste. Auch an seinem Sprungwurf, der in der Vorsaison praktisch nicht existierte und weshalb er nur eine Hand voll Abschlüsse außerhalb der Zone aufweisen konnte, hat der Forward sichtlich gearbeitet. Besonders beim Freiwurf zeigen sich kaum noch technische Mängel, was angesichts seiner vielen Versuche ein großer Zugewinn für ihn und die Wildcats ist. Der nächste Entwicklungsschritt besteht nun darin, beim Abschluss auch mal seine schwächere rechte Hand zu nutzen und generell an seiner Wurfauswahl zu arbeiten. Gelegentlich wäre es schlicht teamdienlicher, wenn er den Ball zu einem Mitspieler herauspasst, anstatt unter dem Korb gegen zwei oder noch mehr Gegner hochgehen zu wollen.

Stanley Johnson
G-F 6-7, Freshman, Arizona Wildcats
Auf dem Highschool Frischling lastet in der Offense der Wildcats viel Verantwortung. Vollkommen zu Recht, wenn man sich seine Talente und Fertigkeiten vor Augen führt. Johnson kann als Spielmacher vom Flügel ungemein effektiv sein. Vorzugsweise reißt er mit seinen Drives Lücken in die Defense des Gegners und lenkt die volle Aufmerksamkeit der Verteidigung auf sich, was dazu führt, dass seine Mitspieler mehr Freiräume haben, die diese angesichts ihrer beschränkten Möglichkeiten im 1-1 auch dringend brauchen. Johnsons erster Schritt ist schon deutlich explosiver, als noch im Sommer und sein Körper ist jetzt schon kräftig genug, um im Gemenge in der Zone zu finishen. Gegen kleinere Gegenspieler kann er auch ins Postup übergehen und dort mit seinem sicheren Fadeaway über den Verteidiger hinwegwerfen. Auch in der Defense hängt er sich mit zunehmender Intensität rein. Für die NBA muss Johnson weiter an seiner Explosivität arbeiten, da er noch nicht konstant seine Gegenspieler passiert. Davon darf er sich aber nicht entmutigen lassen und anfangen, sich auf Sprungwürfe zu versteifen, wozu er in den ersten Partien neigte. 

Frank Kaminsky
F 7-0, Sr, Wisconsin Badgers
Kaminsky ist im Angriff nicht nur der vielseitigste Big Man der NCAA, sondern gehört sogar positionsunabhängig zur Creme de la Creme des College Sports. Da er lange Zeit als Guard auflief und erst spät in die Höhe schoss, besitzt er für einen Center ein erstaunlich ausgereiftes Ballgefühl, was sich in effektiven Drives von der Dreierlinie niederschlägt. Vorzugsweise startet er seine Angriffe dabei nach einer Wurftäuschung, die die Gegenspieler ernstnehmen müssen angesichts der guten Trefferquote des Hünen. Beim Drive ist er trotz seiner Größe stets kontrolliert in seinen Bewegungen und jeder Zeit in der Lage, seine Mitspieler zu bedienen. Doch nicht nur aus dem Faceup ist Kaminsky effektiv, da er auch über einen soliden Grundstock an Postmoves verfügt. Hier fehlt ihm allerdings hin und wieder die Stärke, um Körperkontakt wegzustecken und einen guten Move mit einem entsprechenden Abschluss zu krönen. In der Defense kann er das Pick & Roll sehr effektiv verteidigen, da er schnell auf den Beinen ist. Allerdings muss er noch cleverer in Ringnähe agieren, wo ihm Offensivspieler, gerade schnelle, athletische Guards zu oft Fouls anhängen.



