19 November 2014

19. November, 2014   |  Sebastian Seidel  @Sebastianctcb


Die Anfänge
Im professionellen Basketball tauchte die Dreierlinie erstmals 1961 auf. Eine Konkurrenzliga der NBA, die American Basketball League (ABL), führte die Dreierlinie ein. Die ABL konnte sich allerdings nie wirklich durchsetzen und so waren sowohl die ABL als auch die Dreierlinie 1963 schon wieder Geschichte.

Mit der Entstehung der ABA (American Basketball Association) 1967 konnte auch die Dreierlinie ihr Comeback feiern. Die ABA wurde zu einer deutlich erfolgreicheren Alternative zur NBA, als es die ABL jemals gewesen war. Mit Stars wie Julius Erving, Connie Hawkins, Spencer Haywood, Moses Malone und George Gervin spielten nicht wenige Spieler in der Liga, die sich später auch in der NBA etablieren konnten und dort sogar MVP-Awards und Meisterschaften gewannen.

Neben der Einführung der Dreierlinie war es übrigens auch die ABA, die erstmals einen Slam Dunk Contest durchführte. Dank 'Dr. J' und einiger finanzkräftiger Sponsoren konnte sich die ABA zumindest neun Jahre als Konkurrenzliga halten. Im Sommer 1976 fusionierte die ABA mit der NBA und die Dreierlinie versank ein zweites Mal - wenn auch nur kurzzeitig - in der Versenkung. 

Einführung in der NBA
Am 12. Oktober 1979 führte die NBA unter Commissioner Larry O'Brien die Dreipunktelinie ein und sorgte so für den Beginn einer neuen Ära. Schon damals war die Dreierlinie zentral 7,24 Meter entfernt und 6,70 Meter in den Ecken - die gleichen Maße, welche das Parkett auch heutzutage noch hat. Die FIBA zog im Jahr 1984 nach, und so wurde die Dreierlinie auch international eingeführt. Zwei Jahre später gab es auch im College-Basketball eine Dreipunktelinie.

Auch wenn es zu Beginn nur sehr wenige Spieler gab, die den Dreipunktewurf gewinnbringend nutzen konnten, sorgte sie für eine Verlagerung des Spiels weg vom Korb und revolutionierte somit den Basketball. Kleinere Spieler konnten dadurch einen größeren Einfluss auf das Spiel ausüben und somit auch zu Stars heranreifen. 

In den Jahren zuvor waren es immer Big Men, welche die Liga dominierten. Ob Bill Russell, Wilt Chamberlain, Moses Malone oder Kareem Abdul-Jabbar, sie alle waren zwischen 2,08 und 2,18 Meter groß. Nur wenige Ausnahmen wie Jerry West oder Oscar Robertson gab es, die sich auch als kleinere Spieler in den frühen Jahren der NBA einen großen Namen machen konnten.

Es war wohl eine Ironie des Schicksals, dass im selben Jahr als die Dreierlinie eingeführt wurde, Larry Bird und Magic Johnson in die Liga kamen und sich zu den absoluten Superstars der Achtzigern entwickelten.

Entwicklung über die letzten 35 Jahre
Aller Anfang ist schwer, und so hatte auch der Dreipunktewurf sehr schwer damit zu kämpfen, sich in der Liga zu etablieren. In der Debütsaison 1979/1980 wurden im Schnitt gerade einmal 2.8 Dreier pro Spiel genommen. Die Philosophie in der NBA war immer gewesen, den Ball nah an den Korb zu bringen und dort hochprozentige Abschlüsse zu nehmen.

Die Umstellungen für die Trainer in der Spielphilosophie und im Trainingsfokus benötigten ihre Zeit, und so galt der Dreipunktewurf quasi am Anfang nur als Notlösung. In den ersten sechs Saisons wurden im Schnitt von jeder Mannschaft nur ca. drei Dreier pro Spiel genommen, was auch daran lag, dass die Trefferquoten durchschnittlich bei etwa 25% lagen.

Der Dreipunktewurf hatte sich einfach noch nicht zu dem effizienten Wurf entwickelt, der er heute ist, und nur wenige Spieler konnten schon damals gute Trefferquoten aufweisen. Einige Spezialisten gab es aber auch zur damaligen Zeit schon. Kevin Grevey, der übrigens auch den allerersten NBA-Dreier verwandelte, schaffte es bis zu seinem Karriereende 1985, 145 Dreier bei einer respektablen Quote von 33,4% zu verwandeln. 

