25 November 2014

25. November, 2014   |  Philipp Landsgesell  @Phillyland


Was machen wir aus dem Start der Mavericks? Nach der knappen Auftaktniederlage beim Meister in San Antonio konnte mit Siegen über die Utah Jazz, New Orleans Pelicans und die Boston Celtics der Saisonstart positiv gestaltet werden, doch souverän wirkte das Auftreten der Texaner bisher noch nicht wirklich. Dass die Trail Blazers 35 Punkte in einem Viertel gegen die Mavericks erzielen durften, warf schnell die Frage auf, ob die Mannen um Dirk Nowitzki für einen tiefen Run in die Playoffs überhaupt gut genug verteidigen können. Wie gut sind die Dallas Mavericks wirklich? Abschließend gibt es noch meine persönliche Bewertung der Neuzugänge. 

Prunkstück Offensive
Genau wie ihre Nachbarn aus Houston setzen auch die Mavericks neben Dirks überragendem Midrange-Game und viel Pick & Roll vor allem auf Dreier und Korbleger. Die Mavericks haben das Personal dafür. Meistens schießen vier der fünf Spieler auf dem Parkett hochprozentig von jenseits der Dreierlinie. Die Aufstellung wird in der Regel von Tyson Chandler oder Brandan Wright komplettiert, die zu den besten Finishern am Ring in der Liga gehören.   

Nach den schon oben erwähnten Houston Rockets, werfen die Mavericks am zweitmeisten von „Downtown“ und treffen dabei 35% ihrer Würfe. Mehr als ein Viertel ihrer gesamten Punkteausbeute (26,1% um genau zu sein) kommen dabei von der Dreipunktelinie - Platz 6 in der Liga.  Und auch unter dem Korb scoren die Mavericks hochprozentig mit 66,4 Prozent.


Dass die Mavs hochprozentig aus dem Feld schießen, liegt vor allem am Ball Movement, das es gegnerischen Verteidigungslinien enorm schwer macht die Mavs zu schweren Abschlüssen zu zwingen. Mit insgesamt 341 Assists stehen die Mavericks mit weitem Abstand an der Spitze der Liga.  58,8 Punkte pro Spiel gehen einem Assist voraus. 

Doch kein Ball Movement funktioniert ohne Bewegung mit oder ohne Ball. Fast jeder Angriff wird mit einem Pick & Roll gestartet, meistens mit Chandler (69% FG) oder Wright (78% FG) als Blocksteller, oder aber Dirk, der meist nicht zum Korb rollt, sondern an der Freiwurflinie oder Dreierlinie den Ball verlangt. Mit Monta Ellis, Devin Harris und JJ Barea stehen dabei ideale Spieler im Kader, die die Blöcke bestmöglich ausnutzen können. Das Pick & Roll zwingt die Defensive zum Rotieren, und durch schnelles Passen wird entweder der Abroller oder der freie Schütze gefunden. Zudem begehen die Mavericks ligaweit die wenigsten Turnover. 

Gibt es weiterhin Feuerwerke?
Wenn man bedenkt, dass Chandler Parsons (41% aus dem Feld) und Jameer Nelson (35%) ihren Touch noch nicht wirklich gefunden haben, kann die Offensive noch besser werden. Natürlich werden Gegner die Offensive mit zunehmender Saisondauer besser scouten und den Mavs Optionen wegnehmen. Dank Rick Carlisles Kreativität kann das Team das aber kompensieren.

Die alles entscheidende Frage wird die Gesundheit der Spieler sein. Chandler, Nelson oder Harris verpassten schon in der Vergangenheit immer wieder viele Spiele. Auch Dirk Nowitzki ist mit seinen 36 Jahren nicht mehr der Jüngste. Das Risiko kann durch die enorme Tiefe des Kaders sicherlich etwas minimiert werden. So spielt Nowitzki die wenigsten Minuten seit seinem Rookie Jahr und kann sich länger schonen. Offensiv sollte für die Mavericks alles wie geschmiert laufen.

Ist die Defensive gut genug? 
Ein Basketballspiel muss auch in der Defensive bestritten werden, und dort haben die Mavericks ihre klaren Probleme. Es gibt Abende, wie in Houston, an dem nur 6 von 35 Dreipunktversuchen ihr Ziel fanden. In solchen Fällen muss normalerweise die Defensive Spiele gewinnen. Das klappt in Dallas bisher noch gar nicht. So furios die Offensive ist, so anfällig ist die Verteidigung. Bei vier der fünf Niederlagen schatten es die Blazers, Heat und die Rockets, Dallas unter oder bei knapp 100 Punkten halten - und gewannen so das Spiel. 

