09 Dezember 2014

9. Dezember, 2014   |  nbachefsquad @nbachefkoch


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche ergibt es manchmal keinen Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Blake Griffin in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit ein paar extra Häppchen zur NBA-Spielzeit 2014/15.


Bon Appetit
Onur Alagöz @LakersParadigm ... Manch einer wittert Verrat. Zu Tisch mit dem Feind. Verschwörungstheoretiker sehen einen Plot der Illuminaten. In Wirklichkeit war es nur ein Frühstück.

Über Rührei und Toast unterhielten sich Rajon Rondo, seines Zeichens Star-Guard der Celtics, und Kobe Bryant, alternde aber noch lebende Legende der Erzrivalen Lakers, über die „good old times“.
Über Zeiten als man sich noch zweimal hintereinander im Finale begegnete und nicht nur bei der Draft Lottery. Beide Teams, Boston und L.A., tun sich momentan unheimlich schwer, Anschluss an frühere Glanzzeiten zu finden und stehen an dem Ende der Tabelle - eine Tatsache, die diesen ruhmreichen Franchises so gar nicht gut zu Gesicht steht.

Natürlich wird hier an die Zukunft gedacht und so lag es zumindest für den geneigten Lakers-Partisanen nahe, hier einen Rekrutierungsversuch seitens Kobe zu sehen. Rondo solle nach Los Angeles kommen, um in Lila-Gold einen Teil des zukünftigen Kernes zu bilden.

Kobe lieferte prompt ein Dementi ab. Es sei nur ein leckeres Frühstück gewesen, bei dem beide Spieler sich gegenseitig zärtlich als Arschlöcher bezeichneten, ein konkretes Angebot wurde nicht gebracht. Ob das ganz wahr ist, sei mal dahingestellt. Berichte kamen auf, wonach die Lakers einen Trade mit Rondo als zentralen Spieler mit den Celtics diskutiert haben sollen.

Es ist aber anzunehmen, dass Rondo dieses Jahr noch in Beantown zu Ende absolvieren und sich für die kommende Free Agency empfehlen wird. Der 28-jährige wird im Sommer vertraglos, Teams wie die genannten Lakers, aber auch die Knicks, Mavericks und Houston könnten sich ins Rennen einschalten.


Defense der Schlüssel
Sebastian Seidel @Sebastianctcb ... Eine Bilanz von neun Siegen und elf Niederlagen nach den ersten 20 Spielen. Nur vier Siege aus den letzten 13 Partien. Das sind die Miami Heat nach dem Abgang von LeBron James zu Saisonbeginn 2014/2015.

Die Probleme der Heat liegen größtenteils in der Defensive. Nach knapp einem Viertel der Saison haben nur die Lottery-Teams Utah, New York, Minnesota und die Los Angeles Lakers ein schlechteres Defensivrating als Miami.

In den letzten Jahren definierte sich die Defensive der Miami Heat dadurch, dass sie den gegnerischen Ballhandler im Pick&Roll durch extrem aggressives Blitzen unter Druck setzten und Turnover und schlechte Entscheidungen forcierten. Vergangene Saison verursachten gegnerische Mannschaften im Schnitt 15.6 Turnover (Rang 3) gegen die Heat. In diesem Jahr schafft es Miamis Defense nicht annähernd, diesen Druck auf die gegnerischen Ballhandler auszuüben.

Viel öfter gelingt es den gegnerischen Guards, tief in die Zone zu penetrieren, wo es den Heat einfach an Spielern fehlt, die den Korb beschützen können. Knapp 63 Prozent lassen die Heat aus einer Distanz von weniger als drei Metern zum Korb zu - nur vier Mannschaften verteidigen dort noch schlechter.

Weil die Heat in der Defensive weniger Turnover erzwingen können, bekommen gegnerische Mannschaften auch deutlich häufiger die Chance auf einen Offensivrebound. Nur 46.7 Prozent aller Rebounds können sich die Heat sichern, so wenig wie kein anderes Team in der NBA.
Die Heat spielen die langsamste Pace der Liga (91.9 Possessions pro Spiel) und machen nur 9.1 Punkte im Fastbreak. Auch hier liegt die Ursache wieder in der Defensive. Schafft es Miami den Gegner zu mehr Ballverlusten zu zwingen, können sie auch deutlich öfter einfache Punkte in der Transition machen.

