14 November 2014

14. November, 2014   |  Axel Babst  @CoachBabst


Am Freitag beginnt nach fast achtmonatiger Pause die neue Men's Basketball NCAA-Saison - "endlich", wie jeder College-Bball-Nerd lautstark proklamieren wird. NBACHEF stellt euch alle Top-Teams der Spielzeit 2014/15 vor - mit einer Detailliebe, wie ihr sie hierzulande kein zweites Mal finden werdet. 


Vergangene Saison
Bereits im Vorhinein wurde Florida als heißer Titelkandidat gehandelt. Allerdings verlief dann doch nicht alles so wie geplant. Freshman Chris Walker schaffte es nicht, die nötigen akademischen Voraussetzungen zu erfüllen, sodass er für das gesamte Herbstsemester nicht spielberechtigt war und die halbe Saison ausfiel. Scottie Wilbekin wurde zusätzlich auch noch von Coach Billy Donovan suspendiert wurde. Schon wieder. Bereits im Vorjahr war er für drei Spiele gesperrt worden, weil er Teamregeln verstoßen hatte, so zumindest die offizielle Version. Da er nun schon das zweite Mal auffällig wurde, ließ Donovan ihn für die ersten 5 Spiele nur zusehen. Auch Dorian Finney-Smith wurde suspendiert und fing sich dann auch noch einen Virus ein, sodass auch er die beiden ersten Spiele verpasste. Donovan musste also seine Rotation zu Beginn der Saison komplett über den Haufen werfen und plötzlich spielte Walk-on Jacob Kurtz bedeutende Minuten. Gegen das eingespielte Wisconsin Team hatte man kaum eine Chance und so setzte es bereits im zweiten Saisonspiel die erste Niederlage. Als Wilbekin endlich seine Strafe abgesessen hatte, verletzte sich dann Kasey Hill. Zwar reichte es gegen die zumeist schwächeren Colleges noch zu knappen Siegen, doch als dann in der Schlussphase der Partie gegen UConn auch noch Scottie Wilbekin als einziger Aufbau das Feld verletzt verlassen musste, schien die Personalsituation wieder arg angespannt zu sein. Da geriet die zweite Saisonniederlage in den Hintergrund. Zumal es die kommenden Spiele in sich hatten und mit den talentierten Jayhawks und Memphis Tigers zwei harte Gegner warteten. Doch glücklicherweise wurden beide Guards wieder rechtzeitig fit und Florida startete eine Serie von 29 Siegen in Folge. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass man quasi die Hälfte der Spiele nicht in Bestbesetzung bestritt und erstmals Anfang Februar gegen Missouri in voller Stärke antrat. Florida schaffte es als erstes Team die SEC mit einer 18:0-Bilanz abzuschließen und entschied auch das folgende SEC Tournament für sich. Herausragend war dabei die Art und Weise des Erfolgs. Florida war immer in der Lage variabel auf den Gegner zu reagieren und einen neuen Schlüssel zum Erfolg zu finden. So gingen die Gators als Top-Favorit in das NCAA Tournament und fertigten dort nacheinander Albany, Pittsburgh, UCLA und Dayton ab und qualifizierten sich für das Final Four. Die Ausgangslage dort war dann erstaunlich. Mit Wisconsin und UConn hatten sich die einzigen beiden Teams, die es schafften, Florida zu bezwingen, für das Final-Wochenende qualifiziert. Trotzdem gingen die Gators optimistisch in das Halbfinale gegen UConn, da man in den früheren Begegnungen nicht in Bestbesetzung gespielt hatte. Doch da auch UConn, in Person von DeAndre Daniels und Shabazz Napier, nochmal eine Schippe drauflegten behielten die Huskies wieder die Oberhand. So fand eine starke Saison ein bitteres Ende. Denn über die gesamte Saison gesehen waren die Gators das beste Team. Allerdings hat der März bzw. April seine eigenen Gesetze.

