13 November 2014

13. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Vor der Saison waren die Erwartungen nicht besonders hoch. Das Team befand sich noch in der Findungsphase. Tim Miles hatte erst eine Saison als Chef der Huskers an der Seitenlinie auf dem Buckel. Zudem galt es, die vielen Underclassmen an das Niveau der Big Ten zu gewöhnen, in dem sie direkt ins kalte Wasser geworfen wurden. Von Terran Petteways Entwicklung zeigten sich alle Parteien freudig überrascht. Gleich in seinem vierten Spiel für die Huskers gelang dem Transfer Zugang eine 30-Punkte-Performance. Doch trotz der guten Vorstellung des neuen Scorers konnte Nebraska nicht gewinnen. Die erste Saisonhälfte verlief genauso ernüchternd, wie es die Pessimisten im Fan Lager wahrscheinlich vorhersahen. Mehr als ein Sieg gegen Georgia, einem mittelmäßigen SEC Team zu diesem Zeitpunkt, war nicht drin. Stattdessen gab es Misserfolge gegen UMass, UAB, Creighton und Cincy. Auch der Start in die Big Ten Saison wurde vermasselt. Fünf Niederlagen in den ersten sechs Partien ließen viele Anhänger in Nebraska die Saison schon abhaken. Denn auch wenn schwere Gegner wie Michigan oder Iowa unter den Opponenten zu finden waren, unterlag man gleichzeitig auch Purdue und Penn State. Teams, die man schlagen sollte, wenn man nicht gerade im unteren Tabellendrittel enden möchte. Erst nach einer Umstellung der Rotation kam das Team in Schwung und konnte das eigene Resümee noch aufpolieren. Das war auch bitter nötig, denn im Big Ten Turnier schied man direkt im ersten Spiel gegen Ohio State nach hartem Kampf aus. Doch die Bilanz reichte dem NCAA Selection Gremium aus, um sie in das Teilnehmerfeld des großen Turniers im März aufzunehmen. Dort traf man auf Baylor. Die Texaner erwiesen sich als falscher Gegner für die Cornhuskers. Das Big Ten Team hatte massive Schwierigkeiten, die 1-3-1-Zone der Baylor Bears zu knacken. Auf der anderen Seite konnte man der Insidepräsenz der gegnerischen Big Men zu wenig entgegensetzen, sodass das Spiel deutlich verloren wurde und man bereits in der Second Round (trügerischer Name, eigentlich die erste Runde für 60 Teams) ausschied.

Abgänge
Deverell Biggs (G 6-0), Ray Gallegos (G 6-2)
Ray Gallegos war in einigen Spielen sogar Starter im letztjährigen Team. Besonders seine Abgeklärtheit und ruhige Ausstrahlung taten der Mannschaft  gut. Auch in wichtigen Momenten bewahrte der Senior einen kühlen Kopf und war immer zur Stelle, wenn seine Teamkameraden einen Anstoß in Form eines wichtigen Wurfes brauchten. Seine Qualitäten als kaltblütiger Vollstrecker aus der Distanz werden im kommenden Jahr fehlen. Deverell Biggs war in der ersten Saisonhälfte der sechste Mann für die Huskers. Er konnte in kürzester Zeit heißlaufen und bot damit eine willkommene Alternative für die Offense, in der es häufig an Gefahr für den Korb mangelte. Doch Biggs' Disziplin ließ zu wünschen übrig, weshalb Tim Miles ihn aus dem Team warf. 

