05 November 2014

5. November, 2014   |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Die NBA startete mit Volldampf in die neue Saison. Im Osten hat sich nach vier Jahren Heat-Dominanz eine neue Hierarchie heraus gebildet. Johannes Hübner, Pascal Gietler, Sebastian Seidel,  Philipp Landsgesell und Güven Taş schätzen die Lage in der Leastern Conference ein.


1. Die Pacers hatten vergangenes Jahr die beste Bilanz im Osten. Dieses Jahr fallen sie komplett aus dem Playoff-Bild raus.

Pascal Gietler @PascalCTB: Absolut. Wer soll für die Pacers konstant punkten? Roy Hibbert? Rodney Stuckey? Die Pacers haben auf jeden Fall Qualität im Kader, aber die primären Scorer hier wären in einem durchschnittlichen Playoff-Team bestenfalls die zweite oder gar dritte Option. Die Offensive wird ein großer Knackpunkt sein, was sich auch im aktuellen Offensivrating (97,9 OffEff) widerspiegelt (Ja, es ist noch früh in der Saison - ich weiß). Der Leistungsabfall auf dem Flügel - besonders defensiv - von Paul George und Lance Stephenson auf C.J. Miles und Chris Copeland ist außerdem recht hart zu verkraften. Pacers-Fans werden in diesem Jahr wenig Grund zur Freude haben.

Johannes Hübner @Joe_Crossover: Der Talentverlust durch den Wechsel von Lance Stephenson und die Verletzung von Paul George ist immens. Der Osten hat eine neue starke Spitze mit den Cavs und Bulls, dahinter tummeln sich viele Mannschaften, die um die Playoffs spielen. Die Pacers werden am Ende dieses Spektrums um die hinteren Plätze in der Postseason kämpfen. Es wird sich zeigen, ob Indiana schon eine defensive Gewinnerkultur etabliert hat. Meine Prognose: Indiana wird Achter.


Güven Taş @guventas: Da lehnt sich der Experte tatsächlich nicht zu weit aus dem Fenster. Die Off-Season in Indiana war eine einzige Katastrophe. Die verfluchte Korbanlage, an der Paul George den „Kevin Ware“ machte, zertrümmerte aus Sicht der Pacers nicht nur das Schien- und Wadenbein ihres Franchise Players. Das Gesicht von Larry Legend wird in dieser Spielzeit jedenfalls nicht kürzer werden. Und dass Lance Stephenson in Charlotte endlich sein menschliches Naturell als „Hornisse“ fand, gibt dem Hoosier State den Rest.

Philipp Landsgesell @Phillyland: Dieses Jahr gibt es keine Playoffs in Indianapolis. Die Pacers können die 36 Punkte, 14 Rebounds und 8 Assists pro Spiel von Lance Stephenson und Paul George nicht anständig ersetzen. Es würde mich nicht überraschen, wenn Roy Hibbert und David West noch während der Saison getradet werden und die Pacers in diesem Jahr sogar in den Tankingmodus übergehen.

Sebastian Seidel @Sebastianchre: Die harmlose Offensive der Pacers aus dem letzten Jahr, wird ohne George und Stephenson zu den schlechtesten fünf der Liga gehören. Spieler wie Stuckey, Miles oder Copeland können die beiden nicht annährend ersetzen. Auch in der Defensive wird sich der Verlust von Stephenson und George deutlich bemerkbar machen.
 Die Playoffs werden dieses Jahr ohne die Pacers stattfinden. Trostpreis könnte ein Top-5 Pick im nächsten Draft sein.

2. Einzig die Bulls können die Cavaliers auf dem Weg in die Finals aufhalten.

Pascal Gietler: Nö, und jetzt wird es kontrovers: Miami muss auch erst mal geschlagen werden. Die Heat sind meiner Meinung nach sehr unterschätzt. Natürlich müssen sich die Neuen auch erst mal zu 100% ins Team einfügen, aber ich halte sehr viel von Erik Spoelstra und Chris Bosh deutet aktuell an, dass er durchaus der Franchise Player eines guten NBA-Teams sein kann. Sieht man mal von den ganzen sportlichen Faktoren ab sollte man auch nicht unterschätzen wie hitzig die Atmosphäre in einem potenziellen Duell zwischen Miami und Cleveland sein könnte - als neutraler Fan kann man sich nur wünschen, dass sich diese beiden Mannschaften in einer Sieben-Spiele-Serie so richtig schön verausgaben, denn die Heat wären nicht gänzlich chancenlos.

Johannes Hübner: Richtig. Unangenehme Playoff-Gegner könnten allerdings auch noch die Charlotte Hornets und Washington Wizards sein.

Güven Taş: Kann ich so unterschreiben. Die Herde hat ihren Jungbullen zurück! Mit einem gesunden Derrick Rose sind die Chicago Bulls der Topfavorit im Osten und auch legitimer Meisterschaftsanwärter.Wenn nicht wieder die bösen Verletzungsgeister mit den Thibodeau-Jungs durchgehen, wird es eine Stampede allererster Güte. Mit College-Sniper Doug McDermott und Nikola Mirotic hat das Team aus Illinois nun auch die dringend benötigte Gefahr von außen im Repertoire.