Jahlil Okafor
C 6-11, Fr Duke Blue Devils
Mit seinen dominanten ersten Auftritten im Cameron Indoor Stadium gewann er viele neue Fans hinzu und wurde von Experten direkt über den grünen Klee gelobt. Immerhin zeigte er auch Qualitäten, die im modernen College Basketball immer seltener werden. Gerade die fundamentalen Kleinigkeiten, die einem auf den ersten Blick vielleicht entgehen, aber letztendlich entscheidend ausschlaggebend für den Erfolg einer Aktion sind, beherrscht er phänomenal gut. Okafor operiert am liebsten als klassischer Brettcenter im Lowpost. Er kann jedes Anspiel verwerten und sichern. Wird er nicht gedoppelt, vernascht er seinen Gegenspieler zumeist mit einer delikaten Mischung aus Kraft und Finesse. Sein Arsenal an Postmoves scheint unbegrenzt zu sein, da er bislang kaum einen Move zwei Mal anwendete. Kommt schließlich doch ein zweiter Verteidiger zur Unterstützung, lässt sich der Big Man nicht in Unruhe versetzen, sondern sucht geduldig nach dem freien Mitspieler, den er dann auch zielsicher anspielt. Eine weitere nicht zu unterschätzende Qualität ist sein Fähigkeit, im Fastbreak kurze Distanzen schnell zu überbrücken und sich dadurch entweder in der zweiten Welle des Schnellangriff als sogenannter Trailer einen leichten Abschluss zu sichern oder zumindest tiefe Postposition zu behaupten, wodurch er kaum zu stoppen ist, wenn ihm das Spielgerät gepasst wird. Allerdings muss Okafor beweisen, dass er auch gegen Gegenspieler seiner Gewichtsklasse bestehen kann. In dieser Hinsicht wurde er noch nicht ernsthaft gefordert. Zudem hat er die Angewohnheit, beim Abschluss nur mit einem Bein abzuspringen, was zu einer geringeren Körperkontrolle führt, die sich gegen ähnlich konstituierte Gegner rächen kann. Des Weiteren muss man abwarten, wie stabil seine Defense sein kann.

D’Angelo Russell
G 6-4, Freshman, Ohio State Buckeyes
Der Linkshänder besitzt das Scorergen. Seine Instinkte sind in dieser Hinsicht sehr stark ausgeprägt. Mit einem lockeren Händchen kann er aus der Distanz einnetzen und sich so den Respekt des Verteidigers erarbeiten. Rückt dieser Russell zu eng auf die Pelle, revanchiert er sich mit einem kompromisslosen Drive, den er regelmäßig selber abschließen kann. Hier beweist der Combo Guard aber eine ungewöhnlich gutes Auge für den Mitspieler für einen Scorer seiner Güte. Die Meisten haben nur ihre eigenen Würfe im Sinn, doch Russell ist gewillt, sich vom Leder zu trennen, wenn ein Mitspieler besser postiert ist. Aus dem Pick & Roll findet er gute Lösungen, was auch daran liegt, dass er die seltene Fähigkeit besitzt, sich seine Verteidiger so zurecht zu legen, wie er es gern hätte. Die vielleicht wichtigste Eigenschaft ist jedoch sein Selbstbewusstsein in engen Schlussphasen. Der Freshman scheut keineswegs den großen Augenblick, in dem er ein Spiel für sein Team gewinnen kann. Allerdings fehlt dem Youngster, verständlicherweise, noch die Konstanz in seinen Leistungen. Gegen Louisville tauchte er die komplette erste Hälfte unter und verzettelte sich früh in Foulprobleme. In der zweiten Halbzeit drehte er dafür jedoch auf und brachte seine Buckeyes im Alleingang wieder ins Spiel. Ansonsten sollte Russell noch an seiner Wurfauswahl arbeiten, da er noch zu oft schlechte Würfe forciert, statt den Ball weiter zu bewegen. Dabei wäre es sicherlich auch hilfreich, wenn er eine rechte Hand entwickeln würde. Bisher ist es auffällig, dass er bei Penetrationen über seine linke Hand bis zum Korb durchzieht, während er sich mit der rechten Hand auf wenige Dribblings beschränkt, um dann aus der Mitteldistanz einen Wurf zu nehmen. Das macht ihn auf Dauer berechenbar für die Defense.