Abgänge
Casey Prather (F 6-6), Scottie Wilbekin (G 6-2), Will Yeguete (F 6-8), Patric Young (C 6-9)
Der große Trumpf, den Florida letztes Jahr aufweisen konnte, die Erfahrung, erweist sich als Bumerang für die kommende Saison. Gleich vier Säulen, Starter und Seniors verlassen die Gators nun auf einen Schlag. Scottie Wilbekin war der spielerische Anführer des Teams und sorgte mit seiner Kreativität dafür, dass die Offense seines Teams nie zum Erliegen kam. Im Zweifelsfall traf er dann halt die unmöglichsten Würfe und demoralisierte damit den Gegner. Doch während seiner Karriere erwies er sich auch immer wieder als Hitzkopf und hatte auch mal mit seiner Disziplin Probleme. Casey Prather entwickelte sich über die Jahre von einem herausragenden Athleten zu einem soliden Basketballer und war für die Pressverteidigung von Billy Donovan sehr wichtig. Auch Will Yeguete entwickelte sich über die Jahre enorm weiter und war als Energizer in der Defense ungemein wertvoll für sein Team. Der Franzose konnte in seinem Senior Jahr aber auch offensiv hin und wieder überraschen, speziell was seinen Wurf anging, der auch plötzlich als Dreier funktionierte. Patric Young räumte in der Defense und beim Rebound alles und jeden aus dem Weg. Mit seinen muskelbepackten Armen und Schultern wusste er sich in Football Manier unter dem Korb durchzusetzen und verfeinerte zunehmend auch seine Fußarbeit und damit einhergehend seine Post Moves. Außerdem nahm er mit seiner emotionalen Art alle Mitspieler mit.

Zugänge
Chris Chiozza (G 6-0, Fr), Brandone Francis (G 6-5, Fr), Jon Horford (F 6-10, Sr), Alex Murphy (F 6-8, Jr), Devin Robinson (F 6-8, Fr)
Unter den Neuzugängen finden sich einige bekannte Namen, doch dazu gleich mehr. Die Freshmen dürften den meisten College Fans kaum oder nur vage bekannt sein. Wichtigster Akteur hierbei ist Devin Robinson. Der athletische Flügelspieler darf sich berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Starting Five machen. Chris Chiozza darf sich künftig als Backup von Kasey Hill versuchen und ist einer der wenigen hochtalentierten Aufbauspieler seines Jahrgangs. Shooting Guard Brandone Francis könnte sich als echter Steal entpuppen. Er tauchte erst spät auf den Zetteln vieler Scouts auf, entwickelte aber schnell einen Ruf als talentierter Offensivallrounder mit großem Potential in der Defense.
Murphy und Horford sind wohlklingende Namen in den Ohren vieler Gators Anhänger. Erik Murphy war einer der besten Shooting Big Man der Gators, während Al Horford Teil der beiden Championship Teams war und mittlerweile All Star ist. Deren Brüder sind nun über Umwege in Gainesville angekommen. Alex Murphy verbrachte seine ersten beiden Jahre unter Mike Krzyzewski an der Duke University. Dort konnte er sich aber nicht wirklich durchsetzen und so entschied er sich im Laufe der letzten Saison zum Wechsel. Jon Horford stand mit Michigan 2013 im Finale der March Madness und kann einen großen Erfahrungsschatz mitbringen. Bei beiden sollte man aber nicht den Fehler machen, sie mit ihren Brüdern zu vergleichen. Das wäre unpassend.

Verbleibender Kader
Eli Carter (G 6-2, Jr), Dorian Finney-Smith (F 6-8, Jr), Michael Frazier II (G 6-4, Jr), Dillon Graham (G 6-4, So), Kasey Hill (G 6-1, So), Chris Walker (C 6-10, So) 



Coach
Billy Donovan 
19. Saison 451-169 (Florida), 21. Saison 486-189 (Insgesamt), 14 Mal NCAA Tournament, 1 Mal Sweet Sixteen, 3 Mal Elite Eight, 1 Mal Final Four, 2 Mal Champion
Billy Donovan ist einer der besten College Coaches. Und diese Tatsache beruht nicht nur auf den Errungenschaften, die Donovan vorzuweisen hat, sondern auf der Art und Weise, wie seine Teams erfolgreich sind. Die letzte Saison war das beste Beispiel. Es gibt keine Uni, die so vielseitig in der Defense agiert wie Florida. Die Gators wechseln beliebig zwischen Mannverteidigung und Zone, zwischen verschiedenen Pressverteidigungen und diversen Pick & Roll Verteidigungen, je nach dem wo der Gegner seine Schwachstellen hat. Die Spieler wissen dabei immer, welche Form sie gerade spielen müssen und verpassen nie ihre Aufgaben zu erfüllen. Dies ist definitiv der akribischen Arbeit im Training unter Billy Donovan zu verdanken und in der NCAA höchstwahrscheinlich einzigartig. Auch in der Offense versteht es Donovan ausgezeichnet, die Stärken seiner Spieler auszunutzen und findet stets die richtige Mischung zwischen Insidespiel und Distanzwürfen. Nun kann er mit einem umgekrempelten Kader demonstrieren, wie man seinen Spielern in kurzer Zeit eine derartige Philosophie einprägt.

