09 November 2014

9. November, 2014   |  Tiago Pereira @24Sekunden


Die Welt am Pazifik steht Kopf! Die Los Angeles Lakers sehen die Tabellenspitze ihrer Divison nur im Handstand. Die neuen Regenten in L.A. heißen Clippers, und die tuckern hinter den Königen aus Sacramento her, wo man vor Freude den Boogie tanzt. In Arizona spielen sich derweil die Dragic-Brüder gegenseitig die Melodie vom westlichen Mittelmaß. Doch nach wessen Pfeife tanzt die Pacific Division? Wer darf sich König am kalifornischen Badestrand schimpfen und wer ist nur Handtuchhalter? Wie sagte es einst der große Philosoph Shawn Carter „If you feeling like a [warrior], go and brush your shoulders off“. Hust. Klay. Du hast da ein wenig Sand...


Golden State! Da staunt die Liga. Nicht Cleveland und ‘Bron Basketball, nicht der amtierende Meister im Alamo und auch nicht die Krankenschwestern aus Oklahoma City starteten mit fünf zu null Siegen in die neue Saison, sondern die Warriors. In Handumdrehen machte Steve Kerr aus der "We Believe" Truppe ohne Pastor die spartanischen "We Defeat" Krieger. Zu den Opfern der Warriors gehören bisher die Sacramento Kings, die Los Angeles Lakers, die Portland Trail Blazers, die Los Angeles Clippers, und auch das zuvor ungeschlagene Houston hatte ein Problem.

Wer letztes Jahr dem orangenen Leder in der Bay frönte, wird sein Team kaum wieder erkennen. Es sind dabei nicht neue Akteure, die das Glitzern zurück in die Augen bringen, sondern die neue Einstellung. Das bekannte Etwas, es hat die Dubs ergriffen. Nennt es das Salz in der Suppe, die Schärfe im Curry oder welches Gewürz ihr auch immer präferiert. Ich nenne ihn beim Namen – Steve Kerr. Das Meisterdasein, es ist mehr als nur Juwelen am Finger, es ist eine Mentalität. Dieser Championship-Gehirnwäsche unterzieht Stevie seine Zöglinge.

Kaum setzen die Warriors die Brille des großen Ganzen auf, eröffnet sich ein völliger neuer Blick für die Offensive. Das Passspiel wurde revolutioniert, indem Center Andrew Bogut am High Post zum Initiator der Ballstafetten wird. Von seiner Warte aus überblickt der Aussie das Spiel und wählt den richtigen Cuter oder Schützen aus. Während Bogut eine zweite Karriere als Quarterback in Erwägung ziehen darf, ist er nicht der einzige, der den entscheidenden Pass spielen kann. Jeder Warrior ist ein Teil des Weges zum Korberfolg. Warriors-Treffer resultieren bisher zu 62,9% aus einem Assist heraus (Platz 6). Das sind vier Prozent mehr als unter Mark Jackson. Das Ergebnis der extra Pässe – bisher Platz zwei bei den erzielten Punkten mit 107,2 PPG, gegenüber 104,3 PPG im Vorjahr. 



Kerr schafft somit das perfekte Spielfeld für seinen Franchise-Backcourt. Besonders Klay Thompson erblüht in neuer Pracht. Nachdem Thompson die Selbstvertrauen-Akkus im Sommer unter Coach Krzyzewski beim Team USA aufladen konnte, entlädt er diese im neuen und alten Zuhause in Oakland. Wer gedacht hat, dass 70 Millionen Dollar für Klay eine Fehlinvestition sind, der glaubt auch an lila-goldene Lakers-Playoffs.

Thompson ist längst nicht mehr nur das eindimensionale Shooting-Pendant zu Stephen Curry. Was sich über den Sommer in Spanien schon andeutete, realisiert sich nun auch auf dem amerikanischen Festland: Thompson mutiert zur offensiven Allround-Waffe. Neben dem weiterhin starken Wurf finden sich zunehmend mehr Drives zum Korb in seinem Spiel. Die neue Aggressivität in Klays Spiel wird belohnt. Stolze 6,6 Mal steht er pro Partie an der Freiwurflinie. Wofür Thompson in der letzten Saison drei Spiele brauchte, schafft er nun in einem. Folgerichtig kann sich nicht nur das Bankkonto des Shooting Guards über hohe Zahlen freuen, auch der Boxscore wird zum Klettergerüst (23,8 PPG).

Zu jedem Deckel gehört ein Topf, und zu Klay gehört eben Stephen Curry. Der ältere der beiden 'Splash-Brüder' feiert wie sein Partner Höhensprünge unter dem neuen Offensivfeuerwerk. Kerr lässt seinen Franchise-Spieler mehr abseits des Balles agieren und ermöglicht ihm neue Räume. Es sind keine großen Löcher, die plötzlich in der Defensive des Gegners auftauchen, doch Curry braucht nur einen Funken Tageslicht. Generell findet sich kein Wurf im Repertoire des Aufbauspielers, der die Bezeichnung „zu schwer“ besitzt. Umso freudiger nimmt dieser die neuen, „einfachen“ Würfe an.

Larry Bird gründete einst den illustren 50/40/90 Club, Curry gastiert in edleren Etablissements. Mit seinen aktuellen Wurfquoten (50/41/97) und fast 28 Punkten im Schnitt ballert sich Curry ohne Umwege in den Shooter-Olymp - wenn er dort nicht ohnehin schon längst angekommen ist. Der rasche Erfolg lässt Curry ganz vergessen, dass er einst eigentlich gegen die Verpflichtung von Kerr war. Zum Glück kennt dieser die Vorlieben eines Werfers. "It takes one to know one."

Auch wenn jeder Sieg nur einfach zählt und Statistiken in dieser fast jungfräulichen Saison trügerischer sind als Make Up, dürfen, ja müssen die Warriors für bare Münze genommen werden. Und trotzdem: das Team ist noch nicht eingespielt genug, um im Westen den Thronanwärter zu geben. 20 Ballverluste sind das allabendliche Exempel, dass nicht alles Gold ist, was in der Bay schimmert. Dessen ungeachtet wandert es sich auf den Pfaden zur Perfektion einfacher mit Siegen im Gepäck. Wenn dabei dem einen oder anderen Konkurrenten ein Bein gestellt werden kann, umso besser. Das Erreichen der Playoffs im Westen ist ein Marathon, Heimvorteil ein immens schwieriges Unterfangen. Die Warriors haben einen fulminanten Start hingelegt. Bleibt zu hoffen, dass ihnen  nicht auf der halben Strecke wieder die Puste ausgeht.