20 Dezember 2014

20. Dezember, 2014   |  Philipp Landsgesell  @Phillyland


Falls es jemand noch nicht mitbekommen haben sollte: Rajon Rondo wurde getradet. Diesmal sogar wirklich. Mal hieß es, die Rockets seien interessiert, und auch die New York Knicks galten lange als mögliches zukünftiges Team des ehemaligen Kentucky Wildcat. Nun haben wir seit der vergangenen Nacht endlich Gewissheit. Die Dallas Mavericks haben zugeschlagen und machen munter den Osten immer schwächer, nachdem sie im Sommer schon Tyson Chandler für relativ wenig Gegenwert aus New York holten. Macht der Move die Mavs jetzt zu einem klaren Titelkandidaten?


Die Rahmenbedingungen
Die Celtics schicken ihren viermaligen All-Star plus Forward/Center Dwight Powell für Brandan Wright, Jameer Nelson und Jae Crowder, einen Erstrundenpick und einen Zweitrundenpick nach Dallas. Der Erstrundenpick ist von Position eins bis drei und 15-30 geschützt. Dass die Mavs die Playoffs verpassen, ist sehr unrealistisch, daher wandert der Pick wahrscheinlich erst 2016 nach Boston - dann ist er nur Top-7 geschützt. Der Markt für Rajon Rondo war nicht so groß, wie von vielen gedacht. Keine andere Position in der NBA ist derart gut besetzt wie die des Aufbauspielers. Dementsprechend sind sie in Tradeverhandlungen auch weniger wertvoll.

Das liebe Geld
Die Boston Celtics sparen knapp 5 Millionen Dollar an Gehalt, während sich Dallas der Luxusteuer-Grenze von 75 Millionen gefährlich nähert. Zusammen mit dem Vertrag von Tyson Chandler läuft auch Rondos im Sommer aus. Auch Ellis wird seine Spieleroption wahrscheinlich nicht ziehen, um einen längerfristigen Vertrag zu unterschreiben. Mark Cuban sollte besser seine Spendierhosen im kommenden Sommer tragen, wenn er alle drei Spieler halten will.

Die Celtics werden ihren Topverdiener los und senken ihre für ein Team im Rebuild ungewöhnlich hohen Gehaltskosten. Der Vertrag von Brandan Wright läuft aus, Nelson besitzt eine Spieleroption auf das nächste Jahr, die er nicht zwingend ziehen wird. Jae Crowder verdient nicht einmal eine Million Dollar in der nächsten Saison. Die Celtics entgehen durch den Trade der schweren Frage, wieviel Geld Rondo wirklich wert ist.

Was bekommen die Celtics?
Da die Mavericks dieses und nächstes Jahr sicher um die die Playoffs mitspielen werden, ist davon auszugehen, dass die Celtics 2016 gegen Position 20 ihr Talent wählen dürfen. Zwar sind dort auch noch regelmäßig talentierte Jungs zu finden, aber ein wirklich wertvoller Pick ist das nicht. Rondo für einen späten Erstrundenpick? Fast Geschenkt. Was sehen die Celtics in den anderen drei Spielern, die ebenfalls an die Ostküste wechseln? Jameer Nelson scheint nicht wirklich Glück zu haben. Nachdem er unbedingt in einem Team spielen wollte, dass eine gute Rolle in den Playoffs spielen kann, wechselte er im Sommer zu den Mavs, um den vielen Niederlagen in Orlando zu entfliehen.

Jetzt geht es für ihn zurück in ein Team, bei dem er eine ähnliche Rolle haben wird wie in der vergangenen Saison in Florida. Er soll vermutlich Mentor und Ansprechperson für Rookie Marcus Smart sein und den Celtics eine Führungspersönlichkeit auf dem Parkett geben. Dass Nelson lange ein Celtic bleibt, ist zu bezweifeln. Jae Crowder ist immer noch in seinem Rookie-Vertrag und stellt daher kein großes finanzielles Risiko dar. Eventuell kann er der Flügel sein, der hinten verteidigt und vorne die Dreier trifft. Brandan Wright versenkt unglaubliche 74.8% seiner Würfe - Ligabestwert. Es wird spannend sein, ob Wright eine große Rolle bei den Kelten spielen wird oder ob er im Laufe der Saison an ein anderes Team weiter gereicht wird. Wrights Athletik, der starke Abschluss am Ring und auch seine Qualitäten als Ringbeschützer dürften dabei für mehrere ambitionierte Mannschaften interessant sein. Sein Vertrag über 5 Millionen Dollar läuft aus und stellt somit kein finanzielles Risiko für die Celtics dar.

Was kann für Dallas schief gehen?
Rick Carlisle wird vor der Aufgabe stehen, wie Rondo und Ellis ein effektives Duo auf dem Parkett bilden können. Beide sind jeweils am effektivsten, wenn sie den Ball in ihren Händen haben und sich einen Wurf für sich (Ellis) oder für andere (Rondo) kreieren können. Auch verändern Trades immer die Teamchemie, bekanntlich nicht immer zum Besseren. Doch die meisten Spieler in der Kabine der Mavericks sind Veteranen, die wissen wie der Hase läuft. Daher dürften sie jedes Störfeuer im Keim ersticken. Zudem haben sie mit Rick Carlisle einen der besten Trainer in der Assosciation, der beide Spieler, Ellis und Rondo, sicherlich zufrieden stellen wird. Auch die Frage, inwiefern Rondo in das sehr Spacing- und passlastige System der Mavericks passt, muss der Head Coach beantworten. Rondo hatte den Ball in Boston meist sehr lange in der Hand und war es gewohnt, durch eine Armada von Blöcken zu laufen. Hier wird sich Rondo anpassen müssen.