Zugänge
Moses Abraham (F 6-8, Sr), Nick Fuller (F 6-7, Fr), Jake Hammond (C 6-10, Fr), Tarin Smith (G 6-2, Fr)
Der Georgetown Transfer Moses Abraham ist eine sinnvolle Verstärkung für den Frontcourt. Abraham, der bisher eher unter dem Namen Ayegba geführt wurde und auch den meisten College Hardcore Fans ein Begriff sein dürfte, ist ein tougher Big Man. Der Nigerianer bringt damit etwas mit, was die bisherigen Bigs der Huskers zumeist leider vermissen ließen: Durchsetzungsfähigkeit in der Defense. Gerade Starter Pitchford machte es seinen Gegner zu leicht. Das wird Abraham nun verhindern. Als Graduate Senior darf er sofort ins Geschehen eingreifen. Nick Fuller nutzte die vergangene Saison dazu, an Masse zuzulegen. Seine harte Arbeit machte sich bezahlt und er kann sich dank seiner verbesserten Physis berechtigte Hoffnungen auf Spielzeit machen. Jake Hammond könnte einen ähnlichen Weg einschlagen, allerdings nicht, um seinen Körper zu stählen, sondern um die reinen Basketball Skills zu verbessern. Tarin Smith ist der zweite richtige Freshman. Er wird allerdings von Beginn an  seine Minuten sehen. Seine Fähigkeiten sind gute Ergänzungen zu den bereits vorhandenen Spielertypen. 

Verbleibender Kader
Benny Parker (G 5-9, Jr), Terran Petteway (G 6-6, Jr), Walter Pitchford (F 6-10, Jr), David Rivers (F 6-7, Sr), Shavon Shields (G 6-7, Jr), Leslie Smith (F 6-8, Sr), Tai Webster (G 6-4, So)  



Coach
Tim Miles
3. Saison 34-32 (Nebraska); 14. Saison 313-250 (Gesamt); 2 Mal NCAA Tournament
Betrachtet man die Vita von Tim Miles wird klar, warum Nebraska sich ausgerechnet für ihn als Initiator eines Neuanfangs entschied. Nach einigen Jahren als Coach in NAIA und der NCAA Division II entschloss er sich den Trainerposten bei North Dakota State anzunehmen. Wenige Tage nach der Bekanntgabe des neuen Trainers vermeldete die NCAA zudem, dass NDSU ab der Saison 2001-02 Teil der NCAA Division I sein würde. In den ersten fünf Amtsjahren unter Miles durften die Bisons jedoch nicht am NCAA Tournament teilnehmen aufgrund der Regularien. In dieser Zeit konnte der Coach das Programm jedoch entwickeln und verabschiedete sich 2007 mit einer 20-8 Bilanz. Auch bei Colorado State gelang ihm ein solcher Tournaround. Jedoch noch etwas spektakulärer. In seiner ersten Saison hatte Miles kaum Spieler im Kader und musste Tryouts für Walk-ons veranstalten, die auch regelmäßig Spielzeit sahen, was aber leider zu einem niederschmetternden Saisonresultat führte. Nicht ein einziges Conference Game konnte gewonnen werden. Vier Jahr später standen die Rams im NCAA Tournament. Einen ähnlichen Umschwung erhoffen sich nun auch die Verantwortlichen in Nebraska. Doch wie gelingt Tim Miles dieser schnelle Wandel? Nun zum einen ist er ein sehr akribischer Arbeiter, der Wert auf Details legt und seinen Spieler Präzision und Disziplin einimpft. Werde das nicht geregelt bekommt, spielt nicht. Zum anderen ist er aber keineswegs in seinen Mustern festgefahren. Er hat kein Problem damit, seine Rotation während der Saison umzusortieren. Stattdessen reagiert der Heilsbringer spontan auf neue Situationen und scheint fast immer eine Lösung parat zu haben dank seiner praktischen Sicht auf die Dinge. Auch taktisch hat er Einiges drauf. Miles nutzt seine Auszeiten sehr gut, um sein Team neu einzustellen. Außerdem gibt er ihnen dort hilfreiche Spielzüge an die Hand, die zu einfachen Punkten führen und für ein gutes Gefühl sorgen. Kann er das noch allgemeiner in seine Systeme einbauen, wäre er definitiv einer der besten Coaches der Conference trotz großer Conference.