Die Heat mussten viele neue Spieler in ihr System einbauen. Vor allem die Neuzugänge Luol Deng und Josh McRoberts sind extrem clevere Verteidiger, die auch gut im Teamverbund verteidigen können. Doch gerade diese beiden brauchen noch ihre Zeit um sich in das Defensivsystem der Heat zu integrieren. Die Defensive wird der Schlüssel zu einer erfolgreichen Saison der Miami Heat sein. Bekommen sie dort ihre Probleme in den Griff, sind sie in jedem Fall ein konkurrenzfähiges Team im Osten.

Lotterie statt Dauer-Playoffs
Dennis Köhler @NBACHEF_Nuggets ... Ich sitze an diesem winterlichen Morgen an meinem Schreibtisch, schlürfe einen heißen Kakao aus meiner Nuggets-Tasse und lasse noch einmal den bisherigen Saisonverlauf und die dritte Niederlage in Folge meinen Kopf passieren. Doch während ich so auf meine Tasse starre, dauert es nicht lange bis mir auffällt ...

... ich kann diese Tasse nicht mehr sehen! 

In diesem Fall ist die Tasse natürlich ein Synonym. Denn die Tasse ist wirklich schön! Sie ist kreativ gestaltet und man sieht, dass es dem Hersteller wichtig ist, dem Endverbraucher mit seinem Produkt zu gefallen. 

... Etwas, was man von den Nuggets-Bossen nicht behaupten kann.

Willkommen bei der Lachnummer der Liga, dem einst so vielversprechenden Team aus dem wunderschönen Colorado. Willkommen bei den Denver Nuggets!

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben die Nuggets mit 57 Siegen ihre Vereins-Bestmarke getoppt und die Liga in Grund und Boden gerannt. Für die, die sich darunter jetzt so gar nichts vorstellen können: Die Gegner haben genauso nach Luft gerufen wie Joko, als er ins Eiswasser geflogen ist. So und nicht anders sah Nuggets Basketball aus! Zehn Jahre in Folge waren George Karl und sein Team ein Playoff-Dauerparker – nur die Über-Spurs toppten diese Erfolgsserie!

Das Problem: In diesen zehn Jahren schafften es die Nuggets gerade zwei Mal aus der ersten Runde – meist sogar trotz Heimvorteils! 2009 powerte das Team in die Conference Finals – der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Und genau jetzt ist der Zeitpunkt angekommen, wo sich der ein oder andere in seinen Hinterfragungen bestätigt fühlt: Warum wurde George Karl nach einer 57-Siege-Saison und dem "Coach of the Year"-Award gefeuert? Wenn auch du einer von diesen Menschen bist, würde ich dich einfach bitten, vier Sätze vorher noch einmal mit dem Lesen zu beginnen.

Die Kroenkes handelten richtig: Es war Zeit für einen Wechsel an der Front! In Denver möchte man Titel gewinnen, Banner aufhängen – man möchte ein drittes erfolgreiches Profiteam in der Stadt hervorbringen. Ein Run-and-Gun-System hat in einer Best-of-Seven-Serie nichts zu suchen. Der Gegner weiß spätestens im zweiten Spiel, wie er dagegen vorgehen muss. Und dann? Dann fangen die Nuggets an, in der Halfcourt-Offense zu zaubern. Naja, eher zu verweifeln. 

Und in etwa so muss man sich den neuen Basketball in Denver vorstellen: Langsam und ideenlos. Die letzten knapp 100 Spiele (saisonübergreifend) kommen dem Dauer-Nuggets-Beobachter vor wie eine laaange Playoffserie, zumal auch die Ergebnisse ins Bild passen. Es fehlt dem Team an Identität. Es mangelt an einem Trainer, der respektiert wird. Das "System" Brian Shaws wurde schon letztes Jahr von den Spielern dankend abgelehnt. Damals führte es zum Rausschmiss eines der wohl am höchsten angesehenen Spielern der NBA: Andre Miller, der für einen Jan Vesely nach Washington verscherbelt wurde. Ich bin nie der größte Andre Miller Fan gewesen, aber wir reden hier von Jan Vesely! Wie wichtig wäre ein Back-Up Point Guard in diesem Team, in diesem "System" aktuell? Ziemlich wichtig, Freunde, ziemlich wichtig!