Philipp Landsgesell: Volle Zustimmung. Das Trio James, Love und Irving ist einfach zu stark, um es nicht unter die Top-Teams der Liga zu schaffen. Die Cavs haben eine volle Saison Zeit, um sich einzuspielen und sich zu finden. Cleveland und Chicago sehe ich auf Augenhöhe.

Sebastian Seidel: Mit LeBron James und Kevin Love haben die Cleveland Cavaliers die zwei besten Spieler der Eastern Conference. Dazu gesellen sich noch Allstar Kyrie Irving, einige Spieler mit Entwicklungspotential (Waiters, Thompson, Dellavedova) und viele Veteranen (u. a. Varejao, Miller, Marion). Einziges größeres Problem der Cavaliers dürfte die Defensive sein.
 Die Bulls können auf ein starkes Defensivteam bauen, dass mit Rose und Gasol nun allerdings auch in der Offensive mehr Akzente setzen wird. Zum ersten Mal in der „Ära Thibodeau“ ist der Kader tief genug, um den wichtigen Akteuren auch in der Regular Season die nötigen Pausen zu geben und fit in die Playoffs zu gehen.
 Kein anderes Team im Osten wird diesen beiden Mannschaften Paroli bieten können.



3. Die größte Überraschung/Den größten Sprung im Osten schafft___

Pascal Gietler: Gemessen an den Erwartungen wird eines der beiden New Yorker Teams wohl "die größte Überraschung" sein. Die Experten waren sich sowohl bei den Knicks, als auch bei den Nets uneinig, ob es für die Playoffs reicht. Fakt ist, dass sich beide aufgrund ihres vorhandenen Spielermaterials eine positive Bilanz erspielen könnten. Es war beinahe schon albern, dass bestimmte mathematische Verfahren oder auch simple Experteneinschätzungen eine der beiden Franchises auf Rang zwölf im Osten gesehen hat. Tendenziell gehe ich (der Fanbrille sei Dank) mit den Brooklyn Nets. Grundvoraussetzung ist natürlich ein leeres Lazarett!

Johannes Hübner: Den größten Sprung macht Cleveland. Von 33 Siegen wird es auf jeden Fall über 50 Erfolge gehen. Die Chance, positiv zu überraschen haben die Milwaukee Bucks, wenn sich Giannis Antetokounmpo und Jabari Parker wie erhofft weiterentwickeln und Larry Sanders sich wieder auf Basketball konzentriert.


Güven Taş: Wo sind die Edelmänner? Hände hoch, Jungs! Ein Kleiderschrank mit Stirnband schaut mich mit glühenden Augen an. Ist ja gut, LeBron. Der Junge aus Akron hat Recht! Seit seiner Heimkehr nach Ohio hüpft jeder Bewohner Clevelands jeden Morgen viel beschwingter aus dem Bett. Sie freuen sich alle auf die „herrliche“ Luft in der wieder lebronesken Malocher-Stadt.
Es müsste wohl einiges schiefgehen, damit die Cavaliers nicht mindestens 20 Spiele mehr gewinnen als noch in der letzten Saison (33).

Philipp Landsgesell: Washington Wizards. Mit Paul Pierce haben sie den perfekten Veteranen auf der Small Forward Position gefunden und mit Nene und Gortat sind sie auf den großen Positionen ausgezeichnet besetzt. Dazu kommen zwei explosive Youngster in Wall und dem bald wieder gesunden Beal. Heimrecht in den Playoffs für die Zauberer!

Sebastian Seidel: Bilanztechnisch gesehen natürlich Cleveland. Da dies allerdings keine Überraschung wäre würde ich mit den Milwaukee Bucks und den Detroit Pistons gehen. Die Bucks haben viele junge Talente mit viel Entwicklungspotential im Kader. Eine erneute Saison mit nur 15 Siegen werden wir sicher nicht sehen. Das Team um Head Coach Jason Kidd dürfte sich bei knapp 30 Siegen einpendeln.
 Auch die Detroit Pistons haben mit Stan Van Gundy einen neuen Coach. Er wird (hoffentlich) Smith wieder vermehrt auf der Vier einsetzen und nicht auf abenteuerliche Lineups mit Smith, Monroe und Drummond setzen. Mit Caldwell-Pope und Drummond haben die Pistons zwei Spieler im Kader, die den nächsten Schritt gehen sollten. Wenn Van Gundy die Defensive stabilisiert und ein vernünftiges Offensivsystem etabliert, können die Pistons vielleicht sogar an den Playoffs schnuppern.

