03 November 2014

3. November, 2014   |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Die NBA startete mit Volldampf in die neue Saison. Im Westen wird wieder ein harter Infight um die begehrten acht Plätze erwartet. Daniel Schlechtriem, Johannes Hübner, Philipp Rück, Sebastian Seidel und Güven Taş schätzen die Lage in der Power Conference ein.


1. Die Thunder haben Verletzungssorgen, die Spurs sind wieder ein Jahr älter... die Zeit für die Clippers ist gekommen, den #1 Spot im Westen zu erobern.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die Fakten sprechen dafür, vor allem die Upgrades im Trainerteam (Lawrence Frank, Sam Cassell, Mike Woodson). Spencer Hawes wird diesem Team wahnsinnig gut tun und die beschränkte offensive Reichweite der Big Men Rotation kaschieren. Die Ausrede des irren Besitzers gilt auch nicht mehr – die Clippers müssen liefern.

Johannes Hübner @Joe_Crossover: Korrekt, ich glaube an die Clippers an #1. Mit der Verpflichtung von Spencer Hawes ist endlich der dritte taugliche Big Man in der Rotation, den dieses Team so dringend benötigt. Mehr Spacing für Chris Paul und Blake Griffin, plus eine Alternative in der Crunchtime zu DeAndre Jordan. 60 Siege sind drin.

Güven Taş @guventas: Der Mittelhandknochen von Russell Westbrook hat einen Teil dieser These erübrigt. Ohne Durant und Rüssell sind die Thunder keine ernsthafte Gefahr für die Clippers. Die sind nach einer turbulenten Spielzeit ein Jahr reifer. Alle Zutaten für die Meister-Suppe stehen parat. Auch die Basketball-Roboter aus Alamo City werden den Ansturm aus L.A. nicht aufhalten können. Nach der fünften und krönenden Meisterschaft ist bei den Spurs die Spannung raus. Aber wenn am Ende 60 Siege hinter SAS stehen, wird es wohl wieder kein Schwein wundern.

Philipp Rück @76ersDrJ: Jawoll, dieses Jahr ist das Jahr der Clippers, zumindest wenn es um Platz eins nach der regulären Saison geht. Nach dem unfassbaren Verletzungspech in Oklahoma ist der Weg frei zum Heimvorteil bis in die Finals. Bei den Spurs kann ich mir nicht vorstellen, dass sie nach zwei Finalteilnahmen in Folge die Belastungen so wegstecken, um unbeschadet durch die 82-Spiele-Tretmühle zu marschieren. Außerdem sinkt für amtierende Champs der Wert der regulären Saison doch immer stark in der folgenden Spielzeit. Alle anderen Teams sind entweder noch nicht eingespielt (Warriors), schwächer geworden (Rockets) oder offensiv bzw. defensiv zu schwach (Grizzlies, Mavs).

Sebastian Seidel @Sebastianchre: In der regulären Saison haben die Clippers durchaus die Chance, die beste Bilanz in der Liga zu spielen. San Antonio wird, wie in jedem Jahr, ihre besten Spieler in der regulären Saison viel schonen. Oklahoma wird in den ersten zwei Monaten bis Durant zurück kommt nach anderen Scoringoptionen außer Westbrook suchen müssen. Ein erster Rang in der Conference wäre der Grundstein für einen tiefen Playoff-Run, denn so könnten die Clippers in den ersten beiden Runden den Thunder und Spurs aus dem Weg gehen.

2. Sämtliche acht Playoff Teams des Vorjahres qualifizieren sich auch diese Saison für die Postseason.

Daniel Schlechtriem: Ja. Phoenix, New Orleans und Denver mögen alle stärker sein als im Vorjahr, aber nicht stark genug. In diesem Westen ist es einfach brutal schwer, unter die besten Acht zu kommen. Keines der Playoffteams wird seinen Platz räumen.

Johannes Hübner: Richtig. In meinen Augen wird Phoenix den Erfolg der letzten Saison nicht wiederholen können, auch wegen dem Abgang von Channing Frye. Eine weiterer Kandidat für einen der Spots sind die Pelicans, die allerdings jeweils vier Mal während der Saison gegen die Rockets, Mavs, Spurs und Grizzlies spielen müssen.

