14 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
14-0. Mit dieser Bilanz begannen die Cyclones ihre Saison, bis Mitte Januar marschierten sie unaufhaltsam. Auch gegen stark einzuschätzende Teams wie Iowa, Michigan oder BYU leisteten sich die Studenten aus Ames keinen Fehltritt und ihre Weste blieb blütenrein. Dann zeigte die Big 12 ihr wahres Gesicht und es hagelte vier Niederlagen in fünf Spielen gegen die starke Konkurrenz aus Kansas (zwei Mal), Texas und Oklahoma. Im Laufe der Saison konnte man sich zwar im oberen Drittel festsetzen, doch die Tatsache, dass man noch gegen drei weitere Teams stolperte und man sich gegen Oklahoma State jeweils nur nach Verlängerung durchsetzen konnte, unterstreicht die Qualität der Gruppe. Umso erstaunlicher war dann der dominante Auftritt beim Conference Turnier. Dadurch sicherte man sich einen Rang als 3 Seed im Tournament, wo man im ersten Spiel North Carolina Central souverän bezwang. Getrübt wurde die außerordentlich gute Leistung von der schweren Verletzung des einzig unersetzbaren Spielers Georges Niang, der sich im Halbfinale gegen Kansas den Fuß brach. Das bedeutete nicht nur das Saisonaus für einen der besten Scorer des Teams, sondern auch eine herbe Einschränkung im schnellen Basketball der Cyclones, da man nun entweder auf Reboundstärke oder Geschwindigkeit verzichten musste, je nach dem für welche Lineup sich Hoiberg letzten Endes entschied. Gegen North Carolina konnte man sich mit einer starken Energieleistung und einem weiteren Dreierregen durchsetzen. Den entscheidenden Layup verwandelte DeAndre Kane zwei Sekunden vor dem Ende zum 85:83. Gegen UConn in der Sweet Sixteen Runde konnte auch ein überragend aufgelegter Dustin Hogue nicht verhindern, dass sich der spätere Champ durchsetzte.   

Abgänge
Melvin Ejim (F 6-6), DeAndre Kane (G 6-5)
Die beiden Seniors waren die Go-to-Guys der Cyclones. Direkt in seinem ersten Jahr als Teammitglied etablierte sich DeAndre Kane als der Anführer, den Hoiberg im Vorjahr noch vermisste. Kane konnte seine Mitspieler mitreißen und legte eine ansteckende Winner-Mentalität an den Tag. Bezeichnet war hierfür ein Spiel, als der gegnerische Trainer die Marschroute ausgegeben hatte, von Kane extrem weit abzusinken und ihn Dreier werfen zu lassen. Kane warf diesen Plan über den Haufen, indem er 4 Distanzwürfe verwandelte. Melvin Ejim unterstrich seine Wichtigkeit für das Team mit einem 48-Punkte-Spiel gegen Texas Tech. Nebenbei fischte er sich in diesem Spiel auch noch 18 Rebounds und legte eine der besten Performances der Conference Geschichte hin. Nach dem Ausfall Niangs wurde Ejim noch mehr Verantwortung übertragen, mit der er auch zunächst gut umgehen konnte, doch in der abschließenden Partie seiner College Karriere war der Druck dann doch zu groß. Das unpassende Ende einer eigentlich großartigen Karriere.

Zugänge
Clay Custer (G 6-1, Fr), Bryce Dejean-Jones (G 6-6, Sr), Jameel McKay (F 6-9, Jr), Abdel Nader (F 6-6, Jr), Georgios Tsalmpouris (C 7-1, Fr)
Wie schon in den Vorjahren setzt Fred Hoiberg auf Transfers von anderen Colleges.   Bryce Dejean-Jones ist ein talentierter Scoring-Guard der seine Laufbahn an der Universität von South Carolina startete, allerdings entschied er sich für einen Wechsel nach seiner Premierensaison und fand an der UNLV eine neue sportliche Heimat. Dort spielte er zwei Jahre lang sehr erfolgreich, ehe er vor dem Saisonfinale suspendiert wurde und in der Folge erneut nach einem neuen Team suchte. Als Graduate Senior ist er sofort spielberechtigt. Big Man Jameel McKay ist ab dem 20. Dezember berechtigt, auf dem Spielbogen aufzutauchen. Dann ist die einjährige Transfer Sperre abgelaufen. McKay kommt von der Marquette University aus Wisconsin. Auch Abdel Nader musste die letzte Saison aussetzen, allerdings tat er das für die komplette Spielzeit und darf dementsprechend ab dem ersten Spieltag wieder ins Geschehen eingreifen. Zuvor ging er zwei Spielzeiten für Northern Illinois auf Korbjagd. Vervollständigt wird der Kader von den Freshmen Clay Custer und Georgios Tsalmpouris. Während Custer ein talentierter Guard ist, der in seiner Eingewöhnungszeit erst noch das Leiten der Cyclones Offense lernen muss, ist der Grieche eine herausragende Erscheinung. In der Historie der Universität ist er erst der siebte 7-Seven-Footer. Auf seine Entwicklung darf man sehr gespannt sein.


