13 November 2014

13. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Sie sind Champs geworden, da wird die Saison vermutlich gut gelaufen sein... Aber danach sah es zugegebenermaßen lange Zeit nicht aus. Zwar besiegten sie früh in der Saison die hochgehandelten Florida Gators, verpatzten aber beim Conference Start um die Jahreswende den Auftakt mit einer blutleeren Vorstellung gegen Houston und einer anschließenden Niederlage gegen SMU. Und obwohl die Huskies danach zurückkamen und sich in der oberen Hälfte der neugegründeten AAC etablierten, konnte man sich nie sicher sein, was für ein Auftritt sie als nächstes darbieten würden. Den traurigen Höhepunkt dabei markierte die 81:48-Klatsche gegen Louisville am letzten Spieltag der regulären Saison. Beim folgenden Conference Turnier zeigten sich die Spieler aber wieder stark verbessert und erreichten sogar das Finale, was einen nur verwundert die Augen reiben ließ, wenn man die die Horrorpartie der Vorwoche noch vor Augen hatte. Im Finale hieß der Gegner wieder Louisville. Wieder gab es eine Niederlage, allerdings im Rahmen des Erträglichen dieses Mal. Im Bracket für das NCAA Turnier wurde UConn dann als 7 Seed platziert. In der ersten Partie traf man direkt auf einen unangenehmen Gegner mit Saint Joseph's aus der A10 Conference. Die Starting Five des "Underdogs" zwang die Huskies bis in die Verlängerung, wo dann den 5 Startern die Luft ausging und sich das Team um Coach Kevin Ollie in die nächste Runde retten konnte. Dort zeigte man dann wieder das andere Gesicht und schlug Geheimfavorit Villanova relativ deutlich und souverän. Im Sweet Sixteen traf man dann auf ersatzgeschwächte Cyclones, die seit dem Ausfall von Georges Niang nicht mehr die Alten waren. Diese Tatsache und ein stark auftrumpfender DeAndre Daniels sorgten für den Einzug ins Elite Eight. Dort bewies man dann mit einem Erfolg über Michigan State, dass man definitiv "for real" ist. Besonders das Guard-Duo Napier/Boatright wirkte spielentscheidend an beiden Enden des Feldes. Die nicht für möglich gehaltene Final Four Teilnahme krönten die Youngster dann mit einem furiosen Wochenende in Texas, an dem sie erst Top-Favorit Florida zum zweiten Mal in der Saison schlugen und im Finale dann der Freshman Truppe aus Kentucky den Zahn zogen. 

Abgänge
DeAndre Daniels (F 6-9), Niels Giffey (F 6-7), Lasan Kromah (F 6-6), Shabazz Napier (G 6-1), Tyler Olander (F 6-9)
Shabazz Napier war die letzten drei Spielzeiten der Regisseur und phasenweise auch Alleinunterhalter in der Offense der Huskies. Seine Leadershipqualitäten werden nicht auf Anhieb zu ersetzen sein. Das wird ihnen in der neuen Saison als erstes bewusst werden. Neben Napier verlassen mit dem Berliner Niels Giffey und Tyler Olander auch die letzten beiden Verbliebenden der Championship Mannschaft aus 2011 das Team. Giffey war der perfekte Glue Guy für das Team und stellte sich immer in den Dienst der Mannschaft. Er tat, was das Team gerade benötigte und war sich für Nichts zu schade. Tyler Olander hatte eine ähnliche Position inne, auch wenn sein Einfluss nicht so groß war wie Giffeys. Er kam auch letzte Saison rein, wenn das Team Defense und Rebounding brauchte und lieferte seine Leistung ab. DeAndre Daniels war der X-Faktor zum Titelgewinn. Nie zuvor zeigte er sich so konstant und rief sein gesamtes Potential ab. Ob Dreier, Postup oder Drive, er hat alles in seinem Repertoire und war damit auf College Ebene kaum zu stoppen, wenn er es wirklich nutzte. Lasan Kromah war ähnlich wie Giffey eine gute Ergänzung zu den Leistungsträgern und brachte bei Einwechslungen neue Energie ins Spiel. Zwischenzeitlich avancierte er auch zu einer gefährlichen Waffe im Angriff, was ihm prompt den Job als Starter bescherte.   

