31 Dezember 2014

31. Dezember, 2014   |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche ergibt es manchmal keinen Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Jodie Meeks off the bench und versorgt euch wöchentlich mit ein paar extra Häppchen zur NBA-Spielzeit 2014/15.


Zu seiner Verteidigung
Pascal Gietler @PascalCTB ... Die noch junge Saison verläuft für die Houston Rockets wohl so, wie es nur die größten Optimisten vorhersehen konnten: Trotz Verletzungssorgen stellen die Raketen mit einer Bilanz von 21 Siegen bei sieben Niederlagen aktuell die viertbeste Bilanz. Auch am defensivem Ende des Feldes könnte es schlechter laufen - momentan haben die Rockets diezweiteffizienteste Defensive der Liga.

Wer jetzt glaubt, dass James Harden trotz der Verletzungen des dreimaligen "Defensive Player of the Year" Dwight Howard und dem "All-NBA-Defensive First Teamer" Patrick Beverley keinen Anteil am Teamerfolg und der effizienten Defensive hat, glaubt womöglich auch noch daran, dass Kim Jong-Un kein Problem mit "The Interview" hat! Mysynergysports hat leider den Betrieb eingestellt und somit fallen einige Argumente in Form von Zahlen von vornherein weg.

Eigentlich sollte der "Augentest", die Bilanz der Rockets und der Blick auf die "Defensive Efficiency"-Rangliste Beweis genug sein, doch so billig muss man sich ja nicht unbedingt aus der Affäre ziehen. Laut nba.com treffen die von James Harden verteidigten Spieler weniger Würfe als gegen andere Verteidiger. In Zahlen bedeutet das, dass sich die durchschnittliche Feldwurfquote von 46,9% auf 44,3% verringert, sobald jemand gegen James Harden ran muss... (Weiterlesen)

Wall In
Tiago Pereira @24Sekunden ... Es kommt in jedem Superhelden Film der Moment, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten mit eiserner Miene in die Runde seines Beraterkreises blickt. Die Welt steht am Abgrund, Washington in Flammen und es gibt nur einen Ausweg. Ein versteckter, überdimensionaler, roter Knopf taucht auf, der den Startschuss zur Rettung der Welt einleitet.

Nachdem jeder Offizier, Berater und die Sekretärin das Vorhaben abgenickt haben, wird der Buzzer gedrückt. Erst ertönt eine schrille Sirene, dann erfüllt ein Rauen der Erleichterung das Verizon Center. Randy Wittman hat den Panikknopf gedrückt und seinen Point Guard John Wall von seiner kurzen Mittagspause zurück auf den Court beordert. Wer braucht schon Superman, Batman oder Aquaman, wenn sich ein John Wall in den eigenen Reihen befindet! Der Point Guard der Washington Wizards ist mehr als nur ein Ein-Mann-Rettungskommando, er ist die Rettung.

Wenn John Wall das Spielfeld betritt und seine Teamkollegen Paul Pierce, Bradley Beal und Marcin Gortat ins Huddle ruft, erwacht Hoffnung in jedem Wizards-Fan. Vergessen sind die Tage, an denen sie die Highlights ihrer Franchise nur von Shaquille O‘Neal oder dem lokalen Polizeifunk zu hören bekamen. Mit Swaggy P und Javale McGee müssen sich nun andere Fanbasen herumschlagen. Auch 'Agent 0' hat längst seinen Dienst in der Hauptstadt quittiert. Die Säuberung gab den Zauberern die Chance für einen Neuanfang und John Wall die Möglichkeit erwachsen zu werden. 

Caliparis Wunderkind avancierte nach einem schweren Karrierestart zum besten Point Guard im Osten. Walls seidige Tanzeinlagen werden zu Siegestänzen einer Franchise, die den Takt im Kampf um den Osten vorgibt. Die Playoffs sind keine Option, sondern ein Muss in Washington. Am liebsten mit dem Sahnehäubchen Southeast Division Champion. Einen Division-Titel gab es zuletzt 1979 für die Hauptstädter, ein Jahr nach dem einzigen Meisterschaftsgewinn der damaligen Bullets. Dank John Wall schielt Washington wieder in jene Richtung.  


