24 November 2014

24. November, 2014   |  nbachefsquad @nbachefkoch


Die neue NBA-Saison ist gut unterwegs. Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie James Harden in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit ein paar extra Häppchen zur NBA-Spielzeit 2014/15.


Bärfektion?
Seb Dumitru @nbachefkoch ... Marc Gasol, der Held. 30 Punkte, 12 Rebounds, 13 von 18 aus dem Feld. Seine Präsenz zu offensichtlich, um sie nicht wahrzunehmen. Im Herzen der wieder einmal wie ein pelziger Würgegriff erstickenden Defensive; und offensiv, von seiner Lieblingsposition am linken Ellbogen oder als filigraner Point-Center im Break. Laut, wie die 107-91 Watsche gegen die Los Angeles Clippers am Sonntag Nachmittag.

Aber obwohl es bereits das dritte 30-Punkt-Spiel des Spaniers in der noch jungen Saison war (in seinen ersten sechs NBA-Spielzeiten hat er nur ein einziges Mal 30 Punkte oder mehr erzielt... sicherlich nicht nur für mich ein Schock!) und er die Korrelation "contract year/Kohle" perfekt verinnerlicht hat - was viele Langschläfer urplötzlich auf den Gasol/Grizzly-Bandwagon aufspringen lässt, als wäre der erst von wenigen Tagen losgebrettert - ist er nicht der Hauptgrund für Memphis' nahezu perfekten Start in die neue Saison.

Das Geheimnis der neuen, verbesserten Grizzlies, die plötzlich 100 Punkte pro Spiel erzielen und die sechstbeste Offensive der Liga stellen (Off. Eff. 106) ist mehr Shooting und Variabilität im Angriff. Dieses Team wird immer um die Wühlerqualitäten eines Gasol und Zach Randolph rotieren und Gegner physisch durch den Fleischwolf drehen. Tony Allen bleibt der Häckselmeister für gegnerische Guards, Mike Conley die Nervensäge mit den flinken Fingern.  

Wenn aber Spieler wie Courtney Lee (was für ein Start!), Vince Carter, Jon Leuer und Quincy Pondexter von außen treffen, das Team plötzlich die fünftbeste Dreierquote der Liga aufweist (37.3%) und Rest des Kaders auch aus der Mitteldistanz so sicher netzt, dann wird klar: diese Grizzlies sind unter Dave Joerger variabler und offensiv schlagfertiger als jemals zuvor. Kombiniert mit der Kontinuität dieser Truppe und der erbarmungslosen Defensive (Rang 4) ergibt alles das momentan beste Team der Liga - nicht nur bilanzmäßig (12-2). Und das macht dann eben auch aus Marc Gasol fast unfreiwillig einen ernstzunehmenden MVP-Kandidaten.


Stärkster Hulk den es gibt
Roman Schmidt @sch_rom ... Man soll den Tag nicht vor dem Mittag loben, doch wir sind an diesem Punkt angekommen. Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem DeMarcus „Boogie“ Cousins den gegnerischen Teams mehr Kopfschmerzen macht, als die gegnerischen Teams dem DeMarcus „Boogie“ Cousins.

Während sich die NBA-Welt noch an der flashigen, kultigen Point Guard Liga ergötzt, wachsen in den Schatten mehrerer vermeintlicher Lotterie-Teams riesige Bestien heran. Doch keine ist so destruktiv und ungezähmt wie der sacramentoische Hulk, Boogie Cousins, stärkster Hulk den es gibt.

Wir reiben uns die Augen, denn die Kings stehen nach dem Timberwolves-Game bei 8-5, mit Siegen gegen die Blazers, Clippers, Bulls und Spurs. Sacramento streckt diese Gegner mit brachialer Boogie-Gewalt nieder, der Koloss haut den gegnerischen Froncourts in solchen Siegen durchschnittlich 25,4 Punkte und 12,8 Rebounds um die Ohren. Und seine Freiwürfe zeigen eine deutliche Tendenz nach oben, von 72,6% im vergangenen Jahr zu bisherigen 79%. Wenn ihr mitten in der Nacht wach seid und ein Sacramento Spiel läuft, springt über euren Schatten und schaltet ein. Na los, tut es und dankt mir später.

Klar, die fast fünf Fouls und 3,3 Turnover pro Spiel sind ein kleiner Grund zum Kopfkratzen, doch ist gerade dies das Gute an dem Hulk. Das Monster kann seine Kräfte nicht immer dann einsetzen, wann und wie es will. Nur deshalb ist die Welt ein sicherer Ort. Noch.



Prähistorisch gut
Onur Alagöz @LakersParadigm ... Da ich als Lakers-Fan auch ab und zu mal Spaß beim Basketball gucken haben will, schaue ich mir in letzter Zeit einige Spiele der Pelicans an. Und dass der Pterodactylus von New Orleans auf den Schwingen seiner mächtigen Pelikanaugenbrauen durch die Liga rumpelt, hat einen positiven Nebeneffekt: Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Anthony Davis der nächste richtige Superstar von der Klasse eines Kobe, LeBron und Durant ist.

