14 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Um für das Niveau der Spiele im NCAA Tournament zu präparieren, wählten die Rams gleich mehrere solide Programme aus den starken Conferences als Prüfsteine. Als erstes traf man auf Virginia. Die Cavaliers präsentierten sich keineswegs so dominant, wie gegen Ende der Saison, und befanden sich stattdessen offensichtlich noch in der Findungsphase. Daher konnte man sich in einem engen Spiel auch knapp mit 59:56 durchsetzen. Gegen Florida State hatte man dagegen kaum eine Chance und unterlag mit 85:67. Mit der Größe der Seminoles hatten die Rams gewaltige Probleme und verloren auch das Duell am Brett deutlich. Auch gegen Georgetown konnte man nicht gewinnen, was einer desaströsen Verteidigungsleistung in der zweiten Halbzeit geschuldet war. Eine überraschende Niederlage gab es gegen Northern Iowa, doch mit klaren Siegen über das Boston College und die Virginia Tech konnte man das Bild wieder gerade rücken. Mit großem Optimismus startete das Team in die Conference Saison der A10. Diese entpuppte sich jedoch als sehr stark besetzt, zumindest für ihre Verhältnisse. Einige durchwachsene Leistungen wurden auch direkt bestraft, weshalb man sich am Ende der regulären Saison mit dem zweiten Rang hinter Saint Louis begnügen musste. Im Tournament Finale der A10 unterlag man knapp St. Joseph's mit 65:61. Dennoch reichte das bisherige Abschneiden in der Saison, um vom Expertengremium am Selection Sunday als 5 Seed eingestuft zu werden. Im Prinzip war dies eine Anerkennung für die solide Saison, doch die 5-12 Duelle gingen zuletzt zumeist für den Underdog aus. Dieser war mit Stephen F. Austin ein eher unbeschriebenes Blatt. Noch 20 Sekunden vor dem Ende der zweiten Halbzeit lag VCU mit vier Punkten in Front, konnte diesen Vorsprung aber nicht über die Zeit retten, weil Freshman JeQuan Lewis den gegnerischen Schützen beim Dreier foulte und dieser den Wurf und den Bonusfreiwurf eiskalt verwandelte. Man verlor schließlich nach Verlängerung mit zwei Zählern Unterschied. Madness at its best.

Abgänge
Rob Brandenberg (G 6-2), Juvonte Reddic (F 6-9)  
Es waren die letzten Übriggebliebenden der Final Four Überraschungsmannschaft 2011. Nun verlassen auch Rob Brandenberg und Juvonte Reddic, die damals Freshmen waren, das Team. Sie waren nicht nur Teil des erfolgreichsten Teams der Schulgeschichte, sondern auch der erfolgreichsten Ära. Als erste Spieler schafften sie es, in jedem ihrer vier Jahre das NCAA Tournament zu erreichen. Allerdings reichte es in keinem der letzten Jahre zu weiteren sensationellen Siegesmärschen im März. Rob Brandenberg wirkte auf dem Court größer, als er es in Wirklichkeit war. Seine selbstbewusste Ausstrahlung, sein gestählter Körper und seine Furchtlosigkeit machten ihn an beiden Enden des Feldes zu einem wichtigen Taktgeber. Juvonte Reddic entpuppte sich für Smart als wahrer Glücksgriff, da er wie die Faust aufs Auge ins System der Rams passt. Trotz seiner guten Länge für einen Center, besitzt er die Schnelligkeit eines Forwards, wodurch er des Öfteren im Rückfeld zum Doppeln geschickt wurde. Auch als Anker im Halbfeld verrichtete er einen ausgezeichneten Job.

Zugänge
Mike Gilmore (F 6-9, Fr), Terry Larrier (F 6-8, Fr), Justin Tillman (F 6-7, Fr), Jonathan Williams (G 6-0, Fr)
Der anhaltende Erfolg des Havoc Styles scheint nicht unbemerkt geblieben zu sein. Zumindest bei den Highschool Abgängern scheinen die Rams hoch im Kurs zu stehen, denn Shaka Smart darf sich auf die stärkste Freshman Klasse seiner Amtszeit freuen. Als talentiertester Spieler seines Jahrgangs gilt Terry Larrier. Der athletische Guard ist sehr vielseitig und passt damit perfekt in das relativ positionslose Spiel des Trainers. Zugleich bringt er mit seiner Athletik und Länge Eigenschaften mit sich, die bei den verschiedenen Pressen effektiv sein können. Aber auch Mike Gilmore und Justin Tillman werden sich unter dem Korb etablieren und sich in die Mannschaft einbringen. Vierter Freshman ist Jonathan Williams, der die Guard Rotation vertiefen soll.

Verbleibender Kader
Mo Alie-Cox (F 6-6, So), Jordan Burgess (G 6-5, So), Treveon Graham (F 6-6, Sr), Jarred Guest (F 6-8, Sr), Melvin Johnson (G 6-3, Jr), JeQuan Lewis (G 6-1, So), Briante Weber (G 6-2, Sr) 



Coach
Shaka Smart  
6.Saison 137-46 (VCU & Insgesamt), 4 Mal NCAA Tournament, 1 Mal Final Four
Mit seinen Trainingsmethoden erlangte der junge, ehrgeizige Trainer auch über den College Basketball hinaus Berühmtheit. So ist es mittlerweile schon Tradition, dass im Sommer Navy Seals Trainingseinheiten absolviert werden, die den Spielern physisch, aber auch psychisch alles abverlangen. Doch nicht nur die Spieler müssen sich antreiben lassen, auch Smart selbst lässt sich dieses Training nicht entgehen und bildet dadurch eine gute Vertrauensbasis zu seinen Schützlingen. Die Fitness spielt eine entscheidende Rolle in Smarts System, denn dessen "Havoc Defense" erfordert sehr viel Energie und Leidenschaft. Über die gesamten 40 Minuten wird der Gegner ab dem eigenen Einwurf nach Korberfolg unter Druck gesetzt und über das Feld gehetzt, sodass ein geordnetes Setplay kaum zu Stande kommt. Die Rams ihrerseits profitieren oft von ihren Ballgewinnen und den daraus resultierenden Fastbreaks. Ansonsten sind die Spielsysteme einfach gestrickt. Häufig wird ein schnelles Pick & Roll gelaufen oder das Feld für eine Isolation in die Breite gezogen.



Backcourt
Briante Weber, Melvin Johnson, Jordan Burgess
Der quirlige Guard steht symbolisch für den Spielstil der Rams. Trotz seiner spindeldürren Statur ist dem Aufbau kein Wagnis zu groß und kein Gegenspieler zu kräftig. Mit verbissener Galligkeit übt Weber sehr viel Druck auf den gegnerischen Ballhandler aus und gibt damit den Ton vor. Dank seiner langen Arme und seiner Schnelligkeiten lauert er jeder Situation auf einen Ballgewinn und hat überall seine Finger im Spiel. Den größten Fortschritt konnte man in den vergangenen Spielzeiten allerdings im Angriff erkennen. Während er als Underclassmen es in der Regel nicht schaffte, den Schalter von "Hektik verbreiten" zu "Spiel organisieren" umzulegen, konnte er sich in dieser Hinsicht als Junior stark verbessert präsentieren. Allerdings wird er nach seiner Suspendierung wegen des Diebstahls eines Mobiltelefons mit einer Frucht auf der Rückseite beim ersten Saisonspiel fehlen.   

Johnson tritt die Nachfolge Brandenbergs auf der 2 an. Bereits letzte Saison durfte er gelegentlich starten und zeigte ansprechende Leistungen. Besonders von der Dreierlinie zeigte sich Johnson von seiner besten Seite und netzte mit großer Konstanz seine Jumper jenseits des Halbkreises ein. Doch wie jeder Spieler im Kader, scheut auch der Shooting Guard nicht vor Körperkontakt zurück und fand daher auch den Weg zum Korb. Im Fastbreak überzeugte er als sicherer Verwerter vermeintlich einfacher Punkte. In der Defense besteht noch etwas optimierungsbedarf, wobei sich die Erfahrungen aus der abgelaufenen Saison positiv in konstanteren Vorstellungen niederschlagen sollten.

Als Redshirt Freshmen sammelte Burgess trotz seiner fortgeschrittenen 21 Jahre seine ersten Erfahrungen auf College Level. Dafür machte er seine Sache mehr als ordentlich in den meisten Partien. Er stand bereits des Öfteren in der Startformation und sollte sich hauptsächlich auf die Defense konzentrieren. Das gelang ihm auch gut und er erzwang viele Ballverluste des Gegners. In der Offense versuchte er seine Würfe nach Kickouts zu treffen, was ihm nur mit mäßigem Erfolg gelang. Dennoch sind die knapp 30 Prozent von der Dreierlinie immer noch besser, als das, was er in der Zone fabrizierte. Hier muss er sich dringend steigern und zu seinen Mitspielern aufholen, will er seinen Platz in der Starting Five nicht verlieren. 