4. Die größte Enttäuschung/Den größten Absturz im Osten erleidet___

Pascal Gietler: Der aufmerksame Leser wird bereits festgestellt haben, dass ich den Pacers absolut gar nichts ohne Paul George zutraue. Somit ist ein riesiger Absturz des letztjährigen #1-Seed im Grunde vorprogrammiert. Generell gibt es aber drei Teams im Osten, die im vergangenen Jahr eine Menge Hype eingefahren haben: die Toronto Raptors, die Washington Wizards und die Charlotte Bobcats/Hornets - zwei der Teams könnten dem Hype gerecht werden, aber bei den Hornets bin ich noch etwas skeptisch. Charlotte hat im vergangenen Jahr nicht das basketballerische Rad neu erfunden und die gegnerischen Coaches werden mittlerweile genaue Vorstellungen haben, wie man gegen diese Hornets erfolgreich spielen kann. Die Offensive rund um Kemba Walker und Al Jefferson könnte auf Dauer vielleicht zu wenig sein, um es locker in die Playoffs zu schaffen oder gar die Southeast-Division zu gewinnen!

Johannes Hübner: Für die meisten Ost-Team gibt es eigentlich nur den Weg nach oben. Die 76ers werden sich mit dem Kader aber schwer tun, erneut 19 Siege einzufahren. Die Mannschaft nutzt das Lottery-System (gewinnbringend) aus, trotzdem haben sie eine bessere D-League-Mannschaft. Daher die größte Enttäuschung.


Güven Taş: Hier streiten sich zwei Teams um meinen Pick. Da sind zum einen die bedauernswerten Pacers, siehe Frage eins. Zum anderen die Miami Heat. Nach vier Jahren Finals-Abo wird eine Spielzeit, in der die erfolgsverwöhnten Fans definitiv keine fünfte Episode dieser Serie zu sehen bekommen, auch für die wirklichen Fans dieser Franchise schwer zu verdauen sein. Nach viel zu langem Satz, hier eine kompakte Aussage: Miami "nur" auf #6 im Osten.

Philipp Landsgesell: Detroit Pistons. Solange die Situation mit Josh Smith und Greg Monroe im Frontcourt nicht zufriedenstellend geregelt ist und man mit dem Kader endlich bestrebt in eine bestimmte Richtung arbeiten kann, wird das nichts mit den Playoffs in Detroit.

Sebastian Seidel: Natürlich die Indiana Pacers. Im letzten Jahr waren es 56 Siege, in dieser Saison werden es wohl 25-30 Siege weniger sein.
 Auch die Miami Heat und die Brooklyn Nets dürften weniger Spiele als im letzten Jahr gewinnen.



5. Im Osten muss dieses Jahr wieder eine positive Bilanz her, um die Playoffs zu schaffen.

Pascal Gietler: Ich sag mal so: Die 2013/2014er Atlanta Hawks würden es mit ihrer alten Siegesbilanz in diesem Jahr nicht in die Playoffs schaffen. Ich gehe mal davon aus - ohne das auch nur im Ansatz durchgerechnet zu haben, weil ich dazu auch nicht wirklich in der Lage wäre - das man so mit 40 bis 42 Siegen als Achter in die Playoffs einziehen wird. Man darf ja nicht vergessen, dass es im Westen rund zehn Teams gibt, die wohl jeweils im Osten locker mit Heimvorteil in die Playoffs einziehen würden, und die mittelklassigen Ostteams werden in direkten Duellen mit diesen besagten West-Teams auch in diesem Jahr häufig den Kürzeren ziehen.

Johannes Hübner: Man kann es nur hoffen. Letztes Jahr schafften es nur die Hawks unter 0.500 in die Playoffs, diese Marke sollten sie mit einem gesunden Al Horford aber übertreffen. Insgesamt hat die Eastern Conference in der Mitte an Qualität gewonnen: Charlotte mit Lance, die Wizards mit Paul Pierce, sogar die Knicks schaffen es eventuell Richtung Playoffs zu schielen.


Güven Taş: Sechs Teams dürften im Osten gesetzt sein: Chicago, Cleveland, Washington, Toronto, Charlotte und Miami. Um die anderen beiden Spots bewerben sich Atlanta, New York, Indiana und Brooklyn. Ich glaube nicht, dass mindestens zwei aus diesem Quartett eine positive Bilanz holen.
Schwer zu sagen in einem biederen Osten. Die 38 Siege der Nummer Acht im letzten Jahr (Atlanta) werden aber in dieser Spielzeit nicht ausreichen.

Philipp Landsgesell: Die Hawks bekommen ihren Starting Center Al Horford zurück und nachdem sie als einziges Playoff-Team letztes Jahr eine negative Bilanz hatten, wird dieses Jahr definitiv wieder .500 benötigt. Denn obendrein gibt es in der Conference mit Boston, Orlando, Philly und den Milwaukee Bucks gleich vier Teams die nicht wirklich gewinnen wollen. Also ein klares Ja.

Sebastian Seidel: Letzte Saison waren die Atlanta Hawks das einzige Playoffteam mit negativer Bilanz. Mit einem fitten Al Horford hätten sie wohl ebenfalls mehr als 41 Siege geholt. 
Ich denke also, 41 Siege werden auch im Osten in diesem Jahr mindestens benötigt, um in die Playoffs einzuziehen.