Backcourt
Kasey Hill, Michael Frazier II
Der neue Floor General durfte bereits letzte Saison sehr früh erste Erfahrungen als Starter machen und erledigte seinen Job solide. Hill besitzt eine gute Spielübersicht und ausgereifte Pass Skills. Er ist ein Aufbau im klassischen Sinne und versucht immer seine Mitspieler in Szene zu setzen. Für sein zweites Jahr sollte Hill, auch wenn diese Einstellung löblich ist, mehr Gefahr für den gegnerischen Korb ausstrahlen. Seine Verteidiger nehmen ihn ansonsten teilweise gar nicht richtig ernst und konzentrieren sich lieber darauf, die Passwinkel zu verschlechtern. Gerade mit einem konstanten Distanzwurf, der größten Baustelle in Hills Spiel, ließe sich das verhindern.

Das genaue Gegenteil von Hill ist Michael Frazier II. Der Guard ist einer der besten Schützen der NCAA und sein Wurf sieht lehrbuchhaft aus. Mit seinem Wurfvermögen kann er seine Farben im Alleingang zur Vorentscheidung schießen, bzw. das Momentum eines Spiels komplett kippen und eine Aufholjagd seiner Mannschaft einläuten. Auch in der Defense ist Frazier II überdurchschnittlich gut und kann dank flinker Füße und Hände viel Druck ausüben.

Frontcourt
Devin Robinson, Dorian Finney-Smith, Chris Walker
Robinson könnte der erste Freshman seit Matt Walsh in der Saison 2002-03, der kein All-American Spieler war und trotzdem seine Gators Karriere als Starter beginnt. Robinson ist ein großer Wing und sein Offensivspiel ist bereits sehr weit entwickelt. In Korbnähe kann er über Ringniveau abschließen und dürfte damit ein ideales Ziel für die Anspiele von Kasey Hill werden. Auch in der Defense, die immer noch als seine Schwachstelle gilt, hat er sich stark verbessert und wird mit Donovan den perfekten Trainer haben, um weiter daran zu arbeiten. In den Passwegen oder als Helpverteidiger kann er jetzt schon seine Athletik und Länge ausspielen.

Dass der kräftige Forward letzte Saison als Sixth Man von der Bank kam, zeigt wie tief besetzt das letztjährige Team war. Finney-Smith war trotzdem Top-Rebounder und das ist auch seine große Stärke. Für einen Forward geht er mit einer grimmigen Entschlossenheit zum Rebound und sichert sich dank seines kräftigen Körpers und seiner guten Hände viele Abpraller, die mitten im Getümmel landen. Damit leitet er in Defense direkt schon den Fastbreak ein und am offensiven Brett erarbeitet er seinem Team unzählige zweite Chancen. Ansonsten kann er zum Korb ziehen und hochprozentig seine Würfe in der Zone verwandeln. Eigentlich ist er auch ein passabler Schütze, allerdings fehlt ihm derzeit noch die Konstanz im Wurf.

Erst Anfang Februar durfte Walker sein Debüt für die Gators geben, da er vorher nicht spielberechtigt war aufgrund akademischer Defizite. Das war aus Gators Sicht unglaublich ärgerlich, dennoch kann man dem auch etwas Positives abgewinnen. Hätte Walker die komplette Saison bestritten, wäre es gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, dass er der Uni direkt in diesem Sommer wieder den Rücken gekehrt hätte, um sich zum NBA Draft anzumelden. Denn Walker ist sehr talentiert und hat großes Potential. In der Defense ist er ein guter Shotblocker mit perfektem Timing. Auch beim Rebound kann er den Statistikzettel dank seiner langen Arme kräftig füllen. Offensiv lebt er noch von Putbacks, Alley-Oops, Durchsteckern. Aber auch das sollte sich schnell ändern lassen.