Backcourt
Tai Webster, Terran Petteway, Shavon Shields
Mit breiter Brust dürfte der Neuseeländer Webster auf den Campus in Lincoln zurückkehren. Der Sommer mit der Nationalmannschaft und die WM-Teilnahme als krönender Abschluss dürften das Selbstvertrauen des kräftigen Guards nochmal gestärkt, sofern dies überhaupt möglich war. Denn bereits als Freshman überzeugte Webster mit seinen furchtlosen Drives. Dabei machte er sich seine kräftige Statur und Größe für einen Aufbauspieler zu Nutze. Nun muss er lernen seine Fähigkeiten zu kanalisieren. Phasenweise agiert er noch zu wild, um Floor General eines erfolgreichen Teams sein zu können. Webster sollte sorgfältiger abwägen, wann es sich lohnt, in die Zone zu ziehen. Entscheidet er sich für den Drive, muss er auch hier noch öfter die richtige Wahl zwischen eigenem Abschluss und Vorlage für den Mitspieler treffen. Das sollte sich aber mit zunehmender Erfahrung stetig verbessern. 

Petteway kam wie Kai aus der Kiste. Keiner kannte ihn vorher so richtig und niemand hatte ihn wirklich auf dem Zettel, bis der Texaner im Scoring dominierte. Dabei ist er einer der variabelsten Punktesammler der Zunft. Am liebsten zieht er zum Korb und lässt sich auf dem Weg dorthin foulen, um gleich drei Punkte auf den Statistikbogen eintragen zu lassen. An der Linie ist er eine Bank und scheut auch die großen Augenblicke in der entscheidenden Spielphase kein Bisschen. Für meinen Geschmack könnte er daher noch öfter den starken Drive auspacken. So sicher, wie er sich in der Zone präsentiert, wird er bei den zusätzlichen Penetrations mehr Schaden anrichten, als mit seinen schwierigen Würfen aus dem Dribbling gegen einen Verteidiger. Solche Würfe lässt er häufiger vom Stapel, als Tim Miles lieb sein kann. Außerdem wäre es extrem hilfreich, wenn er demnächst im Pick & Roll auch mal seine Mitspieler einbeziehen würde. Er liest die Defense normalerweise sehr gut und hat auch in der Regel eine Idee, wie sie zu knacken ist, doch ein Pass auf den freien Schützen oder cuttenden Mitspieler wäre dann doch einfacher und genauso zweckdienlich.

Als bester Allrounder des Teams kommen in jedem Spiel unterschiedliche Aufgaben auf Shields zu. Grundlegende Aufgabe ist die Verwendung seiner guten Penetration zum Korb. Für seine Größe hat er ein ausgezeichnetes Ballhandling, das es ihm erlaubt, im Pick & Roll auch gegen ein kurzzeitiges Doppeln das Dribbling aufrecht zu erhalten und die Übersicht zu behalten. Im Gegensatz zu Petteway gilt sein erster Blick immer dem Mitspieler, was allerdings auch damit zusammenhängt, dass er seine Gegner noch nicht konstant schlagen kann. Dafür ist sein erster Schritt nicht flink genug. Gewinnt er dennoch einen Vorsprung, weiß er sich in der Zone durchzusetzen. Sein Athletik und sein Touch sind ihm dabei große Hilfen.



Frontcourt
David Rivers, Walter Pitchford
In der vergangenen Saison rutschte Forward Rivers erst im letzten Saisonmonat in die Startformation. Ähnlich wie in dieser Zeit, als er vermutlich der entscheidende Faktor für die Teilnahme am Tournament war, soll Rivers auch in der kommen Saison als Defensivass die Verteidigung festigen. Dafür kann er in mehreren Hinsichten sorgen. Zum einen ist er aufgrund seiner Kombination aus Athletik, Kraft und Schnelligkeit sehr variabel einsetzbar. Das zeigt sich u.a. bei der Pick & Roll Verteidigung, wo er situationsbedingt entscheiden kann, ob er doppelt, switcht oder nur einmal kurz den Ballhandler abbremst. Nach einem Switch kann er auch schnelle Guards mit gutem Ballgefühl vor sich halten. Passt dieser den Ball nach einem glücklosen 1-1 Versuch weiter, ist Rivers clever genug, den Tausch der Gegenspieler wieder rückgängig zu machen und dies seinem Mitspieler zu signalisieren. In der Offense stellt er gute Screens für Petteway und Co. 

