22 November 2014

22. November, 2014   |  Tiago Pereira  @24Sekunden


„Love is deeeeeeep in the Q“ schalt es vom Anschreibetisch der Cleveland Cavaliers. Die Stimmbänder des Co-Kommentator der Cavs, Austin Carr, sollten noch öfters das Publikum in Ektase versetzen. Nicht einmal, nicht zweimal, nicht dreimal, nicht viermal, nicht fünfmal, sondern sechsmal streckt die Bank der Cleveland Cavaliers drei Finger in die Luft, wenn Kevin Love sein Handgelenk in Richtung Pelikan Korbanlage abklappt.

Jubel schalt durch die Hallen der Quicken Loans Arena, als die Big Three der Cleveland Cavaliers die Monobrauen aus New Orleans zupfen. Dank Kevin Loves sechs verwandelten Dreiern und insgesamt 22 Punkten, badet das weingoldene Königreich in der Euphorie des ersten Heimsieges. Ob Love nach solchen Siegesarien kurz daran denkt, dass er fast ein kalifornischer Krieger gewesen wäre, anstelle von Ohios schönster Mätresse? Die Golden State Warriors hatten vor King James die Möglichkeit, Kevin Love aus seinem Winterschloss in Minnesota zu befreien. Alles was die Dubs dafür hätten tun müssen, wäre es Flip Saunders eine neue Eisprinzessin zu geben – Klay Thompson.

Die Krieger aus Oakland verzichteten auf den Aufbruch ins Neuland und damit auch auf den besten Power Forward der Liga. Liebe gibt es schließlich genug in der Bucht. Stattdessen verlängerten sie die Rechte an ihrem zweiten Splash-Bruder um weitere vier Jahre. Blut schien auch in Kalifornien dicker zu sein als Wasser. Keine Liebe für Warriors Fans, dafür durchschnittlich 17,5 Millionen Dollar Jahresgehalt für Klay Thompson. Wer zuletzt lacht, lacht eben in der Bay. 


Die deftige Gehaltserhöhung katapultiert den Shooting Guard prompt in die Top-25 der bestbezahlten NBA Spieler in der Saison 2015/16. 14,746 Millionen Dollar pro Jahr, viel Geld für einen Spieler, der bisher weder in ein All Star Team, noch in ein All NBA Team berufen wurde. Nur drei weitere Spieler besitzen höher dotierte Verträge als Klay, ohne ebenfalls eine hochrangige persönliche Auszeichnung vorzuweisen: Gordon Hayward, Eric Gordon und DeMarcus Cousins. Ratlosigkeit und Verärgerung zeichnete sich auf den sonnigen Gesichtern der kalifornischen Fans ab.

"Bob… you bleeeeeeeeew it!"... Bezahlt Bob Myers den Preis für ein Leben im westlichen Mittelmaß, oder ist die maximale Ratenzahlung die Hypothek eines Titelanwärters? Die Entscheidungen für Klay Thompson ist eine, die teilweise das grüne Moss hinaus geht. Liebe ist vergänglich, Familie bleibt für immer. Ein Glaube, an dem Dubsvater Bob Myers festhält. Klay Thompson ist mehr als nur ein gut geöltes Handgelenk, er ist Bestandteil eines Franchise Tag-Teams. Hinter der spritzigen Bruderschaft im Bay steckt mehr als nur eine Marketingidee. Stephen Curry und Klay Thompson sind die Meisterideologie der Golden State Warriors.

Dies ist der Grund warum Kevin und Cleveland zusammen gefunden haben, weil er nicht in Myers Blaupause passte. Es geht dabei nicht um Loves spielerische Fähigkeiten, sondern um das finanzielle und mentale Verhältnis zu Stephen Curry. 

Wer jetzt stöhnend den Kopf in den Nacken wirft und die Laier vom neuen TV-Deal vermeiden möchte, der möge dies tun und zu den bunten Graphiken weiter unten springen. Für den treuen Rest gibt es nur zwei Zahlen: 60-70 Millionen US-Dollar. Dies ist anno 2014 die Menge an Moneten, die der Ottonormal-Besitzer jährlich für sein gesamtes Team abdrücken muss (ohne Luxussteuern). 2017 würden dies Kevin Love und Stephen Curry zusammen überwiesen bekommen. Dies wird nämlich die horrend hohe Summe sein, die dann dem glücklichen Unterzeichner eines Maximalvertrages zusteht: knapp 30-35 Millionen US-Dollar.

Um das Ganze noch ein wenig in den Rahmen der Gegenwart einzubinden, hier eine simple Rechnung. Klay Thompson wird drei seiner vier Vertragsjahre unter den Richtlinien des neuen CBAs verbringen, sein durchnittliches Jahresgehalt von 17,5 Mio. $ unter dem künftigen (projizierten) 85 Mio. $ Cap, sind äquivalent zu 13,5 Mio. $ unter dem heutigen Cap. Möchte geraten werden, welchem NBA Akteur dieses Jahr 13,5 Millionen $ überwiesen werden? Die Antwort kommt: Josh Smith. *Ein Moment der Stille für Detroit*

Nicht nur, dass die Dubs mit Klays Vertragsverlängerung 40-50% an Gehaltsausgaben gegenüber Kevin Love einsparen, sie sichern sich somit auf Dauer den zweitbesten, vielleicht sogar besten Shooting Guard der Liga! Ja, ich habe es gesagt. Wenn Curry Batman ist, dann ist Thompson Superman! Die Frage nach dem Robin kann getrost nach Florida/Ohio abgeschoben werden. Wer Thompson immer noch für einen billigen Matt Damon Abklatsch hält, der verbachte die letzten Monate in den Trophäensälen des Staples Centers.

Klay weist in der ersten Phase der Saison in jeder nennenswerten Statistikkategorie Karrierehöchstwerte auf. Der Guard vollführt Leistungssaltos, bei denen sich das gesamte Team der OKC Thunder mehr als nur einen Ermüdungsbruch zuziehen würde. Mehr als fünf Punkte mehr pro Partie erzielt Splash Bruder Nr. 2, bei einer gesteigerten Wurfquote aus dem Feld, auch die Freiwürfe erfahren einen steilen Anstieg (von 2,3 auf 6 FTA; von 79,5 FT% auf 89%). Die weiterhin atemberaubenden Quoten von der Dreierlinie sowie die exzellente Verteidigung runden das All Star Gesamtpaket ab. 

Für sich alleine genommen würden Klays Leistungen den ersten Langschläfer zur Meisterschaft träumen, doch im Zusammenspiel mit Stephen Curry nimmt der Traum kein Ende. Die Splash Brüder dominieren die Liga und wirken dabei wie das harmonischste Duo seit J.D. und Turk. Vom Anfängerdasein kann bei den Dubs jedoch keine Rede mehr sein. Darum ist diese Saison auch nicht nach Playoff-Staffel eins Schluss! Das Vertrauen von Bob Myers in seine Schützlinge scheint sich ausgezahlt zu haben. Zeit für ein erstes Freudentänzchen...