Zugänge
Sam Cassell Jr (G 6-4, Jr), Daniel Hamilton (G 6-6, Fr), Rakim Lubin (F 6-8, Fr), Rodney Purvis (G 6-4, So)
Der wichtigste Neugewinn wurde bereits letzten Sommer unter Dach und Fach gebracht. Damals bekam man die Zusage von Rodney Purvis, der zuvor eine überaus solide Freshman Saison für North Carolina State hingelegt hatte. Der Bulldozer von einem Guard ist ein sehr starker Perimeter Verteidiger und verfügt offensiv über einen guten Zug zum Korb. Zusätzlich kommt mit Sam Cassel Jr der Sohn des ehemaligen NBA Spielers, der ein guter Bekannter von Headcoach Kevin Ollie ist. Cassell kann beide Guard Positionen ausfüllen. Die neuen Freshmen sind Daniel Hamilton und Rakim Lubin. Hamilton ist ein vielseitiger Athlet, der die Fans schnell für sich begeistern wird. Lubin soll den Huskies helfen, künftig nicht mehr so anfällig bei physisch starken Big Men zu sein. Er flog etwas unter dem Radar der Recruiter, weil er mit Verletzungen zu kämpfen hatte und könnte sich damit als echter Steal entpuppen.

Verbleibender Kader
Ryan Boatright (G 6-0, Sr), Amida Brimah (C 7-0, So), Omar Calhoun (G 6-6, Jr), Kentan Facey (F 6-9, So), Philip Nolan (F 6-10, Jr), Terrence Samuel (G 6-4, So) 



Coach
Kevin Ollie
3.Saison 52-18 Record; 1 Mal Champ
Kevin Ollie ist der perfekte Einstieg in die Coaching Karriere gelungen. Direkt beim ersten Anlauf wurde er NCAA Champ. Doch den Grundstein legte Ollie nicht der in der abgelaufenen Saison, sondern bereits in seinem ersten Jahr 2012-2013. UConn war für diese Spielzeit vom NCAA Tournament aufgrund akademischer Defizite in der Vergangenheit ausgeschlossen. Eigentlich ein Totschlagargument für jeden talentierten Baller im Team das College zu verlassen und sich eine neue sportliche Heimat zu suchen. Doch Ollie konnte fast alle wichtigen Stützen davon überzeugen, die Zelte in Storrs nicht abzubrechen. Napier, Boatright, Daniels und Giffey blieben den Huskies erhalten und nutzten das Übergangsjahr, um als Gemeinschaft zusammen zu wachsen und den Spielstil des neuen Trainers zu verinnerlichen.
Im Meisterjahr glänzte Ollie schließlich als hervorragender Motivator und gelangte in die Köpfe seiner Spieler; brachte sie dazu, immer das Optimum aus sich heraus zu holen. Aber auch taktisch ist Ollie bewandert und weiß z.B., wie er die Stärken seiner Spieler gewinnbringend gegen eine Zonenverteidigung einsetzt. Nun muss er allerdings noch beweisen, dass er auch mit eigenen Spielern erfolgreich sein kann. Der Kern des Meisterkaders war ursprünglich von Trainerlegende Jim Calhoun rekrutiert worden. Wie wird sich Ollie in diesem wichtiger werdenden Metier schlagen?


Backcourt
Ryan Boatright, Rodney Purvis, Daniel Hamilton
Boatright ist vielleicht der beste Perimeter Verteidiger der NCAA. Sein Körperschwerpunkt ist unheimlich tief, womit er immer einen Geschwindigkeitsvorteil in seitlichen Bewegungen hat. Auch seine Grundschnelligkeit ist atemberaubend. Dazu kommen flinke Hände und großartige Körperspannung. Letztere erweist ihm auch in der Offense bei seinen Drives und bei seinem Jumpshot gute Dienste. Gepaart mit seiner explosiven Sprungkraft schafft er es deshalb fast immer in die Zone und ist dort sehr treffsicher. Der Makel? Er ist kein Point Guard, trotz seiner Größe. Seine Wurfauswahl hat sich zwar verbessert, ist aber immer noch fragwürdig. Außerdem schafft er es nicht, die Offense auf zu ziehen und kreiert selten für Mitspieler. Daran muss er nun unbedingt arbeiten. 

Purvis war ursprünglich Teil einer der besten Recruiting Klassen in 2012. Zusammen mit Warren gab er NC State neue Impulse. Purvis' Rolle war dabei als Combo Guard für eine aggressive Gangweise in der Defense zu sorgen und im Angriff furchtlos zum Korb zu ziehen. Er profitierte auch häufiger von guten Anspielen seiner Mitspieler. Eine ähnliche Rolle kann der bullige Guard auch bei den Huskies einnehmen. Das Trainingsjahr wird ihm geholfen haben, sich an das System und die Philosophie Ollies zu gewöhnen. Das sollte ihm aber auch nicht schwer gefallen sein, da beides seinem Naturell entspricht. 