Rosige Zeiten
Sebastian Seidel @24Sekunden ... Die Chicago Bulls verfügen über eines der tiefsten Teams der Liga. Doch auch wenn Jimmy Butler sich zu einer guten Option in der Offensive entwickelt hat und die Additionen von Pau Gasol und Nikola Mirotic den Bulls ebenfalls enorm weiterhelfen gibt es einen Spieler der für die Bulls weiterhin unverzichtbar ist, Derrick Rose. In Spielen, in welchen der MVP von 2011 pausierte oder nicht einmal 10 Minuten auf dem Feld stand ging Chicago in fünf von elf Fällen als Verlierer vom Court. Wenn Rose einsatzfähig war gewannen die Bulls 80 Prozent ihrer Spiele.

Seine 18 Punkte und fünf Assists pro Spiel wirken auf den ersten Blick nicht wirklich beeindruckend, allerdings steht Rose auch nur 28 Minuten pro Spiel auf dem Feld. Auf 36 Minuten hochgerechnet macht Rose 23.1 Punkte, nur in seiner MVP konnte er eine höhere Scoringproduktion aufweisen. Auch bei seinen Wurfquoten von 44 Prozent aus dem Feld und 27 Prozent von der Dreierlinie scheint noch Luft nach oben, dennoch ist sein bisheriges True Shooting von 53.4 sogar knapp über seinem Karrieredurchschnitt.

Auffällig ist, dass Rose deutlich öfter hinter der Dreierlinie abschließt als jemals zuvor, mehr als jeder dritte Abschluss ist ein Dreier, die Quote ist allerdings verbesserungswürdig.
Dennoch ist die größte Stärke von Rose immer noch der Zug zum Korb, bei Abschlüssen in der Zone kann Rose eine exzellente Quote von 58 Prozent vorweisen.

Der Zug zum Korb ist es auch, der Rose für die Bulls so unersetzbar macht. Wenn er in die Zone zieht zwingt er gegnerische Defensiven zum Rotieren, seinen Backups Aaron Brooks und vor allem Kirk Hinrich muss dabei deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Mit einem gesunden Derrick Rose in die Playoffs zu gehen muss also weiterhin das primäre Ziel der Chicago Bulls sein, dann dürften sie im jungen aufstrebenden, aber noch schwachen Osten der Topfavorit auf den Einzug in die Finals sein.

Rekordjäger aus dem Big Apple
Marc Lange @godzfave44 ... Die Knicks sind mies. Okay, sie sind sogar sehr mies. Sehr, sehr mies. In der Tabelle der Eastern Conference finden sich die Knickerbockers vor der Jahreswende auf dem vorletzten Platz wieder. Ein Win/Loss-Rekord von 5-28 spricht Bände, eine Losing Streak jagt die nächste. Nur die Sixers können New York momentan noch unterbieten (4-25). Der Unterschied ist allerdings, dass Philadelphia diese Saison gar nicht vorhatte, eine große Anzahl an Spielen zu gewinnen. Nachdem Heilsbringer Phil Jackson im Garden übernahm, Melos Vertrag verlängert und Coach Derek Fisher engagiert wurde, sah das im Big Apple vor der aktuellen Spielzeit schon anders aus. Das Minimalziel waren die Playoffs. Mindestens. Wunsch und Realität lagen und liegen in New York mal wieder weit auseinander.

Dass die Organisation der Knickerbocker auch schon in der Vergangenheit nicht ausschließlich für erfolgreichen Basketball stand, ist ein offenes Geheimnis. Neben vielen verkorksten Saisons, ist die aus dem Jahre 1962/63 immer noch das dunkelste Kapitel der Vereinsgeschichte. Angeführt von Coach Eddie Donovan beendeten die Knicks diese Kampagne mit einer Statistik von 21 Siegen und 59 Niederlagen. Das entspricht einer Siegesquote von 26 Prozent. Zum Vergleich: momentan steht New York bei 15 Prozent.

Angenommen die Knicks halten ihren momentanen Kurs, wovon auszugehen ist, wird am Ende der regulären Saison die Zahl 12 im Kästchen für die gewonnen und 70 im Kästchen für die verlorenen Spiele eingetragen sein. Damit wäre die Truppe um Melo, J.R. Smith und Konsorten das schlechteste Knicks-Team aller Zeiten. Doch warum nicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? 1972/73 fabrizierten die 76ers die schlechteste 82-Spiele-Saison in der Geschichte der NBA mit sage und schreibe nur neun gewonnenen Partien. Jeder Knicks-Anhänger würde jetzt wohl lauthals aufschreien, wenn man sagen würde, dass die Knicks selbst das noch unterbieten könnten, oder? Oder? …Hallo?

