27 Oktober 2014

27. Oktober, 2014   |  Alexander Aust


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Gewürge geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los  - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
48-34, Playoff-Aus in Runde eins

Plus
Bruno Caboclo, Will Cherry, Jordan Hamilton, Lucas Nogueira, Greg Stiemsma, Lou Williams

Minus
Quincy Acy, Steve Novak, John Salmons, Julyan Stone

Was ist Neu?
Noch vor einem Jahr passte der Kader der Raptors nicht wirklich gut zusammen und der Mannschaft fehlte eine klare Mentalität. Doch General-Manager-Magier wurde seinem brillanten Ruf einmal mehr gerecht und er schaffte es mit enormen Verhandlungsgeschick den unstimmigen Kader auszudünnen und gemeinsam mit Coach Dwayne Casey eine eingeschworene Truppe zu entwickeln, die eine Gewinnermentalität in sich trägt. Nach einem verkorksten Saisonstart beendeten die Dinos die Saison mit einer Bilanz von 41-21 und heimsten den Division Titel ein.

Konstanz hieß bei Kanadas einziger Basketball-Franchise daher Fortschritt. Der größte Erfolg war daher die Vertrags-Verlängerung mit dem wirbelnden Derwisch Kyle Lowry, der nicht nur das Herz, sondern auch den Motor des Teams stellt. 

Der Kader wurde diesen Sommer konsequent und punktuell ergänzt. Die Mannschaft agiert weiterhin klassisch, es gibt klare Hierarchien und eine geordnete Rollenverteilung. Es bleibt somit viel beim Alten. Die Rookies Bruno Caboclo und „Bebe“ Nogueira geben dem Team zwei weitere wertvolle Optionen und könnten sich mit entsprechenden Leistungen in die Rotation spielen. Die beiden Brasilianer werden sich den gegenseitig den Einstieg in die NBA erleichtern können und sich wie es bei Rookies unter Ujiris Regime die Regel ist, gut entwickeln.

Beste Addition
Lou Williams... Noch vor zwei Jahren gehörte „Sweet Lou“ zu den besten Bankspielern der Association und befand sich stets in den Diskussionen um den besten Sixth Man der Liga. Es bestehen zwar leichte Zweifel, ob der mittlerweile 27-Jährige an diese Leistungen anknüpfen kann und immernoch heiß laufen kann wie eine Mikrowelle; die Preseason war jedoch mit 14 Punkten in durchschnittlich 21 Minuten sehr verheißungsvoll. Findet der quirlige Shooting Guard seine Leistungen aus den Jahren 2010-2012 wieder, ist er für das Spacing und die offensive Potenz der Bank Torontos eine enorme Bereicherung.

Rising Star
DeMar DeRozan... Der Goldmedaillengewinner und erstmalige All-Star scheint weiter an seinem Spiel gefeilt zu haben. Er gehört mittlerweile vollkommen zurecht in die Diskussionen um die Crème de la Crème der besten Shooting Guards der NBA. Zu seiner unmenschlichen Athletik gesellen sich ein stark verbesserter Wurf, passable Defense und gehörig gestiegenes Selbstbewusstsein. Bei der FIBA-WM  hat der gebürtige Kalifornier viel Erfahrung gesammelt und souverän aufgespielt. Zu einem potentiellen Superstar fehlt dem 25-Jährigen jedoch noch eine durchdachtere Schussauswahl, da er sich zu viel auf schwierige Mitteldistanzwürfe einlässt und auch sein Dreier noch mehr als ausbaufähig ist (30,5 % von Downtown in 2013/2014). Die positive Entwicklung bis hin zu einem absoluten Franchise-Player ist jedoch zweifelsohne im Bereich des Möglichen. Die Saison können sich die Fans auf einen weiteren Leistungssprung des ehemaligen USC-Collegespielers erwarten.

Falling Fast
Landry Fields... Nach einem durchaus vielversprechenden Rookie-Jahr als Starter (9,7 Punkte kombiniert mit 39% Dreierquote) wurde Landry Fields vor vier Jahren schon eine lange Karriere als 'glue guy' und 3-and-D-Spezialist bescheinigt. Diese Meinung teilen heute nicht mehr viele Experten. In jeder der vergangenen drei Spielzeiten ging sein PER nach unten und auch die Effektivität des Small Forwards verschlechterte sich erheblich. Fields wird es ganz schwer haben, Minuten zu bekommen und mit seinen Talenten auf sich aufmerksam zu machen. Hinter Ross, DeRozan und James Johnson werden kaum Spielanteile für den 26-Jährigen abfallen.

Good News
+ Der dynamische Backcourt um die potentiellen All-Stars Lowry und DeRozan gehört ohne Frage zu den besten der Liga und wird durch Energiebündel Greivis Vasquez und die Shooter Terrence Ross und Lou Williams optimal ergänzt.
+ Dwayne Caseys Truppe lebt von ihrer herausragenden Gruppenchemie und dem harmonischen Zusammenspiel ihrer Stars. Das Team kennt sich und wird keine Eingewöhnungsphase wie die Bulls oder Cavaliers benötigen. Auch die Mischung aus ausgewogener Offensive und starker Defensive stimmt.
+ Die Mannschaft ist sehr jung und alle Starter haben noch deutliches Entwicklungspotential.