Frontcourt
Treveon Graham, Mo Alie-Cox  
Als talentiertester Offensivspieler in Reihen der Rams wird Senior Treveon Graham auch in seiner finalen College Saison wieder in viele Isolationen gebracht werden, damit er dort sein Können auf das Parkett zaubern kann. Eigentlich hat er mit einem prototypischen 4er kaum etwas gemeinsam. Graham attackiert am liebsten aus dem Dribbling an der Dreierlinie startend. Entscheidet er sich gegen den Wurf attackiert er meist mit ein bis zwei schnellen Dribblings mit der rechten Hand, ehe er seinen Gegenspieler mit einem Handwechsel vor dem Köper oder einem Spinmove schlägt. Geht der erste Wurfversuch mal nicht rein, ist Graham sofort zur Stelle und fischt sich den Abpraller aus der Luft, um es ein zweites Mal zu probieren. In der Defense kann er als beweglicher Forward oft zum Doppeln kommen und spielt daher eine entscheidende Rolle bei der Pressverteidigung. 

Letztes Jahr um diese Zeit hätten viele seiner Kommilitonen den Big Man mit Sicherheit für einen Footballspieler gehalten, wenn die VCU in dieser Sportart ein Team gestellt hätte. Mit einer imposanten, muskelbepackten Statur hinterlässt er einen bleibenden ersten Eindruck. Dieser verstärkt sich, wenn man ihn erstmals auf dem Parkett spielen sieht. Trotz seines massigen Körpers ist der Innenspieler sehr flink auf den Beinen und blitzschnell auf dem Boden, wenn der Ball gerade auf der Suche nach einem neuen Besitzer ist. Zudem ist er sehr explosiv und kann mit seiner Sprungkraft auch als Retter in höchster Not Würfe blocken. Seine 3,8 Blocks/Spiel auf 40 Minuten hochgerechnet sind mehr als beachtlich für seine geringe Körpergröße und zeigen seine Einsatzbereitschaft. In der Offense ist er dafür allerdings kaum in das Spiel eingebunden, da er selbst einfache Anspiele (noch) nicht verwerten kann. Dazu fehlt ihm im Moment augenscheinlich die Größe bzw. die Ideen, diesen Nachteil auszugleichen.

Bank
JeQuan Lewis ist der Taktgeber der zweiten Riege. Mit der Unbekümmertheit eines Freshmans und der Toughness eines Seniors ging er seine Aufgaben an. Das führte zwar zu einer hohen Fehlerquote, allerdings wirkte er in vielen Szenen Briante Weber schon sehr ähnlich. Mit flinken Händen und schnellen Füße hinterließ er speziell in der Defense erste Duftmarken und wird nun daran arbeiten, diese häufiger zu setzen. Mit Freshmen Jonathan Williams konnte Shaka Smart einen weiteren Guard nach Virginia lotsen, der auf einer ähnlichen Schiene wie seine zwei erfahreneren Pendants fährt. Auf dem Flügel darf sich Freshman Terry Larrier frei entfalten und wird den Startern ordentlich Druck aufbauen. Mit seinen körperlichen Voraussetzungen passt er perfekt zum Stil der Rams, kann aber auch spielerisch ein ordentliches Angebot aufweisen. Damit hat VCU endlich wieder eine potente Waffe auf dem Flügel. Justin Tillman und Michael Gilmore sind weitere interessante Freshmen, die von der ersten Minute an wichtige Optionen von der Bank sein sollten und dem Kader damit eine vorher nie dermaßen dagewesene Tiefe verleihen. Mit Jarred Guest und Antravious Simmons hat man zudem zwei Big Man Alternativen auf der Bank sitzen, die entweder schon als Starter auflaufen durften (Guest) oder auf dieser Position langfristig gesehen werden (Simmons). Simmons nutzte das vergangene Jahr, um seinen Körper auf die Spielweise der Rams einzustellen und gleichzeitig ein offensives Repertoire anzulegen. 


Ausblick
Auch wenn das Team zwei Schlüsselspieler verabschieden musste und die A10 Conference dieses Jahr keinesfalls mehr so stark sein wird, wie noch in der vergangenen Saison, ist dieses Team bereit, im März für Furore zu sorgen. Die Tiefe, die der diesjährige Kader bietet spielt Coach Shaka Smart in die Karten, da seine Philosophie sehr kräftezehrend ist und Spieler schnell ermüden. Dagegen hilft auch die beste Navy Seal Vorbereitung irgendwann nicht mehr. Offensiv wird man sehen müssen, ob Graham auch dieses Jahr wieder das Team schultern kann. Ein zweiter verlässlicher Scorer oder einige einfache Punkte aus Systemen heraus würden definitiv nicht schaden. Dennoch sind die Rams auch dieses Jahr ein Team, auf das niemand im NCAA Tournament treffen möchte.