26 Oktober 2014

26. Oktober, 2014   |  nbachefsquad  @nbachefkoch


Basketball, Baby! Nach monatelangem Stillstand, belanglosem Smalltalk und noch belangloserem Preseason-Gewürge geht es ab Dienstag endlich mit der echten, der richtigen, der einzig wahren NBA-Saison los - pünktlich zu unseren Previews:

Flashback
54-28, Conference Semifinals

Plus
Chris Kaman, Steve Blake

Minus
Mo Williams

Was ist Neu?
Vergangene Saison ritten die Trail Blazers los wie von der Tarantel gestochen. Ein irre gut aufspielender LaMarcus Aldridge brachte uns dazu, das Prädikat „soft“ abzulegen und ihn in den ersten Wochen als legitimen MVP-Kandidaten abzufeiern. Dieser Überraschungsmoment ist weg. Keiner unterschätzt mehr dieses virtuose Offensivteam unter der Leitung von Chefcoach Terry Stotts. Dieser lernte in den vergangenen Jahren unter Rick Carlisle, wie er die Stärken und Schwächen seines Teams am Besten ausspielt.

Die einzigen Neuerungen sind also marginaler Natur, denn der Großteil des Puzzles ist hier schon gelegt. Steve Blake und Chris Kaman sowie der diesmal von Anbeginn gesunde CJ McCollum verstärken die immer noch marode Ersatzbank, die zuletzt besser spielte als 2012/13, aber nach wie vor die unproduktivste der Liga war. 

Beste Addition
Chris Kaman... "You can’t teach height,  hat irgendeiner irgendwann mal gesagt. Kaman bringt Größe und etwas Radikalität unter dem Korb nach Portland und schlüpft in die immer vakante Backup-Center Rolle. Vergangene Saison brachte selbst ein völlig desinteressierter, 32-jähriger Alibi-Deutscher immer noch solide Leistungen in einem desolaten Lakers-Team. Auch wenn Kaman sich von seinen Double-Double All-Star Tagen weit entfernt hat, bringt er vermutlich bis an sein Karriereende zehn Punkte und fünf Rebounds zustande - einfach nur, indem er seine Arme hebt und 15 Minuten von links nach rechts mitläuft. 

Rising Star
Damian Lillard... Selten so einen Buzzerbeater gesehen? Wir auch nicht. Lillard hat Eier von der Größe Texas‘. Jeder, der ihm vor seiner Profikarriere die NBA-Tauglichkeit abgesprochen hatte, beißt sich jetzt in die Faust. Was nicht vergessen werden darf: letztes Jahr war erst seine zweite Saison. Mit den kommenden Jahren wird Lillard erfahrener, treffsicherer aus dem Feld und vermutlich auch defensiv zumindest durchschnittlich gut. Ein All-Star Point Guard, Meuchelmörder von Außen und einer der besten Anführer der Liga ist er schon heute. 

Falling Fast
Meyers Leonard... Der ehemalige Lotterie-Pick geht in seine mittlerweile dritte NBA-Saison und hat immer noch nicht den Hauch einer Ahnung, wie seine Rolle und sein Game in der besten Liga der Welt eigentlich aussieht. Er ist mobil und treffsicher genug, um als Screener im Pick & Roll und gelegentlicher Schütze aus der Mitteldistanz in Erscheinung zu treten, taucht dann aber minutenlang wieder völlig unter und gibt seinem Team gar nichts.

Good News
+ Die Starting Five zählt zu den besten, produktivsten und effektivsten der NBA
+ Die Teamchemie und vor allem das Vertrauensverhältnis zwischen Management, Coach und Mannschaft ist ausgezeichnet
+ Selbstvertrauen satt nach dem ersten Playoff-Serien-Erfolg seit 14 Jahren

Bad News
- schlechteste Ersatzgarnitur der Liga, bereits das zweite Jahre in Folge
- eine einzige Verletzung eines Leistungsträgers würde das gesamte Kartenhaus zum Einsturz bringen
- LaMarcus Aldridges anstehende Free Agency im kommenden Sommer bedeutet viel Lärm und viele Fragen, die von außen hinein getragen werden

Man on the Spot
LaMarcus Aldridge… und in den Spot gehört er auch, obwohl er da aus unerfindlichen Gründen (jaja, ich weiß, Portland ist ein kleiner Markt ganz im aus atlantischer Sicht umnachteten Westen) kaum mal erscheint. Spätestens die Über-Performance in Playoff-Runde eins machte aber auch dem Ignorantesten klar, dass Rip City einen der besten Vierer im Spiel sein eigen nennt. Die Frage ist: Wie lange noch? Denn LMA reitet auf einem auslaufenden Vertrag in die Saison 14/15. Zwar hat er bereits die Absicht betont, nach Möglichkeit seine Karriere in PDX zu beenden, aber wieviel solche Bekenntnisse ein Jahr vor dem großen Poker wert sind, hat die allein gelassene „Bruderschaft“ in Miami gerade schmerzhaft gelernt.