Bad News
- Die Mannschaft fliegt nicht mehr unter dem Radar und kein Team wird die Dinos diese Saison unterschätzen. Gegner werden besser auf sie eingestellt sein, die Frage ist wie vor allem die Starspieler darauf reagieren. Der Überraschungseffekt scheint verflogen.
- Die Youngster wirkten in den letztjährigen Playoffs überfordert und zu unerfahren. Es fehlt die Erfahrung und Abgeklärtheit in engen Spielen.
- Der Flügel ist in der Spitze stark besetzt, jedoch keineswegs in der Breite. DeRozan und Ross müssen hier vor allem oft defensiv aushelfen und verschwenden so wichtige Energie, die sie eigentlich für den Angriff benötigen

Man on the Spot
Jonas Valanciunas... Das große Center-Talent aus Litauen muss in dieser Spielzeit vor allem in der Offensive eine Schüppe drauf legen und den direkten Abschluss am Ring erzwingen. Letztes Jahr noch als primärer Ringbeschützer und Blocksteller eingesetzt, soll er nun mehr als nur die defensive Drecksarbeit verrichten- von ihm werden signifikant steigende Stats und weniger schwankende Leistungen über die Saison eingefordert. Der 22-jährige Sevenfooter überzeugte bei der Weltmeisterschaft in Spanien in diesem Sommer seine Kritiker, packte zudem ordentlich Muskelmasse auf seinen Körper und scheint die Eingewöhnungs- und Reifephase, die vor allem für Big Men in der NBA ganz normal ist, langsam hinter sich gelassen zu haben.

KGDCG
Landry Fields... Wessen Stats gehen seit der Rookie-Saison 2010 im Keller lachen? Wer baut sich trotzdem ein Turm aus Cash? Wer verdient in der kommenden Spielzeit mehr als zwei Starter zusammen genommen, obwohl er in der teaminternen Hierarchie irgendwo zwischen Bruno Caboclo und Greg Stiemsma gelandet ist? Wer hat nur zwei Dreier in den letzten beiden Jahren eingenetzt? Wer hat einen defekten Wurfarm und geht in seine vermutlich letzte NBA-Saison überhaupt? Was hat zwei Daumen und gibt auf all das 'nen *****? 

Stat-Salat
Im Osten hatte nur ein Team eine Top-10 Offense und Defense zu bieten - die Raptors (jeweils Platz 9 in den Effizienzrankings).

Was fehlt?
Den Raptors mangelt es vor allem Erfahrung und der Führung von Veteranen. Dem Team fehlt ein geborener Anführer mit Playoff-Routine, der die jungen Spieler unter seine Fittiche nimmt und mit gutem Beispiel vorangeht. Hier könnte eventuell ein Trade Abhilfe schaffen. 
Die Mannschaft ist zwar durchaus tief und doppelt besetzt, trotzdem wäre die Verletzung eines Lowry, DeRozan oder auch Valanciunas kaum bis gar nicht zu kompensieren, weil das Niveau der Rotationsspieler dahinter doch stark abflacht. 

Außerdem braucht die Mannschaft einen klaren 'go to guy', der das Spiel übernimmt und sich traut den entscheidenden Wurf zu nehmen, wenn die Schussuhr herunter tickt und das Spiel auf der Kippe steht. Ein DeMar DeRozan war dies bisher (noch) nicht.

Check 1,2
In Toronto entsteht etwas, die Klubführung hat eine klare Strategie und setzt auf einen Mannschaftskern, der sich weiter vorteilhaft entwickeln wird. Für das Vorstoßen in die Phalanx der Ostspitze wird es aber dieses Jahr noch nicht reichen. 

Der Teamerfolg steht und fällt mit der kommenden Leistung der Starspieler, die vergangenes Jahr beide Career-Seasons auflegten. Es bleiben die Fragen, wie satt Kyle Lowry nach dem Abschluss eines neuen üppigen Vertrags ist und ob DeMar DeRozan sein Spiel wirklich auf das nächste Level hieven kann.

Das Team ist zwar besser als letztes Jahr und mit mehr Erfahrung sowie wachsendem Selbstbewusstsein ausgestattet und sollte sich erneut die Krone der Atlantic Division mit einer Bilanz um die 50 Siege sichern. Spätestens nach der zweiten Playoff-Runde wird jedoch auch im schwachen Osten Schluss sein. Für mehr fehlt schlichtweg die Erfahrung und die Qualität im Frontcourt des Kaders. Trotzdem können die treuen „We the North“-Supporter um Edelfan Drake mit Begeisterung und Leidenschaft in die Zukunft ihrer Basketball-Franchise blicken und sich auf eine rosige Zukunft freuen.

Chef-Orakel
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Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch