14 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Die Situation war angespannt zu Beginn der Saison 2013-14. Trainer Rick Barnes stand unter Erfolgsdruck nach dem erstmaligen Verpassen des NCAA Tournaments in der Vorsaison. Doch die großen Verstärkungen blieben auf dem Papier aus. Als Resultat traten die Longhorns mit einem der unerfahrensten Teams der Big 12 die Saison an. Lediglich Jonathan Holmes war Upperclassman (also hatte schon mehr als die Hälfte seiner möglichen vier College Spielzeiten absolviert). Alle anderen Spieler befanden sich im ersten oder zweiten Spieljahr. Zudem verpasste Hoffnungsträger Javan Felix einen Großteil der Vorbereitung aufgrund einer Verletzung. Das zwang Barnes dazu, auf den jungen Freshman Isaiah Taylor zu setzen, was sich letztlich als glückliche Fügung entpuppte. Taylor begeisterte mit seiner frechen Spielweise die Fans und führte das Team zu den ersten Siegen. Zudem harmonierte er mit Javan Felix ausgezeichnet und bildete ein gefährliches Guard-Duo. Die erste Niederlage der Saison fing man sich nach vier Auftaktsiegen gegen BYU ein. Hauptgrund dafür war die mangelnde Intensität in der Defense. Die Youngster zogen daraus allerdings die richtigen Schlüsse un konnten in den darauffolgenden Wochen besser die Offense ihrer Kontrahenten kontrollieren. Der Höhepunkt der ersten Saisonhälfte war dann der knappe 86:83-Triumpf über North Carolina. Allerdings reichten die Kraft und das Können nicht, um wenige Tage später auch Michigan State zu bezwingen. Stattdessen wurde man von den Spartans mit 92:78 deutlich in die Schranken gewiesen. Auch der Start in die Big 12 Saison schien zu misslingen, da man die beiden ersten Matches gegen Oklahoma und Oklahoma State verlor. Doch das Team bewies Charakterstärke und antwortete mit einer sieben Spiele während Siegesserie, in deren Verlauf auch die Topteams Iowa State und Kansas niedergerungen werden konnten. Zwar verlief die Rückrunde etwas schwankender, doch diese Serie hatte nachhaltig Eindruck hinterlassen, sodass man auch ein relativ frühes Ausscheiden im Big 12 Turnier verkraften konnte. Das Expertengremium gewährte den Longhorns als 7 Seed die Partizipation am NCAA Tournament. Doch schlug man in der ersten Runde die Sun Devils der Arizona State University in einem temporeichen Spiel mit 87:85. In der engen Schlussphase machte sich der Lernprozess, den das Team über die Saison durchlaufen war, positiv bemerkbar. Gegen Michigans Dreier fand man für die eigene Verteidigung jedoch kein adäquates Mittel, sodass in der Third Round Schluss war.

Abgänge
Martez Walker (G 6-4)
Ein Indiz dafür, wie jung das Team aus Texas bereits in der vergangenen Saison war, ist die Tatsache, dass Martez Walker, der einzige nennenswerte Abgang der Longhorns ist. Doch selbst dieser hätte eigentlich nach seiner Premierensaison noch drei weitere Jahre für Rick Barnes spielen können, stellte sich jedoch selbst ein Bein. Er wurde für alle Teamaktivitäten im September suspendiert, da er seine Freundin geschlagen hatte. Anfang Oktober verließ Walker die Universität. Spielerisch ist er trotz seines Potentials sicher zu ersetzen, da er zumeist von der Bank kommend Aufgaben in der Defense übernahm oder in der Offense schnelle Abschlüsse nahm.

Zugänge
Jordan Barnett (F 6-6, Fr), Myles Turner (F 6-11, Fr)
Punktuell sollte der bestehende Stamm des Kaders verstärkt werden und Headcoach Rick Barnes kann mit Fug und Recht behaupten, dieses Ziel mehr als nur erfüllt zu haben. Myles Turner ist das höchstgehandelte Highschool Talent nach Kevin Durant, das den Campus betreten wird. Turner wird den Frontcourt bereichern und die Fans mit spektakulären Aktionen aus den Sitzen reißen. Jordan Barnett ist eine Alternative für den eher dünnbesetzten Flügel. Bei vielen Colleges würde Barnett mit Sicherheit starten, doch die Tiefe des Texas Frontcourts wird sich negativ auf die Minuten des Freshman auswirken. Nach dem Abgang von Walker sieht die Situation für den explosiven Athleten aber wesentlich besser aus. 