Tyson Chandler sagte nach der Pleite gegen die Indiana Pacers: "Man kann nicht jede Nacht versuchen, einfach mehr Punkte zu erzielen als der Gegner. Manchmal musst du dich auch auf deine Verteidigung verlassen können", und traf damit den entscheidenden Punkt. Verlassen können sich die Mavericks darauf noch nicht.

Die Mavericks lassen auf 100 Ballbesitze gerechnet 103 Punkte zu - nur Rang 13 in der NBA. Die Konkurrenten vor allem im Westen sind defensiv noch eine gutes Stück entfernt. Head Coach Rick Carlisle muss weiter experimentieren und auch die Zone immer wieder einwerfen. Kleiner Trost: auch im Meisterschaftsjahr 2011 wurde die Defensive besser, je länger die Saison dauerte. 

Noch ist es sicherlich zu früh, um eine erste Prognose für die Playoffs abzugeben. Gegen die Top- Teams tut sich Dallas bisher schwer. Dafür werden die Spiele gegen die schwächeren Teams meist souverän nach Hause gebracht. Die Dallas Mavericks können in dieser Saison sehr, sehr gut sein. Um diesen Schritt zur Elite zu tun muss sich die Defensive aber deutlich steigern. 

Wie schlagen sich die Neuzugänge?
Chandler Parsons: Die gefeierte Verpflichtung von den Houston Rockets befindet sich noch immer in der Findungsphase bei seinem neuen Arbeitgeber und konnte dem Spiel noch nicht so richtig seinen Stempel aufdrücken. Sehr gute Spiele wie gegen die Jazz, Pelicans und Boston folgten Spiele mit katastrophalen Quoten aus dem Feld, wie im zweiten Spiel gegen Utah (9% FG), Miami (11% FG) oder San Antonio (20% FG). Bis jetzt ist Parsons noch nicht in der Lage, die in ihn gesteckten Erwartungen zu erfüllen, doch ein Spieler seines Kalibers dürfte von Woche zu Woche besser werden. 

Tyson Chandler: Weil ihn in New York niemand (Melo) mehr wollte, holten sich die Mavericks in der Offseason ihren Center aus den Meisterschaftstagen zurück. Chandler ist der defensive Anker und schließt vorne hochprozentig am Ring ab. Ein enormes Upgrade zu Samuel Dalembert. Doch wie verletzungsfrei kann der 32-jährige bleiben? 

Al-Farouq Aminu: Der 24-Jährige, der bereits in seine fünfte Saison geht, ist in meinen Augen der spannendste Neuzugang der Mavs. Er gibt dem Team etwas, das sie sonst nicht haben: Verteidigung auf den Flügel-Positionen. Entwickelt er zudem ein passables Offensivspiel, könnte er ein echter Steal werden.   

JJ Barea: Der Veteran wurde als dritter Aufbau hinter Jameer Nelson und Devin Harris verpflichtet und kann seine Stärken im Pick & Roll wunderbar mit Tyson Chandler oder Brandan Wright ausspielen. Defensiv ist er immer noch sehr anfällig. 

Richard Jefferson: Noch läuft nichts in Dallas für den Veteranen zusammen, nur knapp 32 % getroffene Würfe sprechen eine deutliche Sprache. Sollte er seinen Touch finden, könnte er seinen Teil zur wertvollen Tiefe auf der Bank beitragen. Die Saison ist lang.

Jameer Nelson: Nach neun Jahren Orlando wollte Nelson endlich öfter nach Spielen als Gewinner vom Platz gehen. Nelson übernahm sofort die Starterrolle von Jose Calderon und teilt sich den Spielaufbau mit Monta Ellis. Obwohl sein Dreier auch noch nicht hochprozentig fällt, gibt er den Mavs eine weitere gefährliche Waffe von hinter der Dreipunktelinie, die besser nicht frei stehen gelassen wird. 

Charlie Villanueva: Der ehemalige UConn Huskie versucht in Dallas, seine Karriere nach verschenkten Jahren in Detroit wiederzubeleben. Viel spielen darf „Charlie V“ nicht, bislang versinkt er im tiefen Kader der Mavericks. Sollte es keine Verletzungen geben, dürfte sich daran nichts ändern.