What other coach do we have?
Chris Schmidt @ChrisSchmidt27 ... Es ist Sonntag, der 28. Dezember um 16.30 Uhr in Cleveland, Ohio. Die beste Zeit also, um mal den besten Basketballer der Welt in Aktion zu sehen. Es geht ausgerechnet gegen die schwachen Pistons, die seit Beginn der Saison schon am Ende der Conference herumlungern. Schnell spielen sich LeBron James, Kevin Love & Co. eine zweistellige Führung heraus und jeder in der Arena wartet nur darauf, dass die Cavs die Jungs aus „Motor City“ endgültig zerlegen.

Keine 24 Stunden später müssen sich James und sein Headcoach David Blatt der Presse stellen und unangenehme Fragen beantworten. Ist Blatt noch der richtige Coach für die Cavaliers? Erreicht er seine Spieler überhaupt noch? 


Denn: nach dem furiosen Start brechen die Cavs defensiv komplett ein und fangen sich 17 Dreier der Pistons (Franchise-Rekord). Zudem wird deutlich, wie sehr Cleveland seinen Center Anderson Varejao vermisst. Andre Drummond (16 Punkte, 17 Rebounds) macht mit Love und Tristan Thompson was er will. Nachdem LeBron dann erst von Jonas Jerebko geblockt wird und dann noch gegen Jodie Meeks den Ball verliert, werden erste Pfiffe und Buh-Rufe in der Quicken Loans Arena laut. 30 Minuten Basketball ändern alles.

„Ja, ich meine, er ist unser Coach. Welchen anderen Coach haben wir?“, antwortet LeBron am nächsten Tag in der Pressekonferenz auf die Frage, ob David Blatt noch der richtige Mann an der Seitenlinie wäre. Es ist ein Satz, der die Situation in Cleveland eigentlich gut erklärt. Denn: David Blatt kann man für die zwölf Niederlagen in 30 Spielen wahrlich nicht verantwortlich machen. Cleveland stellt zurzeit die viertbeste Offensive der Liga (110.8 Offensive Rating). Und das, obwohl sie zwei neue Superstars integrieren und die Rollen neu verteilen mussten. Love beispielsweise muss mit der zweitniedrigsten Usage-Rate seiner Karriere auskommen (21,4%; Rookie-Saison: 21,0%). Kyrie Irving und Dion Waiters müssen sich ebenfalls unterordnen und haben nicht mehr alle Freiheiten, wie noch in den Spielzeiten zuvor. 

An diesem Ende des Courts hat Rookie-Coach Blatt also schon einen ordentlichen Job gemacht. Das große Problem der Cavs heißt hingegen Defense, wo sie mit einem Rating von 107,7 bislang ligaweit auf Platz 22 rangieren. Zudem lassen sie die Gegner im Schnitt 46,9 Prozent aus dem Feld treffen , was Rang 25 bedeutet. Doch auch hier ist man dazu geneigt, Coach Blatt zu verteidigen. Denn der einzige Ringbeschützer, der mit den Cavs in die Saison gestartet ist, sitzt mittlerweile mit einem Achillessehnenriss draußen. Thompson ist zwar ein guter Rebounder, aber letztendlich zu klein, um die starken Big Men der anderen Teams zu verteidigen. 

Wer jetzt den Namen „Kevin Love“ in die Diskussion bringen will, sollte sich die letzten Spieler der Cavs nochmal genauer ansehen. „Alibi-Defense“ trifft es wohl am besten. So könnten wir in der nächsten Zeit wirklich noch mehr von Brendan Haywood sehen. Zumindest so lange, bis die Cavs endlich einen neuen Big Man haben. Denn egal ob per Free Agency oder per Trade: ein Fünfer wird dringend benötigt in Ohio. Sollte sich dies nicht einrichten lassen und die Perimeter-Defense bliebe so schwach wie gegen die Pistons, ist selbst der Heimvorteil in der Eastern Conference in Gefahr.

Rondo und Dallas
Philipp Landsgesell @Phillyland ... Ja, fünf Spiele mit insgesamt nur 166 Minuten die Rondo auf dem Parkett für die Dallas Mavericks gespielt hat, sind eine nur kleine Stichprobe. Einige Anpassungsschwierigkeiten haben zweifellos stattgefunden, doch ein leichter Trend ist abzulesen: Rajon Rondo macht die Mavs besser. Die rekordverdächtige offensive Effizienz konnten die Texaner zwar nicht halten, doch vor allem in der Defensive drückt Rondo den Mavs seinen Stempel auf.


Nur 95,8 Punkte pro 100 Ballbesitze lassen die Mavs mit Rondo auf dem Parkett zu und auch die bisher unterirdische Leistung an den defensiven und offensiven Brettern stieg mit der Ankunft des Aufbauspielers an. Rajon Rondo ist vor Lance Stephenson und Michael Carter-Williams der beste Rebounder unter den Guards in der NBA.