Während seine Teamkollegen in verrauchten Jazzspelunken entlang des Bayou kreolische Spezialitäten futtern und über „True Detective“ debattieren, hängt Anthony im Gym ab und feilt an seinem Können.

Schrieb man ihm zunächst bei seinem Einflug in die Liga lediglich herausragende Fähigkeiten in der Defense zu, solltet ihr keinen Fehler machen: Davis ist der Kernpunkt der Verteidigung und der Offensive. Erst gestern Nacht zeigte er, dass seine angreiferischen Fähigkeiten immens unterbewertet sind. 43 Punkte, neue Karrierebestleistung. 14 Rebounds, zwei Steals und ein Block gab's noch dazu. Lässig aus seinen überlangen Ärmeln geschüttelt, wohlgemerkt.  Drives, Jumper, Postmoves, Freiwürfe – Wie gut Davis noch werden kann, ist erschreckend. Seine Saisonstatistiken liegen jetzt bei lächerlichen 26.3 Punkten, 11.5 Rebounds, 2.2 Steals und 3.5 Blocks im Schnitt. 

Stat-Fun-Fact des Tages: Wisst ihr, wer neben Anthony Davis noch zwei Steals und drei Blocks pro Spiel aufgelegt hat? Na? Na? Zwei Jungs namens David Robinson und Hakeem Olajuwon. Beide allerdings erst, als sie bereits 26 Jahre alt waren – Davis ist aber noch so jung, dass er erst seit März legal ein Bier in den Staaten kaufen darf. Das macht doch Lust auf mehr.

Black Hole Mamba
Anno Haak @kemperboyd ... L.A. ist Bean-town. Boston liegt am Pazifik. Die Weltverschwörung des besten Athleten, der je bei den Illuminaten aufgenommen wurde, hat zu ihrem erfolgreichen Abschluss gefunden. Nachdem Kobe Bean Bryant (ist wahrscheinlich nur ein Deckname) jeden Center, der je seine Amnestierung gefordert hatte, vertrieben und jeden free agent der Premiumklasse mit Fernsehmoderatorenehefrau, der verzweifelt genug gewesen wäre, sich in die Fänge der Mamba zu begeben, verschreckt hat, ist er am Ziel: Er kann endlich ungestraft pro Spiel mehr Würfe auf den Ring nageln, als irgendeiner seiner Mitspieler insgesamt nimmt.


Beispiel? Freitag Nacht, Dallas, TX: 16 seiner 22 Versuche wussten nicht, wie man „Netz“ buchstabiert. Kein anderer Spieler versuchte es überhaupt mehr als elf Mal. Oder einen Tag vorher: 18 Kobe-Würfe küssten das Eisen des Toyota Center, kein Mitspieler versuchte mehr als 15. Was? Das Spiel haben die Lakers gewonnen? Naja, Regel-Ausnahme-Verhältnis und so. Und außerdem hat er Havliceks Rekord gebrochen. Über 13.400 Fehlwürfe! H-A-V-L-I-C-E-K! Gut, die meisten, die sich jetzt die Bäuche vor Lachen halten, wussten bis vor ein paar Tagen gar nicht, wer Havlicek ist, aber man nimmt, was da ist, wenn es um Kobe-Mocking geht. Wo kommen wir denn da hin?

Sonst noch was diese Woche? Ach, ja. Ein bisschen Geschichte haben wir geschrieben. Also Bryant hat sie geschrieben. Wir waren nur dabei. Kobe Bryant ist jetzt einer von vier Spielern mit 32.000 oder mehr Punkten. Zweiunddreißigtausend. Das sind – man ahnt es – annähernd 20 Saisons mit 20 PPG. Ihr werdet verzeihen, wenn ich gerade zu abgelenkt bin, um über Lakers-Defensivratings von 186 oder Kobe-Usage-rates von 200 % zu fabulieren. Ich gehe jetzt 32.000 Kerzen auf meinem Kobe-Altar (BTW: ist ein must-have für die Wohnung eines Basketballfans) anzünden. Gehabt Euch wohl und keep shooting!

Der Swagmeister
Pascal Gietler @PascalCTB ... Rund drei Jahre ist es nun her, dass der Begriff "Swag" vom großartigen Lil B oder unerreichbaren Money Boy in Form von epochalen Musikstücken an uns herangetragen wurde. Das Jugendwort des Jahres 2011 ist in den vergangenen Monaten allerdings nahezu vollständig aus dem allgemeinen Wortschatz verschwunden, doch es gibt Hoffnung: Es existiert eine Person, die alles versucht, um diesen Begriff nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, schließlich ist "Swag" durch die nie endende Evolution der Jugendsprache eindeutig vom Aussterben bedroht und verdient es gerettet zu werden. 