Güven Taş: Da muss ich erneut auf die Verletzungen von Durant und Westbrook hinweisen. Ohne die beiden Trümpfe in der Hand (für einen wesentlichen Zeitraum), droht OKC in der brutalen Pokerrunde im Westen pleite zu gehen. Das Ganze könnte die Dynamik der gesamten Conference verändern. Bei dieser hohen Qualitätsdichte darf sich ein Team nicht viele Schwächephase(n) erlauben. Fragt mal die armen Suns. Stolze 48 Siege reichten am Ende nicht einmal für die Playoffs. Daher sage ich nein. In dieser Western Conference ist alles möglich.

Philipp Rück: So leid es mir für das tolle Team aus Phoenix tut, aber ich befürchte, dass die Playoff-Teilnehmer die gleichen sein werden wie 2014. Im harten Westen sind es Nuancen, die über die ersten acht Plätze entscheiden und eine solche Kleinigkeit könnte der Abgang von Channing Frye sein. Er und Goran Dragic waren letztes Jahr das effizienteste Pick & Roll Duo der Liga und er selbst erreichte ein Real-Plus-Minus von +5,09 (Platz 5 unter allen Power Forwards). Wer wären denn die Kandidaten, um aus den Playoffs zu rutschen? Die Mavericks sind um einiges stärker als 13/14, die Grizzlies heuer mal gesund und die Rockets haben trotzdem noch zwei der besten zehn Spieler der Liga. Verbleiben die Blazers, mit denen sich die Suns ein knappes Rennen liefern könnten, WENN der Offensivmotor auch ohne Frye weiterhin so wunderbar läuft wie letztes Jahr. Zwar besteht natürlich noch die Möglichkeit, dass OKC die Playoffs verpasst, aber daran möchte niemand von uns wirklich denken. Oder? ODER? Zudem tut es mir natürlich auch leid für alle NBA-Fans, dass wir IHN nicht in der Postseason zu sehen bekommen.

Sebastian Seidel: Einige Teams wie z.B. Houston oder Portland haben nicht genügend Tiefe im Kader, um verletzungsbedingte Ausfälle gut zu ersetzen. Teams wie die Suns, Pelicans oder Nuggets könnten von einer Verletzung profitieren und sich in das Playoffrennen einmischen. Im Normalfall sollten wir aber die gleichen acht Teams wie im letzten Jahr in den Playoffs sehen.



3. Die größte Überraschung/Den größten Sprung im Westen schafft___

Daniel Schlechtriem: Einen großen Sprung erwarte ich von keinem so richtig, wie in der vorherigen Frage erläutert. So stark der Westen auch ist, die Machtverhältnisse werden sich nicht entscheidend ändern. Mehr Siege holen werden Sacramento und New Orleans, aber nicht insoweit, dass man von einer Überraschung oder einem Sprung reden könnte.

Johannes Hübner: Ich traue den Utah Jazz einen Sprung zu, allzu groß wird er allerdings nicht sein. Mit Coach Snyder an der Seitenlinie kann es nach Ty Corbin nur besser werden. Trey Burke, Enes Kanter, Derrick Favors sind alle ein Jahr älter. Haywood will seinen Maximalvertrag rechtfertigen und Rudy Gobert hat sich eventuell im Sommer bei der WM einen Platz in der Rotation gesichert. Zudem haben die Jazz mit Rodney Hood und Dante Exum höchst interessant gedraftet.

Güven Taş: Das Team aus Louisiana. In good old N’Awlins spielt wieder Playoff-Material. Die New Orleans Pelicans werden ihre Marke von 34 Siegen aus der letzten Saison deutlich übertreffen. Eric Gordon scheint wieder halbwegs gesund zu sein, Jrue Holiday ist nach langer Pause fast wie ein Neuzugang. Ein richtiger Neuzugang ist „The Red Bull from Istanbul“ Ömer Aşik! Ein noch immer unterschätzter Defensiv-Ochse mit elitären Reboundskills. Gemeinsam mit Anthony Davis, der sein Spiel auf ein neues Level hieven wird, haben die Pelikane einen (zumindest defensiv) furchteinflößenden Frontcourt. Im besten (gesunden) Fall spielt NOLA mit knapp 50 Siegen um Platz acht mit.