Auch Offensiv kann er den Mavs helfen. Seine Penetration schafft viele Räume für seine Mitspieler, die er dann auch mit dem perfekt getimten Pass findet. So profitiert Chandler Parsons extrem von dem ehemaligen Celtic. Parsons‘ ohnehin schon statistisch guter Monat Dezember wurde durch Rondo noch besser. Knapp 62% der Würfe trifft Parsons, wenn Rondo ihm davor den Ball hat zukommen lassen. Darüber hinaus ist Rondo ein extrem cleverer Spieler, der defensive Fehler wie von Westbrook erkennt und ausnutzen kann. In einem passstarken Team wie Dallas eine unglaublich wertvolle Eigenschaft.



Wie kann Rondo gegen die Point-Guard Elite des Westens bestehen? Gegen Oklahoma City gab Rondo eine kleine Antwort. Er zeigte eine gute Verteidigungsleistung gegen Westbrook und konnte  ihn bei 6 von 23 Versuchen aus dem Feld halten. 



Sein großes Fragezeichen bleibt natürlich weiterhin, dass Rondo außerhalb der Zone nicht eng verteidigt wird und so viel an offensiven Räumen verloren gehen. Doch Carlisle scheint ihm mit auf dem Weg gegeben zu haben, dass er trotz teilweise erschreckenden Wurfquoten weiter von außen werfen soll, um die Verteidiger ein wenig zu beschäftigen.

Rajon Rondo ist erst knappe zwei Wochen bei den Mavericks und der Spielplan erlaubt nur sehr wenige Trainingseinheiten zwischen den Spielen. Die Mavericks laufen relativ simple Spielzüge um Rondo den Einstieg zu erleichtern. Über die nächsten Monate sollten sich Rondo und die Mavs aber immer besser kennen lernen. In den Playoffs könnten sie, solange alle fit bleiben, ein sehr unangenehmer Gegner für viele Mannschaften werden. 

Brook & Deron
Pascal Gietler @PascalCTB ... Die Brooklyn Nets-Fangemeinde scharrt schon mit den Hufen – jeder Trade für „D-Nill“ oder „Slowpez“ würde ihnen wohl ein breites Lächeln auf die Gesichter zaubern und die Wahrscheinlichkeit für einen Trade ist wohl so hoch wie noch nie. Beide Maximal-Verdiener kommen aktuell von der Bank, die Ersatzmänner Jarrett Jack respektive Mason Plumlee befinden sich im absoluten Formhoch. Weder Williams noch Lopez konnten sich bisher wirklich zurück in die Nähe der Starting Five von Lionel Hollins kämpfen.

Die große Frage war, ist und bleibt: Welches Team würde wohl dumm genug sein und ein Paket für einen dieser beiden Ex-All-Stars schnüren? Spontan würde die Antwort wohl: „Das von Billy King geführte Team“ lauten, doch das sind die Nets nun mal selbst und schon schließt sich der Kreis. Gerüchten zufolge gab es jedoch zwei Interessenten: Die Charlotte Hornets haben offenbar Lust auf geballtes Low-Post-Scoring, die anscheinend so groß ist, dass man sich sogar Brook Lopez anlachen würde. Für Deron Williams haben die Könige aus Kaliforniens Hauptstadt angeblich an der Atlantic Avenue angerufen.

Beide Tradegerüchte flammten nur kurz auf und verschwanden bereits wenige Wochen danach wieder in der Bedeutungslosigkeit. Deron Williams samt seines 63 Mio. $ schweren Vertrages nach Kalifornien zu seinem einstigen Co-Trainer Ty Corbin zu verschiffen, hängt Gerüchten zufolge nur von einer Sache ab: Sind die Nets bereit, Mason Plumlee als Sahnehäubchen oben drauf zu packen?

Sollte Plumlee weiterhin so aufdrehen (als Starter legt er immerhin 14,9 Punkte bei 65% FG und 8,8 Rebounds auf) könnte man vielleicht noch irgendein Asset bekommen, das den Nets beim „Rebuild“ helfen könnte. Eine Sache darf man bei der Thematik Plumlee schließlich nicht vergessen: Er ist an keinem Ende des Feldes dominant und immerhin schon 24 Jahre alt – einem solchen Spieler das „not available“-Label zu verpassen würde ein weiteres Mal Billy Kings Status als einen der schlechtesten GMs der Liga untermauern.