Ab 1987 ging die Entwicklung rasanter voran, mit Trefferquoten von über 30% entwickelte sich der Dreier immer mehr zu einem effizienten Wurf. Spieler wie Larry Bird, Dale Ellis, Danny Ainge, Marc Price, Byron Scott, Michael Cooper oder Michael Adams zeigten, dass der Dreipunktewurf eine echte Waffe sein kann und etablierten ihn als wichtigen Teil des Spieles.



Den Dreier mehr geprägt als jeder andere Spieler zuvor hat wohl Reggie Miller. Er war einer der ersten Spieler, für den nonstop Plays gelaufen wurden, die ihm offene Würfe hinter der Dreierlinie ermöglichten. Von 1987 bis 2005 verwandelte Miller 2560 Dreier und liegt damit auf Rang zwei der bei den meisten verwandelten Dreiern in der NBA-Historie. Keine Frage: Miller war der dominierende Dreierschütze seiner Zeit.

Mit 839 Dreiern weniger als Miller ist Dale Ellis in dieser Liste der zweitbeste Spieler, der ebenfalls in den Achtziger Jahren gedraftet wurde. In der Saison 1993-94 nahm jedes Team schon knapp zehn Dreier pro Spiel und hatte durchschnittliche Trefferquoten von 34%. Zwischen den Saisons 1994-95 und 1996-97 verkürzte die NBA die Dreierlinie auf durchgehende 6,70 Meter. Das Ergebnis waren durchschnittliche Wurfquoten im Bereich von 36-37%, während jedes Team im Schnitt 17 Mal von Downtown abdrückte.

Die NBA, die damals durch die Verringerung der Distanz das Scoring in der Liga ankurbeln wollte, beschloss, die alten Abstände ab der Saison 1997-98 wieder einzuführen. Seit der Wiedereinführung der ursprünglichen Dreierlinie haben sich die durchschnittlichen Wurfquoten in einem Bereich zwischen 34% und 37% eingependelt. Die Anzahl der genommenen Dreier hingegen hat sich weiterhin rasant erhöht.



Von knapp 13 Dreiern pro Spiel, die jede Mannschaft durchschnittlich in der Saison 1997-1998 genommen hatte, stieg der Schnitt bis zum Jahr 2011 kontinuierlich auf 18 Dreier an. Aufgrund neuer Erkenntnisse, die modernere Statistiken heutzutage liefern, sowie immer besseren Schützen, vertrauen nun viele Teams noch mehr auf einen der effizientesten Würfe im Basketball, so dass sich in der Saison 2013-2014 der Vorjahreswert noch einmal deutlich erhöhte (21.25 Dreier pro Spiel).

Mit der Anzahl der versuchten Dreier hat sich natürlich auch die Art geändert, unter welchen Umständen Dreipunktwürfe genommen wurden. Kurz nach der Einführung des Dreipunktwurfes diente er wohl eher noch als Alternative bei ablaufender Schussuhr. Erst langsam entwickelte er sich zu einem effizienten Wurf, der lange aber hauptsächlich aus dem Spot-Up genommen wurde. 
Spieler wie Reggie Miller und Ray Allen - bis heute erfolgreichster Schütze aller Zeiten - prägten das Spiel dadurch, dass sie um Blöcke laufen konnten und dann von Downtown abdrückten.

Seit Beginn des 21. Jahrhundert orientierten sich Spieler in der Transition immer öfter zur Dreierlinie, wo sie auch auf einen schnellen Abschluss hoffen. Spieler wie Stephen Curry, Damian Lillard oder Manu Ginobili bestrafen Verteidiger, die beim Pick & Roll den Block unterlaufen, sofort mit einem Dreier aus dem Dribbling. Die Situationen, aus denen Spieler mittlerweile den Abschluss von Downtown suchen, sind deutlich vielseitiger geworden.

Spieler wie Dirk Nowitzki bewiesen, dass auch Big Men durchaus in der Lage sind, von hinter der Dreierlinie abzudrücken. War Nowitzkis Fähigkeit, als 2,13 Meter großer Power Forward von Downtown treffen zu können, zu Beginn seiner Karriere noch ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, so streben es nun nahezu alle Teams an, mit einem Stretch-Vierer zu spielen. Nicht selten sind es europäische Big Men wie Hedo Turkoglu, Ersan Ilyasova, Danilo Gallinari, Mehmet Okur, Andrea Bargnani, Nikola Mirotic, Mirza Teletovic oder Pero Antic, die das Feld weit machen können oder konnten.