Philipp Rück: Dallas! Das größte Problem der Pferdchen, die Defense (#22), wird dieses Jahr deutlich geringer. Nicht nur die Addition von einem der besten Defensivanker der Liga wird Dallas in die Top 15 führen, auch der „Verlust“ von Calderon wird sich hier positiv auswirken. Am offensiven Ende tun die Verluste von Calderon und Carter (hohes Dreiervolumen bei exzellenter Trefferquote) zwar insbesondere beim Spacing weh, aber hier gilt in Texas: „In Rick we trust“. Wer sogar aus Monta Ellis einen effizienten Scorer macht und mit Spielern wie Marion oder Harris die zweitbeste Offensive aufstellt, der schafft eine ähnliche Effizienz im Angriff auch mit diesem Kader. Fazit: Defensive besser, Offensive bleibt, Dallas schafft den Heimvorteil in Runde 1.

Sebastian Seidel: Die New Orleans Pelicans könnten in dieser Saison überraschen. Franchiseplayer Anthony Davis zeigte bei der FIBA WM in Spanien weitere Fortschritte in seinem Spiel. Hinzu kommen die wiedergenesenen Ryan Anderson und Jrue Holiday und der per Trade aus Houston kommende Ömer Asik. Gerade die Rotation auf den großen Positionen ist äußerst interessant. Mit Asik und Davis können die Pelicans ein Shotblocker-Duo aufstellen und die Zone verriegeln. Andererseits könnten sowohl Asik als auch Davis gut neben Ryan Anderson agieren, der wenn er fit ist einer der besten Stretch Bigs der Liga ist. Wenn alles perfekt läuft können sie vielleicht sogar in die Playoffs einziehen..

4. Die größte Enttäuschung/Den größten Absturz im Westen erleidet___

Daniel Schlechtriem: Auch hier: Die Machtverhältnisse werden sich nicht ändern. Im Vergleich zum Vorjahr werden fraglos die Wolves das größte Defizit aufweisen, aber das ist nach Loves Abgang ja kalkuliert. Enttäuscht werden also vor allem diejenigen Lakers-Fans sein, die ihr Team in den Playoffs gesehen haben.

Johannes Hübner: Die Houston Rockets werden den Heimvorteil in der ersten Runde einbüßen, die Verluste der „Rollenspielern“ Parsons, Lin und Asik werden schwerer wiegen als Dwight Howard es lieb ist. Die Rockets sind eine Howard-Verletzung von der Lottery entfernt, seine Back-ups sind Joey Dorsey und Tarik Black.



Güven Taş: Auf die Gefahr hin, wie ein debiler Papagei zu wirken, muss ich meinen virtuellen Finger wieder auf die Thunder richten. Nach den Verletzungen der beiden Stars müssen die Ansprüche in Oklahoma City drastisch nach unten korrigiert werden. Es ist gut möglich, dass die Thunder unter die 50-Siege-Marke fallen und auf den hinteren Playoff-Rängen landen. Wenn es richtig dumm läuft, fällt der Donner möglicherweise sogar aus allen Playoff-Wolken.

Philipp Rück: Wie viel Verletzungspech kann ein einzelnes Team eigentlich haben? Hey, natürlich erlebt jede Franchise das irgendwann mal. Aber kein Team erleidet die Verletzungen zu so beschissenen Zeitpunkten. Wer weiß, wie viel Ringe die Thunder schon hätten, wenn Beverly nicht Russells Knie zerschmettert hätte oder Ibakas Wade explodiert wäre? Und gerade wenn man denkt, dass sie dieses Jahr soweit sind, fallen die wichtigsten Spieler und 2 der 5 besten Basketballer der Welt einfach mal mehrere Wochen aus. War das Teil des Deals mit dem Teufel damals von Clay Bennett? Es ist eine absolut grausame Vorstellung, aber dadurch ist es nun sogar möglich, dass die Thunder die Playoffs verpassen. Im letzten Jahr hatte man nur 11 Siege mehr als die neuntplatzierten Suns. Es wird verdammt schwierig, sich am Anfang keinen zu großen Rückstand einzuhandeln und es bedarf eines gigantischen Laufes nach der Rückkehr von Kevin Westbrook, um das intendierte Ziel zu erreichen.