Auch in der neuen Spielzeit macht sich Shaw offenbar eine Freude daraus, sich mit seinen Spielern anzulegen. Arron Afflalo war zuerst dran, bei der 130-113 Klatsche gegen die Blazers. "AAA" blieb zur Halbzeit einfach in der Kabine und spielte die gesamte zweite Halbzeit nicht mehr. Der neueste Fall "Alle gegen Shaw" handelt von Publikumsliebling Kenneth Faried, der öffentlich betonte, dass er "so gar keine Ahnung habe, was der Coach eigentlich von ihm will". Wir reden hier von einem Kenneth Faried, der sich im Sommer Fans auf der gesamten Welt gemacht hat wegen seinens einmaligen Spielstils. Ein Kenneth Faried, dem man erst gerade einen neuen, dicken Vertrag hinterhergeschmissen hat. Einen Kenneth Faried lässt du sein Spiel aufziehen und erwartest von ihm (noch) nicht, dass er einen sicheren Midrange-Jumper entwickelt hat oder im Post punktet. Das wäre dann mehr so die Sahne auf dem Kuchen. 



Und, was will Shaw nun eigentlich? Post-Ups und vieeeel Pick & Roll. Schön und gut, aber wenn ich Faried und McGee mit Ball in der Hand und Rücken zum Korb sehe, ziehe ich sogar die Live-Übertragung einer Baby-Elefanten-Geburt vor. Man sieht es den beiden einfach an, dass sie viel lieber durch die Luft fliegen und dunken wollen - und sollten. Und dann ist da noch ein Ty Lawson, der zwar ein Double-Double im Schnitt auflegt, aber einfach nicht der Ty Lawson ist, der er sein könnte, wenn man ihn denn ließe. Lawsons Schnelligkeit ist ligaweit gefürchtet, wenn aber ständig zwei Big Men im Post stehen sollen, bleibt kaum Platz für einen ordentlichen Drive. Draußen sind dann zwar mehr oder weniger verlässliche Shooter (I'm looking at you, Gallo), die Lawson füttern kann, weil er es trotzdem noch schafft, zwei Leute auf sich zu ziehen. 

Auch die Defense sollte unter Shaw eine ganz neue Rolle spielen. Dafür wurden Leute wie Darrell Arthur geholt, der wie Wilson Chandler seinen zweiten Frühling erlebt. Du kannst aber keine Stops gegen Teams mit einem Aldridge, Randolph und Co. erwarten, wenn der (defensive!) James Harden aller Big Men, J.J. Hickson, 30 Minuten sieht. 

Und so ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Nuggets sich aus dem Playoffrennen verabschieden. Was also muss passieren, dass es in Denver endlich wieder bergauf geht? Zunächst mal braucht ein junges Team keinen Coach, der sich so gut durchsetzen kann wie die Tauschmütter beim Frauentausch. Schritt Nummer eins sollte also sein, Brian Shaw die Tür von außen zu zeigen. Aber wen holen? Nach dem Abgang von George Karl waren da noch ein Lionel Hollins und ein Stan van Gundy. Jetzt sieht es schon deutlich düsterer aus auf dem Trainermarkt. Dennoch: Egal, wer es wird, es muss ein Wechsel her.

Dann muss man weitersehen: Möchten die Nuggets wieder Run and Gun spielen? Ja? Dann braucht sich das Team nicht wirklich viele Gedanken um den Kader zu machen. Zumindest nicht in dieser Saison. Wenn Denver sich aber bewusst ist, dass das auf Dauer so keinen goldenen Larry einbringen wird, dann sollte ein Tim Connelly mal seinen Allerwertesten hochschwingen und ein paar Anrufe tätigen. Was ist aus Aussagen wie "Wir werden sehr aktiv sein, wenn es nicht läuft" zu Beginn der letzten (!) Saison geworden? Oder ist eine saisonübergreifende Bilanz von 46-59 unter "läuft gut" einzuordnen? Ich denke nicht! Also Tim, wach endlich auf! Hier gibt es jemanden, der sehr gerne deinen Job erledigen würde! 

Denn es ist wie es ist: Passiert in Denver nichts, haben die Nuggets am Ende wieder einen elften Draft-Pick. Zu gut, nein, zu dumm, um richtig zu "tanken." Zu schlecht für die Playoffs... Klasse! Hallo Mittelmäßigkeit! Tschüß, NBA League Pass!

Elliswish
Anno Haak @kemperboyd ... Ihr wollt Wortwitz? Ihr woll unlustige Anspielungen? Was? Nein? Euch fragt doch keiner! 3…2…1…los: Monta-baur (Monta selbst würde sagen: „Rheinland-Pfalz-ICE-Bahnhof representin“), Monta Christo, Hirschgulasch abgebunden mit Monta-min und mein Liebling „Ellis im Wunderwurfland“. Just kiddin‘ (aufhören!).

Ein Doppelgamewinner ins Gesicht von Ex-Mav OJ Mayo. (*denkt kurz über Miracel-Whip-Wortspiel nach*), an der eigenen ehemaligen Wirkungsstätte im Bradley tausend Namen Center, im Sichtfeld von HC und 2011-Mavs-Champion Jason Kidd. Viel mehr „ausgerechnet“ geht kaum. Ernst Huberty gefällt das.

Boxscore 11 von 26 FG, nunja. Box score Michael Jordan in Spiel 6 NBA Finals 1998: 15/35 FG. Das Spiel, das “the last shot” gebar. Was für Boxscore? Der ineffizienteste Wurf des Daryl-Morey-Spiels, das wir mal Basketball genannt haben, ein Game-Winner aus fast 17 Fuß? Sprecht mir nach, Zahlenkaspers: Wer…und alle: WER! Trifft…alle: TRIFFT! Hat…und alle: HAT! Recht…und alle: RECHT! Wer fragt Jordan, ob nicht der Drive vorbei an Russell der effizientere Move gewesen wäre? Eben. Monta, der Joe Johnson, ach komm, ist Sonntag, der MJ für Einkommensschwache. Yihaa.



Man muss Feste feiern, wie sie fallen. Denn wirklich viele erinnernswerte Momente hatte der vormalige Buck in Dallas bisher nicht. Es ist eher die Gesamtentwicklung, die besticht. Während er in seiner einzigen vollen Saison in der Brauereistadt kein Fass mit einem Tennisball zu treffen schien und schon als J.R. Smith für Kleinstädte galt, als hoffnungsloser Fall, hat Carlisle aus dem Egoshooter einen Teamplayer gemacht. Unter den weichen, aber zupackenden Händen des Meistertrainers von 2011 wurde aus dem Jennings-Zwilling ein produktives und effizientes Mitglied der NBA-Gemeinde. Gut, dass er diese Entwicklung jetzt auch manchem in Erinnerung gerufen hat, der nur Highlightvideos guckt und Ellis immer noch für einen Klotz an Golden States Bein gehalten hat.

Mit dem Double Header von Brewer City hat er nun auch dem letzten Naysayer ins Stammbuch geschrieben, dass seine Karriere nicht mehr in Schieflage ist. Aber komm, Motorradwitze über Monta Ellis sind so 2009. Am Ellis kackt die Ente! So.

Des einen Freud, des anderen Leid
Daniel Schlechtriem @W14Pick ... Es existieren zahlreiche Sprichwörter und Redewendungen, die sich – hier kommt das nächste – wie die Faust aufs Auge auf den Sport anpassen lassen. Und das oben genannte beschreibt die aktuelle Situation der Houston Rockets , die derzeit personell zwar – es passiert schon wieder – am Zahnfleisch gehen, für die aber die Spieler aus der zweiten Reihe – wie könnte man es anders beschreiben? – die Kohlen aus dem Feuer holen.

Manch eine Karriere begann sogar erst richtig mit der Verletzung eines anderen Spielers. Paul George und Eric Bledsoe können – es musste so kommen – davon ein Liedchen singen. Bei den Rockets ist es derzeit vor allem Donatas Motiejunas, der – ihr wisst, worauf es rausläuft – in die Bresche springt. Der Litauer, der schon länger als möglicher X-Faktor gilt, bisher jedoch sein Potential nur unkonstant abzurufen imstande war und der im internen Kampf der Youngster gegen Terrence Jones klar als zweiter Sieger hervorging startet seit Jones' Verletzung an dessen Position und hat in dieser Zeit gefühlt die Entwicklung von Jahren durchgemacht. War er zu Beginn in seiner neuen Rolle noch unsicher, ist Motiejunas innerhalb kurzer Zeit zum Leistungsträger avanciert. Der Blick auf die nackten Zahlen verdeutlichen den Wandel, den der 24-jährige im vergangenen Monat vorgenommen hat: 