Hamilton bringt ein starkes Allroundgame mit und wird mit seiner Athletik perfekt zum Backcourt passen. Aber auch als Scorer kann er in Erscheinung treten. Er könnte eine ähnliche Rolle einnehmen wie damals Jeremy Lamb, der als Freshman einen gewichtigen Anteil am Titelerfolg 2011 hatte, indem er wichtige Würfe traf und mit seiner Athletik eine zuverlässige Waffe im Fastbreak darstellte.

Frontcourt
Kentan Facey, Amida Brimah
Die Power Forward Position ist dieses Jahr die große Schwachstelle. Vermutlich darf sich Sophomore Kentan Facey hier als erstes probieren. Facey ist ein guter Athlet und wird mit Blocks und Rebounds seinem Team helfen können. Allerdings bringt er sich in kürzester Zeit in Foulprobleme, weil er auf jeden Fake reinfällt und schon in der Luft ist, bevor der Angreifer auch nur Richtung Korb zuckt. Offensiv ist sein Spiel ebenfalls ausbaufähig, um das mal vorsichtig auszudrücken.

Brimah ist perspektivisch ein sehr interessanter Spieler mit NBA Potential. Dazu muss er aber noch kräftiger werden und seine offensiven Skills weiterentwickeln. Die Anlagen sind vorhanden, da sein Touch gut ist und er auch schwierige Anspiele verwerten kann. Zusätzlich zeigte er Ansätze eines Postgames. Jedoch darf er nicht mehr so leicht in Foulprobleme geraten und muss lernen, cleverer zu verteidigen. Schon jetzt kann er aber als Anker in der Defense sehr effektiv sein.



Bank
Calhoun ist so ein bisschen das Sorgenkind bei den Huskies. Seine beste Zeit erlebte er als Freshman. Von Beginn an durfte er starten und genoss offensiv viele Freiheiten. Doch mit zunehmendem Saisonverlauf wurden seine Leistungen immer schwächer. Sein Wurfglück verließ ihn und in der Folge wurde auch seine Körpersprache immer schlechter. Im vergangen Jahr fiel er kurzzeitig sogar komplett aus der Rotation raus. Nun muss er den Rebuild nutzen und sich seinen Stammplatz zurück erkämpfen. Sein Wurf wird bei dem eher wurfschwachen Guard-Duo wichtig sein und auch sein Zug zum Korb war eigentlich solide. Sam Cassell Jr hebt die Qualität im Backcourt nochmals an und sorgt für eine Tiefe, die letztes Jahr noch nicht so vorhanden war. Vor allem wird er mit seiner guten Arbeitsmoral dafür sorgen, dass Purvis und Boatright Druck verspüren und ihre Leistung bringen. Komplettiert wird die Rotation auf den Guards Positionen von Terrence Samuel. Jener Sophomore spielte die letzte Saison über eine untergeordnete Rolle bis Ollie ihn auf einmal ins kalte Wasser schmiss und er dies Ollie mit hervorragenden Leistungen im Tournament zurückzahlte. Philip Nolan verfügt über einen guten Touch und hat auch einen stabilen Mitteldistanzwurf. Seine Defense ist solide, wenn auch nicht überdurchschnittlich gut. Immerhin muss er nicht so oft wegen Foulproblemen auf der Bank Platz nehmen und kann über längere Strecken ohne Foul auskommen. Auf der Problemposition ist Freshman Rakim Lubin ein möglicher Backup. Ist Lubin der Steal, den sich Coach Ollie verspricht, ist er am Ende der Saison vielleicht sogar Starter.
Ausblick:

Ausblick
Im Backcourt und auf dem Flügel ist das Team vielleicht sogar besser besetzt als im Vorjahr, zumindest was die Quantität angeht. Allerdings ist die 4 dafür extrem dünn besetzt. Sind die potentiellen Kandidaten überfordert, könnte Ollie das sogar dazu zwingen, mit 4 Guards/Außenspielern gleichzeitig zu agieren. Das hat er zwar letztes Jahr schon mit Giffey und sogar Kromah angestellt, jedoch waren beide größer, kräftiger und erfahrener als die diesjährigen Flügel. Des Weiteren fehlt ein klarer Leader, der in der Offense effektiv das Zepter in die Hand nehmen kann und ein Spiel im Alleingang entscheiden kann. Davon waren die Huskies bislang aber immer abhängig. Die Mission Titelverteidigung wird also sehr, sehr schwer. Ich denke, sie sollten froh sein, wenn sie in der AAC unter den Top3 Teams am Ende der Saison rangieren und sich eine gute Ausgangsposition im Tournament erspielen.