13 November 2014

13. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Die Spielzeit 2013-14 begann katastrophal. Anders kann man es nicht beschreiben. Nach fünf Spielen hatte man bereits drei Mal verloren. Besonders ärgerlich war dabei die Tatsache, dass weder Northern Colorado noch Charlotte, obwohl die 49ers eine gute Frühform zeigten, ernsthafte Schwierigkeiten bereiten sollten. Gegen Georgetown setzte es zudem eine demoralisierende 90:63-Klatsche. Das war dann für Bruce Weber die Grenze des Ertragbaren und er reagierte. Statt des offensiv limitierten Johnson stellte er nun seinen besten und erfahrensten Innenspieler Gipson in die Startformation und impfte seinen Spieler Bissigkeit in der Defense ein. Fortan hielten die Wildcats ihre Gegner bei knapp 60 Punkten, 62 in der Spitze. Prompt gelang ein Lauf von zehn erfolgreichen Begegnungen in Folge, inklusive Erfolgen gegen die hoch eingeschätzten Teams von Gonzaga und Oklahoma State. Doch mit der Niederlage gegen Kansas wurde das Team wieder auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt. Es folgte ein Auf und Ab mit wichtigen Siegen und bitteren Niederlagen gegen Big 12 Konkurrenten aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Highlight war der zwischenzeitliche Heimsieg gegen die NBA Talente der Kansas Jayhawks nach Verlängerung. Doch gerade zum Ende der Saison schienen den Wildcats die Körner auszugehen. Die aufreibende und kräftezehrende Spielweise forderte ihren Tribut, sodass man sowohl in Conference als auch NCAA Tournament in der ersten Partie den Kürzeren zog. Immerhin lieferte das Team um Topscorer Foster eine beachtliche Leistung gegen den späteren Finalisten Kentucky ab.

Abgänge
Omari Lawrence (G 6-3), Shane Southwell (F 6-7), Will Spradling (G 6-2)
Shane Southwell war der vielseitigste Spieler der Wildcats. Besonders für die Offense stellte er einen wichtigen Bestandteil dar. Er konnte phasenweise als Point Forward agieren und den Ball im Stile eines waschechten Aufbaus verteilen. Auch sein Dreier konnte Spiele entscheiden. Zudem war er reboundstark und ein cleverer Verteidiger. Ihn zu ersetzen wird also alles andere als einfach. Zumal mit Will Spradling der zweite wichtige Ballhandler im Team altersbedingt ausschied. Eigentlich ein Schütze, doch primär als Ballverteiler und Organisator eingesetzt, ergänzte er sich gut mit dem wilden Scorer Foster und fungierte als Ruhepol in der Offense der Wildcats. In schwierigen Phasen brachte er sein Team wieder auf Kurs mit wichtigen Würfen und klaren Ansagen. Omari Lawrence sollte in erster Linie die Intensität in der Defense hochhalten und gegnerischen Scorern auf die Pelle rücken. Hin und wieder belohnte er sich dann selbst dafür, indem er eine gute Aktion im Angriff startete. Besonders beim Zug zum Korb wusste er seinen kräftigen Körper einzusetzen, sodass er auch gegen mehrere Gegenspieler erfolgreich abschließen konnte.

Zugänge
Brandon Bolden (F 6-11, So), Justin Edwards (G 6-4, Jr), Malek Harris (F 6-7, Fr), Tre Harris (G 6-5, Fr), Stephen Hurt (C 6-11, Jr)
Brandon Bolden geht in seine Sophomore Saison und hat noch nie auf College Niveau gescort. Schwer zu glauben, dass der Transfer von der Georgetown University nun als langersehnte Lösung für das Big Man Problem angesehen wird. Doch Bolden konnte die letzten eineinhalb Jahre dazu nutzen, im Stillen an seinem Spiel zu arbeiten und brennt nun mit Feuereifer auf das erste Match der Saison. Auch Justin Edwards musste aufgrund der NCAA Regularien ein Jahr nach seinem Weggang aus Maine aussetzen und darf nun nach der Spielpause für K-State spielen. Die Zusage von Malek Harris war ein Glücksfall für Bruce Weber. Der vielseitige Flügel hatte ursprünglich geplant für Marquette zu spielen, doch nachdem Trainer Buzz Williams den Campus verließ, entschied er sich um. Stephen Hurt ist der zweite neue "Big Body". Dieser hat bereits eine kleine Odyssee hinter sich und hofft nun, eine sportliche Heimat gefunden zu haben. Ursprünglich wollte er für Lipscomb in der NCAA antreten, doch sein Start in die College Karriere verzögerte sich, da er sich einen Band im Knie riss. Als er dann endlich seine erste Saison gespielt hatte und vielversprechende Auftritte zeigte, wurde der Coach entlassen und Hurt entschied zum Wechsel an ein Junior College. Dort verbrachte er die letzte Saison und schloss sich im Anschluss den Wildcats an, für die er nun weitere zwei Jahre spielberechtigt ist. Tre Harris spielte nach seiner Highschoolzeit eine weitere Saison an einer Prep School und nutzte dies, um sein Spiel und seinen Körper dem College Basketball anzupassen. Er legte beispielsweise an Muskelmasse zu, um mit der robusteren Spielweise besser klar zu kommen.

Verbleibender Kader
Marcus Foster (G 6-2, So), Thomas Gipson (F 6-7, Sr), Wesley Iwundu (F 6-7, So), D.J. Johnson (F 6-8, So), Nigel Johnson (G 6-1, So), Jevon Thomas (G 6-0, So), Nino Williams (F 6-5, Sr) 



Coach
Bruce Weber
3. Saison 47-21 (Kansas State); 17. Saison 360-176 (Insgesamt); 10 Mal NCAA Tournament; 2 Mal Sweet Sixteen; 1 Mal Finale
Weber ist sehr gut darin, aus den vorhandenen Ressourcen das Optimum herauszuholen. Schon in seinem ersten Jahr entwickelte er das Team zu einem unangenehmen Gegner, dem jedes Team aus dem Weg gehen wollte im Tournament. Doch leider wurde die Saison jäh von La Salle beendet im ersten Turnierspiel der March Madness. Doch mit dieser guten Premierensaison hatte er den Wildcats wieder eine Identität verschafft. Mit einer toughen, rauen Spielweise wollen sie den Gegner aus der Wohlfühlzone heraus in die Ecke drängen. Dafür hatte Weber von Anfang das richtige Spielermaterial und sorgte mit seinem guten Recruiting dafür, den Kader in dieser Hinsicht sogar noch zu verbessern. Nach dem Abgängen der Leader Angel Rodriguez, Rodney McGruder und Jordan Henriquez kann man die vergangene Spielzeit als Übergangsjahr betrachten, indem sich die Mannschaft wieder wacker schlug. Nun wird Weber alles daran setzen, wieder um die Big 12 Krone mitzuspielen.

Backcourt
Marcus Foster, Justin Edwards 
Foster war die Freshman Sensation der Big 12. Das klingt zunächst schräg, wenn man in derselben Conference wie Joel Embiid und Andrew Wiggins spielt, doch diese Beschreibung passt durchaus. Während Letztgenannte als hochgehandelte Toptalente galten und teilweise Wunderdinge von ihnen erwartet wurden, war Foster den Wenigsten ein Begriff. Umso größer die Freude beim Anhang der Wildcats, als Foster mit starkem Scoring und Shooting für Furore sorgte. Für die kommende Spielzeit muss Foster nun auch als Organisator in Erscheinung treten. Die erfahrensten Spieler sind nicht mehr mit an Bord, sodass der Guard nun sehr viel mehr Verantwortung übernehmen muss. Wie er damit umgehen kann, wird sich im Saisonverlauf zeigen. 

Edwards trainiert bereits seit einem Jahr mit dem Team. Die Eindrücke, die Trainer und Mitspieler von ihm gewannen, sind durchweg positiv. Backcourt Partner Foster ging sogar so weit zu sagen, dass Edwards die Wildcats in Sachen Punktesammeln anführen wird. Edwards verfügt in jedem Fall über einen exzellenten Schuss und bringt Firepower ins Team, das dringend Schützen braucht nach Spradlings Abgang. Doch man darf dem wurfstarken Guard auch nicht auf den Zehenspitzen stehen, da er sonst einfach per schnellem ersten Schritt vorbeizieht und im Abschluss seine gesamte Athletik zum Besten gibt. 



Frontcourt
Wesley Iwundu, Nino Williams, Thomas Gipson
Sophomore Iwundu sollte man definitiv im Auge behalten. Er steht unmittelbar vor einer Breakout-Saison. Seine körperlichen Voraussetzungen sind hervorragend und bieten alle notwendigen Anlagen, um ein Two-Way-Player auf sehr hohem Niveau zu werden. Er ist groß, athletisch, hat lange Arme und wahnsinnig schnelle Reflexe, sodass er ein sehr unangenehmer Verteidiger sein kann. Zu diesen körperlichen Merkmalen gesellen sich auch spielerisch wertvolle Fähigkeiten. Iwundu übernahm bereits letzte Saison phasenweise den Spielaufbau und bediente die Shooter Spradling und Foster vorbildlich. Nun sollte er noch an seinem eigenen Scoring arbeiten. Häufig nutzt er seine Dribblings nicht effektiv, sondern verschenkt die Möglichkeit eines schnellen ersten Schrittes, indem er ohne Not anfängt, auf der Stelle zu dribbeln. Dadurch kann er keine Wurf-, Pass- oder Dribbelfakes einsetzen, die seinen Verteidiger aus dem Konzept bringen würden. Außerdem muss er noch kräftiger werden und lernen, komplett zum Korb durchzuziehen, anstatt den Kontakt zu scheuen und einen Jumpshot aus dem Dribbling zu nehmen.