Bank
Backup für Kasey Hill wird Freshman Chris Chiozza. Chiozza Skills ergänzen sich perfekt mit Hills. Chiozza ist ein Scoring First Guard, der mit seinem schnellen ersten Schritt die komplette Defense zum Kollabieren bringen kann. In der Defense passt er perfekt zu Billy Donovan, weil er ein aggressiver On-Ball-Verteidiger ist. Fragezeichen stehen hinter seinem Wurf und seiner Größe. Besonders Letzteres könnte sich als Problem erweisen. Selbst die angegebenen 1,83m scheinen mindestens 5 Zentimeter zu viel zu sein. Wie wird er mit der Größe der College Spieler umgehen können? Ein weiterer sicherer Kandidat für die Rotation wäre DeVon Walker gewesen, doch leider zog er sich im Juli einen Kreuzbandriss zu und wird damit voraussichtlich die gesamte Saison verpassen.
Das öffnet wiederum neue Türen für Eli Carter und Dillon Graham. Carter kam im letzten Sommer von der Rutgers University und war eigentlich sofort spielberechtigt. Jedoch laborierte er noch an den Folgen seines Beinbruchs in der Vorsaison und spielte nur die erste Partie, ehe er sich für ein Medical Redshirt Jahr entschied. Wie fit er nun ist, wird sich zeigen müssen. Gesund ist er auf jeden Fall eine Bereicherung als potenter Scorer von der Bank. Ähnlich wie Carter entschied auch Dillon Graham nach dem Seasonopener ein Medical Redshirt einzulegen, weil ihn Knochensplitter an der Hüfte beeinträchtigten. Ist auch er einigermaßen fit und überzeugt im Training, kann er als Rollenspieler aufgrund seiner guten Athletik und seines sicheren Wurfes nützlich sein. Auf jeden Fall wird Brandone Francis einen Part in der Gators Rotation übernehmen. Allerdings könnte er zunächst weniger Spielzeit sehen, als vielleicht ursprünglich geplant, da er erst Ende August von der NCAA freigegeben wurde und damit später am Campus aufschlagen durfte als seine Mitspieler. Allerdings sollte er den Rückstand schnell wieder aufholen können. Auch Francis ist ein guter Scorer, der aber auch in der Defense die Competition annimmt.

Im Frontcourt werden zwei Transfers für Tiefe sorgen. Jon Horford ist ein guter Verteidiger und engagierter Rebounder und darf als Graduate Senior direkt angreifen. Mit seiner Erfahrung wird er ein wichtiger Gegenpol zu Chris Walker sein und ihn hochwertig vertreten, wenn er mit Foulproblemen zu kämpfen hat. Alex Murphy wird Backup für Dorian Finney-Smith, allerdings erst ab dem Spring Semester, sodass er ähnlich wie Walker letztes Jahr eventuell erst ab Februar (im schlimmsten Fall) einsatzbereit wäre. Die Gators bemühen sich aber um einen Waiver, sodass er direkt spielberechtigt wäre, sollte dem Antrag stattgegeben werden.

Ausblick
Billy Donovan ist ein hervorragender Trainer und das Talentlevel des diesjährigen Kaders ist vielleicht sogar höher als das des Vorjahresteams. Aber im College Basketball spielt Erfahrung eine sehr wichtige Rolle und die fehlt den Gators in der kommenden Saison. Besonders schwierig wird es für die Gators eine Hierarchie zu bilden, da das Leistungsvermögen bei einigen Spielern noch nicht absehbar ist und auch ein klarer Leader fehlt. Umso wichtiger wird daher die Disziplin und Intensität in der Defense sein, um eine reelle Chance auf eine gute Platzierung in der SEC zu haben. Kentucky wird dieses Jahr kaum zu knacken sein für die Gators. Aber auch dahinter lauern mit Arkansas, Auburn und LSU talentierte und hochmotivierte Teams, die dem Vorjahresgewinner der SEC den Rang ablaufen wollen. Schafft es der Coach seine Spielweise zu vermitteln und entwickelt sich eine klare Hierarchie, sollte der zweite Platz der SEC das Ziel sein. In der March Madness ist eh alles möglich.