Verbleibender Kader
Javan Felix (G 5-11, Jr), Damarcus Croaker (G 6-2, So), Demarcus Holland (G 6-2, Jr), Jonathan Holmes (F 6-8, Sr), Prince Ibeh (C 6-10, Sr), Connor Lammert (F 6-9, Jr), Cameron Ridley (C 6-9, Jr), Isaiah Taylor (G 6-1, So), Kendal Yancy (G 6-3, So) 



Coach
Rick Barnes
17.Saison 382-166 (Texas), 28.Saison 584-300 (Insgesamt), 21 Mal NCAA Tournament, 3 Mal Sweet Sixteen, 2 Mal Elite Eight, 1 Mal Final Four
Barnes spaltet die Fans der Longhorns in zwei Lager. Der überwiegende Teil der Fans ist sehr zufrieden mit ihm. Schließlich kann er auch eine eindrucksvolle Bilanz aufweisen. In seinen 16 Jahren als Headcoach verpasste Texas nur einmal das NCAA Tournament, als man mit einem sehr jungen und unerfahrenen Team antrat. In seiner Amtszeit lotste er Superstars wie LaMarcus Aldridge und Kevin Durant auf den Campus und zur neuen Saison gelang ihm mit der Zusage von Myles Turner ein weiterer dicker Fang. Kritiker bemängeln vor allem zwei Dinge, mit denen sie auch gar nicht so Unrecht haben. Zwar erreichte Texas sehr oft das NCAA Tournament, schied aber auch regelmäßig in einer der ersten beiden Runden aus. Außerdem wird Barnes häufiger vorgeworfen, dass seine Offense zu unstrukturiert sei. Beide Kritikpunkte könnte der Cheftrainer in der kommenden Saison aus der Welt schaffen. Besonders von der Organisation in der Offense wird viel abhängen. Barnes muss es schaffen, dass die Guards ihr Tempo runterschrauben und bessere Entscheidungen treffen, damit die Big Men auch in das Spiel eingebunden werden und nicht nur über Offensivrebounds scoren. Außerdem sollte Barnes einen Plan B in der Hinterhand haben, falls die Außenspieler ihre Würfe nicht zur Genüge treffen und sich dadurch Probleme beim Spacing ergeben. 

Backcourt
Isaiah Taylor, Javan Felix
Als kleiner Wirbelwind mischte der Scoring Guard die Big 12 auf. Seine Schnelligkeit ließ den meisten Verteidigern nicht den Hauch einer Chance, vor ihm zu bleiben. Diesen Vorteil erkannte der gewitzte Taylor sehr schnell und nutzte ihn gnadenlos aus, sodass er sich schnell als wichtige Option im Angriff etablierte. Doch wie nicht anders zu erwarten, forderte dieser Stil auch seinen Tribut. Aufgrund vieler kleiner Flüchtigkeitsfehler vertändelte der angehende Sophomore oft den Ball. Seine geringe Körpergröße führte zusätzlich noch dazu, dass er oft von den Big Men auf der Helpside wegblockt wurde. Zudem war er noch nicht in der Lage seine Mitspieler im Setplay zu ordnen und ihnen die richtigen Anweisungen zu geben. In der Defense ging er noch zu oft auf den Steal und muss körperlich noch zulegen, damit er von kräftigen Gegnern nicht weggeschoben wird. 

Der bullige Guard ist der beste Schütze seines Teams. Dieser Tatsache ist sich Felix auch durchaus bewusst und nimmt dementsprechend viele Würfe. Das sind leider aber oft sehr schlechte Schüsse. In vielen Situationen wäre ein weiterer Pass angebracht, für den Felix aber noch nicht den Blick hat. Diese hohe Anzahl an verfrühten und überhasteten Würfen zieht nicht nur die eigene Quote runter, sondern kann auch den Spielfluss der Longhorns zum Erliegen bringen. Felix sollte sich also in diesem Jahr auf zwei Dinge wesentlich stärker konzentrieren: Erstens muss er zukünftig öfter den Ball weiterbewegen und zweitens sollte er häufiger den Weg zum Korb antreten, um seinen kräftigen Körper einzusetzen und Lücken für Mitspieler zu kreieren. Kann er diese beiden Aspekte verbessern und sich mit verbesserter Wurfauswahl auszeichnen, würde er seinem Team einen großen Dienst erweisen.   

Frontcourt
Jonathan Holmes, Myles Turner, Cameron Ridley
Der erfahrenste Spieler des Kaders wird nicht nur wegen seiner Erfahrung eine Schlüsselrolle spielen. Denn es muss sich erst noch herausstellen, ob der Forward wirklich auf der 3 starten kann oder nicht. Grund zum Zweifeln geben seine Defense und sein Ballhandling. In der Defense fehlt ihm die Geschwindigkeit, um schnelle Flügelspieler vor sich zu halten. Und als angestammter Power Forward musste sich Holmes nie ein ausgefeiltes Ballgefühl aneignen, da er zumeist im Post oder von der Dreierlinie als Stretch 4 agierte. Sollte Holmes jedoch die Tauglichkeit auf dieser neuen Position unter Beweis stellen oder Rick Barnes einen Weg finden, seine Schwachstellen zu kaschieren, wäre das ein großer Zugewinn für das ganze Team. 