Wahr ist bei aller Lobhuddelei aber auch: Den Sprung zum absoluten Superstar hat Aldridge noch vor sich. Der spätere Meister aus San Antonio zeigte nicht nur, aber eben auch ihm, in Runde zwei 2014 seine Grenzen auf. Wann, wenn nicht im contract year sollte der Texaner den letzten Schritt machen? Vertragsjahr hin, Lillard her: Portland kommt nur so weit, wie Aldridge es trägt.

KGDCG
Chris Kaman... Es ist erstaunlich, wie lange dich körperliche Größe und das gelegentliche Aufblitzen von offensivem Können in der Liga halten können. Nachdem Chris sich seine Zeit im Land der Moviestars vertrieben hat, wird es Zeit für ihn, wieder ernst zu werden. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass er lieber in Oregon auf Wildschweine schießen geht.

Stat-Salat
Nur 20,5 Punkte pro Spiel erzielten die Blazers nach einem Drive zum Korb. Kein Team zog weniger in die Zone. Insbesondere auf den Flügelpositionen herrscht hier Nachholbedarf, da Damian Lillard in den Top-20 vertreten war.

Was fehlt?
Es ist eine Binsenweisheit, aber trotzdem wahr: Eine produktive Bank. Der Tausch von Mo Williams gegen Blake und die Addition von Ringbeschützer (nicht!) Kaman sind Tropfen auf einen glutheißen Stein. Der Stein ist so heiß wie sonst nur die Beine der überbeanspruchten Starting Five. Dass Aldridge, Lillard und Kumpane nochmal zusammen annähernd 400 Spiele in den Bogen schreiben, ist schon nach simpler Stochastik kaum zu erwarten.

Es bleibt das Prinzip Hoffnung. Auf den vielbeschworenen nächsten Schritt von McCollum, Robinson und – man wagt es kaum zu sagen – Leonard. Dass die Kings-Gedächtnis-Entscheidung, die Option für das nächste Vertragsjahr bei Letzterem zu ziehen und bei Ersterem stecken zu lassen dem zum Wandervogel verkommenen Robinson bei seiner Entwicklung wirklich hilft, darf man aber mit Gründen bezweifeln. Und auf die Milde des Basketballgottes hoffen, dass man mit Roy und Oden sein Verletzungspech für die nächsten 150 Jahre aufgebraucht hat.

Check 1,2
Die Blazers spielten eine nahezu perfekte Saison. Wie wahrscheinlich ist es, dass alle Protagonisten noch einmal so gesund durch 82 Spiele gehen und Stotts seine miese Bank kaum bis gar nicht beanspruchen muss?

Natürlich: Portland ist auch im starken Westen ein klares Playoff-Team und dank des monatelangen Ausfalls von Kevin Durant bei Oklahoma City sogar der frühe Favorit in der Northwest Division. Aber die Konkurrenz schläft nicht, und um auf den Erfolgen des Vorjahres aufzubauen, muss diese Mannschaft fast am Limit agieren.

Ist ein Platz unter den ersten Vier realistisch? Dazu muss schon der Division-Titel her. Um den auch tatsächlich zu ergattern, müssen Lillard, Batum und Lopez einen weiteren kleinen Schritt nach vorne machen, Aldridge in seinem Vertragsjahr für die ganz große Kohle aufspielen und die Ersatzbank mehr als 23 Punkte pro Abend auflegen.

Es wäre vermessen, mehr als die 54 Siege aus dem Vorjahr zu erwarten. Die Blazers haben aber immerhin das Selbstvertrauen, mit dieser Formation schon eine Playoff-Serie gewonnen zu haben. Das hat kein Team in Portland mehr geschafft seit der Saison 1999/2000. Eine Rückkehr ins Conference Halbfinale wäre bereits ein toller Erfolg. 

Chef-Orakel
53-29



Stat-Salat via @TwoWayGame
KGDCG aka. 'Keep Getting Dem Checks' Guy via @sch_rom & @nbachefkoch