Natürlich müssen auch Amerikaner genannt werden, wenn es um die besten großen Schützen der Welt geht. Gerade in der jüngeren Vergangenheit konnten sich Kevin Love, Ryan Anderson, Spencer Hawes oder Channing Frye in der Liga durch ihre Shooter-Qualitäten einen guten Namen machen und viele Begehrlichkeiten bei Teams wecken. Viele NBA-Team spielen mittlerweile nach dem Prinzip „Drive-and-Kick“, was Big Men, die von der Dreierlinie treffen können und dadurch ihre Gegenspieler sehr weit vom Korb wegziehen können, sehr begehrt macht.



Catch-and-Shoot vs. Pull-Up
In der Statistik oben sind die Spieler anhand der Anzahl ihrer Dreier, die sie vergangene Saison pro Spiel aus dem Catch-and-Shoot getroffen haben, geordnet. Mit Anderson, Frye und Love gehören gleich drei Big Men zu den besten Catch-and-Shoot-Schützen. Alle anderen Spieler in der Liste spielen auf dem Flügel. Die einzige Ausnahme ist Jose Calderon.

Der Dreier aus dem Catch-and-Shoot ist unglaublich effizient. Wenn zum Beispiel Kyle Korver aus dem Catch-and-Shoot abschließt, kommen dabei im Schnitt 1.5 Punkte pro Abschluss zustande. Zum Vergleich: nicht einmal ein Abschluss von DeAndre Jordan in der Zone (vergangene Saison 67.7% FG)  ist mit 1.41 Punkten pro Abschluss so effizient.

Warum aber taucht nur ein einziger Point Guard in dieser Liste auf? Die Antwort ist ebenso einfach wie logisch. Der Point Guard initiiert in den meisten Fällen den Angriff, zumeist durch ein Pick & Roll mit einem Big Man. Dementsprechend selten bekommt er die Möglichkeit, aus dem Catch and Shoot abzuschließen. Calderon, der einzige Point Guard in obiger Liste, war im letzten Jahr nicht der primäre Ballhandler in Dallas.

Die Point Guards beziehungsweise die primären Ballhandler kommen dadurch natürlich viel öfters aus dem Dribbling zum Abschluss, auch von jenseits der Dreierlinie. Hier führt kein Weg vorbei an Stephen Curry. Er verwandelt fast zwei Dreier pro Spiel aus dem Dribbling und damit fast doppelt so viele wie jeder andere Spieler der Liga. Hinter Irving und Kevin Durant weist er dabei die drittbeste Quote auf. Generell ist der Dreier aus dem Dribbling deutlich schwieriger als aus dem Catch-and-Shoot. Nicht selten haben Mannschaften, die einen wurfstarken Point Guard haben, deshalb auch auf dem Flügel Spieler, die zeitweise den Spielaufbau übernehmen können.







So kann zum Beispiel in Portland Nicolas Batum Lillard im Spielaufbau entlasten, so dass dieser mehr als drei Dreier pro Spiel aus dem Catch-and-Shoot nehmen kann - also primär den Ball zu scoren versucht. Auch Kyle Lowry profitiert davon, dass er oft gemeinsam mit Greivis Vasquez auf dem Feld steht. Knapp 44 Prozent bei drei Versuchen trifft Lowry aus dem Catch-and-Shoot.

Es gibt allerdings auch immer wieder Ausnahmen von der Regel. Kyrie Irving zum Beispiel trifft den Dreier aus dem Dribbling mit einer exzellenten Quote von 40.9 Prozent, aus dem Catch-and-Shoot sind es dagegen gerade einmal 33 Prozent. Auch Eric Bledsoe gehört zu den Spielern, die lieber aus dem Dribbling werfen. Er traf so zuletzt sechs Prozent besser als aus dem Catch-and-Shoot. Die Vorliebe und Stärken der einzelnen Akteure bestimmen auch die jeweilige Offensivtaktik ihrer Klubs entscheidend mit. Teams wie die Houston Rockets unterscheiden kaum noch zwischen Pull-Up oder Catch-and-Shoot. Für sie gibt es nur einen wirklich guten Wurf, und das ist eben der Dreier, egal aus welcher Lage. Vergangene Saison nahmen die Texaner unfassbare 26.6 Dreier pro Partie und trafen im Schnitt 9.5 pro Abend. Im Jahr davor waren es sogar 28.9 Versuche im Schnitt.

Das Ende vom Lied?
Diese Beispiele skizzieren zwar nur oberflächlich, wie sich das Spiel gewandelt hat, aber sie machen auch klar: die Entwicklung des Dreipunktewurfes ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Anzahl der genommenen Dreier wird auch in Zukunft weiterhin steigen... bis sich die Liga irgendwann gezwungen sieht, die Dreierlinie weiter nach hinten zu verschieben - weil der lange Ball eine zu große Rolle eingenommen hat und/oder die Schützen "zu gut" geworden sind.



Alle Stats via NBA.com