Dieser "Savior of Swag" betrat in der Vergangenheit in streng limitierten "Supreme x Nike Foamposites" den heiligen Hallenboden des Staples Centers und legte dann in diesen Schuhen, für die jeder Wannabe-Swag-Hipster aus den Künstlervierteln Brooklyns womöglich seine komplette Jutebeutel-Sammlung veräußern würde, in der ersten Hälfte 17 Punkte gegen die Los Angeles Clippers auf. 

Die Rede ist natürlich von "Swaggy P" Nick Young, der unter der Woche nach einem verheilten Daumenbruch sein Comeback für die lila-goldenen Lakers feiern durfte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Lakers die Lachnummer der Liga - mit einer historisch schwachen Defensivleistung konnte die Traditionsfranchise rund um Kobe Bryant aus den ersten zehn Spielen nur ein mickriges gewinnen, doch mit Nick Young war auf einmal vieles wieder besser, denn schließlich verwandelt sich nahezu alles, was Nick Young anfasst, zu Gold: Angefangen bei seiner bezaubernden Lebensabschnittsgefährtin Iggy Azalea bis hin zum Stück Papier, auf dem Nick Young seinen neuen Vertrag aufsetzen ließ, der ihm in den kommenden vier Jahren rund 21 Mille einbringen wird. 

Es ist also kaum verwunderlich, dass Nick Youngs "Golden Swag" sich auch auf seine Teamkollegen übertragen hat, die nach seiner Rückkehr direkt zwei der letzten drei Spiele gewinnen konnten. Menschen, die noch vor wenigen Monaten Youngs Vertragsverlängerung kritisiert haben, sollten diese Kritik schleunigst zurücknehmen, denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass "Daddy Swag" allein durch seine Präsenz, die mindestens auf dem Niveau eines Michael Jacksons oder Prince ist, Spiele für die Lakeshow im Alleingang gewinnt. Wenn nicht sogar Meisterschaften. 



Alles nur Hype?
Torben Siemer @lifeoftorben ... Cleveland, das Anti-Boston (Titel in allen vier US-Sportarten zwischen 2004 und 2011), wartet seit der Pre-Super-Bowl-Ära im Jahre 1964 auf einen Titel, egal wo. Die Rückkehr des Auserwählten aus der Stadt am South Beach ließ so manchen Fan schon im Sommer von der Parade durch Cleveland träumen. Dazu steht bekanntermaßen mit Kyrie Irving der MVP der Basketball-WM im Aufgebot, mit Kevin Love holte GM LeBron James einen weiteren (Super-)Star nach Ohio. Coach David Blatt kam als amtierender Euroleague-Champion von Maccabi Tel Aviv. 70 Siege sollten da schon drin, oder? 

Nach zwölf Partien stehen die Cavaliers jetzt aber bei fünf Siegen und sieben Niederlagen, die letzten vier Partien gingen allesamt in die Hose – gegen Washington und Toronto unterlagen die Cavs kombiniert mit 30 Punkten. James schießt bisher 46,7 Prozent und produziert vier Ballverluste pro Partie, Love trifft 40 Prozent seiner Würfe aus dem Feld, das Defensivrating von 109,1 reicht gerade für Platz 24 von 30 im Ligavergleich. Big Three also nur bei NBA 2K15? Die ersten Trade- und Abwanderungsgerüchte sind schon unterwegs, vor allem Love angeblich schon im nächsten Sommer auf dem Weg an die Westküste. Also alles nur Hype?


Vier der Niederlagen setzte es gegen die Portland Trail Blazers, die San Antonio Spurs, die Washington Wizards und die Toronto Raptors – allesamt Franchises mit Ambitionen zwischen Conference Semifinals und Titelgewinn, allesamt Teams ohne gravierende Kaderveränderungen im Sommer. Bei den Cavaliers dagegen stehen LeBron James, Kevin Love, Shawn Marion, Joe Harris und Mike Miller zwischen zehn und 40 Minuten auf dem Parkett, allesamt Spieler, die neu im weinroten (oder weißen, gelben, blauen) Jersey auflaufen. 

Die Cavaliers sind seit dem 11. Juli 2014 der Lieblingsgegner jedes anderen Teams, jeder will den Superstars aus Cleveland ein Bein stellen. Mit Kyrie Irving, Dion Waiters und Kevin Love müssen sich drei Profis erstmals unterordnen, bisher durften alle drei so ziemlich jeden Wurf nehmen, der ihnen gut erschien. Mit David Blatt steht ein neuer Coach an der Seitenlinie, der an beiden Enden des Courts neue Ansätze einzubauen versucht. Mit LeBron James ist ein neuer Anführer im Team, der nicht nur seinen Mitspielern die unter Pat Riley gewonnenen Erkenntnisse zum Thema Erfolgskultur vermitteln möchte. Zwölf Partien sind absolviert, noch 70 stehen im Kalender. Der Osten übt sich weitestgehend schon wieder im Verlieren, nur fünf Teams stehen aktuell bei mehr Siegen als Niederlagen. Und in der NBA setzt sich doch, historisch bekannt, aufgrund der langen Saison am Ende immer Qualität durch. Also alles nur Hype?