Verbleibender Kader
Sherron Dorsey-Walker (G 6-4, So), Daniel Edozie (C 6-8, Sr), Dustin Hogue (F 6-6, Sr), Naz Long (G 6-3, Jr), Monte Morris (G 6-3, So), Georges Niang (C 6-7, Jr), Matt Thomas (G 6-4, So) 

Coach
Fred Hoiberg
5. Saison 90-47 (Iowa State), 3 Mal NCAA Tournament, 1 Mal Sweet Sixteen
Fred Hoiberg profitiert sehr stark davon, als Spieler viele Dinge kennen gelernt zu haben. Besonders der NBA Stil hat ihn prägend beeinflusst, sodass viele Elemente der Cyclones aus der dem Profigeschäft kommen. Dadurch spielt Iowa State mit einem hohen Tempo und für College Verhältnisse fast sogar Run & Gun Style. Außerdem ist typisch, dass in Transition Situationen häufig gar nicht erst der Zug zum Korb gesucht wird, sondern die Schützen orientieren sich direkt zu ihren Lieblingsstellen rund um den Halbkreis. Bekommen sie den Ball, sind sie direkt bereit, das orangene Leder im Korb unter zu bringen. Der Nachteil ist allerdings, dass sie im Set-Play schnell ideenlos agieren, wenn die ersten Optionen eines Systems nicht geklappt haben. Dann sind sie auf einen kreativen Kopf angewiesen, der für sich und andere offene Würfe kreieren kann. Mit Kane und Ejim sind zwei Spieler solchen Formats von Bord gegangen. Hoiberg muss nun schnell alternativen ausmachen oder sich um weitere Ausstiege in seinen Spielzügen bemühen. 

Backcourt
Monte Morris, Naz Long, Bryce Dejean-Jones
Der junge Point Guard legte eine sensationelle Freshman Saison hin. Mit seiner athletischen Spielweise und seinem soliden Wurf passt er hervorragend in das schnelle System der Cyclones. Dazu überzeugte er mit einer sehr niedrigen Fehlerquote, trotz des hohen Tempos und der großen Verantwortung, die ihm im Angriff zu Teil wurde. Es besteht aber in vielen Bereichen seines Spiels noch Verbesserungsbedarf. Ganz oben auf der Agenda sollte die Verbesserung beim Entscheidungsverhalten im Pick & Roll stehen. Dadurch würde er für Fred Hoiberg noch effektiver sein. 

Long ist ein streaky Shooter, der ganz schnell heißlaufen kann. Passiert das, kann er ein Team im Alleingang abschießen. Passiert dies nicht, ist er aber ziemlich ineffektiv und seine Spielzeit reduziert sich automatisch sehr drastisch. Zumindest gewöhnte er sich im Lauf der letzten Monate an, auch mal zum Korb zu ziehen, wo er sich mit seinem kräftigen Oberkörper eigentlich ganz gut durchsetzen kann. Will Long aber dauerhaft den Starterposten innehaben, muss er das häufiger zeigen und auch im Wurf konstanter werden. 

Der Graduate Senior Bryce Dejean-Jones erhofft sich nach seinem Wechsel zu den Cyclones einen ähnlichen Sprung auf der Karriereleiter wie die vorherigen Transfer Sensationen Royce White und DeAndre Kane. Der Guard war zuletzt Topscorer der UNLV und passt gut zum Stil der Cyclones. Mit seiner Vielseitigkeit und seiner Athletik wird er der schnellen Spielweise noch zusätzliche Qualität verleihen. Außerdem kann er in seiner Natur als Scorer an der Seite seiner Backcourt Partner aufblühen, weil dieser eher Shooter oder Ballverteiler sind. 