Der Freshman soll einem starken Frontcourt noch mehr Tiefe verleihen und passt mit seinen Stärken gut zum bisherigen Spielermaterial. Mit seiner Reboundstärke wird er dafür sorgen, dass Texas auch diese Saison mindestens unter den ersten fünf Teams der Nation in Sachen Rebounding rangiert. Gerade am offensiven Brett wird er mit seinen Teamkollegen jede Menge Abpraller pflücken. Sein guter Wurf hilft dabei, das Spacing in der Offense zu verbessern und seinem Big Man Partner Ridley mehr Platz im Lowpost zu ermöglichen. In der Defense wird er viele Fehler seiner Vorder- und Nebenleute ausbügeln und viele Würfe zurück an die Dreierlinie senden. Allerdings ist fraglich, ob das junge Talent die schnelle Gangart der neuen Mitspieler mitgehen kann. Seine Motorik beim Laufen und seine mangelnde Explosivität im Umschaltverhalten schränken ihn gewaltig ein. Des Weiteren muss man erst noch abwarten, wie er sich neben seinen Mitteldistanzwürfen noch in die Offense der Longhorns integrieren kann. Ihm fehlt ein solides Postgame, viele Durchstecker kann er noch nicht verwerten und auch das Pick & Roll Verhalten ist noch nicht ausgereift. 

Ridley ist ein klassischer Brettcenter, der Masse mitbringt und diese einsetzen kann. Bekommt er den Ball im Lowpost, ist er nur per Foul zu stoppen, da er neben seiner Masse auch über einen guten Touch und eine überdurchschnittliche Fußarbeit verfügt. Rollt ein Versuch dann doch mal aus dem Korb, ist der Center sofort zur Stelle, um im zweiten Versuch dann Nägel mit Köpfen zu machen. Nur zwei Faktoren können sich limitierend auf das Spiel des Big Man auswirken. Das ist einerseits seine Anfälligkeit für Fouls, die seine Spielzeit entscheidend verkürzen kann. Andererseits blicken die Fans immer kritisch auf seinen Fitnesszustand, da er speziell als Freshman etliche Kilos zu viel auf den Hüften mit sich führte. Bei dem schnellen Stil der Longhorns hechelte Ridley oft nur hinterher und war an vielen Angriffen gar nicht beteiligt. Setzt er allerdings seine positive Entwicklung fort und bringt er sich weiter in Form, ist er der Anker des vielleicht unüberwindbarsten Frontcourts der NCAA. 



Bank
Im Backcourt ist Demarcus Holland der wichtigste Rotationsspieler, da er aufgrund seiner Vielseitigkeit auf mehreren Positionen einsetzbar ist und so jedem Starter von Position 1-3 eine Pause gewähren kann. Sollte Holmes nicht als Starter auf der Small Forward Position geeignet sein, würde Holland diese Aufgabe übernehmen. Für seine Größe ist er ein sehr engagierter Rebounder, hat aber gleichzeitig auch ein gutes Auge für den Mitspieler und stellt einen wichtigen Ruhepol an der Seite von Felix und/oder Taylor dar. Kendal Yancy ist der beste Ballhandler, der von der Bank ins Spiel kommen wird. Er zeigte gute Ansätze als Freshman und sollte eine ähnliche Rolle wie im Vorjahr einnehmen. Damarcus Croaker ist der letzte reine Backcourt Spieler. Er soll die Defense ankurbeln und damit ein gutes Gegenstück zu Javan Felix bilden. Außerdem ist er ein guter Fastbreakspieler. Im Frontcourt kann sich Rick Barnes vor potenten Bankspielern gar nicht retten. Den Beginn macht als Forward Backup Freshman Jordan Barnett. Dieser bringt die nötige Portion Athletik, Explosivität und Größe mit, die auf beiden Positionen vermisst wurde. Auf der 3 wird er seinen Gegenspieler regelmäßig dank seiner physischen Vorteile übertrumpfen und auf der 4 hilft ihm seine Schnelligkeit. Connor Lammert bringt für einen Big Man einen sehr guten Schuss mit und ist zudem ein sehr unterbewerteter Verteidiger. Ganz unspektakulär schafft er es, seinen Gegner zumeist im 1-1 zu stoppen und ist dabei nicht auf die Hilfe seiner Mitspieler oder auf Fouls angewiesen. Prince Ibeh räumt aber im Notfall auch alles ab, was dann doch mal durch die Reihen der Longhorns bricht. Neben seinen Shotblocking Qualitäten bringt er eine Agilität mit, die sich sehr gut mit dem schnellen Stil der Guards vereinen lässt. Dadurch bildet er eine gute Ergänzung zu Starter Cameron Ridley. 

Ausblick
Rick Barnes hat das vielleicht tiefste und talentierteste Team seiner Amtszeit um sich geschart und muss nun die jüngste Verlängerung seines Vertrags bestätigen. In der Big 12 muss er sich zumindest keine Gedanken darüber machen, ob das Team vor dem NCAA Tournament auch ausreichend geprüft wurde. Die häufigen Feuertaufen sollte Barnes dazu nutzen, gezielt an aufkommenden Schwächen zu arbeiten. Der Big 12 Titel sollte daher vorerst zweitrangig sein. Pünktlich zum März gilt es dann aber, in der Offense optimal aufeinander eingestimmt zu sein und gleichzeitig die Defense auf ein höheres Niveau als in der Vorsaison gebracht zu haben. Letztendlich wird von Barnes' Coaching und dem Nervenkostüm der immer noch sehr jungen Mannschaft abhängen, wie tief der Run im verrückten März reichen kann.