Motiejunas als Starter 2014/15:
Erste acht Spiele:         6,1 PPG | 5,0 RPG | 37,7% FG
Seither (acht Spiele): 14,7 PPG | 8,1 RPG | 59,3% FG

Diese Zahlen unterstreichen, was dem aufmerksamen Beobachter längst nicht mehr entgangen sein kann. Motiejunas ist mit wachsender Routine und Selbstsicherheit zu einem verlässlichen Part an der Seite von James Harden aufgestiegen. Er traut sich nicht nur mehr zu, macht sich in der Zone häufiger anspielbar oder zieht gar zum Korb, seine deutlich verbesserten Bewegungen 'in the paint' sowie die großartige Fußarbeit tragen die Handschrift seiner Mentoren McHale und Olajuwon. Donatas' Hook Shot wird aufgrund besagter Fußarbeit nicht nur immer schwerer zu verteidigen, er findet, wie die Trefferquote zeigt, sehr viel häufiger ins Ziel – und das beidhändig. Das macht den 2,13m Center/Forward zu einer Waffe am Korb und erweitert Houstons stark auf Distanzschützen und Drives ausgerichtetes Offensivarsenal beträchtlich. 
Seit Motiejunas im November übernehmen musste, hat er in allen wesentlichen Kategorien (Punkte, Rebounds, Assists, Steals und Blocks) ein neues Career High erzielt – während der Leidtragende Terrence Jones von der Bank aus im Anzug zum Zusehen gezwungen ist.


Ein weiterer Profiteur der Verletzung eines Kollegen war Isaiah Canaan – bis dieser selbst zum Pausieren gezwungen wurde. Wie wertvoll der Sophomore sein kann, zeigte er im Spiel gegen die Sacramento Kings, in dem auch oben erwähnter Motiejunas sein Career High feierte. Houston ging früh in Führung, doch diese drohte im dritten Viertel zu kippen. Den Rockets gelangt nichts mehr: Ariza und Harden trafen ihre Würfe nicht, Sacramento kam auf einen Punkt heran, das Momentum war voll und ganz auf Seiten der Kalifornier. 

Bis Canaan seinen ersten Dreier versenkte und den Spieß wieder umdrehte. Der gerade mal 1,83m große Aufbauspieler legte in diesem Viertel weitere drei Dreier nach und beendete es mit 14 Punkten und 4-4 von Downtown. In der Crunchtime traf er einen weiteren Dreier und erhöhte die Führung der Rockets von acht Punkten auf elf, was das Spiel faktisch entschied. Canaans Ausbeute: Ein neues Career High von 24 Punkten und sechs verwandelte Dreiern bei einer Quote von 60%. Sechs Rebounds, vier Assists und vier Steals rundeten sein bestes Spiel als Profi ab.  

Umso bedauerlicher, dass sich der 22-Jährige direkt im nächsten Spiel, ausgerechnet im direkten Kontakt mit einem seiner Mentoren – Chris Paul – verletzte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er in 15 Minuten 13 Punkte gesammelt und 3-6 von der Dreierlinie getroffen. Der Sieg der Clippers an diesem Abend wäre zweifelsohne nicht so deutlich ausgefallen, hätte Canaans bester Lauf in seiner noch jungen Karriere nicht ein solch abruptes Ende gefunden.

Von Canaans Verletzung profitiert der bereits totgesagte Jason Terry, der seither als Starter starke 16,5 PPG, 4,5 APG, 3,8 RPG und 1,8 SPG bei einem Shooting von 50% aus dem Feld sowie 48% von der Dreierlinie auflegt und somit seiner Karriere einen nicht mehr für möglich gehaltenen neuen Frühling verschafft.

Den Gamewinner am Freitag gegen die Wolves traf wiederum der – man ahnt es – ins kalte Wasser geworfene Second Round Rookie Nick Johnson, der nur aufgrund des Leids seiner Mitspieler überhaupt im Flugzeug nach Minneapolis saß und nicht stattdessen in der D-League verweilte.

In der Zeit, in der die Rockets auf ihre Starter – Howard, Beverley, Jones – verzichten mussten, haben sie fünf von sechs Spielen gewonnen, ohne Dwight und T-Jones sieben von zehn. Nicht allzu schlecht für ein Team, dessen Bank angeblich – zum Abschluss noch mal – aus Notnägeln und Lückenbüßern besteht.