Ein weiterer Grund zur Besorgnis für Mavericks Fans ist, dass die Celtics seit drei Jahren schlechter punkten, wenn Rondo auf dem Feld steht. Vieles dürfte mit seinen schlechten Quoten aus dem Feld und von der Freiwurflinie (33%) zu tun haben, aber auch seine Turnoveranfälligkeit ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Bei 32% der gelaufenen Pick & Rolls hat Rondo laut Synergy Sports einen Turnover begangen. Rondo absolvierte in den vergangenen beiden Spielzeiten insgesamt nur 68 Partien und verpasste Großteile der Spielzeiten durch Verletzungen. Kann er der Rondo sein, an den wir uns so gerne erinnern?

Der extra Gang
Mit Rondo bekommen die Mavs einen viermaligen All-Star und den fünften hochkarätigen Starter. Rondos Leistungsabfall seit drei Jahren hing nicht nur mit seinen Verletzungen zusammen. Er spielte in einem Team, dass noch auf der Suche nach seiner Identität war. Die Celtics waren und sind zu schwach für die ersten acht Plätze im schwachen Osten, katastrophal sind sie aber auch nicht. Einen wirklichen Franchise-Spieler haben sie unter ihren vielen jungen Talenten auch nicht gefunden, und die Franchise dümpelt so vor sich hin. Es scheint verständlich, dass ein Spieler, der die wichtigen und „großen“ Spiele liebt wie kein anderer, dort mindestens einen Gang zurück schaltet.

Die Mavericks setzen darauf, dass Rondo wieder diesen Gang nach vorne schalten kann und die Form erreicht, die ihn in den Tagen der „Big Three“ um Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen so einzigartig machte. Dallas setzt darauf, die offensichtliche Schwäche des 1,85 Meter kleinen Aufbaus - den miserablen Wurf - durch das überragende Shooting der Mitspieler auszumerzen. Die Zeiten, in denen man noch hoffte, Rondo könnte einen einigermaßen akzeptablen Sprungwurf entwickeln, sind lange vorbei. Knapp 40% aus dem Feld und 25% von hinter der Dreierlinie sprechen Bände. Doch Werfer haben die Mavericks genug. Mit Rondo bekommen sie nun einen erstklassigen Ballhandler, der dazu das Feld so gut überblickt wie kaum ein anderer Spieler in der NBA. Zieht er erstmal in die Zone, kann er jeden Mitspieler per Pass erreichen.

Auch defensiv stellt er ein enormes Upgrade zu Jameer Nelson dar. Doch wie effektiv kann Rondo Chris Paul, Russell Westbrook, Tony Parker, Damian Lillard, Mike Conley oder Stephen Curry verteidigen? Eine weitere oft übersehene Qualität von Rondo ist sein Rebounding. Die Dallas Mavericks greifen aktuell die zweitwenigsten Rebounds in der Liga ab und brauchen dort jede Hilfe.

Playoff-Rondo
Die entscheidende Frage wird es sein, ob Rondo wieder seine Playoff-Form erlangen kann und das schon bestenfalls lange vor April. Dass die Mavericks jetzt schon Rondo bekommen konnten und nicht erst im Februar an der Trading Deadline, dürfte dem Team ebenfalls erheblich nützen, um sich für die wichtige Phase der Saison einzuspielen und eine marginal veränderte Spielweise mit Rondo zu entwickeln.

Ob der Trade Dallas zu einem richtigen Titelanwärter macht, kann man nicht sagen, bevor die Jungs nicht über einen längeren Zeitraum zusammen auf dem Feld gespielt haben. Auch die Verantwortlichen um Donnie Nelson in Dallas wissen, dass das Titelfenster, wie groß es auch sein mag, nicht länger als zwei bis drei Jahre geöffnet ist. Dallas hat durch den Trade bewiesen, dass es alles tun wird, um jetzt die bestmögliche Truppe auf's Feld schicken zu können.


Der Preis, den die Mavs bezahlt haben, ist definitiv nicht zu hoch. Der Abgang von Brandan Wright schmerzt zwar, doch sein Trade-Wert wird wohl nie höher sein als heute. Sein defensives Rebounding war mangelhaft. Theoretisch hätten die Mavericks auch einen Free Agent im nächsten Sommer verpflichten können, haben jetzt aber bei Rondo den Vorteil, mehr Geld bieten zu können als die Konkurrenz.

Rondo betonte, in Dallas etwas aufbauen zu wollen und die Verantwortlichen in Dallas haben sich bestimmt darüber informiert, ob Rondo über die Saison hinaus bei den Mavericks bleiben will. Das muss im Geschäft NBA freilich nichts heißen. Die beiden Positionen werden sich im Sommer auf das aus ihrer Sicht Richtige konzentrieren.

Nun fehlt es Dallas eigentlich nur noch an Tiefe auf den großen Positionen. Der Name Jermaine O’Neal (wohnt sogar in Dallas) geistert immer wieder durch die Gerüchteküche und scheint eine sinnvolle Akquisition zu sein. Auch die Problematik bei Verletzungen ist dadurch nicht vom Tisch. Die Mavs werfen also auch nach dem Trade für Rajon Rondo immer noch einige Fragen auf, die unbeantwortet bleiben.