Karl-Anthony Towns Jr.
F 7-0, Freshman, Kentucky Wildcats
Wenn ein einzelner Spieler in der Agglomeration aus Talenten der Kentucky Wildcats besonders im Fokus stand über den Sommer, so handelte es sich meistens um den Nachwuchs Big Karl-Anthony Towns Jr. Auf den ersten Blick wird auch sofort deutlich, warum: Schließlich sticht der Hüne jedem Beobachter ins Auge. Mit seiner Größe und seinen Ausmaßen bringt Towns Voraussetzungen mit, die nur ganz selten zu finden sind. Es besteht durchaus Anlass zur Hoffnung, dass Towns sogar noch größer wird, da seine Arme und Füße noch viel zu groß für seinen Körper zu sein scheinen. Umso erstaunlicher ist es daher auch, dass sich Towns schon sehr koordiniert bewegt und in diesem Bereich klare Vorteile gegenüber einigen Freshmen Kollegen aufweisen kann. Neben diesen körperlichen Vorteilen bringt der Dominikaner einen erstklassigen Touch mit. Sowohl in der Zone oder am Zonenrand, als auch aus der Distanz kann Towns sein Punktekonto auffüllen, was ihn langfristig zu einem schwierigen Matchup machen könnte. Dazu ist er jetzt schon ein Anker in der Kentucky Defense und verändert sehr viele Würfe. Dazu hat er ein gutes Auge dafür, an welchen Stellen in der Teamdefense Lücken entstehen könnten und instruiert seine Mitspieler dementsprechend. Insgesamt muss Towns aber noch wesentlich härter spielen. Gerade bei vermeintlich einfachen Gelegenheiten in der Zone lässt er sich noch zu oft von kleineren Gegenspielern irritieren und verunsichern. Auch Körperkontakt steckt der Youngster noch nicht besonders gut weg. 


Myles Turner
F 6-11, Freshman, Texas Longhorns
Als bester Recruit seit Kevin Durant bezeichneten viele Analysten die Big Man Hoffnung zuletzt. Diese Ansicht kann man durchaus teilen, da die Texaner eine lange Durststrecke überwinden wollen und wieder um den Titel mitspielen möchten. Turner ist ein weiterer großgewachsener Freshman, dessen physische Eigenschaften in erster Linie herausstechen und ihn zusammen mit seinem Touch zu einem sehr interessanten Draft Kandidaten machen. Turner ist einer der besten Teamverteidiger seines Alters. Er kann Würfe blocken, verändern und seine Mitspieler dirigieren. Kaum ein Freshman ist derart clever im Defensivverhalten, wie der neue Schützling von Trainer Rick Barnes. Dazu kann Turner mit einem technisch sehr sauberen Wurf brillieren, der sogar von jenseits der Dreierlinie sicher fällt. Zudem ist Turner ein besessener Arbeiter, der jede Gelegenheit nutzt, um an sich und seinem Spiel zu feilen. Es gibt auch definitiv noch Bereiche, die viel Raum für Verbesserung bieten. In Sachen Toughness muss der Rookie noch zulegen. In der Zone braucht er viel Zeit, um ein Anspiel zu verwerten und es darf sich kein Gegenspieler in der Nähe befinden, der ihn stören könnte. Denn leider verfügt Turner nicht über die besten Hände, wodurch er bei vielen Pässen nachgreifen muss, bevor er den Ball richtig fangen kann. Hat er ihn dann gefangen, braucht Turner auch noch sehr lange bis er den Ball wirklich schützt oder weiterverarbeitet. Das macht ihn anfällig gegenüber Doppelteams des Gegners.

Justise Winslow
F 6-6, Freshman, Duke Blue Devils
Der vielseitige Forward flog ein wenig unter dem Radar der meisten College Basketball Fans, da mit Okafor und Tyus Jones gleich zwei wohlklingende Namen derselben Universität ihre Zusage gaben, wie er. Doch spätestens nach dem zweiten Saisonspiel wusste jeder Zuschauer, dass es mindestens noch einen dritten Neuling im Bunde gibt, über den es sich zu reden lohnt. Mehr sogar noch. Dank seiner dominanten Auftritte in den ersten Begegnungen stellte er phasenweise sogar Teamkollege Okafor in den Schatten. Neben seinem starken Zug zum Korb, den er allerdings nur über seine starke linke Hand einbringen kann, entdeckte der Forward den Dreier für sich. Das kam ein wenig überraschend, da hinter dem Wurf ein Fragezeichen stand. Doch im Laufe des Sommers legte Winslow wohl Sonderschichten ein, um dieses Fragezeichen in ein Ausrufezeichen zu verwandeln. Diese Arbeit macht sich nun bezahlt. Sein Wurf sieht nun sehr viel sauberer aus, als noch im Juni bei den U18 FIBA Americas, als er mit Johnson und Turner Gold für Team USA holte. Die größte Stärke ist aber sich Winslows harte und kompromisslose Defense, die jeden Angreifer vor eine harte Probe stellen kann. Die Frage wird nun sein, ob der Wurf konstant auf diesem Niveau bleiben kann. Sollte dies der Fall sein, ist Winslow ein sicherer Top10 Pick. Zur Sicherheit sollte er dennoch an seiner rechten Hand arbeiten, um sich nicht zu abhängig von der Dreierquote zu machen.