Die große Stärke des Centers Pitchford ist auch gleichzeitig seine größte Schwäche. Was zunächst paradox klingt, ist leider die Realität. Pitchford ist ein ausgezeichneter Schütze. Nach Frank Kaminsky ist er darin sogar der beste Big Man der Conference. Das ist einerseits natürlich eine schöne Sache, weil es auch taktisch neue Möglichkeiten schafft. Wenn das jedoch dazu beiträgt, die ohnehin schon vorhandene Tendenz der Scheu vor Körperkontakt noch zu intensivieren, kann das den Trainer schnell zum Haare raufen veranlassen. Eine derartige Allergie gegen Positionskämpfe unter dem Korb hat Pitchford nämlich. Die Konsequenz daraus ist, dass er fast nur noch an der Dreierlinie herumlungert und seinem Team fast nie zweite Wurfmöglichkeiten durch Offensivrebounds ermöglicht. Noch schlimmer ist es am defensiven Brett, wenn er es dort verpasst, beim Kampf um den Abpraller einzuschreiten. Das muss er dringend abstellen und sich abhärten. Ansonsten werden die kommenden zwei Spielzeiten in der toughen Big Ten keine freudigen Erlebnisse sein.

Bank
Mit der Ergänzung zweier wichtiger Rollenspieler ist die Bank dieses Jahr quantitativ deutlich besser besetzt. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, da den Huskers in der abgelaufenen Spielzeit hin und wieder die Puste ausging. Auf der Aufbau Position wird Benny Parker weiter für Nervenzusammenbrüche bei den gegnerischen Point Guards sorgen. Seine geringe Körpergröße gleicht er dabei mit an Hyperaktivität grenzenden Energieschüben aus. In der Offense ist er allerdings überhaupt kein Faktor. Häufig guckt er nicht mal den Korb an. Tarin Smith könnte daher einen guten Gegenpart bilden. Smith ist ein smarter Ballhandler mit gutem Wurf. Zwar werden ihm noch Freshman Fehler unterlaufen, doch die sollte er recht schnell abstellen können. Auf dem Flügel ist Nick Fuller eine mögliche Option. Doch auch wenn er einziger Backup für zwei Positionen ist, wird er nicht allzu viel Spielzeit sehen, da die Starter Petteway und Shields die wichtigsten Spieler des Teams sind. Unter Körben hat man mit Moses Abraham und Leslie Smith gleich zwei Brecher, die die Intensität hochschrauben können. Zusätzlich sollen sie eine Reboundüberlegenheit herstellen, die bislang schmerzlich vermisst wurde. Problematisch ist jedoch, dass die beiden nur begrenzt eingesetzt werden können, da sie nicht so oft Seite an Seite aufgestellt werden können. Die meisten Big Ten Teams bevorzugen kleine Lineups. Da würde bei zwei klassischen Big Men die nötige Mobilität fehlen.

Ausblick
Das Team konnte bereits letztes Jahr viele wichtige Spiele gewinnen und wichtige Erfahrungen sammeln. Der Kern ist eingespielt und nun bereit für höhere Aufgaben. Alle kennen ihre Rollen und dadurch ergibt sich ein gutes Team. Will man in der Big Ten für eine große Überraschung sorgen und etablierte Programme wie Michigan oder Michigan State hinter sich lassen, wird es auf drei Faktoren ankommen. Erstens: Kann Petteway sein Scoring aus dem letzten Jahr bestätigen oder hat er vom Überraschungsmoment profitiert? Zweitens: Wird Walter Pitchford endlich anfangen, seiner Größe entsprechend unter dem Korb zu agieren? Die Wurfverliebtheit muss ein Ende finden. Drittens: Kann Tim Miles noch mehr Optionen in seinen Systemen finden, um leichte Punkte zu generieren. Zu oft müssen die Huskers für ihre Punkte hart arbeiten.