Frontcourt
Dustin Hogue, Georges Niang
Hogue war bereits in der letzten Saison der effektivste Offensivspieler der Cyclones. Das konnte er aber erst im letzten Saisonspiel in vollem Maße demonstrieren. Im Sweet Sixteen Spiel gegen UConn legte der Forward 34 Punkte bei einer Wurfquote von 15-19 aus dem Feld auf. Hogue ist in der Zone kaum zu stoppen, obwohl er eigentlich zu klein für seine Position ist. Doch seine Willens- und Körperkraft helfen ihm, diesen Nachteil zu überwinden. Diese beiden Eigenschaften helfen dem Forward auch beim Kampf um den Rebound, sodass er immer für ein Double-Double gut ist. Ihm könnte also eine formidable Saison bevorstehen. Das einzige, was ihn ein wenig zurückhält, ist sein inkonstanter Wurf. Um diesen zu verbessern, sollte er bis zum Saisonstart noch viele Stunden mit Hoiberg in die Halle gehen und an der Technik feilen.

Es war der große Schock, als sich Georges Niang im Big 12 Tournament den Fuß brach und damit für den Rest der Saison ausfiel. Wenn es einen Spieler in Hoibergs System gab oder immer noch gibt, der unfallfrei bleiben muss, damit das System weiter funktioniert, war/ist dies Georges Niang. Der wohl unkonventionellste Center der NCAA. Gerade mal um die 2 Meter groß, weiß er sich trotzdem hervorragend am Brett durchzusetzen, da er an der Highschool im Training tagtäglich gegen Nerlens Noel antrat. Doch Niang ist mindestens genauso häufig an der Dreierlinie zu finden, wie unter dem Korb. Dort schlägt er seine Gegenspieler, weil er Geschwindigkeitsvorteile hat und trifft den Distanzwurf, sobald der Gegenspieler einen Sicherheitsabstand lässt. Über den Sommer arbeitete er zudem an seinem Körper und nahm dank einer Diät deutlich ab, sodass er künftig noch effektiver sein sollte.

Bank
Matt Thomas und Naz Long werden sich die Rolle als gewissenloser Schütze neben Morris teilen. Befindet sich einer der beiden im Formtief, wird der andere dessen Posten übernehmen. Den Vorzug wird im Normalfall aber Long erhalten. Thomas fehlt eine zweite Komponente, die sein Spieler weniger berechenbar machen würde. Hilfreich wäre daher z.B. ein sicherer Floater, nachdem er seinen Gegenspieler mittels Wurffinte abgeschüttelt hat. Abdel Nader ist ebenfalls ein begnadeter Schütze, kann aber auch auf andere Arten scoren und in kurzer Zeit sehr viele Punkte auflegen. Mit diesem Instant Scoring wird er viele Spieler der Cyclones zu deren Gunsten kippen. Am umständlichsten lässt sich die Rolle von Jameel McKay beschreiben. McKay wird erst knapp vor dem Start der Conference Saison verfügbar sein und dann die Rotation umkrempeln. Mit Sicherheit wird er zunächst nur für ein paar energiegeladene Minuten von der Bank kommen und sein Team mit Rebounds unterstützen, doch steigert er seine Produktivität und fügt sich gut ein, könnt er sogar in die Starting Five rutschen. Dann könnte Hoiberg wieder mit drei Frontcourt Spielern agieren, was er eigentlich bevorzugt, da er das Reboundduell stets für sich entscheiden möchte. Damit könnten Long oder Dejean-Jones (eher unwahrscheinlich) aus der Startformation rausbugsiert werden, wie verkraften sie das? So lange McKay noch nicht eingreifen darf, wird Daniel Edozie regelmäßig Minuten sehen und die Defense stabilisieren. Sherron Dorsey-Walker und Clay Custer werden sich um die spärlichen Backcourt Minuten streiten, die hinter den gesetzten vier Stammkräften verbleiben. Aufgrund seiner Erfahrung genießt der Sophomore zunächst vermutlich den Vorzug. Georgios Tsalmpouris wird in seiner Freshman Saison nur bedingt in der Rotation auftauchen. Hoiberg muss sich erst noch klar darüber werden, wie er den ungewohnt großen Big Man am besten einbaut. Er wird eine Option für den Fall, dass Niang nach der Saison dem Ruf der NBA folgt. 

Ausblick
Findet das Team schnell zueinander und gibt es keine klare Struktur im Team, ähnlich wie letzte Saison, steht einer erfolgreichen Saison Nichts im Weg. Das wird sich jedoch als gar nicht so einfach erweisen, weil die beiden Leader der Vorsaison abhandengekommen sind. Zwar können auch Niang und Hogue einen wichtigen Anteil am Scoring leisten, doch sie strahlen nicht die gleiche Präsenz aus und sind in ihren Leistungen bisher nicht konstant genug gewesen. Außerdem wird die Integration von McKay bei allem spielerischen Potential auch Verwirrung stiften und die Rotation durcheinander wirbeln. Kann Hoiberg das alles unter Kontrolle bringen? Für das Tournament muss es auf jeden Fall wieder reichen.