20 November 2014

20. November, 2014   |  Dusan Veljkovic


Chemie! Das hatten wir alle in der Schule. Es war nicht mein Lieblingsfach, aber trotzdem war es interessant zu sehen, was für Reaktionen verschiedenen Stoffe zusammen gemischt ergaben.

In der NBA und im Mannschaftssport allgemein redet man gerne von Teamchemie. Die richtigen Charaktere und Spielertypen ergeben zusammen ein perfektes Gemisch, einen Contender, siehe zum Beispiel Dallas 2011. Nicht der talentierteste Mavs-Kader, aber alles hatte einfach gepasst. 

Genauso führen die falschen Spieler zu einer explosiven Mischung, die früher oder später hochgeht und die Franchise sprengt.

Bei den Kings war letzteres in den letzten Jahren Programm. Das Talent war immer da, aber irgendwie haben die Charaktere und Spielertypen nie richtig zusammengepasst. Auch dieses Jahr wirkt der Kader noch unausgeglichen, aber charakterlich scheint diese Mannschaft einwandfrei zusammen zu passen.

Teamchemie ist das häufigste Wort, das im Zusammenhang mit dem besten Kings-Saisonstart seit knapp zehn Jahren fällt. Die Chemie sei so gut wie schon lange nicht mehr. Wurde Isaiah Thomas im Sommer genau deswegen geopfert?

Klare Statements gab es keine zur Trennung, nur Andeutungen und kleine Seitenhiebe. Thomas meinte, er sei froh bei einem Team zu sein, das seine Talente schätze. DeMarcus Cousins sagte aus, das Ballmovement sei so gut wie noch nie, seit er in Sacramento ist. Fakt ist definitiv: Thomas hat ein grosses Ego, grösser vermutlich als er selbst ist und genauso so gross wie Cousins Ego. Explosionsgefahr! Da man letzte Saison DeMarcus zum Franchiseplayer ernannt hat, musste Thomas gehen.

Offense, Gay/Cousins und der kleine Unterschied
Die Offensive rangierte knapp drei Wochen in den Top-10. Im Schnitt erzielt Sacramento 102.5 Punkte (Rang 11), das Offensiv-Rating liegt heute vor dem Duell gegen Chicago bei respektablen 103.8 (Rang 16). Bei den Trefferquoten aus dem Feld liegt das Team von Mike Malone dagegen nur im unteren Mittelfeld (44.2%), bei den Dreiern sogar weit abgeschlagen Letzte, sowohl bei der Trefferquote als auch bei den Treffern pro Spiel. 

Dafür zählen die Kings zu den Top-Teams bei der Freiwürfen, wo sie starke 80.3 Prozent treffen (Rang 4) und im Rebounding (46.6 Abpraller im Schnitt und die höchste Rebound-Rate der Liga).

Die Defense ist etwas besser geworden, aber Sac-Town gehört immer noch zum unteren Mittelfeld der Liga. Im Schnitt lässt man sich 102 Punkte einschenken (Rang 21), das Defensiv Rating liegt bei 103.9 (Rang 19).

Erschreckend dieses Bild: obwohl das Team besser zu harmonieren scheint, ist Sacramento bei den Assist wieder abgeschlagen Letzter (nur 18.2 Assists pro Spiel und dazu die niedrigste Assist-Rate weit und breit). Dazu passt, das man 15 TO pro Spiel produziert. Die Assist-zu-Turnover-Quote von 1.2 ist sehr, sehr mies (Rang 27).

Dennoch sind sechs Siege aus den ersten elf Partien beeindruckend. Getragen wird die Mannschaft vor allem von Cousins und seinem beinahe kongenialen Nationalmannschaftskollegen Rudy Gay. Gay und die Kings, das scheint gut zu passen - weshalb er wohl auch vor Kurzem eine Vertragsverlängerung unterschrieb.

21.8 PPG, 6.8 RPG, 3.6 APG, 86.3% von der Freiwurflinie und 20.6 PER... allesamt Career Highs für Rudy. Das bisherige Highlight war seine 40-Punkte Performance beim Sieg gegen die Trail Blazers. Der 28 Jahre alte Forward ist momentan in seiner Prime und akzeptiert die Rolle als Co-Star hinter DeMarcus Cousins. Die WM in Spanien hat die beiden eng zusammengeführt und zu einem der gefährlichsten und effektivsten Duos der NBA gemacht.


Cousins ist natürlich der klare Franchiseplayer und absolute Star dieser Mannschaft, und genau so spielt er auch: 22.5 PPG, 11.6 RPG, 1.5 BPG, ein PER von 27.3 und irre gute Quoten (50% aus dem Feld und 78% von der Linie)... das sind All-Star Zahlen! Woran er zwar noch dringend arbeiten muss, sind seine Ballverluste und Disziplin in der Defensive. Im Schnitt leistet er sich 4.7 Fouls pro Spiel, weshalb er nur knapp 30 Minuten pro Spiel absolviert.

Wenigstens sein ambitioniertes Vorhaben, nur fünf Technische Fouls in dieser Saison zu kassieren, ist intakt. Gegen die Spurs im vorletzten Spiel kassierte er sein zweites in der laufenden Saison, in der Partie zuvor gegen Memphis sein erstes. Die neue Reife bewies 'Boogie' im Spiel gegen die Suns, als er nach seinem sechsten Foul Coach Malone vehement zurückhielt, um ein mögliches Technisches Foul zu verhindern und den Sieg dadurch nicht zu gefährden. Cousins als 'ultimate judge of sanity'??? Die Welt explodiert in 3,2,1...

Der Unterschied: Darren Collison?
Was haben wir den Kopf geschüttelt. Thomas zu den Suns abgeschoben und als Nachfolger Darren Collison verpflichtet. Bei den Pacers und Mavs als Starter grandios gescheitert, und nun soll er das Spiel der Kings lenken? 

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei, und bei Collison scheint sich das ebenfalls zu bewahrheiten. Bei den Kings scheint er den Schritt vom Edel Back-Up zum Starter vielleicht tatsächlich zu schaffen. Im Schnitt legt er 15.5 PPG, 6.5 APG, 3.4 RPG und 1.7 SPG bei einem PER von 19.5 auf und ist drittbester Mann hinter Cousins und Gay. Das sind zwar immer noch nicht die gleichen Zahlen, die ein Thomas aufgelegt hat, aber wenn man die Spiele bisher beobachtet, scheint Collison besser neben die beiden Stars des Teams zu passen.


Sind die Kings for real?
Das fragte sich die NBA nach der Fünf-Spiele-Siegesserie der Kings, die unter anderem die Blazers, Clippers, Nuggets (2x) und die Suns nach 2OT und ohne den ausgefoulten Cousins schlagen konnten. Die Antwort folgte in den nächsten drei Partien auf dem Fuß, als Sacramento auswärts bei den Thunder, Mavericks und in einem Herzschlagfinale bei den Grizzlies verlor. 

Zwar konnte das Team danach zum ersten Mal nach 11 Heimniederlagen zu Hause den Champ aus San Antonio schlagen, aber im Westen braucht's einfach mehr, um 'for real' zu sein. Dort hat bekanntlich mit 50 Siegen noch lange kein Heimrecht, und mit 48 reicht's noch nicht mal für die Playoffs.

Die Kings sind besser, keine Frage. Sie sind wieder ernstzunehmen und kein Gegner mehr, den man mal eben so im Vorbeigehen schlägt, aber 'for real' sind sie noch nicht. Sacramento ist auf dem Weg dorthin, aber der Weg bleibt steinig und hart.