Sebastian Seidel: Houston. Nach 54 Siegen im Vorjahr mussten die Rockets mit Lin, Parsons und Asik gleich drei Rollenspieler ziehen lassen. Einzige gute Akquisition dieses Sommers: Trevor Ariza. Er gibt den Rockets immerhin einen soliden Verteidiger auf dem Flügel, der offensiv hauptsächlich als Spotupschütze und in der Transition punkten kann. Die Bank ist unglaublich schwach und auch die Power Forward Position ist immer noch nicht optimal besetzt. Während alle anderen Teams sich im Westen tendenziell eher verbessert haben ist Houston eindeutig schlechter geworden. Eine längerfristige Verletzung von Howard oder Harden könnte das sichere Playoff-Aus bedeuten.



5. Kobe wird nicht mehr als 40 Spiele auf dem Parkett stehen, die Lakers gewinnen nicht mehr als 30.

Daniel Schlechtriem: Bei aller Wertschätzung Kobes wird gerne vergessen, dass er schon 18 Spielzeiten in den Knochen hat und sein 'wahres' Alter daher in Richtung Ende 30 geht. Basketball ist in den letzten Jahren noch schneller, noch athletischer geworden und da Kobes Ego mit den jungen Guards mithalten wollen wird, wird er sich auch vor allem angesichts seiner talentfreien Mitspieler übernehmen. Daher: Ja und sowieso ja.

Johannes Hübner: Kobe wird mehr als 40 Spiele auf dem Parkett wirbeln und auch ordentlich scoren. Wie diese Mannschaft mehr als 30 Siege feiern soll, weiß ich nicht. Der Trainer scheint aus der Steinzeit aufgetaut worden zu sein („Ich glaube nicht, dass viele Dreier zu einer Meisterschaft führen“). Dieser Kader wird zu den drei schlechtesten Teams im Westen gehören.

Güven Taş: Dass dieser unfassbar miese Lakers-Kader bei vielen Fans aus Tinseltown einen Brechreiz auslösen wird, dürfte jedem seriösen NBA-Fan klar sein. Diese Gurkentruppe wird sogar mit der 25-Siegesmarke zu kämpfen haben. Für einen mittlerweile 36-jährigen Kobe Bean Bryant bietet diese Situation nicht gerade Gründe für Freudensprünge. Jeder Einsatz will nach den jüngsten schweren Verletzungen wohl überlegt sein. Aber wir alle kennen die Killer-Bohne. Kobe wird weiterhin wie ein Besessener trainieren und mehr als die Hälfte der Spielzeit in Lila-Gold absolvieren.

Philipp Rück: Haha, guter Witz. Kobe wird spielen. Schonen wird er sich sowieso nicht. Die einzige Möglichkeit, dass er nur 40 Spiele macht, wäre eine season-ending-injury. Sicherheitspausen, wie es z.B. bei Bogut vor 2 Jahren gehandhabt wurde, sind für den Kämpfer Kobe Bean Bryant keine Option. Und da es für das andere Team in LA sportlich in naher und ferner Zukunft eh nichts zu gewinnen gibt, hat er eine andere Mission: Punkterekorde brechen! Und dafür benötigt er massig Spiele, viel Spielzeit und noch mehr Würfe. eFG%, TS% und ORtg sind für Kobe dieses Jahr nur willkürliche Aneinanderreihungen von Buchstaben, die ihn am Allerwertesten vorbei gehen. Und somit wird er am Ende des Jahres wenigstens in einer Statistik an Jordan vorbeiziehen.
Achso, ja. Die Lakers werden keine 30 Spiele gewinnen. Ausgeschlossen. Im Westen spielt man einfach zu oft gegen gute Teams, sodass die sie ihren Top5-geschützten Draft Pick doch behalten werden. Die Verteidigung ist einfach so unfassbar schlecht, dass man für die (Negativ-)Rekordbücher schon mal den Tipp-Ex bereithalten sollte.

Sebastian Seidel: Kobe Bryant wirkt für einen 36-jährigen nach einem Achillessehnenriss unglaublich gut in Form. Auch wenn er vermutlich nicht alle 82 Spiele absolvieren wird, mehr als 40 werden es werden. Im letzten Jahr gewannen die Lakers ohne Kobe Bryant immerhin noch 27 Spiele.
Nach den Abgängen von Gasol und Meeks werden sie wohl auch dieses Jahr wieder in diesen Sphären landen. 31 Siege, also knapp drüber.