Williams ist der Mann für die Drecksarbeit bei Bruce Webers Mannen. In der Offense agiert er in der Regel abseits des Balls, um den Shooter mit gut gesetzten Blöcken einen freien Jumper zu ermöglichen. Bekommt er doch den Ball, ist Weber oftmals froh, wenn Williams das Spielgerät unfallfrei dem nächstbesten Mitspieler in die Hände drückt. Passiert dies nicht, wird Williams schnell hektisch und lässt sich zu übermotivierten Aktionen hinreißen. In der Defense soll er harte Defense spielen und beim Rebound ackern. Er geht dabei weite Wege, rotiert gut und ist sich für Nichts zu schade. Solche Spieler braucht man in jedem Team.

Gipson darf sich in seinem finalen Jahr am College endlich als Starter versuchen. Ähnlich wie ein Davante Gardner bei Marquette, war Gipson schon in der Vergangenheit der dominanteste Innenspieler der Wildcats. Coach Weber bevorzugte es jedoch, den bulligen Big Man von der Bank kommen zu lassen. Gipson hat einen guten Touch in Ringnähe und weiß seinen Körper einzusetzen. Auch beim Rebound sorgt er für mehr Entschlossenheit und eine andere Mentalität bei seinen Mitspielern. Der Senior muss sich aber abgewöhnen, dumme Fehler zu begehen. In der Defense unterlaufen ihm aufgrund von Unaufmerksamkeit viele unnötige Fouls, die seine Spielzeit limitieren können. In der Offense verliert er leicht den Ball, wenn er müde wird. Letzteres sollte sich aber dank nun vorhandener Backups minimieren lassen.

Bank
Die Backups auf den kleinen Positionen sind allesamt sehr unerfahren und ihre Spielzeit wird nach ihrer Tagesform variieren. Den größeren Erfahrungsschatz kann Nigel Johnson aufweisen. Der ist allerdings eher ein zu klein geratener Combo Guard und daher als Point Guard eher ungeeignet. Sein Floater sitzt aber schon regelmäßig und in der Defense hechtet er den Bällen hinterher. Trotzdem entschuldigt das nicht seine zweifelhafte Wurfauswahl. Jevon Thomas wäre schon eher ein Kandidat für den Backup Spot auf der 1. Thomas ist ein ruhiger Ballverteiler, der versucht, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Er macht viele kleine Dinge richtig. Tre Harris wird zunächst nicht allzu viel Spielzeit sehen. Je nach Trainingsleistung könnte Weber aber gefallen an seinem Spiel finden. 
Unter den Körben geben Brandon Bolden und Stephen Hurt dem Team die notwendige Größe, die bislang für eine konstante Erfolgsserie gegen die "großen" Teams der Conference gefehlt hat. Bolden ist eher der athletische Typ und wird mit seinen Shotblocking-Qualitäten als Anker für die Defense fungieren. Hurt kann seine Stärken er in der Offense vorweisen. Er hat einen guten Touch, ein solides Postgame und sogar einen sehr annehmbaren Wurf. Die beiden sollten sich gut ergänzen. Malek Harris wird der Backup für die Forward Positionen sein und gleich in seinem Freshman Jahr wichtige Minuten liefern müssen. Der talentierte Allrounder passt aber von seiner Mentalität und seinen Qualitäten her sehr gut ins Teamgefüge der Wildcats und sollte ähnlich wie Iwundu im Vorjahr viel Verantwortung in der Offense übertragen bekommen.

Ausblick
Das große Fragezeichen steht hinter dem Spielaufbau. Kann Foster sich in dieser Hinsicht enorm weiterentwickeln und wird er dabei gleichzeitig von den vielseitigen Forwards Iwundu und Harris unterstützt, werden die jungen Wildcats wieder für Überraschungen sorgen können. Denn auf allen anderen Positionen ist man gut besetzt und kann sehr variabel agieren. Zudem stimmt die Mischung aus Erfahrung und Unbekümmertheit. Doch kann Foster der Leader sein, den dieses Team braucht. Die Entwicklungssprünge während der abgelaufenen Saison lassen darauf hoffen, doch man darf das gesteigerte mediale Interesse an ihm und den Verlust eines Ruhepols an seiner Seite nicht unterschätzen. Eine gute Big 12 Platzierung und eine Position im Endturnier sollten aber die Zielsetzungen sein.